Bordeaux 2011

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
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sorgenbrecher
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von sorgenbrecher »

weinfex hat geschrieben:Nur soviel, warum meinst Du, zieht sich Latour
aus dem Subsgeschäft zurück. Warum werden grössere Mengen
an Allokationen überhaupt nicht mehr am Markt zur Subskription erst angeboten,
sondern wandern gleich "bildlich" in den Keller?
zunächst einmal, weil sie sich davon mittel- bis langfristig einen höheren profit ggü. dem status quo erwarten und weil sie es aufgrund der marktentwicklung der letzten jahre (spitzenjahrgänge, gutes gesamtwirtschaftliches umfeld, billiges geld, neue bisher boomende nachfragemärkte, damit verbundene spitzenpreise) genau zum jetzigen zeitpunkt umsetzen können und zum anderen, weil anscheinend warentermingeschäfte auf wein (genau das ist ja die subskription) in vielen dieser neuen märkte keine große akzeptanz findet.

im detail vermute ich, dass sie sich davon insbesondere die möglichkeit versprechen, selbst eine halbwegs kontrollierte steuerung der preisentwicklung über die angebotssteuerung vorzunehmen und damit in voller kenntnis der blasenbildung die möglichkeit eröffnen wollen, gesteuert luft aus der blase abzulassen und zu vermeiden, dass diese irgendwann mit einem knall platzt. ob das funktioniert wird sich zeigen, aber es ist wohl eindeutig, dass ihnen die reduzierung des künftigen risikos aktuell mehr wert ist als die kurzfristigen positiven vorfinanzierungseffekte.
wenn man unterstellt, dass bei vielen pgc aus den letzten jahren nur rund 1/3 der produktionsmenge auf den markt gelangt ist, dann darf man sich gern fragen, wohin sich die preise entwickelt hätten und entwickeln würden, wenn die restlichen 2/3 auf den markt kommen....und vor allem, auf welche art und weise diese entwicklung passieren würde, wenn dies unkontrolliert erfolgen würde.....
Gruß, Marko.
kristof
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von kristof »

weinfex hat geschrieben:
Dabei auch Ch. Mille Roses Margaux, meine Topempfehlung auch
im Jahrgang 2011, mehr Margaux fürs Geld geht nicht (auch
wenn es zum letzten Jahr keinerlei Reduktion gibt), und auch hier
liegen wir qualitativ auf dem Niveau von 2009 ( die extremst positiven
Rückmeldungen sind da mehr als bestätigend) und 2010 (in Bordeaux ebenfalls
nochmals nachprobiert, dass ist wirklich unglaublich gut ), und ebenfalls gilt,
es ist jeden einzelnen Cent wert...
Hm, wenn ein Wein wie dieser auf dem gleichen Preisniveau rauskommt wie 2009 und 2010 sollte man – wenn man ihn den subskribieren möchte - besser aus 2010 „nachsubsen“. Der Jahrgang dürfte sich stabiler entwickeln – auch und gerade, was die Preise betrifft.
Viele Grüße,

Christoph
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dyingromeo
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von dyingromeo »

Hallo Christoph,

das trifft sicherlich auf Weine mit einem gewissen Wertsteigerungspotenzial zu, nicht aber auf die "kleinen" Konsum-Weine wie der Mille Roses einer ist.
weinfreudige Grüße
Christian

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kristof
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von kristof »

Naja, in gewissem Maße schon - aus den sogenannten kleineren Jahren habe ich so manchen Abverkauf mit Preisen unter Sub erlebt. Da dürfte 11 eher ein Kandidat sein als 10.
Viele Grüße,

