Beaujolais

Chablis, Auxerre und Umgebung, Côte de Nuits, Côte de Beaune, Châlonnais, Maconnais, Beaujolais und Lyonnais
Benutzeravatar
octopussy
Beiträge: 4405
Registriert: Do 23. Dez 2010, 10:23
Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken
Wohnort: Hamburg

Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

innauen hat geschrieben:habt Ihr eigentlich schon vertiefte Erfahrungen mit dem Jahrgang 2012 gemacht? Was sagen die Auguren?
Hallo Wolf,

ich hab bislang nur ein paar Weine probiert (Diochon MaV Tradition, Rottiers MaV & Dernier Souffle, Chanrion CdB, Sunier Fleurie, Regnié, Morgon, Chermette Beaujolais "Coeur de Vendanges" & Fleurie Poncié, Mêtras Beaujolais). Bei den Weinen, bei denen ich den Jahrgangsvergleich habe (Rottiers, Diochon, Chanrion, Chermette Fleurie), haben mir die 2011er durch die Bank besser gefallen. Bislang ist mein Eindruck, dass die Weine schlanker sind als in 2011, säuretbetonter und vielleicht auch etwas frischer.
Beste Grüße, Stephan
Benutzeravatar
innauen
Beiträge: 3515
Registriert: Mi 3. Nov 2010, 11:33
Wohnort: Berlin

Re: Beaujolais

Beitrag von innauen »

octopussy hat geschrieben:
ich hab bislang nur ein paar Weine probiert (Diochon MaV Tradition, Rottiers MaV & Dernier Souffle, Chanrion CdB, Sunier Fleurie, Regnié, Morgon, Chermette Beaujolais "Coeur de Vendanges" & Fleurie Poncié, Mêtras Beaujolais).
ha.ha. Nur ein paar Weine. Vielen Dank. Die empirische Grundlage für Deine Betrachtung scheint mir ausreichend gefestigt zu sein :D Da ich mehr auf einer Stilistik wie 2005 und 2009 stehe, scheint der Jahrgang für mich wohl eher nichts zu sein :? Schade. Dann gibt es nur ein paar Problefläschchen.

Grüße und vielen Dank,

wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
Ole
Beiträge: 191
Registriert: Mi 15. Dez 2010, 13:56

Re: Beaujolais

Beitrag von Ole »

Also zunächst einmal: Was die Quantität angeht, ist 2012 für viele Beaujolais-Winzer desaströs! Über den Daumen gepeilt: Es wurde etwa die Hälfte der durchschnittlichen Erntemenge eingebracht, zum Teil aufgrund brutalen Hagels. Das ist aber für die Qualität kein Nachteil. Ich habe nicht so viele 2012er probiert wie Stephan, würde aber sagen, daß 2012 als keineswegs schlechter, sondern als solider, durchaus ernst zu nehmender, dabei typischer Jahrgang anzusehen ist. Typisch heißt auch, daß er säurebetonter und schlanker ist als etwa die 2005er, 2009er oder gar 2003er. Mir erscheinen die 2012er im einzelnen im Moment schwer zu beurteilen, sind halt sehr jung und kommen deshalb (?) etwas ruppig daher – vor allem vor dem Hintergrund der m. E. sehr harmonischen 2011er, liegen eher bei roter Frucht als bei schwarzer (2005 und 2009), gehen also eher in Richtung 2010 und haben vermutlich Lagerpotential. 2010 wird ja von diversen Winzern eine größere Lagerfähigkeit zugesprochen als 2009. Man sollte Geduld haben und dem 2012er eine Chance geben, er wird sicher eines Tages besser dastehen als 2007 und 2008!
Ole
Benutzeravatar
octopussy
Beiträge: 4405
Registriert: Do 23. Dez 2010, 10:23
Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken
Wohnort: Hamburg

Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Ole hat geschrieben:Also zunächst einmal: Was die Quantität angeht, ist 2012 für viele Beaujolais-Winzer desaströs! Über den Daumen gepeilt: Es wurde etwa die Hälfte der durchschnittlichen Erntemenge eingebracht, zum Teil aufgrund brutalen Hagels. Das ist aber für die Qualität kein Nachteil. Ich habe nicht so viele 2012er probiert wie Stephan, würde aber sagen, daß 2012 als keineswegs schlechter, sondern als solider, durchaus ernst zu nehmender, dabei typischer Jahrgang anzusehen ist. Typisch heißt auch, daß er säurebetonter und schlanker ist als etwa die 2005er, 2009er oder gar 2003er. Mir erscheinen die 2012er im einzelnen im Moment schwer zu beurteilen, sind halt sehr jung und kommen deshalb (?) etwas ruppig daher – vor allem vor dem Hintergrund der m. E. sehr harmonischen 2011er, liegen eher bei roter Frucht als bei schwarzer (2005 und 2009), gehen also eher in Richtung 2010 und haben vermutlich Lagerpotential. 2010 wird ja von diversen Winzern eine größere Lagerfähigkeit zugesprochen als 2009. Man sollte Geduld haben und dem 2012er eine Chance geben, er wird sicher eines Tages besser dastehen als 2007 und 2008!
Ole
Hi Ole,

