Salut,
leider habe ich es immer noch nicht abgelegt, mich bei günstigen Weinen hin und wieder von überschwänglichen Parker-Bewertungen beeindrucken zu lassen. Neulich las ich Folgendes über einen Côtes du Rhône für knapp unter 10 Euro (
Michel Gassier 2010 Côtes du Rhône Vielles Vignes "Cercius"):
Robert M. Parker hat geschrieben:"Wow, this is an exciting wine!... ...up-and-coming superstar... ...70- to 80-year-old Grenache vines on the plateau of Domazan to the south of Chateauneuf du Pape... ...This sensational wine tastes more like Chateauneuf du Pape than just about any Cotes du Rhone one is likely to find... ...This is one of the greatest Cotes du Rhones I have ever tasted - wonderfully intense... ...stunning nose... ...Round, generous, opulent and heady, this fabulously intense, hedonistic wine should be drunk over the next 3-4 years. Bravo!"
Und dann: 93 Points. Für einen Côtes du Rhône für knapp unter 10 Euro. Ich konnte nicht widerstehen und habe zwei Flaschen bestellt. Nun, der Wein ist fast unfallfrei zu trinken (nur, wenn man es in Maßen tut), aber meinen Geschmack trifft er definitiv nicht. Parkers Verkostungsnotiz, in der er von Brombeerlikör, Lakritze und provenzalischem Lavendel spricht, halte ich für sehr treffend. Es mag Autosuggestion sein, aber diese Elemente finde ich in dem Wein wieder.
In meiner eigenen Bewertung dieses Brutus komme ich jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis als Parker. Ich finde ihn einfach zu heftig. Man riecht und schmeckt die 15 Volumenprozent Alkohol (laut Etikett, könnten auch 16 sein) doch sehr deutlich heraus. Die Aromen kommen vierschrötig daher, Finesse oder Komplexität kann ich auch nicht als Potenzial erkennen. Das Finish ist brandig und bittersüß.
Der Wein ist ein "Projektwein", eine Cuvée, die von dem Costières de Nîmes Winzer Michel Gassier, zusammen mit dem US-Händler Eric Solomon und dem bekannten Berater Philippe Cambie, dessen Kundenliste zahlreiche bekannte Namen v.a. an der südlichen Rhône umfasst (z.B. Clos St.-Jean, Clos du Caillou, Les Cailloux, Saint-Préfert), zusammengestellt wurde. Philippe Cambie war "Winemaker of the year 2010" bei Parker. Michel Gassier wird von Parker als "Costières de Nimes Up and Coming Superstar" bezeichnet.
Mir zeigt dieses "Erlebnis" noch einmal, wie unterschiedlich die Geschmäcker doch sind. Denn dass mir der Wein nicht schmeckt, heißt noch lange nicht, dass er nicht anderen ganz ausgezeichnet schmeckt. Seine 10 Euro ist der Wein auch durchaus wert. Aber für den Preis finde ich auch andere Côtes du Rhône, die mir besser schmecken, die vielleicht etwas weniger ambitioniert sind, vielleicht auch etwas rustikaler, aber die man auch einfach so trinken kann. Der "Cercius" ist nämlich gerade zum Essen nahezu untrinkbar. Dieser Hustensaft erschlägt alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist

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