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Re: Wagner-Stempel
Verfasst: So 11. Okt 2026, 21:24
von Bernd Schulz
Die Weine vom Seehof kenne ich ja auch einigermaßen, da sie sich im Programm einer meiner bevorzugten Fachhandelsquellen (PdP) befinden und zudem alles andere als überteuert sind. Ich habe sie durchaus geschätzt, aber für mich hat Florian Fauth nie ganz in der Liga von Daniel Wagner gespielt. Und inzwischen bevorzuge ich Sachen, bei denen möglichst wenig in der Zutatenliste steht - Florian Fauth säuert gerne auf, und das ist z.b. auch bei seiner 25er Scheurebe der Fall, bei der von Daniel Wagner dagegen nicht (jedenfalls laut Zutatenangabe). Nun schreckt mich Milchsäure und Zitronensäure als Zusatz längst nicht so ab wie CMC, aber trotzdem handelt es sich um eine Art von Kosmetik. Ich mag es auch nicht, wenn Frauen sich schminken.....
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Wagner-Stempel
Verfasst: So 11. Okt 2026, 22:09
von EThC
port_ellen hat geschrieben: ↑So 11. Okt 2026, 21:01
das ist lustig, bei mir waren es immer die weine vom seehof, die mir etwas belanglos und crowdpleaserig vorkamen und für meinen geschmack auch im basisbereich etwas zu viel restzucker und plakativ. ich gebe allerdings zu, das weingut zuletzt (ab den 20ern) nicht mehr verfolgt zu haben, evtl. kann ich da auch noch dazulernen...
...auch beim Seehof ist für mich nicht alles "3er"-würdig, da gab's auch schon einiges, das etwas gegen meine Vorlieben gestrickt war, aber hier geht's ja gerade um Scheureben, und die fand ich immer herausragend, ganz besonders die 21er Orts-Scheu. Überhaupt sind die 21er bis dato alle hervorragend, die Sachen aus wärmeren Jahren sind mir dann aber schon mal zu extraktreich, das ist dann eher was für meine Gäste, aber für die brauch ich schließlich auch was.
Bernd Schulz hat geschrieben: ↑So 11. Okt 2026, 21:24
aber für mich hat Florian Fauth nie ganz in der Liga von Daniel Wagner gespielt.
...was die Rieslinge angeht, ist da W-S auch aus meiner Sicht in der Regel finessenreicher, aber nicht um Welten. Wobei der preisliche Abstand aber auch deutlich ist.
Bernd Schulz hat geschrieben: ↑So 11. Okt 2026, 21:24
Florian Fauth säuert gerne auf, und das ist z.b. auch bei seiner 25er Scheurebe der Fall, bei der von Daniel Wagner dagegen nicht (jedenfalls laut Zutatenangabe). Nun schreckt mich Milchsäure und Zitronensäure als Zusatz längst nicht so ab wie CMC, aber trotzdem handelt es sich um eine Art von Kosmetik.
...ich bin letztlich zu sehr Amateur, um das allumfassend bewerten zu können, aber die Aufsäuerei würde ich jetzt nicht per se in die Kosmetikschublade stecken...
Re: Wagner-Stempel
Verfasst: So 11. Okt 2026, 22:28
von Bernd Schulz
EThC hat geschrieben: ↑So 11. Okt 2026, 22:09
...was die Rieslinge angeht, ist da W-S auch aus meiner Sicht in der Regel finessenreicher, aber nicht um Welten. Wobei der preisliche Abstand aber auch deutlich ist...
Bei den höherwertigen Rieslingen finde ich den preislichen Abstand ebenfalls deutlich, bei der 25er Scheurebe ist er jedoch nicht so gewaltig groß (9,90 versus 11,50 ).
EThC hat geschrieben: ↑So 11. Okt 2026, 22:09
...ich bin letztlich zu sehr Amateur, um das allumfassend bewerten zu können, aber die Aufsäuerei würde ich jetzt nicht per se in die Kosmetikschublade stecken...
Ich bin auch nur Amateur

, aber unter "Kosmetik" fallen für mich alle Zusätze, die aus "existenziellen" Gründen nicht notwendig sind, sondern lediglich der vermeintlichen oder tatsächlichen Verhübschung des Geschmacksbilds dienen. Eine 25er Scheurebe mit zusätzlicher Säure (bzw. sogar zwei zusätzlichen Säuren

) versehen muss man nach meinem Dafürhalten eher nicht, damit der Wein stabil bleibt. Gemacht wird das aus rein geschmacklichen Gründen, und damit handelt es sich nach meinen Begriffen um eine Art von Styling, welches ich zwar nicht radikal ablehne, aber auch nicht mit großer Begeisterung begrüße.
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Wagner-Stempel
Verfasst: Mo 12. Okt 2026, 07:17
von EThC
Bernd Schulz hat geschrieben: ↑So 11. Okt 2026, 22:28
Eine 25er Scheurebe mit zusätzlicher Säure (bzw. sogar zwei zusätzlichen Säuren

