Bordeaux 2017

Medoc und seine Appellationen, Bourg und Umgebung, Fronsac, Pomerol, Saint Emilion und Umgebung, Entre Deux Mers, Graves und Pessac-Leognan, Sauternes und Co.
Kle
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von Kle »

die Alternative dazu, Pichon Baron 2017 jetzt zu öffnen, wäre etwa gewesen, 10 Jahre zu warten und womöglich festzustellen, dass es sich um einen schwachen Jahrgang handelt. So nun umwerfendes, fast ein wenig ungläubig machendes Schwarzrot und ein Duft, der alle BDX-Verführungskraft besitzt. Rote Früchte mit einer - wahrscheinlich durch Holz und Tannin, gepaart mit Säurigem - Würze, die buchstäblich durch die Luft abheben lassen.
Im Mund schöner, konzentrierter, aber nicht wie gezwungen vollgepackter Stoff. Eleganz, laissez-faire bei bewusster Struktur sind zu spüren, ähnliche Eindrücke wie in der Nase. Nicht überkultiviert - vielleicht sogar unterkultiviert für einen solchen Wein? Denn tatsächlich kommen zwar schöne Grand Cru-Attribute zum Vorschein, einen hochgradigen Anspruch gibt es aber nicht. Es könnte auch ein Cru Bourgeois mit Grand Cru-Attributen sein.
Wie sich zeigt, braucht dieser Wein nicht nur viel Luft, sondern verträgt sie auch - ein ungekühlter Rest mindestens drei Tage. So erschloss er sich nach vielen Stunden mit einem subtilen Aromenspiel vor einem Tanninhintergrund, der nie aufdringlich wurde. Wie auch der ganze Wein nicht, der mit entspannter Eleganz zwischen fruchtigen und gewürzigen, aber auch wohlschmeckend transformierten Holzaromen changierte. Letztere vermute ich bei für mich schwer identifizierbaren leicht nussig, mandelig oder auch kuchenartig schmeckenden Aromen. Der Wein schwenkt von sowas rasch zu anderem wie herzhafter und auch saftiger säurebetonter Kirsche und Brombeere, aber nicht wie ein Zirkuspferd. Trotz der Vielfalt gibt es keinen Spurenwechsel, man scheint geschmacklich einer Komposition zu folgen. Der Wein hält auch Kontakt zur ersten Phase nach dem Öffnen. Einer klaren, dichten aber luftigen, einfachen aber nicht simplen Grundstruktur. Gerade das macht ihn so gut vergleichbar mit „normaleren“ Weinen, die anfangs scheinbar mithalten.
Als der Wein besser schmeckte, wollte ich ausschließen, einem Placebo-Effekt wegen des großen Namens zu erliegen. Dies gelang. Pichon Baron 2017 war ein einzigartiges Erlebnis und guter Kauf.
Ich erinnere mich eines bizarren Barba-grisca, von dem nur noch eine Flasche da war, so daß ich nicht erfahren konnte, ob der ungereimte Geschmack sich auch in den anderen gefunden hätte.
André Gide (Der Immoralist/Übers.Felix Paul Greve)
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Schönibert
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von Schönibert »

stollinger hat geschrieben: Mi 4. Mär 2020, 19:19
Château Sociando-Mallet - Haut Medoc - 2017:

Bild

Im Vergleich zum Potensac wirkt der Wein etwas edler. Beide Weine sind, wie die anderen getrunkenen 2017er, schlank und mit Frische, aber auch eher kurz. Harmonisch, wenig Spannung, vielleicht etwas langweilig. Vor allem aber fehlt die Tiefe. Zwar sind durchaus verschiedene -angenehme- Aromen vorhanden, aber die Weine wirken flach und vermögen keine Komplexität oder Dimensionalität aufzuspannen. Sie sind nicht mehr- oder vielschichtig.

Ich weiß nicht, wie sich die Weine entwickeln werden. […] Den Sociando für 26€ fand ich ganz akzeptabel, aber so wirklich juckt es mich bei dem Jahrgang nicht, großartig was einzukellern.

Grüße, Josef
Sociando 17 kommt hier am WE mal auf den Tisch. Bei CellarTracker kommt der mittlerweile übertrieben gut weg für die +/-25 Euro.
Viele Grüße,
Euer Schöni
TroisLacs
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von TroisLacs »

Château Haut-Bailly, Pessac-Leognan
60% Cabernet Sauvignon, 32% Merlot, je 4% Cabernet Franc und Petit Verdot

Gestern am frühen Nachmittag geöffnet und dann später rund 4 Stunden karaffiert.
Direkt aus der Flasche noch etwas zurückhaltend, braucht etwas Luft und Zeit.

Schönes, recht dunkles Rot, mittlere Farbtiefe.
Verführerischer Duft nach Johannisbeeren und Kirschen. Später gesellen sich feine Kräuternoten zu den dunklen Früchten und etwas dezent holziges (am ehesten die berühmte Zigarrenkiste). Etwas Laub und Waldboden, aber nur feine Altersnoten spürbar.
Am Gaumen ist der Wein sicher kein Schwergewicht, aber das hat er auch nicht nötig. Elegant und ausgewogen, es kommt sofort eine Trinkfreude auf. Feine Tannine, eine erfrischende Säure. Nichts dominiert, nichts fällt ab. Abgang mittellang. Ich mag auch hier die etwas kühle Stilistik und die feine Würze. Das ist mir bisher bei den Weinen aus der Appellation sehr positiv aufgefallen. 18/20 Punkten.
Passte wunderbar zum Stroganoff mit Rindfleisch und Nudeln.

Hatte etwas Bedenken wegen dem Jahrgang, aber ich komme immer mehr zum Schluss, dass ein guter Winzer auch in einem schwierigen Jahr einen guten Wein auf die Flasche bringt.
Gruss, Sascha

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Schönibert
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von Schönibert »

2017 Sociando

Boah, der kommt aber mit nem Paukenschlag rein. Vanille und Kaffee. Kloster-Kräutergarten mit Salbei, Thymian, Minze. Cassonade. Bereits recht eingebundenes Tannin aber noch deutlich präsent unterlegt mit dem, was in dem Begriff Gerbsäure wohl die Säure ist. Himbeeren. Gefällt mir ausgesprochen gut.
Viele Grüße,
Euer Schöni
amateur des vins
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von amateur des vins »

Geöffnet in der Erwartung, daß sie 2017 als besch...önigten Jahrgang bestätigen:

Lafon La Tuilerie 2017

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er seit gestern im WK wirklich erkennbar zu oxidieren begonnen hat (was ich mir ein wenig einbilde), oder ob es doch eher an der Machart liegt - nicht nur am Merlot, sondern auch am langen Hängenlassen, denn immerhin ist das Teil mit 14,5 Umdrehungen ausgewiesen. Oder am Kontrast zum ziemlich anderen zweiten Wein (s.u.)? Der Alk. macht sich dann auch mit einer gewissen Schärfe und Wärme bemerkbar. Die Säure ist eher unauffällig, und eine gewisse Extraktsüße schwingt mit. Richtung Abgang zeigen sich recht kräftige und etwas grüne Tannine, die mit ihrer leichten Bitterkeit an zu starke Extraktion denken lassen. Im Gegensatz zu gestern, wo der Wein i.W. Struktur und Ausbau abbildete, findet sich heute immerhin eine zarte pflaumige Fruchtnote.

Les Carmes Haut-Brion 2017

Beim Öffnen steigt ein leichter Pups in die Nase, der zwar sehr schnell nachläßt, aber eine ganz leichte Reduktion zeigt er auch in der Folge. In der Nase nicht zu kühle, nicht zu warme rote Frucht und eine feine Note schwarzen Pfeffers. Am Gaumen zwar (für modernen Bordeaux) leichtgewichtig, aber nicht anämisch. Unanstrengend lebendige Säure, etwas Tapenade. Zum Abgang hin packen die Tannine dann deutlicher zu, und auch hier zeigt sich eine leichte Bitternote (die ich auf Extraktion schiebe). Aber alles bleibt deutlich feiner und eleganter als beim ersten Wein.

Ich war mental vorbereitet, die so garnicht zu mögen, jedoch.... LCHB hatte ich bei der Arrivage, und da fand ich ihn harsch und garnicht überzeugend. Aber auch, wenn sie mein Bild vom Jahrgang bestätigen, räume ich gerne ein: Man kann das schon ganz gut trinken, und ich vermute, zu den Lammkoteletts mit Ofengemüse und Radieschengrünpesto werden sie nachher gut funktionieren. Das vielbeschworene Bdx-PLV finde ich hier allerdings zwar ok, aber nicht bemerkenswert.
Zuletzt geändert von amateur des vins am So 24. Mai 2026, 14:59, insgesamt 1-mal geändert.
Besten Gruß, