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Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Sa 12. Sep 2026, 15:51
von Bernd Schulz
Ollie hat geschrieben: ↑Sa 12. Sep 2026, 12:52
Wann haben wir eigentlich damit angefangen, Gerbstoff in Weißwein nicht nur zu akzeptieren, sondern sogar als Qualitätsmerkmal anzuerkennen?
Für "uns" kann ich da nicht sprechen, sondern nur für mich: Ich habe vor ungefähr 10 (oder doch 15?

) Jahren damit angefangen. Und ich bin mittlerweile klar der Meinung, dass ein gewisses Quäntchen an Gerbstoffen vielen Weißweinen gut tut, weil ihnen damit eine weitere strukturelle Dimension hinzugefügt wird. Für restsüße Mosel-Kabis gilt das eher nicht, aber für viele trockene Sachen (auch Rieslinge) schon.
Herzliche Grüße
Bernd
Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Sa 12. Sep 2026, 17:47
von EThC
...und der Herr sprach (welcher eigentlich


): "der weiße Wein soll frei von Gerbstoff sein!" Zum Glück gehöre ich keiner Religion an...

Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Sa 12. Sep 2026, 17:55
von UlliB
Ollie hat geschrieben: ↑Sa 12. Sep 2026, 12:52
Wann haben wir eigentlich damit angefangen, Gerbstoff in Weißwein nicht nur zu akzeptieren, sondern sogar als Qualitätsmerkmal anzuerkennen?
Zum "wir" hat sich Bernd schon geäußert. Offensichlich gehörst du ja nicht zum "wir"
Wann genau es mit dem spürbaren Gerbstoff im Weißwein (aka "Phenolik") anfing, kann ich nicht sagen. Gefühlt würde ich ähnlich wie Bernd schätzen, dass das so etwa vor 15 Jahren losging. Aber die Schätzung von zurückliegenden Zeiträumen wird wegen meines fortgeschrittenen Alters immer unzuverlässiger
Das ist eine Modeerscheinung, ganz klar. Vermutlich hätte der Wein noch in den 90ern keine Prüfnummer bekommen, wie auch etliche (sogar die meisten?) Riesling-GGs heute. Aber Weingenuss unterliegt nun einmal Moden. Dem einen gefällt's, der andere läuft mit der Meute mit, und der dritte lehnt es ab.
Ollie hat geschrieben: ↑Sa 12. Sep 2026, 12:52
[...] ich stehe solchen Verkostungsnotizen (und natürlich den Weinen noch viel mehr) völlig fassungslos gegenüber.
Kein Grund zur Fassungslosigkeit. Ich hatte zu dem speziellen Aspekt des Gerbstoffeindrucks ja nicht einmal geschrieben, ob ich den als positiv oder negativ empfunden habe. Er war nur selbst unter den heute üblichen Verhältnissen prominent genug, um ihn explizit zu erwähnen. Gestört hat er mich tatsächlich nicht und passte zum Gesamteindruck, aber viel mehr hätte es auch nicht sein dürfen.
Und vielleicht noch zum Gesamteindruck: ich bepunkte seit Jahren nicht mehr, weil das wegen unterschiedlicher Skalen nur zu Missverständnissen führt. Aber ich beginne so langsam an der "Erich-Nachkaufskala" Geschmack zu finden. Und hier ist das Urteil ganz klar: der Wein ist zwar gut (aber nicht mehr), aber für mehr als 30 Euro für die Flasche bin ich eher bei 0/3 als bei 1/3. Das liegt nicht am Gerbstoffgehalt.
Gruß
Ulli
Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Sa 12. Sep 2026, 18:46
von EThC
UlliB hat geschrieben: ↑Sa 12. Sep 2026, 17:55
der Wein ist zwar gut (aber nicht mehr), aber für mehr als 30 Euro für die Flasche bin ich eher bei 0/3 als bei 1/3.
...wobei ich die Skala ja etwas anders nutze. Wäre bei mir wohl ein "1er", da durchaus gut, aber für den Preis nicht gut genug, um ihn nachzukaufen. Auch ein Romanée Conti wird es bei mir allerhöchstwahrscheinlich nicht über den "1er" hinaus schaffen (es sei denn, ich stolpere beim nächsten Waldspaziergang über eine große Schatzkiste voll mit Golddukaten...). Die "0er" sind bei mir eher solche Weine, bei denen ich mit gefüllten Glas in der Hand nach dem nächstgelegenen Blumentopf o.ä. suche...
Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Sa 12. Sep 2026, 19:33
von Lars Dragl
EThC hat geschrieben: ↑Sa 12. Sep 2026, 18:46
... (es sei denn, ich stolpere beim nächsten Waldspaziergang über eine große Schatzkiste voll mit Golddukaten...).
Hallo Erich,
wenn dir der Wald gehört, hättest du in Bayern früher vielleicht noch die Hälfte (Hadriansche Teilung 2023 abgeschafft) behalten dürfen. Heute gehört bei einem historisch relevanten Fund alles dem Freistaat und du darfst nicht mal auf einen Finderlohn hoffen. Das wird so nix mit dem 1er für DRC
Herzliche Grüße
Lars
Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Sa 12. Sep 2026, 19:37
von UlliB
EThC hat geschrieben: ↑Sa 12. Sep 2026, 18:46
UlliB hat geschrieben: ↑Sa 12. Sep 2026, 17:55
der Wein ist zwar gut (aber nicht mehr), aber für mehr als 30 Euro für die Flasche bin ich eher bei 0/3 als bei 1/3.
...wobei ich die Skala ja etwas anders nutze. Wäre bei mir wohl ein "1er", da durchaus gut, aber für den Preis nicht gut genug, um ihn nachzukaufen. Auch ein Romanée Conti wird es bei mir allerhöchstwahrscheinlich nicht über den "1er" hinaus schaffen (es sei denn, ich stolpere beim nächsten Waldspaziergang über eine große Schatzkiste voll mit Golddukaten...). Die "0er" sind bei mir eher solche Weine, bei denen ich mit gefüllten Glas in der Hand nach dem nächstgelegenen Blumentopf o.ä. suche...
In den Blumentopf gehört dieser Wein ganz sicher nicht.
Aber da sieht man mal, dass auch deine Skala interpretationsbedürftig ist. Ich würde diesen Wein nicht nachkaufen, auch wenn ich so viel Geld wie Elon Musk hätte, weil die Kapazität meiner Leber und die mir verbleibende Lebenszeit mir für so etwas zu schade wäre. Warum also nicht Null Punkte auf der Nachkaufskala?
Gruß
Ulli
Re: Dr. Bürklin-Wolf
Verfasst: Sa 12. Sep 2026, 20:00
von EThC
0 : Macht mir keinerlei Spaß, brauche ich nicht nochmal
1 : Guter, vielleicht auch excellenter Wein, löst aber keinen Nachkaufreflex aus, ggf. einfach zu teuer
2 : Bemerkenswert bis außergewöhnlich guter Wein, Nachkauf vorstellbar
3 : Großartig in seiner Liga, kaufe ich möglicherweise auch öfters nach
...so hab ich's halt mal für mich definiert. Aber Du kannst das gerne auch anders handhaben, ist halt dann letztlich wie bei der 100er-Skala: jeder macht sein eigenes Ding draus...
