Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

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Jochen R.
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von Jochen R. »

Letzten Samstag stand im Allgaiers Pauillac 1996 auf dem Prüfstand. Die Flaschen wurden zu Probenbeginn geöffnet und in folgender Reihenfolge verkostet ...

Clerc Milon vs. Duhart Milon 1996:
CM: Helleres Weinrot.Tabakig, eine animalische Note, nasses Laub, Brombeeren.
Schlank bis mittelgewichtig, Waldboden, merkliche Säure, mittellang. 91 P.
DM: Geniale Nase, tabakig/würzig, Bleistift, Eukalyptus. 
Würziger Cabernet, Cassis, ledrig, nasses Laub, mittellanger Abgang. 92 P.

Grand Puy Lacoste 1996:
Tabak, Zedern, Bleistift, Kräuter.
Setzt sich so am Gaumen fort, gerade so mittelgewichtig, trinkanimierende Säure, schöne Cabernetfrucht, mittellang bis lang. 91-92 P.

Lynch Bages vs. Pontet Canet 1996:
LB: Helleres Weinrot. Bittermandeln, Kirschen, Kräuter, Tabak, Minze. Komplex, intensiv. 
Druckvoll, trinkanimierende Säure, schöne Cabernetfrucht, kräutrig, sehr langer kirschfruchtiger Abgang. 95 P.
PC: Tabak, Zedernholz, Gewürze, üppige Frucht, eine dezent laktische Note.
Mittelgewichtig, schöne Frucht & Säure, mitellanger bis langer Abgang. 92 P.

Pichon Baron vs. Pichon Comtesse 1996:
PB: Geniale Nase: Tabak und Kräuter, Zedernholz, Bittermandeln. Schöne Frucht. Komplex, tolle Entwicklung mit Luftzufuhr. 
Mittelgewichtig, wunderbare Cabernetfrucht, kräftige Tanninstruktur, würzig, sehr langer Abgang. 96 P.
PC: Nase eher leise/fein mit floralen Noten und Gewürzen, Bittermandeln, Tabak, Minze. 
Mittelgewichtig, die schöne Frucht baut allmählich Druck auf, würzig, frische Säure, sehr lang. 94-95 P.

Fazit: 1996 der erwartet schöne Jahrgang (am linken Ufer). WOTN mehrheitlich Pichon Comtesse – als ganz großer Comtesse-Fan muss ich aber gestehen, dass mich der maskulinere Baron im Glas daneben und dessen Entwicklung mit Luftzufuhr mehr begeistern konnte. Beide groß, so hat sich auch der Lynch Bages für meinen Geschmack präsentiert.

Nicht zu vergessen: Los ging´s mit einem erfrischenden Thörle Riesling Schlossberg Kabinett 24. Exzellent den Nachtisch (bei mir Käse) begleitete die Riesling Auslese von Fritz Haag (Brauneberger Juffer Sonnenuhr 2008). Vielen Dank den edlen Spendern!

Viele Grüße,
Jochen
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Nora
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von Nora »

Vielen Dank Jochen für deine detaillierten Beschreibungen! Dann möchte ich nur kurz meine Eindrücke schildern:

Duhart-Milon wirkte im Gegensatz zu Clerc-Milon deutlich tertiärer. Er hatte eine mittelintensive, reife Nase nach hauptsächlich Unterholz und Leder; grüne Paprika spielte mit rein. Der Clerc-Milon dagegen zeigte mehr Frucht. Beide besaßen nur einen mittelkräftigen Körper und eine recht lebendige Säure. Der DM gewinnt mit Luft deutlich an Tiefe und wirkt insgesamt sehr klassisch. Der CM überzeugte mit einer etwas weicheren Tanninstruktur und hatte erst die Nase vorn, der DM holte aber mit Luft mächtig auf.

Grand-Puy-Lacoste kam als einzelne Flasche und lag für mich qualitativ deutlich über den ersten beiden Flaschen, da er erheblich dichter in der Nase und auch am Gaumen mit schöner Cassis-Frucht und Graphit war. Der etwas kräftigere Körper kann die lebendige Säure besser tragen und integrieren. Er hat eine straffe, aber recht feinkörnige Tanninstruktur – der kann noch ein paar Jahre.

Lynch-Bages setzte ein Ausrufezeichen: eine wunderschöne, duftige Nase neben Cassis, Graphit und auch rauchigen Anklängen, nur verhalten Leder und Unterholz. Ein mittelkräftiger, seidiger, eleganter Körper mit sehr reifer Tanninstruktur und einem langen Abgang. Toll! Für mich der zweitbeste Wein an diesem Tag.
Der parallel servierte Pontet-Canet unterschied sich grundsätzlich von den anderen Weinen. Schon farblich war er dichter und dunkler und bestach durch seine eigenständigen, kräftigen und saftigen Züge und die fleischige, volle Frucht. Mich überraschte das, da ich davon ausging, dass diese Stilistik erst 2004 im Weingut Einzug hielt. Ein sehr schöner eigenständiger Wein, der auch gut bei den anderen Teilnehmern am Tisch ankam.

Pichon-Comtesse war für mich der Wein des Abends: ein betörendes, tiefes Bouquet, elegant, seidig und schwebend, dabei mit aromatischer Tiefe am Gaumen. Wow! Für mich der beste Wein des Abends.
Pichon-Baron war auch vielschichtig, aber gegen die Comtesse maskuliner, kantiger mit einer etwas hervorgehobenen Säure und eckigeren Tanninen.

Toller Jahrgang mit tollen Weinen!

Gut gefielen mir auch der kühle, frische Thörle Riesling Schlossberg Kabinett 2024 mit viel Feuerstein in der Nase als Aperitif und die Riesling Auslese Brauneberger Juffer Sonnenuhr Goldkapsel 2008 von Fritz Haag funktionierte ausgezeichnet zur Rohmilchkäseauswahl.

Ein wunderschöner Abend!

VG Nora
Kle
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von Kle »

Nora hat geschrieben: ↑Di 2. Jun 2026, 11:36 Der parallel servierte Pontet-Canet unterschied sich grundsätzlich von den anderen Weinen. Schon farblich war er dichter und dunkler und bestach durch seine eigenständigen, kräftigen und saftigen Züge und die fleischige, volle Frucht. Mich überraschte das, da ich davon ausging, dass diese Stilistik erst 2004 im Weingut Einzug hielt. Ein sehr schöner eigenständiger Wein, der auch gut bei den anderen Teilnehmern am Tisch ankam.
ich kenne Pontet-Canet erst ab 97 und wann ich immer ich früher etwas über das Gut las, hieß es, nach vielen schlechten Jahre bessere es sich nun. Bei mir hat sich dann im Kopf festgesetzt, dass erst in diesem Jahrtausend der Durchbruch gelang. Aber z.B. Gabriel hat schon vor über einem Vierteljahrhundert geschrieben:
„Es war für mich schlichtweg unverständlich, dass man mit einem so sensationellen Terroir (gleich neben Mouton-Rothschild) derart nichtssagende Weine produzieren konnte. Offensichtlich wurden meine Klagen erhört, denn die Tesserons haben eine völlig neue, fast dramatische Qualitäts-Kehrtwendung vorgenommen. Da die Preise (noch) moderat geblieben sind, sollte man sich unbedingt vom 95er und 96er eine Reserve anlegen.“
Und über den 96er konkret u.a. über Fassprobe bis Flaschenwein probiert 2000 :
"18/20. Saftiger Gaumen, sehr lang und superb balanciert, reife Gerbstoffe“ (…) „Sehr würziges, trüffeliges Bouquet, enorm tiefgründig. Komplexer, fleischiger Gaumen (…) Komplexer, fleischiger Gaumen, Cassis, Brombeeren und mit viel Tanninen verpacktes Fleisch.Der größte Pontet-Canet dieses Jahrhunderts(…) Fleischiger, erst hart anmutender Gaumen mit griffigen, eckigen Tannieren, dann etwas weicher werdend, braucht noch enorm viel Zeit und wird selbst in seiner Genussreife viel bäuerliche Konturen aufweisen. (2005-2020)"


Gruß, Kle
Nora
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von Nora »

Danke Kle, dass du die Anmerkungen noch einmal rausgesucht hast! Ich finde meine Eindrücke da deutlich wieder.

VG Nora
Kle
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von Kle »

Ich habe immer davon geträumt, die Einschätzungen von einst (Utopien!) mit der dann eingetretenen Zukunft (Gegenwart!) zu vergleichen. Meist dachte ich aber später nicht mehr daran.
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Jochen R.
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von Jochen R. »

Nora hat geschrieben: ↑Di 2. Jun 2026, 11:36 ...
Der parallel servierte Pontet-Canet unterschied sich grundsätzlich von den anderen Weinen. Schon farblich war er dichter und dunkler und bestach durch seine eigenständigen, kräftigen und saftigen Züge und die fleischige, volle Frucht. Mich überraschte das, da ich davon ausging, dass diese Stilistik erst 2004 im Weingut Einzug hielt. Ein sehr schöner eigenständiger Wein, der auch gut bei den anderen Teilnehmern am Tisch ankam.
...
Hallo Nora,
den 2004er würde ich als (ultra)klassisch bezeichnen, wie auch unsere Pontet-Canet Probe im Januar zeigte. Der signifikante Stilwechsel dürfte erst ab 2005/06 erfolgt sein.
Bei meinen Zwischenstopp in Deidesheim habe ich ein/zwei tolle Entdeckungen gemacht. Wird aber erst nachverkostet - ich berichte bei Gelegenheit.

Viele Grüße,
Jochen
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Nora
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von Nora »

Danke Jochen für die Rückmeldung!

Ich bin gespannt auf deinen Bericht aus Deidesheim.

