Médoc 2026

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Winedom
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Re: Médoc 2026

Beitrag von Winedom »

Leider kommt noch mal eine Hitzewelle. Eigentlich passend zur Jahreszeit.
Aber wenn es schon die Dritte ist...!
Viel Glück an Euch und die Gegend.
Viele Grüße
Rainer


"Nein, Alkohol trinke ich nicht. Ich trinke hier einen Schoppen Winzerwein!"
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small talk
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Re: Médoc 2026

Beitrag von small talk »

Tja Rainer,
die Dritte hatten wir schon…; ob 25 Grad eine richtige Abkühlung sind…. Es sieht nicht danach aus, dass es nochmals über 40 Grad werden. Die Vorhersage sind allerdings auch nicht mehr so präzise.
Gestern hat der Wind gedreht und eine mächtige Rauchwolke zog hier vorbei. Das Licht nahm Ockertöne an und wurde gespenstig. Das Feuer ist über 60 km entfernt…
260724-1375_Rauch-4.JPG
Wegen der geänderten Windverhältnisse mussten in der Nacht verschiede Vororte von Bordeaux evakuiert werden. Das nimmt nun erhebliche Ausmaße an.
Zwei Camper sind hier gestrandet, denen wurde es in Lacanau zu ungemütlich.
Heute streiften uns einige Gewitter ohne nennenswerten Regen, dazu wurde die Luft zwischendurch rauchiger. Das ist schon wieder weg gezogen.
Wer weiss schon was da noch kommt.
Im Übrigen geht die Traubenfärbung weiter...
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
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small talk
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Re: Médoc 2026

Beitrag von small talk »

Von Freunden bekommen wir viele Anfragen wie es uns geht. Die Nachrichten aus dem Bordelais sind durchaus beängstigend. Wir sind jedoch nicht direkt betroffen von diesem Feuer. Letzten Freitag roch es mal sehr stark nach Rauch, ansonsten bekommen wir die Brände auch nur aus den Nachrichten/Internet mit. Dieses Feuer ist etwa 60 km weit entfernt.
Indirekte Effekte gibt es allerdings:
Es sind hier kaum Feuerwehreinsatzkräfte verfügbar, weil die alle abgezogen wurden. Für das gesamte Médoc nördlich der Brandzone gibt es nur noch 4 Fahrzeuge. Es darf nicht brennen – gar nichts und sonst darf auch nicht viel passieren. Bei Ordnungskräften wird es ähnlich aussehen…
Die Präfektur ist extrem vorsichtig und sagt sämtliche Veranstaltungen ab. Viele Wochenmärkte finden nicht mehr statt. Arbeiten in der Natur sind entweder nicht erlaubt oder unterliegen enormen Auflagen (Löschwasser mitführen).
Die vierte Hitzewelle war zwar angekündigt, aber auch nicht wirklich hier. Es gab hier gestern mal ein-zwei Stunden über 35°C… harmlos. Da sind wir mittlerweile heftigeres gewohnt. Die Trockenheit hält an, vom Regen der Mitte Juli gefallen ist, lässt sich nichts mehr erahnen.
260730-1376_Véraison-2.JPG
Unseren alten Weinreben macht das bisher nicht viel aus und die Traubenfärbung/Véraison geht weiter.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
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albarello
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Re: Médoc 2026

Beitrag von albarello »

Lieber Stefan,

Als interessierter - aber zugegebenermassen meist stiller - Leser deiner Ausführungen zur Lage in Bordeaux, möchte ich dir erstmal herzlich für deine Beiträge danken. Gleichzeitig hoffe ich, dass du nicht direkt von den Feuern betroffen bist/warst und sich auch Hitze und Wassermangel sich in Grenzen hält. Über ein update zur aktuellen Lage würde ich mich freuen.

