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Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 11:33
von UlliB
Nicht überzeugen konnte vor zwei Tagen ein 2012er Hühnerberg Kabinett trocken. Sowohl in der Nase als auch im Gaumen sehr zurückhaltend, merkwürdig matt und schwunglos, gar eine zarte Andeutung erster Reifetöne. Eine problematische Flasche? Oder in einer launischen Phase, die ich bei Müllens Weinen immer wieder erlebe - eine Flasche top, eine andere vom gleichen Wein ein paar Monate später verkostet flop?
Es sind jetzt noch zwei Flaschen da. So bald mache ich die nicht auf.
Gruß
Ulli
Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 13:05
von Bernd Schulz
Ich hatte gestern abend auch nicht so viel Glück mit dieser Flasche:
Vermutlich handelt es sich hier wirklich um größere Flaschenvarianzen; da ich noch zwei Exemplare dieses Weins besitze, lässt sich das einigermaßen nachprüfen.
Ulli, in deinem Fall tippe ich eher auf eine Verschlussphase, die zum jetzigen Zeitpunkt für einen trockenen 2012er von Müllen nicht untypisch wäre.
Der letzte Jahrgang von Muellen, den ich jung kenne, ist 2009, und da fand ich die trockenen Spaetlesen eher alkoholisch-problematisch.
Unterschiedlich, Ollie! Die gerade im Internetshop des Winzers angebotene trockene 2009er Spätlese aus dem Trabener Würzgarten präsentiert sich momentan sehr schön und mit 12% gewiss nicht übermäßig alkoholisch (bei einem Preis von 9,90 Euro kann ich dafür guten Gewissens eine Kaufempfehlung aussprechen!). Aber mein Lieblings-Müllen-Jahrgang ist 2009 gewiss nicht.
Viele Grüße
Bernd
Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 14:11
von Ollie
Bernd,
die 2009er trockenen (und suessen) Kabinette aus dem Paradies (Saft!) und aus dem Huehnerberg (zum Niederknien!) sind bei Muellen extrem genial ausgefallen (die anderen Lagen mag ich ja nicht so sehr); in dieser Kategorie ist das Jahr bei ihm IMO eines der besten. Aber sobald der Alkohol 12 und mehr % erreichte, fand ich sie alle sprittig und sogar mit Hang zur Schaerfe (die **SLn "stachen" besonders hervor). Das war im Herbst 2010 - ich habe es nicht weiter verfolgt, aber sollten sich die Weine gefangen haben (wie die damals voellig Molotowcocktail-artigen, trockenen 2007er von Molitor), umso besser.
Was ich bei Muellen (und auch einem anderen, aufsteigenden Jungwinzer an der Mosel) sehr oft - und hier muss ich leider sagen: viel zu oft - beobachtet habe, sind
extreme Flaschenvarianzen (die Auslaeufer zaehle ich mal nicht mit). Das hat sich IMO auch seit der neuen Fuellanlage von Muellen nicht deutlich geaendert. Muellen macht gelegentlich wirklich anbetungswuerdige Rieslinge, aber viel zu selten anbetungswuerdige
Flaschen von diesen Weinen. Was hab ich schon Geld versenkt, gerade bei seinen trockenen Flagschiffen... I mog nimmer.
Andererseits: Manchmal kommt es mir so vor, also ob der Mythos von Koehler-Ruprecht im wesentlichen auch nur auf 99% fehlerhafte Flaschen und 1% unentdeckte Korkschmecker gruende...

Koennte also noch was werden.
Cheers,
Ollie
Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 14:42
von Bernd Schulz
Was ich bei Muellen (und auch einem anderen, aufsteigenden Jungwinzer an der Mosel) sehr oft - und hier muss ich leider sagen: viel zu oft - beobachtet habe, sind extreme Flaschenvarianzen (die Auslaeufer zaehle ich mal nicht mit).
Ollie, ich trinke ja, wie man unter anderem auch hier in diesem Thread sehen kann

