Beaujolais

Chablis, Auxerre und Umgebung, Côte de Nuits, Côte de Beaune, Châlonnais, Maconnais, Beaujolais und Lyonnais
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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Da bin ich aber beruhigt, George. Ansonsten hilft nur 2012er oder sogar schon 2013er trinken, evtl. sogar einfach nur die Beaujolais-Villages der guten Erzeuger. Solange, bis die anderen Bojos im Keller im Trinkfenster sind ;) .
Beste Grüße, Stephan
m_arcon
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Re: Beaujolais

Beitrag von m_arcon »

octopussy hat geschrieben:Hallo Marc,

willkommen in der wunderbaren Welt des Beaujolais :). Den 2010 Fleurie von Jean Foillard kenne ich noch nicht, ich denke, ich werde ihn wohl auch nie probieren, denn im Gegensatz zu den Morgons von Foillard ist der Fleurie echt schwer zu finden. Den 2009er hatten wir in einer von Oles 2009 Fleurie Proben letztes Jahr, wo er in den Top 5 von mehr als 20 Weinen gelandet ist. Ein echt toller Wein. Aus 2010 habe ich von Foillard bislang den Morgon und den Morgon Côte du Py getrunken, beide gut, aber viele 2010er sind derzeit etwas zickig, brauchen viel Luft, um sich zu harmonisieren. Die sind derzeit bei mir eher hinten im Trinkregal.
Hallo Stephan,

deine VKN zum 2009ner Fleurie hab ich gelesen, die Weine scheinen mir aber mehr auf der reiferen, fruchtigeren Seite angesiedelt zu sein im Vergleich zu den 2010nern.
Ich werde mich mal nach den Morgons umschauen. Hattest du das Morgon Côte du Py Cuvée 3.14 schon mal im Glas?


Grüße
Marc
m_arcon
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Re: Beaujolais

Beitrag von m_arcon »

Guten Morgen zusammen,

ich bins nochmal kurz, habe heute morgen bei Jancis Robinson einen kleinen, aktuellen Beitrag zu etwas gereifteren Beaujolais gesehen und wollte euch diesen nicht vorenthalten :)

Mehr hier: http://www.jancisrobinson.com/articles/a201405143.html


Have a nice weekend!
Marc
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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

m_arcon hat geschrieben: Hattest du das Morgon Côte du Py Cuvée 3.14 schon mal im Glas?
Hallo Marc,

nein, den Wein hab ich noch nicht getrunken und auch nicht im Keller. Aber es wird sich sicher mal eine Gelegenheit ergeben. Danke auch für den Link zu dem Artikel von Jancis Robinson, dazu gab es auch schon ein kleines Feature unter der Woche. Ich würde sagen, dass bei einigen Beaujolais die Flaschenreife eher Glückssache ist (und natürlich auch vom Jahrgang abhängt). Ich habe allerdings das Gefühl, dass gerade die neue Generation burgundisch vinifizierter Moulin-à-Vents und anderer Beaujolais Crus von z.B. Ch. des Jacques, Ch. du Moulin-à-Vent, Thibault Liger-Belair, Domaine Labruyère, Xavier & Nicolas Barbet, Clos de MEZ oder Villa Ponciago sich im Reifeverhalten eher wie Burgunder auf ca. Village-Level verhalten werden.

Hier noch zwei Notizen von dieses Wochenende probierten/getrunkenen Morgons des Newcomers Raphael Chopin aus Lantigné. Den 2012 Morgon Charmes habe ich nur kurz probiert, hat gut geschmeckt, war vielleicht einen Hauch unausgewogen im Abgang, aber mit der Struktur, um sich zu harmonisieren. Den 2011 Morgon Archambault fand ich wirklich exzellent, gut strukturiert, knackig, mit genügend Substanz für eine mittelfristige Reifung ausgestattet. Von der Domaine werde ich mir definitiv ein paar Flaschen in den Keller legen.

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Beste Grüße, Stephan
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UlliB
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Re: Beaujolais

Beitrag von UlliB »

Moulin à Vent "La Rochelle" 2009 (Merlin) 13%Vol. Ziemlich dunkles rot, schmaler granatfarbener Rand. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen unerwartet dicht, schöne Frucht: Kirsche und ein Hauch Backpflaume, untermalt von einem zarten Holzton; viel Substanz; wirkt "warm" und geschmeidig, aber gut balanciert durch frische Säure. Spürbares Tannin und eine gewisse Unverbundenheit der Komponenten lassen vermuten, dass der Wein sich mit ein wenig mehr Lagerung noch verbessern wird. Hat bereits jetzt einiges Depot geworfen.

Beaujolais kommt mir eher selten ins Glas, und wenn, dann ist das in aller Regel ein zwiespältiges bis regelrecht enttäuschendes Erlebnis. Hier nicht, der Wein gefällt mir sehr gut, auch wenn er mich nicht wirtklich begeistert.