Christoph
weinfex
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von weinfex »

kristof hat geschrieben:
weinfex hat geschrieben:
Dabei auch Ch. Mille Roses Margaux, meine Topempfehlung auch
im Jahrgang 2011, mehr Margaux fürs Geld geht nicht (auch
wenn es zum letzten Jahr keinerlei Reduktion gibt), und auch hier
liegen wir qualitativ auf dem Niveau von 2009 ( die extremst positiven
Rückmeldungen sind da mehr als bestätigend) und 2010 (in Bordeaux ebenfalls
nochmals nachprobiert, dass ist wirklich unglaublich gut ), und ebenfalls gilt,
es ist jeden einzelnen Cent wert...
Hm, wenn ein Wein wie dieser auf dem gleichen Preisniveau rauskommt wie 2009 und 2010 sollte man – wenn man ihn den subskribieren möchte - besser aus 2010 „nachsubsen“. Der Jahrgang dürfte sich stabiler entwickeln – auch und gerade, was die Preise betrifft.
Hallo Christoph,

das sehe ich wie Christian, zumal in diesem speziellen Fall die Qualitäten sogar
höher anzusetzen sind, was ich aber, um keine "kometenhafte" Assozationen verwenden
zu müssen, tunlichst vermeiden werde, da die "qualitative Verunsicherung und Unsicherheit"
schon gross genug ist... ;)
Grüsse weinfex
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UlliB
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von UlliB »

sorgenbrecher hat geschrieben:, dass ihnen die reduzierung des künftigen risikos aktuell mehr wert ist als die kurzfristigen positiven vorfinanzierungseffekte.
Kurzer Zwischenruf: es gibt bei negativer Realverzinsung an den Kapitalmärkten für denjenigen, der sich Geld zu kapitalmarktnahen Zinsen verschaffen kann (und das können die großen Chateaux ziemlich sicher), keinerlei positive Vorfinanzierungseffekte. Die Preise der materiell vorhandenen Weine müssen sich nur mit der allgemeinen Inflationsrate entwickeln, dann ist es immer besser, den Wein materiell vorrätig zu halten als dafür das Geld frühzeitig zu kassieren.

Hier ist gar keine so komplexe Analyse notwendig: die Chateaux sind im Bezug auf die weitere Preisentwicklung ihrer Weine bullish. Da sie am Drücker sitzen, muss man diese Einstellung sehr ernst nehmen - ob die Rechnung aber am Ende aufgeht, ist alles andere als sicher. Die Frage, ob sich eine Subskription noch lohnt oder nicht, wird nicht im Weinmarkt entschieden, sondern in der weiteren Entwicklung der globalen Finanzmärkte. Und da ist ziemlich viel möglich...

Gruß
Ulli
weinfex
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von weinfex »

sorgenbrecher hat geschrieben:
weinfex hat geschrieben:Nur soviel, warum meinst Du, zieht sich Latour
aus dem Subsgeschäft zurück. Warum werden grössere Mengen
an Allokationen überhaupt nicht mehr am Markt zur Subskription erst angeboten,
sondern wandern gleich "bildlich" in den Keller?
zunächst einmal, weil sie sich davon mittel- bis langfristig einen höheren profit ggü. dem status quo erwarten und weil sie es aufgrund der marktentwicklung der letzten jahre (spitzenjahrgänge, gutes gesamtwirtschaftliches umfeld, billiges geld, neue bisher boomende nachfragemärkte, damit verbundene spitzenpreise) genau zum jetzigen zeitpunkt umsetzen können und zum anderen, weil anscheinend warentermingeschäfte auf wein (genau das ist ja die subskription) in vielen dieser neuen märkte keine große akzeptanz findet.

