Im Glas befindet sich gerade dieser Gutedel aus 2022:
Es ist fast schon irre, zu schmecken, was in Baden bei einem Restzuckerwert von unter einem Gramm pro Liter und gleichzeitig einem Alkoholgehalt von unter 11 Prozent in puncto geschmacklicher Intensität möglich ist! Hut ab vor Hanspeter Ziereisen!
Diesen Rosé habe ich schon gestern aufgeschraubt, aber heute Abend wirkt er genauso gut:
Ich freue mich bekanntlich über jeden Winzer, der schon in seinen kleinen Weinen ganz deutlich zeigt, was er kann. Und Hanspeter Ziereisen tut dies beim Gutedel wie beim Rosé auf eine eindrucksvolle Art. Daumen hoch - Nachkauf = 3 von 3!
Dunkles Strohgelb mit ein paar grünlichen Reflexen und ohne Trübungen. Für Gutedel ein sehr noble Nase nach noch grüner Honigmelone, überlagerter Zitrone, etwas Birnenschale, Bittermandel, Omas Keller, Böllerrauch, Backhefe und minimal Altholz. Im Mund angenehm frisch, aber nach dem sehr schönen Antrunk doch auch mit einer recht verhaltenen Mitte und einem etwas reduktiv-kratzigem Abgang. Dieser scheint erst etwas kurz, ist für mich nach ein paar Schlucken dann aber doch ganz okay. Die Flasche leert sich erschreckend schnell, was bei den angegeben 10,5 Umdrehungen nicht so reinhaut. Sehr schöner Terrassenwein, da Regen leider ausgeblieben ist.
Recht dunkles Granatrot, vielleicht auch noch Richtung dunkler Kirsche, aber nicht ganz Blickdicht. Die Nase ist offen wie ein Scheunentor und zeigt deutlich Pfeffer und Eukalyptus, ein paar altfassige Noten (Nelke), ein wenig Brombeere und schwarze Johannisbeere, sowie ein paar florale Anflüge. Im Mund etwas sperrig und herb, aber mit Essen durchaus eine Freude. Der hat so viele Ecken und Kanten, dass der Solo nicht zu empfehlen ist. Der recht herbe Abgang hat eine gute Länge, doch die Mitte hängt ein wenig durch und zeigt nicht genügend Druck. Zudem dürfte zumindest ein Anteil an Rappen mit in dem Wein gelandet sein, was ihn nicht weniger kratzbürstig gemacht haben dürfte. Insgesamt ein recht interessanter aber auch ein etwas anstrengender Wein.
Ich kann meine Notiz zum 22er fast 1:1 übernehmen: Beeindruckende Nase mit reduktiven Noten (Schießpulver) mit rauchigen, hefigen und nussigen Anklängen; gefolgt von feinen Kräuter- und Zitrusaromen; noch erkennbar Holz. Am Gaumen zeigt der Wein neben einer leichten Cremigkeit große Spannung und Energie dank seiner unmittelbaren, lebendigen Säure, die bis zum Abgang anhält, und den feinen Gerbstoffen. Wunderbar! Ich habe das Gefühl, dass der 23er etwas schlanker und lebendiger als der 22er ist, aber es ist schwierig, dass nach so langer Zeit korrekt zu beurteilen.
Gaston hat geschrieben: ↑Mi 25. Feb 2026, 13:58
Neulich im Glas:
Grauburgunder MUS 2022
Guten Abend
Auf Grund deiner trinkanimirtenden VKN habe ich den Wein ebenfalls gekauft und bekam ein lachsrosa säureloses Wässerchen. Bin nicht sicher ob das so gehört.
War die Farbe bei dir auch so ?
Ansonsten würde ich sagen: eindeutig Flaschenfehler
Bitteres nasses Herbstlaub ist der VKN noch hinzuzufügen.
Der Korken ist komplett durchnässt.
4 Flaschen habe ich gekauft, 2 sind bis jetzt so.
Die anderen 2 mache ich morgen auf aber ich befürchte schlimmes
die Farbe habe ich jetzt nicht mehr ganz auf dem Schirm, einen minimalen (für GB ja nicht ganz untypischen) Rosa-Schimmer schliesse ich aber nicht aus. Ansonsten - merkwürdig. Meine 3 getrunkene Flaschen waren alle einwandfrei und auf gleichem Niveau sehr sehr gut. Deine Eindrücke stehen meinen diametral gegenüber. Was war deine Bezugsquelle? Lobenberg?
Nein. Weinhandel Fertsch, weil Loberberg schon den 2023er hatte. Bei Fertsch habe ich noch den 2022er bekommen.
Habe ihn auch schon kontaktiert und er hat gemeint er testet selbst gleich und nimmt dann Kontakt mit dem Weingut auf.
Mal sehen wie es weitergeht.
Heute werde ich auf jeden Fall Flasche Nr. 3 aufmachen und hoffen....
Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's DAS EWIG GESTRIGE
was immer war und immer wiederkehrt und morgen gilt, weil's heute hat gegolten.