Eben weil ich wenig Umgang mit Beaujolais habe, fällt es mir auch schwer, den Wein einzuordnen: ist so ein doch sehr dichtes "Geschoss" mit erkennbarem Reifebedarf für diesen cru typisch? Ich weiß es nicht. Hätte ich den Wein blind ins Glas bekommen, wäre meine Vermutung in eine völlig andere Richtung gegangen: gemäßigt modern vinifizierte Barbera irgendwo aus dem Piemont - wegen der Kombination aus intensiver Frucht, geschmeidiger Dichte und spürbarer Säure bei sehr dezentem Holzeinsatz. Nun ja, weit daneben ist auch nur am Ziel vorbei... :oops:

Gruß
Ulli
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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Hallo Ulli,

danke für die Notiz. Die Assoziation zu Barbera finde ich nicht abwegig. Den Wein kenne ich selber nicht aus eigener Erfahrung, aber die Notiz mit reifer Frucht und leichten Backpflaumenaromen passt 100% zu Beaujolais Crus aus 2009 aus Terroirs, die volle Weine ergeben. Die Lage La Rochelle liegt oben auf dem Hügel bei der Windmühle Richtung Chénas und Fleurie. Da werden die Weine im Stil voller als auf der anderen Seite des Dorfes Fleurie oder in Chénas Richtung Hügel. Ich hab von dem Wein den 2011er. Den werde ich demnächst mal aufziehen und bin gespannt, ob er sich ähnlich präsentiert, denn auch 2011 war ein eher reifes Jahr.
Beste Grüße, Stephan
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octopussy
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Re: Beaujolais

Beitrag von octopussy »

Moin,

diese Woche hatten wir endlich mal wieder Zeit für unsere eigentlich monatlich stattfindende Beaujolais-Runde. Ole hatte eingeladen zu ein paar Morgons aus 2005. Wohl dem, der so viel Morgon aus 2005 im Keller hat, dass er gleich mehrere Möglichkeiten für Vergleiche präsentieren kann. Wir entschieden uns für "Quer Beet".

[album]2548[/album]

Los ging es mit 2005 Morgon "Cuvée du Père Claude" von Armand & Richard Chatelet, einem Erzeuger, von dem ich noch nie etwas gehört hatte. Der Wein war recht gut, nicht sensationell, aber sauber, klar in der Frucht und mit einer eher herben Aromatik. Ein guter Einsteig und ein klassischer Cru Beaujolais, von dem man zu zweit zur Wurstplatte unkompliziert eine Pulle trinkt.

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Der zweite Wein war stilistisch ganz anders. Der 2005 Morgon Côte du Py Vieilles Vignes von Pierre Savoye war viel helltöniger in der Aromatik, blind hätte ich ihn (trotz anderen Bodens) wohl für einen Fleurie oder Chiroubles gehalten. Rote Beeren dominierten bei dem Wein das Geschmacksbild, er war sehr fein ausziseliert und wunderbar elegant, das bei einem hervorragenden Trinkfluss. Ein Name, den ich mir merken werde.

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Wein 3 erinnerte wieder mehr an Wein 1. Mit einem unglaublich hässlichen Etikett versehen war er, der 2005 Morgon Charmes der Domaine de la Côte des Charmes. Der Wein selber war nicht schlecht, aber etwas unharmonisch und einfach.

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"Save the best for last" ist nicht nur ein kitschiger Song aus den frühen 90ern, sondern auch das Motto, das wir an dem Beaujolais-Abend verfolgten. Das fulminante Finale startete mit dem 2005 Morgon Côte du Py von Dominique Piron, dessen bekanntester Wein der Chénas "Quartz" sein dürfte, der zusammen mit dem ***-Restaurant Lameloise in Chagny erzeugt wird. Zunächst wirkte der Wein sehr Beaujolais-untypisch mit seinen animalischen Noten und einer Aromatik, die frappierend an Syrah von der Nord-Rhône erinnerte, einer unglaublich festen Struktur und einem für Beaujolais nicht gerade typischen Tannin-Wall. Mit der Zeit wurde er aber immer zugänglicher und feiner und ging auch aromatisch mehr in Richtung Morgon (Kirschfrucht). In jedem Fall war der Wein noch sehr jung und einfach saugut.

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Zuletzt hatten wir noch den 2005 Morgon Côte du Py "Javernières" von Louis-Claude Desvignes aus einer Parzelle an der Côte du Py mit einem höheren Lehmanteil. Vor etwas mehr als einem halben Jahr war der Wein schon fantastisch, aber sehr verschlossen. Jetzt war er einfach hinreißend, sehr komplex, fein, elegant, komplett. Ein wunderbares Trinkvergnügen.

