Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
pessac-léognan
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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Beitrag von pessac-léognan »

pessac-léognan hat geschrieben: Do 20. Aug 2020, 20:00 Léoville Barton 2002 12.5%
Kurznotiz: Sommertemperaturen bekommen solchen Weinen natürlich nicht.
Dennoch und trotz Konkurrenz durch einen sehr jungen (2018) und sehr kräftigen, noch sehr primärfruchtigen Burgunder GC zum Fleischgang (pintade et choux à la façon bretonne) unmittelbar zuvor, einem prächtigen Jurançon 2009 zur selbstgemachten foie gras au cognac davor und nach entsprechender anfänglicher Skepsis entwickelt sich dieser LB zur Käseplatte [...] formidabel. Réglisse, sehr schön abgeschmolzene Tannine und Sekundärnoten von Zigarrenkiste, Leder, wenig Cassis, etwas Waldboden. Ein Wein, der bei 5 Anwesenden leider zu rasch ausgetrunken war und trotz hochkarätiger Konkurrenz getränkemäßig das Highlight des Nachmittags war. [...]
93+ P
4 1/2 Jahre später. Nach den beiden VKN vom 1.09.19 und vom 20.08.20 zollt der Wein nun dem mittelmäßigen Jahrgang doch noch seinen Tribut:
Der Wein ist nach wie vor sehr "trinkig", doch all das Beschriebene läuft nun auf deutlich reduziertem Level ab. Gut, dass es die letzte Flasche war (11 waren, m.E., besser). Noch 90/91 Punkte (aber immer noch etwas höher als Ducru-Beaucaillou 2000).
Bonne Année ! Gutes neues Jahr!
Jean
Lars Dragl
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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Beitrag von Lars Dragl »

Hallo Jean!

Vom LeoB 2002 hatte ich letztes Jahr auch zwei Flaschen. Die erste war ein kleiner Knaller und die zweite eher sehnig und anstregend. Ich habe noch 7 Fl. aus der Kiste und denke/hoffe eigentlich nicht, dass der schon drüber ist. Der Langoa aus dem selben Jahr ist zumindest gerade in Bestform. Mal sehen; eine steht schon auf der Schlachtbank :lol:

Herzliche Grüße

Lars
pessac-léognan
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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Beitrag von pessac-léognan »

Lars Dragl hat geschrieben: Mi 1. Jan 2025, 11:39 Hallo Jean!

Vom LeoB 2002 hatte ich letztes Jahr auch zwei Flaschen. Die erste war ein kleiner Knaller und die zweite eher sehnig und anstregend. Ich habe noch 7 Fl. aus der Kiste und denke/hoffe eigentlich nicht, dass der schon drüber ist. Der Langoa aus dem selben Jahr ist zumindest gerade in Bestform. Mal sehen; eine steht schon auf der Schlachtbank :lol:

Herzliche Grüß

Lars
"Drüber" ist der LB 2002 nicht, lieber Lars! Heute präsentiert er sich sogar leicht besser als gestern Abend (nun für mich 91!). Der hält schon noch ein paar Jährchen durch, besser wird er aber nicht mehr. Dekantieren und zurück in die ausgespülte Flasche tut ihm übrigens gut, aber nicht zu viel Sauerstoff. Und Wunder kann man auch davon nicht erwarten...
Gruß
Jean
Chrysostomus
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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Beitrag von Chrysostomus »

Gloria, St.Julien
Und wieder einmal zeigt sich, dass der Jahrgang derzeit mehr hergibt, als vielleicht zu erwarten ist. Ein Preis-/Genusswein, der auch mit dem Jahrgang 2002 überzeugen kann. Nach rund 1 Stunde geöffnet in der Flasche: Etwas Kirsche und Johannisbeere, der Rest von Tertiäraromen wie Tabak, Leder, Fleisch und rotem Paprika dominiert. Sehr schön strukturierter, feiner, relativ lang anhaltender Wein, der derzeit in einem wunderbaren Trinkfenster ist. Man darf sich keine Wunder erwarten, aber richtig schön ist das schon....über 2 Tage solo und zum Steak konstant gut, dürfte also noch länger auf diesem Plateau wandern.....für mich 91-92 Punkte
Schöne Grüße, Markus
TroisLacs
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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Beitrag von TroisLacs »

Eingeladen und ziemlich unverhofft zu folgendem Tropfen gekommen:

Pichon Baron, Pauillac, 2002
Elegantes Bouquet, reife, dunkle Früchte, feine Würze (Lebkuchen, Zimt?), etwas Vanille. Auch etwas Leder und florale Noten.
Am Gaumen fällt eine kühle, mineralische Note auf, etwas Erdbeere. Alles sehr elegant, nicht protzig, eher "leicht". Präsente Säure, Tannine spürbar, aber sehr fein. Alles elegant, ausgewogen. Und der Abgang ist fast schon ewig …
Komplex, fein, elegant, schönes Erlebnis 😃17/20

Nachtrag vom 23.9.25
Hatte gestern noch ein Glas, nachdem der Wein einen Tag in der Flasche ruhen durfte.
Nun kommen in der Nase noch vermehrt tertiäre Noten zum Vorschein, etwas Kaffee oder sogar etwas Nussiges. Und weiterhin mit einer leichten, feinen Eleganz. Macht sehr Spass!
Gruss, Sascha

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TroisLacs
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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Beitrag von TroisLacs »

Anlässlich eines Geburtstages hatte ich mal wieder etwas Glück :D

Château-Figeac, Saint-Emilion, 2002

Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Figeac probieren durfte.
Ich weiss leider nicht, ob 2002 auch schon ein stattlicher Anteil Cabernet Sauvignon in der Assemblage ist (hab's aber auch nicht gerade ausführlich gegoogelt). Aber der Wein hat Klasse.

