Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
small talk hat geschrieben: ↑Do 11. Jun 2026, 18:49
die Rodungsprämie beträgt 4.000 € je ha, bei Rodungskosten von 2.500 – 3.000 € je ha bleibt da noch was übrig
...vielen Dank! Ich hatte da so überhaupt kein Gefühl dafür...
small talk hat geschrieben: ↑Do 11. Jun 2026, 18:49
Die Landschaft hier wird sich verändern
...mit Sicherheit, aber nicht nur bei Euch. Solche Umbrüche gab's ja immer schon, gemäß ein paar Zahlen, die ich so im Kopf habe, gab's in D vor 200 Jahren mal 150.000 ha Weinbau, heute gut 100.000, Franken schrumpfte von einst 40.000 auf nunmehr 6.000, in manchen ehemaligen Weinregionen ist's heute "0". Wenn man sich die Luftbilder vieler Lagen z.B. auf weinlagen.org anschaut, sieht man die Veränderungen der Landschaft recht deutlich, verbuscht, verwaldet oder Kartoffelacker & Co.
Ist also kein neues Phänomen, nur daß der Rückgang vermutlich viel schneller vonstatten geht, als das früher der Fall war...
Viele Grüße
Erich
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.
small talk hat geschrieben:Die aktuellen Grosshandelspreise im mittleren Preissegment müssten sich verdoppeln – bald verdreifachen damit sich eine neue Rebanlage wirtschaftlich rechnet. Danach sieht es nicht aus!
Zitat aus "Bordeaux ganz allgemein" geborgt
Wie kalkulierts Du Deine Neuanpflanzung, wenn Du aktuell keine wirtschaftliche Perspektive für ein solches Projekt siehst? Ist das eher eine Investition in die nächste Generation, oder wirtschaftliche Notwendigkeit für einen effizienteren Arbeitsablauf?
small talk hat geschrieben: ↑Do 11. Jun 2026, 08:34Aber was wird dann aus den Flächen? Mit der Prämie sind die Pflanzrechte weg und es bleiben kleinstrukturierte Acker- oder Weideflächen.
Verlieren die Parzellen ohne Pflanzrechte nicht auch erheblich an Wert, oder sind die Rebflächen im nördlichen Médoc ohnehin günstig zu haben?
Was man mit gerodeten Flächen anfangen könnte, kannst Du vermutlich selber am Besten beantworten. Ich würde da ja Schafe züchten, das ist schließlich der einzige Landwirtschaftszweig von dem ich halbwegs etwas verstehe, aber Geld kann man damit nicht verdienen, auch wenn man über Flächen- und Zuchterhaltungsprämie ein schönes Hobby mit einer tiefschwarz Null daraus machen kann.
small talk hat geschrieben: ↑Do 11. Jun 2026, 08:34Rechts im Bild sind unsere Reben. Die Parzelle links ist im Grunde schon verloren, wird auch nicht mehr zu retten sein… Der Mehltau ist da schon drin, wird mit jedem Zyklus stärker ‚ausblühen‘ und Unmengen an Sporen freisetzten.
Das ist super frustrierend - stehen solche Betriebe nicht unmittelbar vor der Insolvenz? Und was passiert, wenn so ein Betrieb in die Pleite geht? Käufer gibt es dann ja vermutlich auch keine?
Gruß Armin
als erstes Wunder verwandelte Jesus Wasser in Wein - na das nenne ich mal einen lebensfrohen Gott
Guten Tag Armin,
es sind wirklich schwierige Zeiten – auch für unser Weingut, aber das muss nicht heißen, dass es keine Perspektive gibt.
Wir sind jetzt im siebten Krisenjahr und es ist kein Ende in Sicht. Mit Optimierungen von Effizienz usw. ging es am Anfang noch relativ gut, aber mittlerweile erfordert schon alleine die Dauer eine strukturelle Anpassung. Das betrifft den gesamten Weinsektor, also auch die vor- und nachgelagerten Strukturen. So eine strukturelle Anpassung ist wirklich nicht einfach und erfordert auch Mut um schwierige Entscheidungen zu treffen und durchzuziehen. Dazu braucht es viel Glück für ein Gelingen. Es darf nichts viel schief gehen und Fehler können schnell gefährlich werden. Der Schub der durch diese andauernde Krise aufgebaut wird ist auch sehr heftig und das bringt einiges durcheinander. Es geht an die Struktur!
Nach über 40 Jahren ohne heftige Krise hier im Bordelais haben viele es verlernt damit umzugehen bzw. haben schlicht keine Erfahrung damit. Ganz sicher ist, dass ein weiter machen wie bisher nicht funktionieren wird. Es wird nicht der stärkste, der intelligenteste, der reichste oder wer/was auch immer die Krise überstehen, sondern der der sich am besten Anpassen kann! Auch dafür braucht es eine Menge Glück mit den Entscheidungen für die zukünftige Struktur richtig zu liegen.
Unsere Umstrukturierung ist im vollen Gang. Wir haben Flächen raus genommen aus der Weinproduktion, haben Flächen zugekauft, roden für Neuanpflanzung, haben bereits neu angepflanzt, verändern das Rebsorten-Spektrum, werden auch mal Weisswein anbieten können, richten Parzellen neu aus indem wir arrondieren, …
und selbstverständlich sehe ich eine wirtschaftliche Perspektive, nicht nur für eine Neuanpflanzung; sonst würde ich das alles nicht machen.
Das sind sehr viele Stellschrauben auf einmal und einem gewissen Risiko bin ich mir durchaus bewusst. Hoffen wir mal das es gut geht.
Hier wird es jetzt wieder heiss.
Beste Grüße aus Medoc
Stefan
Die Wahrheit liebt es, sich zu verstecken. (Heraklit - Interpretation)