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Re: Bordeaux 2022
Verfasst: Mo 10. Nov 2025, 13:36
von Ollie
Gerne! Und sag bitte bescheid, wie er war, ich habe ihn auch noch auf der Liste.
Cheers,
Ollie
Re: Bordeaux 2022
Verfasst: Sa 15. Nov 2025, 18:40
von pessac-léognan
Château Cap de Faugères Castillon 2022 (14.5% ABV)
85% M / 15% CF
Über 3 Tage hinweg bleibt der sehr dunkle Wein stabil. Das ist i.U. zum kürzlich genossenen Clos du Clocher 2022 kein komplexer Wein mit großem Zukunftsversprechen, sondern einfach nur sehr trinkig. Dunkelbeerig, schwarze Kirschen, dann etwas Kaffee und sehr dunkle Schokolade, zunächst auch etwas Rauch, gegen den Abgang hin exotische Hölzer. Für den Preis, zu dem dieser Wein, der Einstiegswein von Silvio Denz in Bordeaux (direkt an der Grenze zu Saint-Emilion, woher die hochpreisigeren Weine von Denz kommen), von einem CH-Discounter spottbillig (7.50 CHF, knapp 8€) unter die Leute gebracht wird, mehr als ein Schnäppchen. AvV gab dem Wein en primeur 90 Punkte, ich bin bei 89-90 nahe dabei, 92 von Falstaff, JL und JS sind klar zu hoch, aber bei Gästen, die nicht gar viel von Wein verstehen, wird man damit große Komplimente für diesen gastronomischen Speisewein erhalten. In der Schweiz zahlt man im Restaurant für einen Wein dieser (oder leider oft geringerer) Qualität zwischen 50 und 70 CHF... (Bis 2030 wird der Wein gut zu trinken sein, aber damit "belastet" man ohnehin nicht Keller oder WKS-Kapazität).
Re: Bordeaux 2022
Verfasst: Sa 15. Nov 2025, 19:15
von Sauternes
pessac-léognan hat geschrieben: ↑Sa 15. Nov 2025, 18:40
Château Cap de Faugères Castillon 2022 (14.5% ABV)
aber bei Gästen, die nicht gar viel von Wein verstehen, wird man damit große Komplimente für diesen gastronomischen Speisewein erhalten.
Ein gastronomischer Speisewein, genau das kann der Wein, mehr will und kann dieser nicht bieten.
Habe davon 2016 im Keller, trinkig ist das ohne Frage, aber wer Komplexität und Tiefgang im Wein sucht, ist bei diesem falsch.
Gruß Heiko
Re: Bordeaux 2022
Verfasst: Sa 15. Nov 2025, 20:20
von pessac-léognan
Sauternes hat geschrieben: ↑Sa 15. Nov 2025, 19:15
pessac-léognan hat geschrieben: ↑Sa 15. Nov 2025, 18:40
Château Cap de Faugères Castillon 2022 (14.5% ABV)
aber bei Gästen, die nicht gar viel von Wein verstehen, wird man damit große Komplimente für diesen gastronomischen Speisewein erhalten.
Ein gastronomischer Speisewein, genau das kann der Wein, mehr will und kann dieser nicht bieten.
Habe davon 2016 im Keller, trinkig ist das ohne Frage, aber wer Komplexität und Tiefgang im Wein sucht, ist bei diesem falsch.
Gruß Heiko
Den 16er würde ich, Heiko, gelegentlich mal testen, um deinen Keller freizubekommen für Weine, deren Lagerung sich lohnt. Der 14er war, nach meiner Erinnerung, vor etwa 3 Jahren bereits am Ende seines optimalen Trinkfensters. Deshalb empfehle ich ja auch für den 22er: Trinken, nicht halten, wird nicht besser, bleibt aber wohl ein paar Jahre (vielleicht 5?) auf aktuellem Niveau.
Gruß
Jean
Re: Bordeaux 2022
Verfasst: Sa 15. Nov 2025, 20:41
von Sauternes
Da gebe ich dir absolut Recht, für die lange Lagerung gibt es viele andere, aber nicht Cap de Faugères. Und genügend viele Weine, die für eine lange Lagerung geeignet sind, sind inzwischen eh schon da

.
Zum Glück bin ich da bei diesen einen Jahrgang geblieben, und sogar in halben Flaschen, da werde ich demnächst mal eine probieren.
Gruß Heiko
Re: Bordeaux 2022
Verfasst: So 16. Nov 2025, 22:32
von AixWine
Da gebe ich dir absolut Recht, für die lange Lagerung gibt es viele andere, aber nicht Cap de Faugères.
Ich habe meine letzte Flasche 2009er 2024 getrunken. Der Wein war noch voll da und mir 89 Punkte wert.
