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Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 13:36
von Gerald
Interessant finde ich die Analysenwerte schon, auch wenn sie - wie von meinen Vorschreiben ja schon ausgeführt - nicht immer mit der sensorischen Wahrnehmung übereinstimmen.
Was mir aber schon öfters auffällt: wenn ich in der Datenbank eine VKN eintrage und als Vorlage einen Vorgängerjahrgang verwende, dann passiert es - gefühlsmäßig zumindest - recht häufig, dass hier exakt die gleichen Werte stehen. Das ist natürlich möglich, scheint mir aber trotzdem nicht allzu plausibel ...
Grüße
Gerald
Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 14:10
von Gaston
amateur des vins hat geschrieben: ↑Fr 4. Sep 2026, 10:42
Warum wird i.d.R. bei Rotwein ein um einen halben bis ganzen Prozentpunkt oder noch mehr höherer Alkoholgehalt toleriert?
Ich kann hier nur für mich sprechen. Wahrscheinlich, weil Rotweine im Schnitt
generell höhere Alkoholwerte als Weisswein haben. Wobei ich hier als mehrheitlich Riesling-Trinker vor allem diese Rebsorte im Auge habe. Hier bewegen sich die Alkoholwerte ja erfreuchlicherweise (noch) in der Regel um die 12/12,5%. (Ich finde auch, dass bei Riesling höhere Alkoholwerte so ab 13,5 tatsächlich oft die Harmonie und Struktur beeinträchtigen, was ich bei Rotweinen weniger empfinde.) Diese, selbst die von mir bevorzugt konsumierten mitteleuropäischen Spätburgunder oder auch Blaufränkische schaffens ja eher selten unter 13%.
amateur des vins hat geschrieben: ↑Fr 4. Sep 2026, 10:42
Gibt es also eine inhärente Eigenschaft, die Weißweine eher "niederalkaffin" und Rotweine eher "höheralkaffin" macht? Und ist Orangewein auch beim Alk. Wanderer zwischen den Welten? Reifen Rotweinsorten physiologisch generell später, sodaß sich der höhere Alk. zwangsläufig ergibt? Und warum wäre das so - natürliche pflanzenphysiologische Gründe oder Selektion durch Menschen?
Darauf kann ich dir keine fundierte Antwort geben. Das müssten Berufenere tun.
Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 16:38
von UlliB
Gerald hat geschrieben: ↑Fr 4. Sep 2026, 13:36
Was mir aber schon öfters auffällt: wenn ich in der Datenbank eine VKN eintrage und als Vorlage einen Vorgängerjahrgang verwende, dann passiert es - gefühlsmäßig zumindest - recht häufig, dass hier exakt die gleichen Werte stehen. Das ist natürlich möglich, scheint mir aber trotzdem nicht allzu plausibel ...
Ja,
copy&paste kommt vor, bei Händlern nach meiner Beobachtung mehr als bei den Erzeugern, sofern sich letztere denn überhaupt zu den Analysenwerten äußern.
Die rechtliche Basis ist klar:
- deklarationspflichtig ist seit langem der Alkoholgehalt in %Vol., allerdings mit einer Toleranz von bis zu ±0,5%Vol.
- seit dem Jahrgang 2024 muss in der EU der Zuckergehalt auf dem Etikett (evtl. per QR-Code) und online auch durch den Verkäufer ausgewiesen werden, allerdings mit einer ganz enormen Toleranz von bis zu 2 Gramm / 100mL. Wird diese Toleranz vollständig ausgenutzt, ist die Angabe für den Weintrinker praktisch wertlos.
- alle anderen Parameter wie z.b. der Säuregehalt werden, wenn überhaupt, freiwillig angegeben. Inwieweit da Falschangaben aus wettbewerbsrechtlicher Sicht justitiabel wären, weiß ich nicht.
Insgesamt gesehen würde ich sagen, dass die für den Konsumenten verfügbaren Daten unzuverlässig sind und es darauf ankommt, wie sorgfältig (und ehrlich) Erzeuger und Händler vorgehen. Soweit ich das beurteilen kann, sind manche sehr sorgfältig, andere eher nicht, und manche ignorieren die Deklarationspflicht bei den Nährwerten und Zusatzstoffen nach wie vor ganz.