) versehen muss man nach meinem Dafürhalten eher nicht, damit der Wein stabil bleibt.
...ich weiß es nicht, ich hab den Wein nicht gemacht und auch nicht mit dem Winzer darüber geredet, deshalb gehe ich unschuldsvermutungsmäßig hier erst mal von guten Gründen und nicht automatisch von Kosmetik aus...
Re: Wagner-Stempel
Verfasst: Mo 12. Okt 2026, 14:03
von UlliB
Ein paar Worte zur Verwendung von Zitronensäure bei der Weinbereitung.
Zitronensäure ist im Vergleich zu den anderen drei zulässigen Säuren (Weinsäure, Äpfelsäure, Milchsäure) hinsichtlich der Einsatzmenge sehr eng begrenzt. Der fertige Wein darf maximal 1 Gramm Zitronensäure pro Liter enthalten, und da der Traubenmost ohnehin schon bis zu einem halben Gramm pro Liter natürliche Zitronensäure enthält, wird man die Einsatzmenge vorsichtshalber auf maximal ein weiteres halbes Gramm pro Liter beschränken, wenn man nicht die Verkehrsfähigkeit des Endproduktes riskieren möchte. Im praktischen Einsatz dürfte es meistens noch weniger sein, nämlich gerade so viel, um den Einsatzzweck zu erreichen.
Der typische Einsatzzweck von Zitronensäure ist die Absenkung des pH-Wertes im Most unter einen kritischen Wert, oberhalb dessen die Gefahr von Fehlgärungen deutlich erhöht ist. Man kann diesen Effekt auch mit den drei anderen Säuren erreichen, aber diese haben gegenüber der Zitronensäure jeweils spezifische Nachteile (eine nähere Erläuterung würde hier zu weit führen).
Der fertige Wein wird durch den Zitronensäureeinsatz zwar minimal saurer sein als ohne, aber angesichts der geringen Zusatzmenge so wenig, dass der Effekt sensorisch keine große Rolle spielen wird. Insofern kann man hier nicht von Kosmetik reden, sondern nur von einer Sicherheitsmaßnahme.
Wenn allerdings neben der Zitronensäure auch noch weitere Säure(n) zum Einsatz kommen wie bei der Seehof-Scheurebe, kann man davon ausgehen, dass die gezielt zur Beeinflussung der Sensorik eingesetzt werden. Ob man das toleriert oder nicht ist eine Frage der persönlichen Einstellung zum "Naturprodukt" Wein.
Gruß
Ulli
Re: Wagner-Stempel
Verfasst: Mo 12. Okt 2026, 17:57
von amateur des vins
Danke, Ulli!
Wieder was gelernt, wie so oft bei Deinen Beiträgen.
Re: Wagner-Stempel
Verfasst: Mo 12. Okt 2026, 18:12
von Bernd Schulz
Ulli, vielen Dank für deine Ausführungen zum Einsatz von Zitronensäure! Mal wieder etwas gelernt, was ich wirklich nicht wusste!
Beim Seehof findet sich allerdings immer wieder die Kombination von Zitronen- und Milchsäure, und zwar nicht erst bei den 25ern, sondern nach meinen Beobachtungen auch schon bei den 2024ern (wobei die Rieslinge nicht aufgesäuert wurden

, sondern Weißburgunder, Auxerrois und eben die Scheurebe).
UlliB hat geschrieben: ↑Mo 12. Okt 2026, 14:03
Ob man das toleriert oder nicht ist eine Frage der persönlichen Einstellung zum "Naturprodukt" Wein.
So sehe ich das auch. Und ich toleriere die Praxis des Aufsäuerns in dem Sinne, dass sie für mich keinen prinzipiellen Auschlussgrund bei meinen Einkäufen darstellt. Grundsätzlich bin ich bereit, auch aufgesäuerte Weine zu erwerben, aber in der Praxis verhält es sich so, dass ich beim Einkauf ja irgendwie filtern muss, und wenn ich mich zwischen zwei ähnlichen Weinen (wie z.b. zwei trockenen rheinhessischen Scheureben aus 2025) entscheiden muss, greife ich dann doch weit eher zu dem Wein, bei dem auf der Zutatenliste neben den Trauben und den Sulfiten keine weiteren Zusätze auftauchen.
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Wagner-Stempel
Verfasst: Mo 12. Okt 2026, 19:59
von EThC
Bernd Schulz hat geschrieben: ↑Mo 12. Okt 2026, 18:12
Grundsätzlich bin ich bereit, auch aufgesäuerte Weine zu erwerben, aber in der Praxis verhält es sich so, dass ich beim Einkauf ja irgendwie filtern muss, und wenn ich mich zwischen zwei ähnlichen Weinen (wie z.b. zwei trockenen rheinhessischen Scheureben aus 2025) entscheiden muss, greife ich dann doch weit eher zu dem Wein, bei dem auf der Zutatenliste neben den Trauben und den Sulfiten keine weiteren Zusätze auftauchen.
...das teile ich im Kern, allerdings kommt bei mir noch der Faktor "schmegge musses" dazu, da kann sich das mit "aufgesäuert - ja oder nein" schon relativieren. Dummerweise weiß ich zum Zeitpunkt des Einkaufs nicht immer, wie's denn schmeckt, Dilemma!
Re: Wagner-Stempel
Verfasst: Mo 12. Okt 2026, 20:28
von Bernd Schulz
EThC hat geschrieben: ↑Mo 12. Okt 2026, 19:59
Dummerweise weiß ich zum Zeitpunkt des Einkaufs nicht immer, wie's denn schmeckt, Dilemma!
Ich weiß, wenn ich Wein bestelle, eigentlich selten genau, wie es schmeckt, da ich immer wieder neue Sachen ordere. Nachkauf kommt vor, aber nicht besonders häufig.
Mein Geschwätz von vorhin muss ich jetzt doch relativieren: Ich war ja gar nicht gezwungen, mich zwischen der Scheurebe von Wagner-Stempel und der vom Seehof zu entscheiden, sondern ich hätte auch einfach beide Weine bestellen können. Der direkte Vergleich wäre sogar besonders interessant gewesen......
Herzliche Grüße
Bernd