...hier ein ziemlich erstaunlicher Orts-Riesling, dessen Trauben in 2014 aber komplett aus dem Morstein gekommen sein sollen. Wobei man berücksichtigen sollte, daß nur ein Teil des Morstein beim VDP als Große Lage klassifiziert ist...
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
Dieser Wein war eines der, wenn nicht das Highlight meiner kleinen GG-vs-1G-Reihe:
Wittmann, Westhofener 1G 2019
Die Robe zeigt sich ziemlich sattgelb.
In der Nase zwar entwickelt, aber kaum Petrol. Vielmehr reife dunkelgelbe Steinfucht, Kräuter, Erde und sogar ein Hauch weißen Specks(!).
Die Säure sticht nicht gerade spitz heraus, was aber eher am hohen Extrakt liegen dürfte, denn frisch genug ist sie.
Ich bin ein bißchen überrascht, wie weit entwickelt sich diese Flasche zeigt. Ich hatte schon Westhofener von Wittmann, die mit 10 Jahren eher jugendlich wirkten und nicht schon mit 6 die Biege machen. Aber wie dem auch sei: Diese Flasche macht gerade richtig Spaß! Nur sollte man - gemessen an dieser einen - weitere Flaschen nicht mehr lange aufheben, was gelegentlich zu überprüfen wäre.
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
Ich kenne den Riesling Estate von Wittmann seit dem Jahrgang 2021 und kann inzwischen sagen, dass der 2025er Estate für mich den bisherigen Höhepunkt darstellt.
Kühl, Zitrusfrüchte, ausgeprägte und sehr angenehme Säure.
Schon beim Ziehen des Korkens strömt ein betörender Duft aus der Flasche. Zunächst deutlich Kräuter, noch eine ganz feine Reduktion, viel heller Stein und dann eine dezente Hellgelbfruchtigkeit.
Am Gaumen ist der Wein von viel Extrakt und Dichte geprägt, deutlich cremig, fast ein wenig ölig; kräutrig und gelbfruchtig; auch hier wieder helle steinige, kreidig, mineralische Noten; die Säure ist moderat saftig und wird ergänzt durch einen sehr zurückhaltenden, gekonnt eingesetzten Gerbstoffeintrag. Die Säure und das Tannin geben dem Wein Begrenzung und verhindern, dass er in die Breite geht und damit strukturiert und präzise bleibt. Langanhaltender Abgang, ich bemerke es ja nicht oft, aber hier würde ich sagen durchaus von Salzigkeit geprägt.
Ausgezeichnet gelungen!
Laut Philipp Wittmann befindet sich der Wein gerade am Beginn seines ersten, vielleicht zweiten Jugend-Trinkfensters.
aus der Prä-1G-Ära.
Der Korken war ganz leicht auffällig: auf der einen Seite zur Hälfte satt befeuchtet, auf der anderen Seite noch zu einem guten Viertel. Der Wein ist aber völlig im grünen Bereich: Zwar durchaus reif, und auch mit erster leichter Entwicklung, aber weit weg von zu weit. Saftig, gelbfruchtig, aber auch frisch. Vor allem: keine Spur der fiesen bitteren Hitzestreßnoten, die so manche 2018er zeigten.
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
Heute habe ich meine vorbestellten 1G-Weine, d. h. Westhofener Riesling und Niersteiner Riesling des Jahrgangs 2025 erhalten. 2025er Gundersheimer Riesling 1G und GG Höllenbrand gibt es aufgrund Hagelschaden nicht.
Die meisten hier werden die Geschichte kennen: Dönnhoff hatte dramatische Frostschäden und kaum Trauben. Wittmann (und Bürklin-Wolf) halfen, und daraus entstand dieser Wein. Ich wollte unbedingt beide parallel verkosten.
Ich konzentriere mich auf die Unterschiede:
Dönhoff ist sanft, leise, etwas cremig.
Wittmann ist kräftig, würzig, insgesamt lauter und mit deutlichem Säurebiß.
Vermutlich wird Wittmann nicht seine allerbesten Parzellen gestiftet haben. Aber dramatisch werden die Unterschiede nicht sein, und so läßt der krasse Unterschied zwischen beiden Weinen eigentlich nur einen Schluß zu:
"Terroir" ist in allererster Linie Winzerhandschrift, auch wenn die Lage eine leichte Tendenz einbringt.