Gruß
Ulli
Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 18:32
von Gerald
Ja, danke für die ausführliche Info. Dass Säure- und Zuckergehalt eine freiwillige Angabe sind, war mir ohnehin klar. Was ich damit sagen wollte: ich würde ohnehin nicht darauf vertrauen, dass die auf der Website des Weinguts zu lesenden Werte korrekt sind. Gerade beim zuletzt getrunkenen Wein (Grüner Veltliner Hermannschachern 2024 von Ebner-Ebenauer) ist mir das aufgefallen, dass also der 2024er exakt die gleichen Werte wie der 2022er hat. Allerdings - gerade erst jetzt bemerkt - steht bei diesem Wein auf der Website des Weinguts zum Jahrgang 2024 auch ein Erntezeitpunkt "September 2023"

Also auch copy & paste ist nicht so einfach, wie man annehmen könnte.
Und den Angaben bei den diversen Onlineshops würde ich noch weniger vertrauen ...
Grüße
Gerald
Re: Analysenwerte
Verfasst: Fr 4. Sep 2026, 21:07
von Rieslingfan
JPO hat geschrieben: ↑Fr 4. Sep 2026, 12:11
Schmecken muss der Wein.
Schon klar, dennoch interessieren mich die Analysewerte (Alkohol, Restsüße, Säure)
Re: Analysenwerte
Verfasst: Sa 5. Sep 2026, 06:39
von Gerald
Rieslingfan hat geschrieben: ↑Fr 4. Sep 2026, 21:07
JPO hat geschrieben: ↑Fr 4. Sep 2026, 12:11
Schmecken muss der Wein.
Schon klar, dennoch interessieren mich die Analysewerte (Alkohol, Restsüße, Säure)
Ja, natürlich - wenn man einmal davon ausgehen kann, dass sie auch stimmen (siehe oben). Aber das Thema betrifft bei dir ohnehin ja ausschließlich Wittmann und die dürften ja zuverlässige Angaben machen.
Grüße
Gerald
Re: Analysenwerte
Verfasst: Sa 5. Sep 2026, 10:25
von EThC
JPO hat geschrieben: ↑Fr 4. Sep 2026, 12:11
Analysewerte sind mir Latte.
Schmecken muss der Wein. Warum er schmeckt - der Gaumen des Herrn ist unergründlich...
...wenn's denn mal soweit ist, daß was schmeckt, ist's mir meistens auch egal, aber ich kaufe ja nicht alles erst nach erfolgter Verkostung. Und bei Auffälligkeiten -auch und gerade wenn's gut ist- guggich denn schon mal, sofern möglich...
Re: Analysenwerte
Verfasst: Sa 5. Sep 2026, 10:42
von Udo2009
Wenn die Zucker- und Säurewerte je Liter nicht schon auf der Webseite oder in der Preisliste stehen, frage ich den Winzer einfach per E-Mail nach den "klassischen" Analysedaten an. Bis auf einen, der die Werte grundsätzlich nicht herausgibt, da Wein aus mehr als Säure und Zucker besteht, haben bisher alle Winzer geantwortet.
Re: Analysenwerte
Verfasst: Mo 7. Sep 2026, 19:30
von Lars Dragl
UlliB hat geschrieben: ↑Fr 4. Sep 2026, 11:08
"Genossenschaftsdoktrin"
Hallo Ulli!
Auf dem Papier ist das auch bei mir ein Grund sowas nicht blind zu kaufen, da habe ich schon gruselige Erfahrungen gemacht (natürlich auch bei VDP-Betrieben). Aus Versehen ging das aber schon gut, aber eben nur bei guten Erzeugern.
LG
Lars
Re: Analysenwerte
Verfasst: Mo 7. Sep 2026, 20:19
von Dominik Mueller
Für mich spielt das gar keine Rolle. Noch nie habe ich etwas davon nachgeschaut, nicht einmal der Alkohol auf dem Etikett findet bei meinem Einkauf Berücksichtigung. Insofern bin ich auch gänzlich ungebildet darin, welcher Säure- oder Restzuckergehalt nun hoch oder niedrig ist. Viele hier haben diese Bildungslücke nicht, wie ich lese.
Mit dem Winzer wollte ich darüber nicht sprechen. Ich frage eher, wie zufrieden man mit dem Jahrgang ist oder ob es besonders herausfordernd war, um ein "Gefühl" zu bekommen.