Kein überbordendes Bouquet, aber angenehme Kombination aus tertiären Noten (etwas Vanille, etwas Waldboden), aber auch noch vorhandene Frucht (reife Erdbeeren und Kirschen, aber nicht kompottartig). Am Gaumen dann einfach sehr elegant. Tannine schon deutlich integriert.

Vielleicht machen Alter und Name des Weines etwas aus, aber war schon irgendwie ein besonderes Erlebnis. Gebe dem Wein die gleiche Note wie dem Pichon Baron aus dem gleichen Jahr, 17/20.

Nachtrag:
Ich würde 2002 nicht als überflüssig bezeichnen, die paar wenigen Weine, die ich trinken durfte, schmecken sehr.
Gruss, Sascha

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weingollum33
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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Beitrag von weingollum33 »

gestern im Glas ...

in Vorfreude auf das lange Wochenende kam ich gestern von der Arbeit nach Hause und habe darüber philosophiert, welche Flasche Wein ich mir gleich vorknöpfen werde. Als geklärt war, dass Lammkottlets und Ofenkartoffeln auf den Tisch kommen, fiel die Entscheidung auf einen gereiften Bordeaux.

Aus dem Keller kommend hatte ich Pichon Comtesse 2002 in der Hand:
Schon vor dem Kochen konnte ich mir das Öffnen nicht verkneifen und schenkte mir die kühle purpurrote bis tintenfarbene Flüssigkeit in Glas: Die Nase tief in die Tulpe gehalten, begrüßte mich verhalten ein Mix aus Blaubeeren und schwarzen Johannisbeeren sowie Spuren von feuchtem Waldboden. Aber der Gaumen, der hatte es echt in sich. Es ist weder die Konzentration noch etwa Wucht, es sind die wohl dosierten Proportionen, die Balance und die Harmonie, die beeindrucken. Minimalst Gerbstoffe noch im Hintergrund - nicht wirklich wahrnehmbar - aber noch strukturgebend; das richtige Maß an Säure um Spannung zu erhalten und dann (natürlich) noch deutliche Primärfrucht von Blaubeeren, schwarzen Johannisbeeren, etwas Kakao und Tabak sowie Bleistiftspäne, mineralische Noten und ein Hauch von getrockneten Steinpilzen. Für mich das optimale Stadium an Flaschenreife: Viel Primärfrucht und zunehmende Komplexität durch erste Tertiärnoten. Der Wein hallt ansonsten im Mund lange nach, vielleicht nicht ewig lang, aber doch auf jeden Fall sehr ansprechend.

Es ist leider meine zweite und letzte Flasche. Nach diesem Erlebnis kann ich jedenfalls nachvollziehen, dass die Comtesse viele Freunde hat.

Gruß Tobias

PS: Es ist übrigens nicht der erste 2002er, der mir wirklich richtig gut gefallen hat! Gott sei dank gibt es sie, die überflüssigen Jahrgänge!
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Jochen R.
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Re: Bordeaux 2002 - ein überflüssiger Jahrgang?

Beitrag von Jochen R. »

weingollum33 hat geschrieben: Do 14. Mai 2026, 10:19 gestern im Glas ...

in Vorfreude auf das lange Wochenende kam ich gestern von der Arbeit nach Hause und habe darüber philosophiert, welche Flasche Wein ich mir gleich vorknöpfen werde. Als geklärt war, dass Lammkottlets und Ofenkartoffeln auf den Tisch kommen, fiel die Entscheidung auf einen gereiften Bordeaux.

Aus dem Keller kommend hatte ich Pichon Comtesse 2002 in der Hand:
...
Hallo Tobias,
danke für die Wasserstandsmeldung, korrespondierend mit meiner letzten Flasche Dez. 2022 (auch schon wieder ein paar Tage her).

Davor hatte ich 3 schwache und 1 mittelmäßige Begegnung - welch Potentialverschwendung im nachhinein; aber verbucht unter selber Schuld, die Flaschen viel zu früh (ob absurden Trinkfensterangaben im Netz) geöffnet zu haben. Ich habe erfreulicherweise noch wenige Reserven.
weingollum33 hat geschrieben: Do 14. Mai 2026, 10:19 ...
PS: Es ist übrigens nicht der erste 2002er, der mir wirklich richtig gut gefallen hat! Gott sei dank gibt es sie, die überflüssigen Jahrgänge!
Dito!

Viele Grüße,
Jochen
"Viele haben eine Meinung, aber keine Ahnung." (Franz Müntefering)
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