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Re: Rhone 2010

Verfasst: Di 24. Mai 2011, 17:04
von Chris
innauen hat geschrieben: Aber was die Einschätzungsmöglichkeiten zur Qualität anbelangt: Einspruch! Was macht denn der Winzer anderes, wenn er die Pipette in das Weinfass führt und den Zustand des Weines überprüft?
Der Winzer überprüft seine Weine, bewertet Sie aber in der Regel nicht. Er überlässt diesen Part meist den Kritikern oder Händlern (ob diese davon mehr verstehen, steht auf einem anderen Blatt). Solche Fassproben haben aber auch ihre Tücken. Eine, der von mir mitgebrachten Fassproben, war buchstäblich zerfallen. Bei einer Kellerei wiederum waren sicher ein Drittel der Fässer in der malolaktischen Gärung und damit überhaupt nicht oder nur sehr schwer bewertbar. Gerade in den frühen Phasen ändert sich viel und im sonstigen Vergleich rasend schnell. Auch das Fass spielt hier eine nicht unwesentliche Rolle. Wer schon einmal Fassproben der gleichen Cuvee aus Fässern verschiedener Hersteller mit unterschiedlichen Toastgraden gemacht hat, weis wovon ich rede. ;)

Als Kaffesatzleserei möchte ich es dennoch keinesfalls abstrafen, wenn man weiss damit umzugehen und diese allenfalls als Indikation sieht.

innauen hat geschrieben: Aber die großen Rhoneweine und die GG werden ja auch per Subs vertickt. Deshalb wird es auch bald die Berichte über die Qualität der C9dP 2010 geben.
Die Berichte werden kommen und wieder für den üblichen Dikussionsstoff sorgen :P Gut so, sonst wäre es ja auch langweilig. :mrgreen:

Re: Rhone 2010

Verfasst: Fr 25. Nov 2011, 17:35
von weinfex
Habe gerade ein Fassmuster des Chateauneuf du Pape 2010 von
Ch. Beaucastel im Glas.
Nun ist die Rhone nicht mein persönliches "Spezialgebiet", was
sagen soll, dass ich schon so einiges im Jahr probiere aber trotzdem
mich nie so weit aus dem Fenster lehnen würde, wie ich es im Bordeaux mache,
aber es ist offensichtlich ein grosser C9p Jahrgang, in dem alle, die sonst vor
den Alkohol und Extraktionsgewalten "davonlaufen", sich endlich mal wieder mit
dem Gebiet "versöhnen" könnten. Beaucastel jedenfalls ist wirklich genial... :!:

Re: Rhone 2010

Verfasst: Di 29. Nov 2011, 16:27
von nougat
Genial könnte hinkommen, dafür spricht die verhaltene Bewertung von Parker(92-94), der diesen Wein einfach nicht 'versteht'. Beaucastel ist jedes Jahr auf meiner Sub-Liste, gerade weil hier zu Gunsten der Eleganz nicht auf übertriebene Konzentration gesetzt wird.

Re: Rhone 2010

Verfasst: Di 29. Nov 2011, 16:39
von sabul
Kann man Beaucastel und clos des papes stilistisch vergleichen oder sind die Weine völlig verschieden?

Gruß sabul

Re: Rhone 2010

Verfasst: Di 29. Nov 2011, 17:56
von dyingromeo
Hallo Ralph,

ich würde sagen "nein"!
Beaucastel "stinkt" im Alter fürchterlich nach den typischen Brett, Schweiß- und Wildnoten...muss man mögen!
Clos des Papes ist eigentlich immer auf der fruchtigen, eleganten Seite zu finden, eher burgundisch anmutend.
Bei Beaucastel weiß man schon beim Einschenken, dass es sich um einen C9dP handeln muss ... bei Clos des Papes verrät dies meist erst der 2. Schluck!

Re: Rhone 2010

Verfasst: Di 29. Nov 2011, 18:37
von octopussy
dyingromeo hat geschrieben: Beaucastel "stinkt" im Alter fürchterlich nach den typischen Brett, Schweiß- und Wildnoten...muss man mögen!
...nach einem Kuhstall, in dem feinstes Hermès-Tuch getragen wird. I love it :mrgreen:

Re: Rhone 2010

Verfasst: Di 29. Nov 2011, 18:48
von dyingromeo
octopussy hat geschrieben:
dyingromeo hat geschrieben: Beaucastel "stinkt" im Alter fürchterlich nach den typischen Brett, Schweiß- und Wildnoten...muss man mögen!
...nach einem Kuhstall, in dem feinstes Hermès-Tuch getragen wird. I love it :mrgreen:
Ich steh auch drauf....hin und wieder :mrgreen: :)

Re: Rhone 2010

Verfasst: Mi 30. Nov 2011, 09:22
von sabul
Hallo Christian,

danke für die Infos!

