Martin Müllen

Bernd Schulz
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Re: Martin Müllen

Beitrag von Bernd Schulz »

Soeben getrunken:

Bild

Hier stimmt für meine Begriffe alles - der immer noch für weniger als zehn Euronen erhältliche Wein kann hinsichtlich seines Reifeverhaltens und seines Geschmacksreichtums locker mit so manchem Großen Gewächs konkurrieren. Mosel trocken für > 10 Euro geht höchstens anders, aber besser nimmermehr!

Viele Grüße

Bernd
manubi
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Re: Martin Müllen

Beitrag von manubi »

Hallo Bernd,

Diese VKN war für mich der Grund, sofort bei MM eine Kiste von diesem Stoff zu ordern. Wurde heute geliefert.
Natürlich konnte ich der Versuchung nicht widerstehen und hab sofort eine aufgemacht und kühl gestellt. Der Probeschluck war nicht so berauschend, immerhin fehlerfrei, daher dekantiert (mache ich inzwischen mit vielen Weißweinen).

Jetzt, 2 Stunden später: Wow, was für ein Wein für knappe 10 Euronen! Neben den von dir geschilderten Geschmackskomponenten finde ich ganz deutlich Gartenkräuter (Minze, Salbei) und Schiiieeefer! - noch und noch. Gute 11° scheinen mir die beste Trinktemperatur zu sein (aktuell 11,2° - perfekt).

Wenn Martin nicht innerhalb kürzester Zeit mit diesem Stoff ausverkauft ist, dann ist den Afficionados nicht mehr zu helfen.

Und: es ist wirklich nur ein kleines Zuckerschwänzchen, das den Eindruck eines trockenen Rieslings nicht im mindesten beeinträchtigt.

In dieser Form ist und bleibt Mosel mein absolut favorisiertes Anbaugebiet. Im direkten Vergleich hat ein 2011er Forster (Mittelhaardt) in der selben Preisklasse nicht den Hauch einer Chance.

Beste Grüße

Manfred
Ich koche immer mit Wein. Manchmal kommt sogar etwas davon in den Topf . . .
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Allegro
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Re: Martin Müllen

Beitrag von Allegro »

@ Bernd, könnte dieser Würzgarten auch was für mich sein ?
Viele Grüße - Allegro
Bernd Schulz
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Re: Martin Müllen

Beitrag von Bernd Schulz »

Hallo Manfred,

freut mich, dass dir der Wein ähnlich gut wie mir gefallen hat!
Gute 11° scheinen mir die beste Trinktemperatur zu sein (aktuell 11,2° - perfekt).
Ich als bekennender Warmtrinker bevorzuge eher 14 - 15 Grad. Aber das ist eine Sache des individuellen Geschmacks.
Wenn Martin nicht innerhalb kürzester Zeit mit diesem Stoff ausverkauft ist, dann ist den Afficionados nicht mehr zu helfen.
Hoffentlich lassen mir die Afficionados noch etwas davon übrig! Ich will nämlich demnächst wieder bei Martin bestellen, komme aber aus diesem und jenem Grund erst übernächste Woche dazu.

Viele Grüße

Bernd
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UlliB
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Re: Martin Müllen

Beitrag von UlliB »

Gerade im Glas:

2013 Kröver Paradies Riesling Kabinett feinherb (Martin Müllen) 9,5%Vol. Blasses Grüngelb. Saubere, sehr zurückhaltende, aber auch sehr feine Nase: etwas Zitrus, betont schiefrig, dezente Kräuterwürze, interessanterweise auch zarte Reifetöne. Im Gaumen fast trocken wirkend (tatsächlich hätte ich hier die Bezeichnung "trocken" angesichts dessen, was man darunter in D und insbesondere an der Mosel sonst so ins Glas bekommt, nicht moniert); dominante, allerdings nicht aggressive Säure; insgesamt sehr schlank und hart an der Grenze zur Magerkeit. Angemessene Länge.

Blitzsauber (was ich bei Müllen nicht immer erlebe) und ungemein authentisch wirkend; Mosel völlig unverstellt. Ich bin hin- und hergerissen: das ist wegen dieser Authentizität schon toll, aber andererseits gemessen an heutigen Standards auch schon etwas arg dürr und mager, völlig uncharmant. Wer deutsche GGs und österreichische Smaragde goutiert, wird vermutlich mit diesem Wein wenig bis gar nichts anfangen können. Etwas für Freaks und Spezialisten oder, in meinem Fall, für Nostalgiker - und ganz bestimmt kein crowd pleaser.

Gruß
Ulli
manubi
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Re: Martin Müllen

Beitrag von manubi »

Bernd Schulz:

"Ich als bekennender Warmtrinker bevorzuge eher 14 - 15 Grad. Aber das ist eine Sache des individuellen Geschmacks."




Hallo,

dieser Satz von Bernd, den ich als profunden Rieslingkenner sehr schätze, war für mich Anlass, die Temperatur-Geschmackszusammenhänge beim

2009 Trabener Würzgarten Spätlese trocken von Mertin Müllen

einmal näher zu untersuchen.

Hier das Ergebnis, das natürlich nur für mich und meine persönlichen Geschmacksempfindungen steht:

18:30 Uhr geöffnet, kühlschrankkalte 8.2 °: weder in der Nase noch am Gaumen gibt er was her

19:10 Uhr: bei jetzt 9.6 ° kommen erste Naseneindrücke (Honig, Weinblüten, ein Hauch Basilikum(?? :? )) und auch am Gaumen regt Schmeckbares: begleitet von einem kleinen Bitterl zeigen sich Mineralien, Gartenkräuter (Salbei) und erste Andeutungen von Frucht - ich deute sie als Mirabelle.

