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Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Di 5. Jun 2012, 09:10
von Birte
Hm, hätten wir den BW auch noch etwas schonen sollen? Egal, nu ist zu spät.
Keine Sorge, da gab es nicht viel zu verpassen. Ich habe ihn über zwei Tage getrunken und ihn am zweiten Tag ewig im Glas stehen gehabt. Die Nase hat sich nur minimal geöffnet. Das ist im Moment ein Eisblock.

Nun zum van Volxem:

Er roch angenehm dezent nach weißem Pfirsich. Im Mund eine rauchige dunkle Mineralität, die durch die leichte Süße wirklich kein Schwein stresst. Wenn man genau aufpasst, fehlt etwas Säure. Auch das ist nicht wirklich als Kritikpunkt zu verstehen, da einem diese Erkenntnis nicht entgegen springt. Bis auf das die Nase mit einiger Zeit im Glas etwas nachlässt, verändert sich der Wein nicht. Aprikosen sind mir nirgends begegnet. Er ist sein Geld wert und man kann nichts dramatisch kritisieren. Ein Wein für jedermann, bei dem es mir zu wenig zu entdecken gibt, glatt geschliffen mit ein bisschen wenig Leben. Falls jemand plant, den weltgewandten Steuerberater von nebenan flach zu legen, kann der Wein gefahrenfrei zum Dinner serviert werden.

Ich hoffe, dass es mir niemand übel nimmt, wenn ich mir für heute Abend eine Flasche Wittmann besorge. Ich brauche jetzt etwas, wo ich die Hoffnung habe, dass es eine Nummer drüber ist.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Di 5. Jun 2012, 20:41
von Birte
Vor einer Stunde hätte ich noch Lobeshymnen über den Wittmann geschrieben. Erst gelbe Frucht in der Nase dann eine angenehm herbe Note in der Nase, die sich sehr schön im Abgang wiederholt. Im Mund kreidig, seidig, feingliedrig, sehr langer Abgang. Auch das wirklich Trockene kommt gut raus. Ich dachte , dass ich mich damit mal wirklich glücklich beschäftigen könnte. Ging eine Stunde gut, dann zu Alk lastig. War für mich sehr weit vor BW und Vv, aber wirklich glücklich gemacht hat es mich auch nicht.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Di 5. Jun 2012, 20:56
von joern_ribu
Heute gab es vorm und zum Abendessen (Fischpfanne mit Reis) den Rest des van Volxem. Der Tag Pause ist ihm gut bekommen, sehe das sehr ähnlich wie Andreas. Der Wein ist offener, Fruchtaromen kommen stärker heraus, die Restsüsse ist besser eingebunden, der Wein wirkt insgesamt harmonischer. So bereitet er deutlich mehr Trinkfreude, auch wenn mir immer noch etwas Druck und Säurespannung fehlen, um so begeistert wie vom 2009er zu sein. Nach den zwei Abenden würde ich Birte zustimmen, mit dem Wein macht man als Gastgeber sicher nichts falsch - egal ob's nun mit dem Steuerberater, der Nachbarin oder den Schwiegereltern klappen soll ;) ... und Madame Ribu war auch durchaus angetan.

Mal schauen was der Abend dann in Gestalt des Bürklin-Wolfs noch so zu bieten hat.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Di 5. Jun 2012, 21:30
von Birte
Mal schauen was der Abend dann in Gestalt des Bürklin-Wolfs noch so zu bieten hat.
Da habe ich im Moment ein wenig Angst um Deinen und den Feierabend Deiner Madame. Zu den vV Weinen muss ich sagen, dass ich um die früheren Jahrgänge eher einen Bogen gemacht habe. Ich finde schon, das er es schlanker und besser hinbekommen hat. Bei mir macht sich nach dem Wittmann eindeutig eine Jahrgangsfrustration breit, der ich aber keinen Raum geben werde.Ich gebe allem ein wenig Zeit und werde noch viel probieren.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Di 5. Jun 2012, 22:32
von Bernd Schulz
Hier meine VKN zum Saarriesling:

Bild

Aprikosen sind mir ebensowenig wie Birte begegnet. Aber das ist - meine Antipathie gegenüber dem Erzeuger hin oder her - schon ein richtig guter Wein, dessen Substanz über das, was "normale" Gutsrieslinge sonst so bieten, deutlich hinausgeht. Der Preis von 11-12 Euronen geht daher auch in Ordnung.
Wenn man auf hohem Niveau moppern will, könnte man (Birte und ich waren uns da einig) behaupten, dass dieser Wein irgendwie "gewollt" wirkt. Außerdem erinnern mich die parfümigen, leicht schwülen Noten entfernt an etliche 03er, die ich überhaupt nicht mochte. Und blind würde ich diesen "Saarriesling" sonstwohin, aber niemals an die Saar :mrgreen: stecken - dazu fehlt es einfach an Säure und schlanker Eleganz.

Beste Grüße

Bernd

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Di 5. Jun 2012, 22:58
von joern_ribu
Birte hat geschrieben:[Da habe ich im Moment ein wenig Angst um Deinen und den Feierabend Deiner Madame.
Zur Angst gab es gar keinen Anlass. Wir fanden den Bürklin-Wolf beide sehr animierend, geradlinig, mit deutlicher, frischer Säure. Hat viel Spaß gemacht ihn zu trinken, für uns war er dem van Volxem überlegen da wir beide eine ausdrucksstarke Säure im Riesling schätzen. Für eine Nachprobe morgen reicht es jedenfalls nicht mehr :)

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Di 5. Jun 2012, 23:22
von Bernd Schulz
Hallo Jörn,
...da wir beide eine ausdrucksstarke Säure im Riesling schätzen...
Bei mir verhält es sich nicht anders. Daher würde ich, wenn ich mich zwischen diesen beiden 2011ern entscheiden müsste, vermutlich zum B-W greifen. Aber trotzdem scheint mir der Saarriesling alles in allem der komplexere, da aus einem tendenziell höherwertigeren Lesegut vinifizierte Wein zu sein - und deshalb stecke ich, sobald ich irgendwelche Punkte (auch nur für mich privat!) vergeben will, gerade ziemlich in der Zwickmühle....
Bei mir macht sich nach dem Wittmann eindeutig eine Jahrgangsfrustration breit
Ja, Birte, jaja....der "Kometenjahrgang"...... :mrgreen: :?:

Beste Grüße

Bernd

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Mi 6. Jun 2012, 08:11
von Birte
Zur Angst gab es gar keinen Anlass. Wir fanden den Bürklin-Wolf beide sehr animierend, geradlinig, mit deutlicher, frischer Säure. Hat viel Spaß gemacht ihn zu trinken, für uns war er dem van Volxem überlegen da wir beide eine ausdrucksstarke Säure im Riesling schätzen. Für eine Nachprobe morgen reicht es jedenfalls nicht mehr :)
Das bereitet mir Vergnügen. Man muss im Moment etwas härter drauf sein, um diesen Wein zu mögen. Ich hoffe, dass noch etwas Feinheit dazu kommt. Der Test im März macht Mut. Auf jeden Fall reizt es mich, die höheren Qualitätsstufen von BW zu probieren, da ist sicher Spannendes dabei. Mit ein bisschen Abstand und der Wittmann Erfahrung von gestern reizt mich dieses Weingut 2011 sehr.
Daher würde ich, wenn ich mich zwischen diesen beiden 2011ern entscheiden müsste, vermutlich zum B-W greifen.
Wenn ich mich zwischen dreien entscheiden muss, sieht es auch so aus. Der Wittmann war mein größter Frust. Natürlich muss man dabei berücksichtigen, dass meine Erwartungshaltung verdammt hoch war. Ich werde das Gefühl nicht los, dass man hier auf Krampf einem Wein den Restzucker ausgetrieben hat. Nach ein paar Stunden habe ich nochmal ein Glas probiert, warm. Nach dem Treffen mit Bernd traue ich mich endlich zu dieser Technik zu stehen. :mrgreen: Der Wein war bananig und spritik. Serviert man ihn gekühlt und trinkt das Glas in einer Viertelstunde aus, kriegt so etwas sicher viel Punkte. Ich werde das Gefühl nicht los, dass alles, was geschrieben wird, von allem möglichen beeinflusst ist, nur nicht von den Geschmacksnerven der Verkoster.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Mi 6. Jun 2012, 08:57
von joern_ribu
Bernd Schulz hat geschrieben:Bei mir verhält es sich nicht anders. Daher würde ich, wenn ich mich zwischen diesen beiden 2011ern entscheiden müsste, vermutlich zum B-W greifen. Aber trotzdem scheint mir der Saarriesling alles in allem der komplexere, da aus einem tendenziell höherwertigeren Lesegut vinifizierte Wein zu sein - und deshalb stecke ich, sobald ich irgendwelche Punkte (auch nur für mich privat!) vergeben will, gerade ziemlich in der Zwickmühle....
Hallo Bernd,

das kann ich absolut unterschreiben, sehe ich genauso. Der schlankere, rassigere B-W trifft eher meine Geschmacksvorlieben bei einem jungen Riesling für das alltägliche Vergnügen im Jahr nach der Lese. Der Saar-Riesling hat andere Anlagen, hat mehr Extrakt und Volumen zu bieten, muss "seine PS" aber erst noch "auf die Straße bringen". Ich kann mir gut vorstellen, dass er bei mir mit etwas mehr Reife und entsprechenden komplexeren Aromen, die ich ihm aufgrund seiner üppigeren (nicht negativ gemeint) Grundausstattung zutraue, noch deutlich an Zustimmung gewinnen könnte. Daher, wenn es denn unbedingt Punkte sein müssen, würde ich den Saar-Riesling aufgrund des aus meiner Sicht größeren vorhandenen Potentials einer flacheren (somit länger dauernden) Reifekurve geringfügig höher bewerten (85 und 87, um mal Zahlen zu nennen) - und den B-W dann den Sommer über mit Vergnügen austrinken :)

Was den Jahrgang insgesamt angeht, da habe ich bisher zu wenig probiert, um ein sicheres Urteil abgeben zu können. Wenn man von der "härteren Säurefraktion" her kommt, dann kann es wohl gut sein, dass einem im 2011er im Gegensatz zum 2010er oftmals die Säurespannung fehlt. Es ist eben wie immer: probieren geht über studieren und Selektion ist das A und O.

Re: Abendrot in Apricot

Verfasst: Mi 6. Jun 2012, 09:06
von toff
Hallo zusammen,

was den vV betrifft, kann ich das Meiste, was hier geschrieben wurde, gut nachvollziehen. Aber beim Bürklin-Wolf scheine ich was anderes im Glas gehabt zu haben. Rassig war der bei mir ganz und gar nicht. Und die mich störende Uhu-Note hat sonst auch niemand moniert. Flaschenvarianzen oder verschiedene Abfüllungen oder Halluzinationen meinerseits?

Ein wenig ratlos grüßt Christopher