Mit besten Grüssen,

Albarello
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small talk
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Re: Médoc 2026

Beitrag von small talk »

Mit der Lese ist es wie mit Weihnachten, es kommt immer wieder sehr überraschend… und könnte mal wieder hektisch werden.
In St. Emilion wurde vor zwei Tagen bereits mit der Lese begonnen. Das ist extrem früh. Hier sind die Trauben noch lange nicht so weit. Die Traubenhaut ist noch viel zu dick und zäh.
Wir sind noch in den Vorbereitungen und eigentlich gut im Plan. Viel Arbeit macht uns mal wieder das Berufskraut, was stellenweise sehr häufig und stark in den Reben steht. Das muss entweder händisch oder mit einem Freischneider rausgeholt werden. Dieses Berufskraut ist phänomenal; es kann ganz ohne Wasser wachsen. Hätten wir es früher rausgeholt, wäre es schon wieder nachgewachsen.
Nennenswerten Regen hatten wir nicht. Diverse Gewitter sind schnurstracks an und vorbei gezogen. Es ist extrem trocken. Einige Eichen geben schon auf und stehen komplett in brauen Blättern da. Für die kommende Woche ist etwas Regen angekündigt, jedoch mit großer Unsicherheit. Wir können sehr viel Regen sehr gut gebrauchen…
Mit der Hitze und anhaltenden Trockenheit hatten die Reben Stress. Laubarbeiten und Schneiden waren nicht möglich. Das hätte die Reben sehr belastet und nur geschadet. Das vegetative Wachstum war ohnehin nicht sehr stark. Trotzdem sehen einige Parzellen etwas zerzaust aus – so ist das nun mal.
Die Hitze hat nun endlich nachgelassen. Auch sind die Nachttemperaturen deutlich zurück gegangen. Das ist sehr gut. Für einige Nächte der kommenden Woche sind aber nochmal bis an die 20°C angekündigt. Anfang September soll es dann (endlich) kühler werden. Ob das ausreicht um den Säureabbau in der Reifephase zu verlangsamen wird sich zeigen.
Das hier sind unsere Cabernets im Enclos. Die hatten wir zuletzt geschnitten und werden sie voraussichtlich auch zuletzt lesen.
260821-1377_Cabernet Enclos.JPG
Der Traubenansatz war von Anfang an sehr gut, aufgrund des Wassermangels sind die Beeren jedoch sehr klein geblieben. In jedem Fall wird die Erntemenge sehr klein sein.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
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maha
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Re: Médoc 2026

Beitrag von maha »

Hallo Stefan,

Vielen Dank für deine interessanten und spannenden Berichte.
Ich bin wahrlich kein Experte aber wäre viel Regen in kurzer Zeit jetzt nicht eher kontraproduktiv? Zumindest war das vor ein paar Jahren in Ingelheim so. Da war es bis weit in den August rein perfekt, bis dann in kürzester Zeit mehrere 100 l Regen runter kamen. Die Beeren haben sich voll gesaugt wie ein Schwamm, sind teilweise geplatzt und haben angefangen zu faulen. Die Lese in dem Jahr hat nicht so viel Spaß gemacht. Aber eventuell verhält sich das bei Spätburgunder und Chardonnay auch anders als bei Merlot und Cabernet.
Ich drücke jedenfalls alle verfügbare Daumen und wünsche dir alles Gute und eine erfolgreiche Lese 2026

Gruß Marko
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small talk
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Re: Médoc 2026

Beitrag von small talk »

Hallo Marko,
der Boden ist extrem trocken, da braucht es mindestens 30 mm Regen (30 l. je Quadratmeter) bis etwas von der Feuchte bei den Wurzeln ankommt.
Die diesjährige extreme Trockenheit kombiniert mit der Hitze setzt auch den Reben ordentlich zu. In dem aktuellen Reifestand wären mir 40 – 60 mm sehr willkommen. Bei guter Drainage wäre der Effekt bei den Trauben nach drei Tagen sichtbar. So lange braucht die Feuchte um in den Boden bis zu den Wurzeln der Rebe einzudringen, von diesen aufgenommen zu werden und in der Rebe verteilt zu werden. Die Beeren würden an Volumen zulegen und mehr Saft enthalten. Platzen würden sie nicht, weil die Traubenhaut noch sehr dick ist. Ein paar Tage vor der Lese sähe das ganz anders aus. Gegen Ende der Reife wird die Traubenhaut sehr dünn, wenn es dann bei Nässe durch den Zuckergehalt in den Beeren zum osmotischen Sog kommt, kann es tatsächlich sein, dass die Beerenhaut die zusätzliche Spannung nicht hält. Dieses Phänomen ist bei jüngeren Reben ausgeprägter als bei älteren, weil die älteren nicht so sehr unter der Trockenheit gelitten haben ist der Effekt nicht so ausgeprägt. Dazu braucht der Regeneffekt länger bis er auch die tieferen Wurzeln der älteren Reben erreicht. Da wirkt die Tiefe der Wurzeln wie ein Puffer.
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
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small talk
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Re: Médoc 2026