VG Nora
Chrysostomus
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von Chrysostomus »

Danke fürs Teilen eurer Eindrücke!
Ich finde es beim Lesen der Notizen immer wieder interessant und wichtig, dass die Meinungen durchaus auseinander gehen können, wenn es um Nuancen und Vorlieben geht. Gerade bei Comtesse und Baron dürfte sich das vielzitierte "weiblich" und "männlich" tatsächlich auch bei euch so dargestellt haben :)
Schöne Grüße, Markus
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Jochen R.
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von Jochen R. »

Weiter ging es mit Weinen des Jahrgangs 1996, dieses Mal aber in kleinerer Runde im Carmelo Greco.
Die Flaschen wurden zu Probenbeginn geöffnet und in folgender Reihenfolge verkostet:

Leoville Barton vs. Ducru Beaucaillou 1996:
LB: Herbstlaub, Tabak, Kirschen, Gewürze, viel Minze.
Schlank bis mittelgewichtig, seidig, Cassis und Brombeeren, dezentes würziges Bitterl, mind. mittellang. Positive Entwicklung im laufe des Abends: 92 P. (zu Beginn eher weniger).
DB: Bittermandeln, Kirschen, später Mon Cheri, Trüffel, nasses Leder, Kräuter. Für mich die schönste Nase aller Weine, ständig wechselnde Eindrücke und wunderbare Entwicklung im laufe des Abends.
Mittlerer Körper, Cassis und Brombeeren, trinkanimierende Säure, würzig/adstringierend, langer Abgang. 93(-94) P.

Montrose vs. Cos D´Estournel 1996:
M: Geniale Nase, tabakig/würzig, Bittermandeln, rauchig, Minze.
Mittlerer Körper, wunderbare Cabernetfrucht, tabakig, frische Säure, sehr langer Abgang. Großer Wein. 95 P.
CD: Tabakig/rauchig, Zedernholz, Bittermandeln, Kirschen, dezente laktische Note.
Mittelgewichtig, seidige Kirschfrucht, dezent würzig, mind. mittellanger Abgang. 92 P.

Margaux 1996:
Feine, vielschichtige, Nase mit floralen Noten und Kräutern, Tabak, Zedernholz. Kirschen und Brombeeren. 
Mittelgewichtig, dann baut eine Ladung Frucht Druck auf, floral/würzig/tabakig, schöne Tanninstruktur, ewig langer Abgang. Groß, kommt noch recht jung daher. 96-97+ P.

Fazit: Der noch recht jung daherkommende Margaux (erwartungsgemäß) mehrheitlich WOTN. Die Weine haben durch die Bank toll performed und viel Spaß gemacht. Positive Eindrücke zum Jahrgang 1996 vom Mai voll bestätigt.

Besten Dank an Ralf für die Organisation!

Viele Grüße,
Jochen
"Viele haben eine Meinung, aber keine Ahnung." (Franz Müntefering)
PCanetUltra
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Re: Bordeaux-Runde Frankfurt und/oder Korkgeld-Restaurants Ffm.

Beitrag von PCanetUltra »

1996 Bordeaux – alles außer Pauillac am 12 September 2026 bei Carmelo Greco

Vielen Dank Jochen

eine kurze Nachlese zu unserer Weinrunde bei Carmelo Greco vor zwei Wochen auch von mir.

Fantastisches Essen, herausragende Weine – 1996 ist einfach ein grandioser Jahrgang, der gerade auf dem Zenit ist. Wir sollten nächstes Jahr unbedingt noch mehr davon trinken. Arbeitstitel beispielsweise: „2027 – Jahrgang 1996: 30 plus ein Jahr später“ 😉

WOTN war ziemlich eindeutig der Margaux. Wobei wir uns auch alle einig waren, dass es keine 100 Punkte sind. Aber das ist natürlich Jammern auf extremst hohem Niveau.

Hier auch noch einmal das Menü von Carmelo. Er hat sich wirklich Mühe gegeben, es an unsere Weine anzupassen, beispielsweise seine Royale von Parmigiano abgewandelt und uns dazu Trüffel serviert oder selbst gesammelte Steinpilze zum Risotto.

Italienischer Auftakt:
Manzo Tonnato / Caprese Schaf / Prosciutto e Melone

1. Royale di Parmigiano Reggiano / schwarze Trüffel / Erbsencreme

2. Acquerello Risotto / Steinpilze / Heidelbeeren

3. Steinbutt / Lauch-Beurre-blanc

4. Rinderfilet / Karotten / Geflügelleber / schwarze Trüffel

5. Pre-Dessert: Ananas / Kokos

6. Dolce: Mascarpone Cremoso / Pistazieneis / Wabenhonig-Hippe

7. Brioche / Birneneis

Einzig beim Steinbutt fand ich die Sauce zwar gut, aber nicht optimal zum Wein, weil sie für mich etwas zu senflastig war. Getrennt genossen war beides top. Aber wir sind ja schließlich nicht primär zum Food Pairing da.

Vom Food Pairing her war dafür der Léoville Barton zu den Trüffeln das Top-Match. Die Trüffelaromen waren eins zu eins im Wein wiederzufinden. Das war für mich eindeutig das FPOTN – Food Pairing of the Night.

Das war wieder ein großartiger Abend. Ich freue mich schon auf die nächste Runde!

Liebe Grüße

Ralf
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