Viele Grüsse,
Erik
Re: Bordeaux 2022
Verfasst: Sa 22. Nov 2025, 12:50
von pessac-léognan
Château Brane-Cantenac Margaux GCC 2022 (14% ABV)
74% CS / 23% M / je 1% PV, CF und Carmenère
P&P bei 15°
Der dunkelpurpurfarbene Wein duftet direkt nach dem Öffnen der Flasche sehr nach Himbeere. Dazu ein Korb mit Frühlingsblumen, darunter dezent Damaszener Rosen.
Auch am Gaumen dominiert zunächst Himbeere, wieder die Blumen, dann auch Schwarzbrot mit einigen Tropfen Kornelkirschensaft, zu dem sich gegen den langen Abgang hin steinige Noten (nasser Stein) gesellen. Eine sehr interessante Kombination, die mögliche zukünftige Komplexität des Weines andeutend.
Sehr positiv: Der Alkohol ist quasi wie abwesend, als ob es ihn nicht gäbe, ebenso fast vollständige Abwesenheit von Holz, als ob der Wein nicht viele Monate lang Kontakt mit Eiche gehabt hätte. Deshalb wirkt der Wein so unglaublich frisch. Die Tannine sind durchaus vorhanden, aber super poliert.Dazu gesellt sich eine gut stützende, jedoch nicht im geringsten störende Säure, die diesem frischen Wein einiges an Zukunft verheißt.
94(-95) Punkte (die sehr euphorischen 97-99 einiger Profiverkoster en primeur und bei Arrivage sehe ich im Moment nicht, würde aber nicht ausschließen, dass der Wein noch weiter zulegt).
Re: Bordeaux 2022
Verfasst: So 23. Nov 2025, 13:34
von pessac-léognan
Am zweiten Tag hat der BC 2022 einiges von seiner Frische und Fruchtigkeit verloren, ist deutlich auf die dunklere Seite gekippt (Wacholder, etwas Braziltabak, getrocknete Schwarzkirsche). Die Säure ist straffer und spürbarer. Der Wein ist sehr gut trinkbar, hat aber seinen Reiz der spontanen Zugänglichkeit etwas verloren. Ich vermute, dass sich der Wein langsam zurückzieht und verschließen könnte. Noch 92(-93) im Moment. In frühestens 5 Jahren die nächste Flasche (der 15er macht das Warten sehr angenehm - auch das Potenzial dieses 22ers und wahrscheinlich auch des 19ers, dessen Fruchtphase ich leider verpasst habe...)
Re: Bordeaux 2022
Verfasst: Sa 20. Dez 2025, 00:57
von Ollie
So, zum feierlichen Abschluss der 2022er Kampagne gab's dann noch den Laroque (St-Emilion).
Anfangs sehr fruchtige Nase nach sehr süßen Waldbeeren. Mit Luft verfliegt das schnell, der Wein entwickelt eine herbe, staubige Nase mit zwar vorhandener, aber deutlich zurückgenommener Frucht (rote Grütze) und deutlicher Blumigkeit (Pfingstrose) sowie aromatischen, gelben Früchten (Mirabelle und Orangenschale). Sehr hübsch!
Am Gaumen anfangs (überraschend) deutliches, kalkiges Tannin, dazu eine frische Säure und die mit rettichartiger Schärfe zupackende Kalksteinmineralität, die sogar eine deutliche salzige Komponente entwickelt. Leichte Vanille usw. vom Holz, aber alles sehr zurückhaltend. Im Abgang ganz leicht lakritzig mit einem leichten Bitterl, wie von einem Kräuterlikör (mit etwas Enzian). Die Frucht ist im Vergleich zur Nase nur sehr wenig ausgeprägt - der Wein wirkt sehr trocken, aber nicht trocknend. Wer also Angst hat vor der 2022er Süße, kann hier bedenkenlos zugreifen. Insgesamt ergibt sich aus Säure, Tannin und salzig-scharfer Kalksteinmineralität ein wunderbar saftiger Akkord, der dem Wein sehr viel Spannung und sogar eine gewisse kühle Eleganz verleiht. Andere St-Emilions wollen Pinot Noir sein - der hier ist roter Riesling. Der Alkohol von 14.5 Vol% ist sehr gut eingebunden. Schöne Länge. Zwar ohne die Komplexität der größeren Weine, aber schon beeindruckend gut gemacht, und sehr deutlich der beste Jahrgang bisher - ich teile Chrysostomus' Einschätzung voll und ganz: 92.
Cheers,
Ollie
Re: Bordeaux 2022
Verfasst: Sa 20. Dez 2025, 08:49
von pessac-léognan
Danke, Ollie, für deine ausführliche VKN.
Genau diese Kalksteinmineralität hatte ich beim 19er Laroque nach der Arrivage vermisst (Vgl. meine VKN vom 2. November 2021). Weißt du, ob Laroque inzwischen den CF-Anteil erhöht hat(wie ich es damals explizit empfohlen hatte)? Für mich war dieser Mangel jedenfalls so entscheidend, dass ich bei Laroque seither nicht mehr zugelangt habe - trotz des Lobs mancher Profi-Verkoster.
Deine VKN macht aber neugierig.
Gruß
Jean