Tobias, hat die Osteria Veglio mit der Az.Ag. Veglio Mauro etwas zu tun? Und wenn ja, konntest du Weine dort testen?
VG Nora
Ich habe mich das auch gefragt. Allerdings wären diese Weine dann auf der sehr umfangreichen Weinkarte vermutlich besser vertreten gewesen. Ich gehe davon aus, dass Manfred / Alba Recht hat.
Die Weine von Mauro Veglio konnte man dort nicht probieren. Ich habe vor Ort (in der Langhe) die Gelegenheit wahrgenommen und in La Morra bei Marcarini an einer Probe teilgenommen.
Gerade einen Luigi Pira (Serralunga) aus dem Topjahrgang 2010 im Glas - den Barolo Marenca.
Vorab, Marenca ist eine sehr gute Lage (Gaja' s Sperrs kommt von da!), wird in Serralunge noch getopt von Vigna Rionda (auch in Luigis Programm, der ist aber sehr modern im Barrique ausgebaut, wenngleich bei jüngeren Jahrgängen der Holzeinfluss auch hier zurückgeht, in den 90ern war das ein echter Parker Liebling).
Der Marenca ist der Mittelweg aus dem Tonneau (der 3. im Bunde, der Margheria ist klassisch aus dem großen Holzfass) - das ist schon auch ein moderner Wein. Erkennbar schon mal an der für Nebbiolo recht dichten Tönung, klassische old-style Barolo (und das ist keine qualitative Bewertung) sind einfach heller und auch mehr ins karminrot - orange gehend, wogegen der hier im Glas noch eher granatrot anzeigt, nix orange und schon gar nicht auch nur ein Hauch von bräunlichen Rändern, nach fast 16 Jahren jugendlich.
Öffnet sich im Burgunderglas grandios, wobei ich nasal (und ohne es zu wissen - blind) eher in Richtung Sangiovese als Nebbiolo tippen würde, frische rote Frucht (Granatapfel !, rote Ribisel), dazu erste Lederanklänge - jedenfalls sehr edel.
Fast ident am Gaumen, frisch - Säure schon spürbar, die Tannine dagegen gut gezähmt. Für einen Serralungabarolo schon sehr abgeschmolzen und wunderbar integriert, alles in Balance. Langer Abgang. Macht echt auch solo noch sehr viel Spass und trinkt sich unbeschwert mit Klasse.
Bin ziemlich beeindruckt - das ist eindeutig über meinen Erwartungen, sichere 94 Punkte von mir.
Sollte doch wieder öfter Barolo trinken.
LG
Manfred
Hasi hat geschrieben: ↑Sa 24. Okt 2026, 15:15
Hi Manfred!
Danke für die leiwande Beschreibung. Hast Du eine Ahnung ob es irgendwo die Chance auf einen Nachkauf gäbe?
Danke
Hasi
Hallo Hasi,
sorry nein - hatte den damals direkt ab Weingut gekauft, ältere Jahrgänge, gerade die gehypten wie 2010, sind ohnehin kaum im Handel verfügbar. Die üblichen, eh bekannten Händler die in DACH Pira führen, haben kaum Verfügbares das bis 15/16 geschweige denn noch weiter zurückreicht - mit Glück eher noch vor Ort in einer der vielen lokalen Enotecas z.B. in Alba.
Das Ganze ist natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass es bei den meisten Winzern auch recht wenig Menge von den Lagenweinen gibt, mehr als wenige tausend Flaschen sind da selten verfügbar.
"Leiwand" trifft es für den Wein als Überbegriff richtig gut - für Barolo irrer Trinkfluss und diese jugendliche Frische (beeindruckende Alters-und Oxy. Stabilität, da habe ich bei 16 Jahren alten Barolo schon ganz anderes erlebt, auch bei noch "größeren" Namen) machten echte Spass. Eine Flasche ist noch da - die ist seit gestern reserviert für eine Keller-querbeet "durch Europas Reben und Regionen" Verkostung im Dezember mit Freunden; das ist der perfekte Piemont/ Barolo Vertreter, sofern diese Flasche in ähnlich perfektem Zustand ist.
LG
Manfred
Ich habe die vielleicht etwas nerdige Angewohnheit auch in den Urlaub Weine aus dem eigenen Keller mitzunehmen. Dies liegt bestimmt nicht am mangelnden Vertrauen, auch dort guten Wein erstehen zu können, sondern vielmehr an der Gelegenheit, besseres aus dem Keller mal auf den Tisch bringen zu können und Zeit und Muße hierfür zu finden.
Dran glauben musste eine Barolo Cerretta von Germano Ettore aus 2010 .
Leider gab es vor Ort keinen guten Gläser. So war ich auf das angewiesen, was da war. (Deshalb nehme ich manchmal auch eigene Gläser mit - besser ist das!)
Der Wein wurde am ersten Abend mittels Coravin eingeschenkt. Die Farbe durchaus dicht, granatrot und am Glasrand leichte Anzeichen von Reife. Die Nase zurückhaltend: Noten von Portwein und Kirschmarmelade, am Gaumen der Alkohol etwas hervorstechend (15 %), Gerbstoffe, die nach einer Speise als Begleitung verlangen und wieder Portwein, Noten von Früchtemarmelade und auch etwas Pflaumenmus - der warme Jahrgang deutlich wahrnehmbar. Der Wein findet nicht zu einander und hat in diesem Zustand nicht wirklich etwas mit Genuss zu tun - eine ziemliche Enttäuschung. Am zweiten Tag den Korken gezogen und wieder direkt ins Glas - die gleiche Enttäuschung. Erst am dritten Abend - nachdem der Flascheninhalt richtig Luftkontakt hatte - zeigt sich ein anderer Wein. In der Nase Lakritz und vor allem Teer, am Gaumen eingebundene harmonische Säure, mittlerer bis voller Körper (durchaus wuchtig), gut spürbare aber nicht störende Gerbstoffe und wieder Teer und vor allem Veilchen und dunkle Kirschen - Tertiärnoten kaum wahrnehmbar. Der Alkohol jetzt gut eingebunden - ein wirklich schöner Barolo, der problemlos weitere 5 bis 10 Jahren reifen kann. Es war mein erster Barolo aus 2010 und ich bin überrascht, wie jung sich der Wein präsentiert. Vor ca. 10 Jahren für < 40 € in Mailand im Fachhandel gekauft - im Vergleich zu heutigen Preisen ziemlich preiswert! Den Wein hätte ich gerne aus einem guten Glas getrunken - vielleicht das nächste mal!
Gruß Tobias
weingollum33 hat geschrieben: ↑So 25. Okt 2026, 21:56
... Die Nase zurückhaltend: Noten von Portwein und Kirschmarmelade, am Gaumen der Alkohol etwas hervorstechend (15 %), Gerbstoffe, die nach einer Speise als Begleitung verlangen und wieder Portwein, Noten von Früchtemarmelade und auch etwas Pflaumenmus - der warme Jahrgang deutlich wahrnehmbar. ....
Hallo Tobias,
nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen - 2010 gilt nicht als "warmer" Jahrgang, ist zwar jetzt auch kein "kühler" - die gibt es aber im norditalienischen Alpenbogen bzw der Langhe eh kaum mehr, wenn einer (zu ?) kühl war dann der 2014er.
Dagegen warme - heiße Jahrgänge im Überfluss, zB der nachfolgende 2011er, auch 2012 etc.
2010 ist extrem ausgewogen gewesen - quasi perfekt, keine Extreme und schöne lange Reifezeit in den Herbst hinein. Gilt mit ähnlich gelagerten 2004 und 2016 als mit das Größte seit den Neunzigern, eben auch weil nicht mit dem Attribut warm versehen. Vielleicht wollte der gute Ettore G. dann etwas zuviel und noch mehr aus dem Jahrgang herausholen, ich habe seine Weine nie gekauft nur gelegentlich verkostet, habe sie immer als etwas extrahiert und anstrengend empfunden; Ulrich Sautter gab im Falstaff seinerzeit 89 P und da wurde auch von "dominantem Alkohol, rau und trocknend - feurigem Wein" geschrieben. Würde schon zu deiner Notiz passen.
LG
Manfred
weingollum33 hat geschrieben: ↑So 25. Okt 2026, 21:56
Ich habe die vielleicht etwas nerdige Angewohnheit auch in den Urlaub Weine aus dem eigenen Keller mitzunehmen.
...mach ich auch so, je nach Reisemittel mehr oder weniger Flaschen, per Flugzeug halt nur zwei oder so für den ersten Abend, im Kofferraum auch mal 12 oder noch mehr, von denen ich die meisten wieder mit heim bringe, eine gewisse Auswahl sollte halt schon sein. Auch abhängig davon, ob am Urlaubsziel weintechnisch was los ist oder nicht.
weingollum33 hat geschrieben: ↑So 25. Okt 2026, 21:56
Leider gab es vor Ort keinen guten Gläser. So war ich auf das angewiesen, was da war. (Deshalb nehme ich manchmal auch eigene Gläser mit - besser ist das!)
...ich hab immer wenigstens 2 Gabriels dabei. Vor allem in Appartements / Ferienwohnungen leisten die gute Dienste, im WoMo auch. In Ausnahmefällen sogar mal im Restaurant...
Viele Grüße
Erich
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
2010 ist extrem ausgewogen gewesen - quasi perfekt, keine Extreme und schöne lange Reifezeit in den Herbst hinein.
Hallo Manfred,
du hast Recht. Ich habe die Langhe über einen längeren Zeitraum etwas aus den Augen verloren und erst in in den letzten Jahren für mich wieder entdeckt. Vor ca. 10 Jahren habe ich in diesem Zusammenhang - sozusagen als Gelegenheitskauf - 4 Flaschen Barolo aus 2010 im Fachhandel in Mailand erworben. Es handelt sich um Abfüllungen aus der Lage Cerretta von Ettore Germano und Elio Altare. Da beide Abfüllungen jeweils 15 % Alkohol haben, bin ich von einem eher warmen Jahrgang ausgegangen. Die Jahrgangsbeurteilungen der Weinkritiker sagen etwas anderes und geben dir Recht! Dennoch spiegelt sich auch hier mE die globale Erwärmung in den Alkoholgehalten bereits ein Stück wieder.
Dem Wein hätte sicherlich Dekantieren gut getan. Nach entsprechender Luftzufuhr war er jedenfalls für meinen Geschmack wirklich gut und jung und auch nicht überextrahiert.
Danke für die Rückmeldung!
Gruß Tobias
...ich hab immer wenigstens 2 Gabriels dabei. Vor allem in Appartements / Ferienwohnungen leisten die gute Dienste
Hallo Erich,
nach diesem Erlebnis werde ich zukünftig gute Weingläser - so irgend möglich - stets wieder mitnehmen!
Danke für die Rückmeldung!
Gruß Tobias