im detail vermute ich, dass sie sich davon insbesondere die möglichkeit versprechen, selbst eine halbwegs kontrollierte steuerung der preisentwicklung über die angebotssteuerung vorzunehmen und damit in voller kenntnis der blasenbildung die möglichkeit eröffnen wollen, gesteuert luft aus der blase abzulassen und zu vermeiden, dass diese irgendwann mit einem knall platzt. ob das funktioniert wird sich zeigen, aber es ist wohl eindeutig, dass ihnen die reduzierung des künftigen risikos aktuell mehr wert ist als die kurzfristigen positiven vorfinanzierungseffekte.
wenn man unterstellt, dass bei vielen pgc aus den letzten jahren nur rund 1/3 der produktionsmenge auf den markt gelangt ist, dann darf man sich gern fragen, wohin sich die preise entwickelt hätten und entwickeln würden, wenn die restlichen 2/3 auf den markt kommen....und vor allem, auf welche art und weise diese entwicklung passieren würde, wenn dies unkontrolliert erfolgen würde.....
Natürlich geht es um Profitmaximierung und Stabilisierung des status quo und wenn man die
momentane Situation als optimal einschätzen würde, müsste man ja nicht zu solch drastischen
Eingriffen greifen. Ob es sich bei dem momentanen Gebilde "Bordeaux" um eine Blase handelt oder nicht
stelle ich mal hintenan, ansonsten gehe ich mit Deinen weiteren Überlegungen meist konform.
Nur, woher weisst Du ob diese theoretisch zurückgehaltenen 2/3 inzwischen nicht längst auf dem Markt sind?
Im Falle von 2007, 2008 und nun auch 2009 dürfte nach meinen Informationen in den allermeisten
Fällen soviel Menge, dass man von irgendeiner Art Blasenbildung sprechen könnte, nicht mehr in den Kellern sitzen...
Grüsse weinfex
kristof
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von kristof »

weinfex hat geschrieben: zumal in diesem speziellen Fall die Qualitäten sogar
höher anzusetzen sind,
Dann hoffe ich mal, dass die Qualität wirklich nur in diesem speziellen Fall höher ist als in 2009 und 2010, sonst haben wir es mit dem 11er plötzlich wieder mit einem Jahrhundertjahrgang zu tun... :mrgreen:
Viele Grüße,

Christoph
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sorgenbrecher
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von sorgenbrecher »

UlliB hat geschrieben:
sorgenbrecher hat geschrieben:, dass ihnen die reduzierung des künftigen risikos aktuell mehr wert ist als die kurzfristigen positiven vorfinanzierungseffekte.
Kurzer Zwischenruf: es gibt bei negativer Realverzinsung an den Kapitalmärkten für denjenigen, der sich Geld zu kapitalmarktnahen Zinsen verschaffen kann (und das können die großen Chateaux ziemlich sicher), keinerlei positive Vorfinanzierungseffekte. Die Preise der materiell vorhandenen Weine müssen sich nur mit der allgemeinen Inflationsrate entwickeln, dann ist es immer besser, den Wein materiell vorrätig zu halten als dafür das Geld frühzeitig zu kassieren.

Hier ist gar keine so komplexe Analyse notwendig: die Chateaux sind im Bezug auf die weitere Preisentwicklung ihrer Weine bullish. Da sie am Drücker sitzen, muss man diese Einstellung sehr ernst nehmen - ob die Rechnung aber am Ende aufgeht, ist alles andere als sicher. Die Frage, ob sich eine Subskription noch lohnt oder nicht, wird nicht im Weinmarkt entschieden, sondern in der weiteren Entwicklung der globalen Finanzmärkte. Und da ist ziemlich viel möglich...

Gruß
Ulli
hallo ulli,

zu 1. das ist absolut richtig, deshalb ist imho auch aktuell genau der richtige zeitpunkt aus sicht der chateaus gekommen.

zu 2. ebenso korrekt, allerdings heißt aus meiner sicht "bullish" nicht zwangsläufig in bezug auf die absoluten preiserwartungen, sondern eben auch auf die relative preiserwartung ggü. der alternative "sub".
Gruß, Marko.
weinfex
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Re: Bordeaux 2011

Beitrag von weinfex »

kristof hat geschrieben:
weinfex hat geschrieben: zumal in diesem speziellen Fall die Qualitäten sogar
höher anzusetzen sind,
Dann hoffe ich mal, dass die Qualität wirklich nur in diesem speziellen Fall höher ist als in 2009 und 2010, sonst haben wir es mit dem 11er plötzlich wieder mit einem Jahrhundertjahrgang zu tun... :mrgreen:
Die Gründe gleichen denen, warum Pontet Canet 2006 sich mitnichten
hinter Pontet Canet 2005 verstecken muss... ;)
Grüsse weinfex
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