schlecht ist 2012 keineswegs. Aber ich denke, gerade bei Beaujolais gehen die Geschmackspräferenzen stark auseinander (siehe auch die Diskussionen in unserer letzten Runde zu dem Château des Jacques Wein). Während es den einen nicht schlank genug sein kann, ist anderen eine etwas kräftigere Säure gepaart mit dem bei einigen Beaujolais (z.B. Fleurie, Chiroubles) ohnehin recht schmalen Körper in schlankeren Jahrgängen einfach zu "wenig Wein". Ich persönlich finde einfach die 2011er durch die Bank so sensationell gut (und habe davon mehr als reichlich eingekauft), dass es nicht schwer fällt, bei den 2012ern etwas kürzer zu treten (zumal mit 2013 noch ein etwas schlankerer Jahrgang kommt).
Beste Grüße, Stephan
Ole
Beiträge: 191
Registriert: Mi 15. Dez 2010, 13:56

Re: Beaujolais

Beitrag von Ole »

Ja, Stephan, mit dem Kürzertreten bei 2012 halte ich es wie Du. 2011 ist der deutlich bessere – und ein toller Jahrgang!
Ole
Benutzeravatar
octopussy
Beiträge: 4405
Registriert: Do 23. Dez 2010, 10:23
Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken
Wohnort: Hamburg

Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Eigentlich ist dieser Thread mit 28 Seiten total unübersichtlich, aber "aufräumen" nach Crus wird im Zweifel auch mühsam. Deshalb arbeiten wir mal auf Seite 29 hin ;).

Nochmal zum Jahrgang 2012 (wobei ich Jahrgangsgeneralisierungen zunehmend weniger aussagekräftig finde, da der Winzer immer wichtiger ist als der Jahrgang):

In der neuen Ausgabe der Bourgogne Aujourd'hui ist auch wieder eine neue Ausgabe "Beaujolais Aujourd'hui" enthalten, die sich ausführlich dem Jahrgang 2012 widmet. In aller Kürze:

- sehr kleine Erntemenge (die größten Ausfälle gab es in Regnié, Moulin-à-Vent, Fleurie, Chénas und Chiroubles), durchschnittlich ca. 40% Ernteeinbuße
- recht konzentrierte und dichte Weine (das konnte ich bislang so nicht feststellen)
- viel Frische (das konnte ich ebenfalls feststellen)
- homogen über alle Appelationen hinweg.

Die Favoriten aus der Verkostung sind die folgenden, wobei man wissen muss, dass Bourgogne Aujourd'hui relativ bewertet, d.h. nur innerhalb des Jahrgangs und nur innerhalb der Appelationen. Ein Moulin-à-Vent wird also nicht mit einem Fleurie oder einfachen Beaujolais verglichen. Die Preise sind Ab-Hof-Preise.

Pascal Aufranc - Julienas Probus (13 €) - 19 P
Domaine de la Beche - Régnié (5 €) - 19 P
Domaine de la Beche - Morgon vieilles vignes (5,50 €) - 17,5 P
Domaine Berrod - Moulin-à-vent (7,60 €) - 17,5 P
Domaine de la Chaponne - Chiroubles La Forge (6,50 €) - 17,5 P
Domaine Bergeron - Julienas Réserve de Noëlle (8,90 €) - 18 P
Domaine Bergeron - Moulin-à-vent Tradition (8,10 €) - 17,5 P
Château Thivin - Côte de brouilly cuvée Zaccharie (18,30 €) - 18 P
Château Thivin - Côte de brouilly La Chapelle (14,30 €) - 17,5 P
Vins Georges Duboeuf - Chénas - 18,5 P
Vins Georges Duboeuf - Chiroubles - 17,5 P
Domaine des Chers - Julienas vieilles vignes (8,50 €) - 17,5 P
Louis-Claude Desvignes - Morgon Côte du Py (14 €) - 18 P
Laurent Gauthier - Morgon Côte de Py (13,50 €) - 17,5 P
Raphael Chopin - Morgon Archambault (11 €) - 18 P
Domaine de Gry-Sablon - Moulin-à-vent vieilles vignes (9,50 €) - 17,5 P
Thibault Liger-Belair - Moulin-à-vent La Roche - 19,5 P
Thibault Liger-Belair - Moulin-à-vent Les Vignes Centenaires - 19 P
Thibault Liger-Belair - Moulin-à-vent vieilles vignes - 18 P
Dominique Jambon - Régnié (5,40 €) - 18 P
Dominique Jambon - Morgon (5,80 €) - 17,5 P
Domaine Labruyère - Moulin-à-vent Le Clos Monopole (24 €) - 17,5 P
Domaine des Marrans - Chiroubles vieilles vignes (9 €) - 18 P
Domaine des Marrans - Juliénas (9 €) - 18 P
Château Bonnet - Chénas (7,50 €) - 18 P
Richard Rottiers - Moulin-à-vent Dernier Souffle (13 €) - 17,5 P
Jean Paul Brun (Terres Dorées) - Fleurie (15,50 €) - 18,5 P
Jean Paul Brun (Terres Dorées) - Morgon (12,50 €) - 17,5 P
Terroirs et Talents - Fleurie Château de la Terrière (8,50 €) - 17,5 P
Lucien Lardy - Fleurie Les Roches (12 €) - 19 P
Vins des Broyers - Morgon (8,50 €) - 17,5 P
Domaine Ruet - Brouilly Voujon (8 €) - 18,5 P
Beste Grüße, Stephan
m_arcon
Beiträge: 450
Registriert: Mo 24. Sep 2012, 21:52