Das hört sich interessant an. Werde mir mal 2-3 Flaschen des 2010ers von Beaucastel zulegen.

Grüße Ralph

Re: Rhone 2010

Verfasst: Sa 7. Jan 2012, 16:26
von frankfurtwein
Hallo in die Weinrunde,

endlich hatte es sich ergeben, die 2009er sind leider alle, dass ich an die 2010 gehen konnte.

2010 Granacha Côtes du Rhóne Villages Signargues Vieilles Vignes
2010 Domaine d´ Andezon Côtes du Rhóne Villages Vieilles Vignes

Les Vignerons D´ Estezargues.

Hammer!! Super lecker, kraftvoll, irgendwie auch elegant, schon super zugänglich. Kleine Weine, für kleines Geld, aber schön zu trinken.

Jedoch!! Sau viel Alkohol, bei 15.5%. Wohl dem der ein Fläschchen trinkt :D .

Gruß Gernot

Re: Rhone 2010

Verfasst: Di 10. Jan 2012, 21:15
von octopussy
Salut,

leider habe ich es immer noch nicht abgelegt, mich bei günstigen Weinen hin und wieder von überschwänglichen Parker-Bewertungen beeindrucken zu lassen. Neulich las ich Folgendes über einen Côtes du Rhône für knapp unter 10 Euro (Michel Gassier 2010 Côtes du Rhône Vielles Vignes "Cercius"):
Robert M. Parker hat geschrieben:"Wow, this is an exciting wine!... ...up-and-coming superstar... ...70- to 80-year-old Grenache vines on the plateau of Domazan to the south of Chateauneuf du Pape... ...This sensational wine tastes more like Chateauneuf du Pape than just about any Cotes du Rhone one is likely to find... ...This is one of the greatest Cotes du Rhones I have ever tasted - wonderfully intense... ...stunning nose... ...Round, generous, opulent and heady, this fabulously intense, hedonistic wine should be drunk over the next 3-4 years. Bravo!"
Und dann: 93 Points. Für einen Côtes du Rhône für knapp unter 10 Euro. Ich konnte nicht widerstehen und habe zwei Flaschen bestellt. Nun, der Wein ist fast unfallfrei zu trinken (nur, wenn man es in Maßen tut), aber meinen Geschmack trifft er definitiv nicht. Parkers Verkostungsnotiz, in der er von Brombeerlikör, Lakritze und provenzalischem Lavendel spricht, halte ich für sehr treffend. Es mag Autosuggestion sein, aber diese Elemente finde ich in dem Wein wieder.

In meiner eigenen Bewertung dieses Brutus komme ich jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis als Parker. Ich finde ihn einfach zu heftig. Man riecht und schmeckt die 15 Volumenprozent Alkohol (laut Etikett, könnten auch 16 sein) doch sehr deutlich heraus. Die Aromen kommen vierschrötig daher, Finesse oder Komplexität kann ich auch nicht als Potenzial erkennen. Das Finish ist brandig und bittersüß.

Der Wein ist ein "Projektwein", eine Cuvée, die von dem Costières de Nîmes Winzer Michel Gassier, zusammen mit dem US-Händler Eric Solomon und dem bekannten Berater Philippe Cambie, dessen Kundenliste zahlreiche bekannte Namen v.a. an der südlichen Rhône umfasst (z.B. Clos St.-Jean, Clos du Caillou, Les Cailloux, Saint-Préfert), zusammengestellt wurde. Philippe Cambie war "Winemaker of the year 2010" bei Parker. Michel Gassier wird von Parker als "Costières de Nimes Up and Coming Superstar" bezeichnet.

Mir zeigt dieses "Erlebnis" noch einmal, wie unterschiedlich die Geschmäcker doch sind. Denn dass mir der Wein nicht schmeckt, heißt noch lange nicht, dass er nicht anderen ganz ausgezeichnet schmeckt. Seine 10 Euro ist der Wein auch durchaus wert. Aber für den Preis finde ich auch andere Côtes du Rhône, die mir besser schmecken, die vielleicht etwas weniger ambitioniert sind, vielleicht auch etwas rustikaler, aber die man auch einfach so trinken kann. Der "Cercius" ist nämlich gerade zum Essen nahezu untrinkbar. Dieser Hustensaft erschlägt alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist ;).

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