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Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 12. Mär 2026, 08:27
von Bradetti
Sauternes hat geschrieben: ↑Di 10. Mär 2026, 19:45
Clos Louie 2016,
im Sinne der Wissenschaft und weil ich neugierig war, kam nun der 16er ins Glas.
Schon die Duftwolke in der Nase zeigt die hohe Substanz, direkt da, auf der rotfruchtigen Seite.
Beim ersten Gaumenkontakt spürt man sofort die vorhandene Mächtigkeit, die der Wein ausstrahlt, als würde man den Wein kauen. Man könnte fast das Wort Blockbuster in den Mund nehmen, aber das wäre abwertend und nicht gerecht, denn es ist wieder das für mich typische Geschmackbild von Clos Louie, nur eben in einer sehr intensiven Ausstrahlung.
Das einzige was stört, ist die starke Adstringenz, die deutlich anzeigt, der Wein braucht noch etliche Jahre der Reife, aber so in 8-10 Jahren dürfte das eine Granate werden.
Ich bin froh den Test gemacht zu haben, und im Vergleich mit dem im vorigen Jahr getrunkenen 2005, weiß ich, wo die Reise hingeht.
Wer davon nur wenige Flaschen hat, sollte diese unbedingt noch zu lassen, da kommt in 10 Jahren soviel mehr, das es derzeit Verschwendung von großen Potenzial wäre.
Kleinere Jahrgänge wie 11,12 oder 14, kann man jetzt schon gut trinken, aber dieser CL 2016 ist ein Riese, und gehört noch in den Keller.
Gruß Heiko
Danke dir für die Wasserstandsmeldung. In der Tat habe ich 2 Flaschen vom 16er. Eine davon hätte ich in diesem Jahr mal angetestet unter dem Motto "10 years after"....
Dann lasse ich beide mal noch zu.
Danke.
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Do 12. Mär 2026, 09:51
von Sauternes
Zumindest 5-6 Jahre zuwarten hilft die Adstringenz soweit zu reduzieren, das der Wein schönen Genuss bietet.
Diese starke Adstringenz ist jetzt beim Close Louie 2016 von allen probierten Close Louie am stärksten, aber das kann nach Abbau dessen, großartig werden.
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Sa 14. Mär 2026, 17:35
von pessac-léognan
Château La Pointe Pomerol 2016 (14% ABV)
Der (wahrscheinlich) merlotdominierte und tiefdunkle Wein ist jetzt, nach knapp 10 Jahren, fast vollständig offen, mit schön abgeschmolzenen Tanninen und einem noch recht intakten Säuregerüst, das dem Trinkfluss mitnichten im Wege steht, aber wohl noch mindestens 5 Jahre Trinkgenuss garantiert, ist ein schönes Beispiel eines kleinen Pomerol aus einem großen Jahrgang, nicht extrem komplex, auch kein Power-Wein, aber (vor allem nach dem Öffnen der Flasche) mit ungemein floralen (Veilchen, etwas Damaszener Rose) Düften die Nase ungarnend, einnehmend im besten Sinne und dergestalt den Gaumeneindruck quasi intonierend. Dieser wird bestimmt durch eine von keinerlei Alkoholüberhang geprägte Abgerundetheit mit dunklen Früchten und Beeren, auf einem wohldosiert erdig-lehmigen Bett, gesäumt von zarten Hauchen einer kaum mehr wahrnehmbaren Würzigkeit von Süßholz und Kardamom. Der Wein zeigt keinerlei "Schärfe", auch nicht die geringste Süße. Rund und ein wenig mollig, aber überhaupt nicht ölig. Der einzige Vorwurf, den man diesem Wein machen könnte: dass er nichts hat, was man irgendwie nicht mögen könnte. Nicht den leisesten Widerhaken eines durch und durch runden Genusses. Das Perfekte ist bei diesem schönen Pomerol gleichsam des Perfekten Defekt... ein genussvolles Paradox
Und ja: 92 Punkte sind das für mich schon. Mindestens. Weniger streng auch 93. Angesichts solcher Leichtigkeit, wie sie wohl nur ein kleiner Pomerol zustande bringt.
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Sa 14. Mär 2026, 18:30
von Ollie
pessac-léognan hat geschrieben: ↑Sa 14. Mär 2026, 17:35
Das Perfekte ist bei diesem schönen Pomerol gleichsam des Perfekten Defekt...
Sehr schön.
Cheers,
Ollie
PS: Ich melde mich bei dir, wenn ich das nächste Mal in CH bin, vielleicht schaffen wir's ja.

Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Sa 14. Mär 2026, 21:25
von OsCor
pessac-léognan hat geschrieben: ↑Sa 14. Mär 2026, 17:35…gesäumt von zarten Hauchen einer kaum mehr wahrnehmbaren Würzigkeit von Süßholz und Kardamom.… Das Perfekte ist bei diesem schönen Pomerol gleichsam des Perfekten Defekt... ein genussvolles Paradox.
Ich hoffe, einen ebenso poetisch schönen Text zustande zu bringen, wenn ich einen ähnlich tollen Wein gefunden habe

Wundervoll!
Gruß
Oswald
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: So 15. Mär 2026, 15:38
von vonKorf
OsCor hat geschrieben: ↑Sa 14. Mär 2026, 21:25
pessac-léognan hat geschrieben: ↑Sa 14. Mär 2026, 17:35…gesäumt von zarten Hauchen einer kaum mehr wahrnehmbaren Würzigkeit von Süßholz und Kardamom.… Das Perfekte ist bei diesem schönen Pomerol gleichsam des Perfekten Defekt... ein genussvolles Paradox.
....
Ich hoffe, einen ebenso poetisch schönen Text zustande zu bringen, wenn ich einen ähnlich tollen Wein gefunden habe

Wundervoll!
Aber machen wir uns folgendes klar:
Das Schöne ist nichts, als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören....
Grüßle
Wolfgang
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: So 15. Mär 2026, 16:44
von pessac-léognan
vonKorf hat geschrieben: ↑So 15. Mär 2026, 15:38
OsCor hat geschrieben: ↑Sa 14. Mär 2026, 21:25
pessac-léognan hat geschrieben: ↑Sa 14. Mär 2026, 17:35…gesäumt von zarten Hauchen einer kaum mehr wahrnehmbaren Würzigkeit von Süßholz und Kardamom.… Das Perfekte ist bei diesem schönen Pomerol gleichsam des Perfekten Defekt... ein genussvolles Paradox.
....
Ich hoffe, einen ebenso poetisch schönen Text zustande zu bringen, wenn ich einen ähnlich tollen Wein gefunden habe

Wundervoll!
Aber machen wir uns folgendes klar:
Das Schöne ist nichts, als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören....
Grüßle
Wolfgang
Schön, Rilke antworten zu hören. Danke und Gruß!
Jean
Re: Bordeaux 2016
Verfasst: Mi 29. Apr 2026, 16:12
von pessac-léognan
Nachdem die aktuellen Hymnen an den Jahrgang 2025 diesen nicht selten mit 2016 in Verbindung brachten und bringen, wollte ich, 10 years on, wieder mal eine Flasche eines Weins aus diesem damals als Jahrhundertjahrgang gepriesenen 2016 öffnen, von dem mir die erstgeöffnete überhaupt nicht und die zweite und bislang letzte geöffnete Flasche vor knapp 1 1/2 Jahren immerhin etwas besser gefallen hat:
Château Labégorce Margaux 2016 (13% ABV)
Und ja: Bereits beim Öffnen der Flasche entströmt ihr tatsächlich ein Düftchen, das dem Namen Margaux Ehre macht: ungemein blumig, ein Strauss Frühlingsblumen - aus dem heraus sich deutlich Veilchen schälen - daneben nur ganz wenig Beeriges auf eine Mischung von roten und schwarzen Ribiseln.
Und auch am Gaumen macht der Wein nun Freude: Da sind die Blumen und die Johannisbeeren von Lehm und Leder untermalt und auch ein würdiger Abgang auf Kräutern, ganz mildem Tabak und einer leisen, leicht exotischen Würze stellt sich ein. Und so beginnt nun dieser Wein, unterhalb der Grand Cru von Margaux angesiedelt, den Vorschusslorbeeren mancher Verkoster von damals und dem Ruf, den Labégorce als kleiner, aber feiner Margaux sich in den letzten Jahren erarbeitet hat, gerecht zu werden. Und ja: die Frische von P&P bei zu Beginn 15/16° behält der Wein bei, wohl auch dank gemäßigtem Alkohol - was ja in den Vergleichen mit 2025 nicht selten hervorgehoben wird...
Eile hat es nicht mit diesem Wein, aber ab und zu eine Flasche zu öffnen, wenn man einiges davon hat, ist bestimmt kein Fehler.
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