Beitrag von small talk »

Die letzten Tage sind diverse Gewitter über das Médoc gezogen. Von einigen haben wir auch etwas abbekommen. So kommen wir mittlerweile auf eine Niederschlagsmenge von 34 mm. Eben hat es wieder angefangen zu regnen und dieser sollte über den Nachmittag anhalten. Vielleicht kommen so ja noch 40 mm zusammen. Das reicht um zunächst den Trockenstress in der Vegetation zu beenden. Da unsere Lagen alle gut drainieren wird das Wasser schon in der Rebe angekommen und bald auch den Trauben anzumerken sein – noch ist davon nichts zu erkennen. Für die nächsten 10 Tage ist nun trockenes Wetter angekündigt. Zum Glück fallen nun auch endlich die Nachttemperaturen auf Werte unter 20°C. Unter 15°C wäre mir natürlich lieber... Jede Nachtabkühlung ist willkommen, um den Säureabbau zu verlangsamen. Die Vorbereitungen für die Lese laufen gut. Die nächste Woche sollte reichen.
Jetzt gilt es den Reifeverlauf zu verfolgen. Dieser wird sich voraussichtlich beschleunigen. Aktuell ist der Zuckergehalt der Trauben bei moderaten 12 – 13,5 % Alkoholpotential. Mit dem verfügbaren Wasser wird dieser zunächst nicht so schnell ansteigen. Bei unseren jüngeren Reben (25 Jahre) sind die Unterschiede im Zuckergehalt / Reifeverlauf zwischen den einzelnen Rebstöcken grösser. Dies ist wahrscheinlich einer Reifeblockade durch Trockenstress geschuldet und sollte sich mit dem nun verfügbaren Wasser bald ausgleichen. Im Moment gehe ich von einem Lesebeginn in etwa 8-10 Tagen aus.
Aus dieser Reifesituation kann sich auch eine schnelle Lese ergeben – alles wird sehr Zeitnah reif. Bei den Cabernets kann ich das zwar noch nicht beobachten – die sind noch ordentlich hinterher, das kann sich jedoch schnell ändern.
Zudem zeichnet sich eine ‚warme‘ Lese ab. Bei Tagestemperaturen bis über 30°C wird das Traubengut sehr warm in die Vinifikation gehen und die Hefen könnten kurzen Prozess machen. Die frühe Extraktionsphase ist dann sehr wichtig und wird entsprechend intensiv sein. Dazu kommen die zu erwartenden hohen Zuckergehalte; was eine Temperaturkontrolle unerlässlich macht. Geht die Vinifikation bei zu erwartenden von 14% Alkohol schon mit 22 – 24 °C los, werden die Tanks schon in der mittleren Extraktionsphase definitiv zu warm. Mit jedem Prozentpunkt Alkohol steigt die Temperatur nochmal um 1°C und ab 34°C im Tank (35-36°C im Tresterhut) wird es kritisch, weil die Hefen das kaum aushalten.
Schon wieder eine ganz andere Lese / ein ganz anderes Jahr…
Beste Grüße aus Médoc
Stefan
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Re: Médoc 2026

Beitrag von amateur des vins »

Scheint, als wäret ihr von Hagel und Schlimmerem verschont geblieben. 🤞

Danke für die Berichte aus erster Hand!
Besten Gruß, Karsten
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Dominik Mueller
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Re: Médoc 2026

Beitrag von Dominik Mueller »

Danke für diese Einblicke. Es liest sich bei aller Arbeit auf eurer Seite jetzt für mich als Amateur und Konsument doch recht konstruktiv. Ich drücke euch die Daumen.
Meine Wein-Notizen | phpMyCellar - Unabhängige Open-Source-Lösung für Weinliebhaber und Sommeliers
Ihr findet mich außerdem in den wineBANKs, zumeist im Rheingau.
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