Re: Beaujolais

Beitrag von m_arcon »

Gestern und heute meinen ersten Wein aus dem Beaujolais im Glas gehabt. Schade, dass ich es nicht früher geschafft habe einen dieser Weine zu probieren, entspricht das Profil, dass anscheinend die meisten dieser Weine mit sich bringen, meinen Vorstellungen. Eher subtile, mit Säure ausgestattete und mehr auf der roten Frucht stehenden Weine. Außerdem bin ich vom Thema "Natural-Wines" mehr und mehr fasziniert. Da trifft es sich gut das viele Winzer in dieser Region Frankreichs entsprechend arbeiten und ihre Weine ungeschönt und ungefiltert (wie hier) auf die Flasche ziehen.
Meiner ersten Beaujolais hab ich mir aus Paris mitgebracht. Jean Foillard ist wahrlich kein Unbekannter mehr und so war ich gespannt was er so auf die Flasche gebracht hat.

Bild

Ich muss sagen, dass der Wein mir wirklich zugesagt hat. Begeisterungsstürme hat er aber auch nicht ausgelöst, aber ich werde mich wohl noch öfter an der Region versuchen, ist das Preis-Leistungsverhältnis hier wirklich noch mit eines der Besten wo ich kenne.


Cheers
Marc
Benutzeravatar
octopussy
Beiträge: 4405
Registriert: Do 23. Dez 2010, 10:23
Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken
Wohnort: Hamburg

Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Hallo Marc,

willkommen in der wunderbaren Welt des Beaujolais :). Den 2010 Fleurie von Jean Foillard kenne ich noch nicht, ich denke, ich werde ihn wohl auch nie probieren, denn im Gegensatz zu den Morgons von Foillard ist der Fleurie echt schwer zu finden. Den 2009er hatten wir in einer von Oles 2009 Fleurie Proben letztes Jahr, wo er in den Top 5 von mehr als 20 Weinen gelandet ist. Ein echt toller Wein. Aus 2010 habe ich von Foillard bislang den Morgon und den Morgon Côte du Py getrunken, beide gut, aber viele 2010er sind derzeit etwas zickig, brauchen viel Luft, um sich zu harmonisieren. Die sind derzeit bei mir eher hinten im Trinkregal.
Beste Grüße, Stephan
Burzuko
Beiträge: 206
Registriert: So 19. Dez 2010, 16:28
Wohnort: Hamburg

Re: Beaujolais

Beitrag von Burzuko »

Moin Stephan,

ganz nach hinten ins "Trinkregal" kann man derzeit auch den 2011er Moulin a Vent "Dernier Souffle" von R. Rottiers stellen! Vielleicht irre ich mich und er wird erst heute Abend, am 2. Tag so richtig aufblühen. Jedenfalls ist diese Flasche nicht mit der, die wir zusammen im Dezember probiert haben zu vergleichen. Kaum Säure, nicht die Spur von Mineralität, lediglich eine leicht plumpe Frucht konnte ich dem Wein gestern entlocken. :?
Mit Luft tat sich da auch nicht viel, ziemlich sperrig wirkte er sogar nach etwa 2h.
Beginnt nun evtl. die Verschlussphase bei einigen 2011ern oder lag es an "meiner" Flasche?
Ganz ähnlich erging es mir übrigens am Wochenende mit dem 2011er Côte de Brouilly "7 vignes" von Thivin. Dieser präsentierte sich nicht mehr ganz so charmant wie im letzten Herbst, bot aber durchaus noch etwas Trinkspass.
Wenn zusätzlich zu den 2010ern jetzt auch noch die 2011er "rumzicken" werde ich ein Problem haben, da ich einfach zu wenig 2009er im Keller habe...

Gruß
George
Burzuko
Beiträge: 206
Registriert: So 19. Dez 2010, 16:28
Wohnort: Hamburg

Re: Beaujolais

Beitrag von Burzuko »

Hallo,

ich muss kurz was zum R. Rottiers "Dernier Souffle" 2011 ergänzen. Der Wein steht heute super da, ist wie ausgewechselt bzw. wie ich ihn in Erinnerung hatte! Unglaublich frisch+saftig, nicht so auf der Fruchtseite, eher fein und mit einer gehörigen Portion Mineralik. Jetzt auch deutlich raus zu schmecken: Erde und Waldboden. Der macht jetzt richtig Spaß!


Gruß
George
Antworten

Zurück zu „Burgund und Beaujolais“