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Im Fazit hat sich mal wieder gezeigt, dass 2005 ein großartiger Beaujolais-Jahrgang ist, jedenfalls wenn es um lagerfähige Weine geht, die über die junge Frucht hinaus etwas bieten sollen. Selbst eher einfache Weine wie Wein 1 und Wein 3 oben wirkten null müde, haben sich nur evtl. mit der Zeit nicht stark verbessert. Aber Weine wie die von Piron oder Desvignes erscheinen erst jetzt am Anfang ihrer richtig guten Trinkreife und werden sich über die nächsten fünf bis sechs Jahre noch größtes Vergnügen bieten. Mein Dank geht an Ole für die schöne Auswahl.
Beste Grüße, Stephan
Kle
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Re: Beaujolais

Beitrag von Kle »

Eigentlich liegen mir Weine aus dem Beaujolais nicht. Ich denke, es ist ein Beigeschmack der Gamay-Traube, der mir missfällt. In den letzten Wochen habe ich mich verstärkt mit dem Beaujolais beschäftigt und bin immer wieder auf dieses Frucht-Hautgout gestoßen. Auch erschienen mir manche Weine zu fruchtbetont und kurz. Andere Vertreter der Region hielten hingegen das Interesse und die Neugierde wach: Sie unterschieden sich auf markante Weise von vielen anderen Weinen, die so ins Glas gelangen. Kaum glaubte ich, einer sei einfach gestrickt oder dropsig, überraschte er mit feiner Würze. Aus einer gewissen Deftigkeit und Erdigkeit ging oft eine entzückende Frische hervor.
Als einen außerordentlichen Vertreter habe ich wiederholt Pierre-Marie Chermette Domaine du Vissoux entdeckt. Zuletzt hat Coeur de Vendanges 2012 meiner Einstellung zum Beaujolais einen Schub versetzt. Als Erfahrung, welche Überraschungen und welch beglückend eigensinnigen Geschmackserlebnisse hier möglich sind.
Am ersten Tag schmeckt der Wein zwar fein, besitzt aber wenig Profil. Nach einer Nacht im Kühlschrank eine explodierende, mehrdimensionale Frucht im Glas. So überwältigend, dass neben der „Primärfurcht“ nichts vermisst wird. Natürlich kann der Wein diese ekstatische Ausdruckskraft nicht halten, wohl aber das Niveau. Fein-rauchige Fruchtaromen, erdige Nuancen, öfter ein leicht pappiger Eindruck, Säure, die stützt ohne aufdringlich zu sein. Es macht Freude, dem nuancierten, wenig vorhersehbaren Aromenspiel zu folgen. Ein Wein, dem ich nicht nachschmecken muss, sondern unbedingt will!
Aber Achtung: Als er wärmer wird, lässt er deutlich nach. Die Empfehlung, Beaujolais leicht gekühlt zu trinken, leuchtet mir zunehmend ein.

Gruß, Kle
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Re: Beaujolais

Beitrag von Kle »

Sehr lecker sogar bei tropischen Hamburger Zimmertemperaturen: Château Thivin, Côte de Brouilly ‘Cuvée Zaccharie’ 2011. Intensiver Kirschgartenduft und auch der erste Schluck schmeckt, wie man sich den Biss in eine Kirsche idealerweise vorstellt: Pralle dichte Frucht, saftig, dabei aber fest, in jeder Faser steckt Aroma, nichts Wässeriges, kein überflüssiges Füllmaterial und sofortiger, umstandsloser Genuss. Dieser erhält rasch einen starken Unterton. Sobald ich nur Gartenfrucht zu schmecken glaube, folgt mit kurzer Verzögerung und ein wenig kleinwüchsiger herbe Waldbeere, zusammen mit Leder und Lakritze.
Ich habe ihn dann doch noch etwas gekühlt. Ein schöner, unterhaltsamer Wein, der wie viele andere Beaujolais, die ich in letzter Zeit getrunken habe, ganz für den Augenblick lebt. Er begeistert virtuos und farbenfroh, wie man sich es von komplizierteren Weinen oft wünscht, verklingt dann aber zügig. Nicht kläglich und schwächlich, sondern wie mit den selbstbewussten Worten: He, mein Auftritt ist vorbei. Anders gesagt: Wer inbrünstig „To Ramona“ singt, braucht keine „Visions of Johanna“.

Gruß, Kle
m_arcon
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Re: Beaujolais

Beitrag von m_arcon »

Trotz des eher durchwachsenen Wetters hatten wir uns heute dazu entschlossen zu grillen. Es gab Spareribs, dazu hab ich meinen ersten Beaujolais von Marcel Lapierre aufgezogen. Eine sehr überzeugende Vorstellung. Würde den Stoff gerne mal mit etwas Flaschenreife trinken.

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Grüße
Marc
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