19:50 Uhr: Jetzt ist er bei 11.1 °. Da startet sowohl in der Nase wie auch am Gaumen ein kleines Feuerwerk. Tabak und Rotkraut(??! :oops: ) sind hinzugekommen, auch ein wenig Mandarinenschale. Am Gaumen ist das anfängliche Bitterl völlig weg, Dafür sind die Gartenkräuter deutlicher geworden, ebenso die verschiedenen Fruchtnoten (Weintraube - welche Überraschung!, Mirabelle, gelbe Johannisbeeren, ein wenig Exotisches (Litschi)), die Schiefernote hat sich verstärkt und jetzt ist auch die Säure (keineswegs unangenehme) Geschmacksbegleterin. So habe ich ihn als (für mich) ideal in Erinnerung.

20:35 Uhr: mit jetzt 12,3° ist er für mich am oberen Ende des optimalen Temperaturbereiches angekommen. Natürlich verstärken sich die Geschmackskomponenten bei höherer Trinktemperatur, die angenehmen wie auch die weniger angenehmen. Das Bitterl meldet sich zurück, auch die Säure schiebt sich mehr in den Vordergrund und überlagert langsam, aber sicher, die Frucht.

21:05 Uhr: Temperatur jetzt 13,1 °. Die Bayern führen gegen den HSV immer noch (seit der 6. Minute) mit 1:0.
Nach meinem Geschmacksempfinden hat der Würzgarten jetzt erheblich von seinem großartigen Format zwischen 11 und 12 ° eingebüßt. In der Nase und am Gaumen dominiert jetzt die Säure. Der Rest wandert daher jetzt noch einmal für eine Stunde in den Kühlschrank.

Es bleibt als Fazit: der 2009er Trabener Würzgarten Spätlese trocken von Martin Müllen war für € 9,90 ein wahres Schnäppchen. Glasklar wie ein Gebirgsbach, trocken und ehrlich bis auf die Knochen. Die ideale Trinktemperatur soll und muss jeder für sich selbst bestimmen.

Beste Grüße

Manfred
Ich koche immer mit Wein. Manchmal kommt sogar etwas davon in den Topf . . .
bordeauxlover
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Re: Martin Müllen

Beitrag von bordeauxlover »

Hallo Manfred,
spannendes und aufschlussreiches Trinkexperiment! Eine Frage: Mit welcher Methode/Thermometerart hast Du die Trinktemperatur auf 1/10 Grad genau gemessen?

Schöne Grüße
Armin
manubi
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Re: Martin Müllen

Beitrag von manubi »

bordeauxlover hat geschrieben:Hallo Manfred,
spannendes und aufschlussreiches Trinkexperiment! Eine Frage: Mit welcher Methode/Thermometerart hast Du die Trinktemperatur auf 1/10 Grad genau gemessen?

Schöne Grüße
Hallo bordeauxlover,

ich habe aus meinen Fotolaborzeiten noch ein altes (Quecksilber-) Fotothermometer. Zwischen 5 und 30 ° zeigt es die Temperatur auf 1/10 ° genau an - und es reagiert recht schnell.

Beste Grüße

Manfred
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mha71
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Re: Martin Müllen

Beitrag von mha71 »

Habe mal ne Frage zum Trarbacher Hühnerberg: Am Wochenende habe ich mal wieder eine Fl. vom einfachen 2008'er QBA aus dem Hühnerberg geöffnet.
Der Wein ist wirklich klasse, aber was mich überrascht hat, ist die Charakteristik des Weins, die ich zumindest blind zunächst wohl nicht an die Mosel verortet hätte. Der Wein ist für die Mosel nach meinem Empfinden sehr kräftig. Es ist zwar durchaus die bekannte Schiefer-Würze vorhanden (zumindest das, was ich mir darunter denke und was ich von anderen Mosel-Rieslingen kenne ;-) ), aber gleichzeitig empfand insb. mit Luftzufuhr ich eine 'kalkige' Komponente, die mich dann eher an Rieslinge aus der Pfalz oder auch aus Rheinhessen erinnert hat, welche ja oft auf Kalkstein wachsen. Aber der Hühnerberg hat ja m.W. keine Komponenten aus Kalkstein, sondern eben Schiefer.

Wie sehen die 'Experten' hier die Weine aus dem Hühnerberg? Ich habe da noch nicht die grosse Erfahrung, hatte insg. erst 3 unterschiedliche Weine (trockene Kabinette aus 2011, 2012 und eben den QBA aus 2008). In jedem Fall scheint diese Lage nach meinem Empfinden mehr 'Kraft' einzubringen, als man es ansonsten von der Mosel gewohnt ist.
Bernd Schulz
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Re: Martin Müllen

Beitrag von Bernd Schulz »

Interessanterweise sehe ich das genau umkehrt - unter den Lagen, in denen Martin Müllen begütert ist, ist der Hühnerberg meistens diejenige, die die feingliedrigsten und elegantesten Weine hervorbringt (in Blindverkostungen haben wir schon häufig eine gewisse Nähe zur Wehlener Sonnenuhr konstatiert). Dazu passt auch, dass das Lesegut aus dem Hühnerberg oft ein etwas niedrigeres Mostgewicht aufweist.

Allerdings wirken die Hühnerberg-Rieslinge nicht selten sehr mineralisch. Vielleicht ist es diese Komponente, die dich unwillkürlich an "Kalk" denken lässt?

Herzliche Grüße

Bernd
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