, nicht
so wenige Müllen-Rieslinge (dass ich den Winzer gut kenne und mich auch menschlich ausgezeichnet mit ihm verstehe, dürfte ein offenes Geheimnis sein). Das, was du schreibst, kann ich aus meinen Erfahrungen heraus so nicht bestätigen. Die Weine haben in ihrem Reifeverlauf öfter ihre Zicken, man läuft immer wieder mal Gefahr, sie zu einem falschen Zeitpunkt (in der Regel zu früh) aufmachen. Flaschenvarianzen gibt es auch etwas häufiger als bei anderen Winzern, aber nur
etwas; im Hinblick auf die letzten Jahrgänge habe ich sie eher selten erlebt. Einen Ausläufer habe ich bei den letzten 5 Jahrgängen überhaupt nicht mehr erwischt; auch ein Korkschmecker war unter den letzten 50 Flaschen nicht zu finden.
Sprich: Ich kann mit bestem Wissen und Gewissen versichern, nicht das Gefühl zu haben, viel Geld mit dem Erwerb schlechter Flaschen von Martin Müllen versenkt zu haben. Und ich habe in den letzten Jahren Müllen-Weine in weit dreistelliger Flaschenzahl gekauft.
Viele Grüße
Bernd
P.S.: Der 2009er Kabinett trocken aus dem Hühnerberg war in der Tat noch besser als seine Kollegen aus 2008, 2010 oder 2011 - da muss ich dir Recht geben!
Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 15:07
von Ollie
Bernd Schulz hat geschrieben:Die Weine haben in ihrem Reifeverlauf öfter ihre Zicken
Bernd, das, was du Zicken nennst, schreibe ich Flaschenvarianzen zu. Nicht nur erscheint's mir persoenlich plausibler - so schnell aendern sich Weine nicht ueber die Zeit -, sondern ich sehe auch keinen Grund, weshalb das bei Muellen (bzw. dem anderen Moselwinzer) so deutlich anders sein sollte als bei anderen Winzern.
Dass du bessere Erfahrungen hast, freut mich ehrlich, und ich wuensche allen stolzen Besitzern von Muellen-Weinen besten Erfolg. Denn wenn die Weine gut sind, sind sie oftmals sehr gut, keine Frage.
Cheers,
Ollie
Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 15:17
von Bernd Schulz
Bernd, das, was du Zicken nennst, schreibe ich Flaschenvarianzen zu. Nicht nur erscheint's mir persoenlich plausibler - so schnell aendern sich Weine nicht ueber die Zeit -, sondern ich sehe auch keinen Grund, weshalb das bei Muellen (bzw. dem anderen Moselwinzer) so deutlich anders sein sollte als bei anderen Winzern.
Der Grund für die Sprunghaftigkeit, die die Müllen-Rieslinge in ihrer Jugend oft zeigen, könnte schon in ihrer Machart liegen. Ich kenne kaum Winzer, die im Keller so arbeiten, wie dies Martin Müllen tut. Überhaupt kenne ich sehr wenige Winzer, bei denen der Keller weitgehend so ausschaut, wie man sich den Keller eines Weinguts früher, als man noch unschuldig war und Illusionen hatte

, immer vorgestellt hat.
Magst du denn mal verraten, um wen es sich bei "dem anderen Moselwinzer" handelt?
Viele Grüße
Bernd
Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 15:41
von Ollie
Günther (Stefan) Steinmetz. Von seinem 2009er Liter habe ich 18 oder so Flaschen inhaliert. Zwei Flaschen waren super, zwei gut, drei waren absolut grottig, der Rest war trauriges Mittelmass. Ich dachte, ich haette das mal irgendwo geschrieben...
Falls es wirklich an der Weinbereitung laege, was ich bezweifle, dann bliebe mir nur der Schluss, dass sie fuer konstante Qualitaet nicht taugt. Zickige Weine, die mal hui, mal buh sind, und zwar voellig unvorhersehbar, braucht kein Mensch sind eher unpraktisch.
Es kann natuerlich auch an meiner Stimmung liegen. Also dass Muellen (und Steinmetz) so spezielle Weine machen, dass es mal passt und dann wieder nicht. Hmmmmm...
Cheers,
Ollie
Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 15:50
von Bernd Schulz
Wie gesagt: Bei mir kommt es auch schon mal vor, dass es mit einem Müllen-Riesling nicht passt - aber eben nicht so häufig...
Falls es wirklich an der Weinbereitung laege, was ich bezweifle, dann bliebe mir nur der Schluss, dass sie fuer konstante Qualitaet nicht taugt.
No risk, no fun! Auf der anderen Seite ergibt dieser Art der Weinbereitung eben besonders lagerfähige, lagentypische und tatsächlich nach Wein schmeckende

Rieslinge, die manchmal das Zeug dazu haben, fast die gesamte Konkurrenz aus dem Feld zu schlagen.
Viele Grüße
Bernd
Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 16:35
von Bernd Schulz
Dass Ulli eher in Ollies Richtung tendiert und seine Erfahrungen mit den Müllenschen Rieslingen eher als Achterbahnfahrt bezeichnen würde, glaube ich zu wisssen.
Aber es gibt hier ja noch andere Weinfreunde, die öfter als einmal etwas bei Martin Müllen gekauft haben, zum Beispiel Allegro oder Ralf Gundlach. Mich würden mal eure Eindrücke im Hinblick auf die "Flaschenvarianzen" interessieren! Mir scheint, dass ihr ebenso wie ich keine besonders großen Probleme hattet - oder täusche ich mich da?
Viele Grüße
Bernd
Re: Martin Müllen
Verfasst: Sa 24. Mai 2014, 17:46
von Allegro
@ Bernd, soooo viele Weine von Müllen habe ich noch nicht getrunken, um das mit den Flaschenvarianzen auch nur ansatzweise beurteilen zu können

... und dann lag in der Regel auch immer längere Zeit zwischen ein und demselben Wein; und so habe ich Unterschiede bisher immer auf den Zeitablauf bzw. meine eigene Tagesform geschoben ... Und dann trinke ich die Weine in der Regel ja auch alle eh noch viel zu jung ...