schon wieder ein mich faszinierender Pontet-Canet.
Die Nase vom 12er mit Blaubeere, Cassis mit leichter „ätherischer“ Schoko-Anmutung—vor allem eine für mich typische Pontet Frucht mit einer Note, die beim intensiv Hineinriechen zusätzlich fern an eingelegte Früchte, Likör erinnert.
Mund: Ebenfalls dunkle Beeren und Schoko-Assoziation mit zusätzlich Gewürzkraut wie vielleicht Majoran sowie eine pfeffrige Anmutung. Tannine wie plattgetreten, d.h. wie lange Gräser, die von Wanderern akkurat zu einem Pfad zusammengepresst wurden. Kultiviert mit wilder Oberfläche.
Schärfe. Vorsicht beim intensiv Hineinschmecken - dann wird Tannin aufdringlich rauchiger.
Zarte Süßeeindrücke - natürlich keine echte Süße - neutralisieren die Schärfe. Zartbitter. Die dichte, zugespitzte, angesäuerte Frucht … Johannisbeere. Immer mehr Graphit. Wunderbar alkoholische Kirsche.
Wunderbares ausbalanciertes Praliné aus Süßsauer, herben Früchten, Schoko-Anmutung, etwas Tanninherbe.
Alle Worte geben nicht den seltsamen, anregenden Beerenton wieder, der für mich diesen Pontet-Canet kennzeichnete. Cassis und Johannisbeere auf jeden Fall, aber mit einer irgendwie exotischen Würzigkeit und Pfeffer. Nach Art und Stil ein wenig an Syrah erinnernd, wenn auch ganz anders schmeckend.
Kann sein, dass meine Begeisterung ziemlich individuell ist mit einem Trinkfluss besonderer Art. Dem Gefühl, in ein wildes aromatisches Dickicht zu geraten, eine spezifische Landschaft, bei der es nicht mehr darauf ankommt, wie großartig sie ist, sondern die wegen ihrer Eigenheiten in den Bann zieht.
Am zweiten Tag harmonisch-geglättet, aber weniger spannend. Milde, feine Eleganz kämpft mit reifen Früchten und etwas Herbstlaub.
BORDEAUX 2012
Re: BORDEAUX 2012
"Gewiss sind Berkeley und Kant nicht so großzügig wie Ayer - sie behaupten nicht, dass wir sagen können, was wir wollen, solange wir nur mit der sinnlichen Mannigfaltigkeit Schritt halten."
John Austin über Alfred Ayer (Übers. Eva Cassirer)
John Austin über Alfred Ayer (Übers. Eva Cassirer)
Re: BORDEAUX 2012
Ich habe jetzt den
Pontet-Canet 2012
den 4. Tag im Glas.
Ein schöner Wein, aber die Tiefen oder auch Untiefen, so wie Kle sie beschreibt, sehe ich nicht. Er liegt eher wie ein offenes Buch vor mir.
Der 12er hat weder die Massivität und Urgewalt vom 23er, noch die überreife Frucht vom 19er und auch nicht die Struktur und Seriosität des 16er, der ihm ein langes Leben bescheren wird. Dieser Pontet-Canet ist freundlich und aufgeschlossen.
Wunderschöne Cassis- und dunkle Beerenfrucht in der Nase, auch Sauerkirsche; Bleistift, feines Leder. Am leichten, eleganten Gaumen seidig und zugänglich mit schöner Frucht, leicht likörig, ohne alkoholisch zu sein, mit weicher Tanninstruktur und einer recht lebendigen Säure. Der Wein ruft mir zu: Trink mich! Ich mache das gerne, denke mir aber, dass er für ein ernsthaften Pauillac noch nicht erwachsen genug ist.
Vielen Dank für das schöne Erlebnis, Kle!
VG Nora
Pontet-Canet 2012
den 4. Tag im Glas.
Ein schöner Wein, aber die Tiefen oder auch Untiefen, so wie Kle sie beschreibt, sehe ich nicht. Er liegt eher wie ein offenes Buch vor mir.
Der 12er hat weder die Massivität und Urgewalt vom 23er, noch die überreife Frucht vom 19er und auch nicht die Struktur und Seriosität des 16er, der ihm ein langes Leben bescheren wird. Dieser Pontet-Canet ist freundlich und aufgeschlossen.
Wunderschöne Cassis- und dunkle Beerenfrucht in der Nase, auch Sauerkirsche; Bleistift, feines Leder. Am leichten, eleganten Gaumen seidig und zugänglich mit schöner Frucht, leicht likörig, ohne alkoholisch zu sein, mit weicher Tanninstruktur und einer recht lebendigen Säure. Der Wein ruft mir zu: Trink mich! Ich mache das gerne, denke mir aber, dass er für ein ernsthaften Pauillac noch nicht erwachsen genug ist.
Genau so präsentiert sich mir der Wein. Für mich ist das ein wunderschöner, einfach und leicht zu trinkender Bordeaux, animierend mit einer tollen Balance aller Komponenten, der mich nicht besonders herausfordert, der aber sehr viel Spaß macht. Auch immer noch am 4. Tag!
Vielen Dank für das schöne Erlebnis, Kle!
VG Nora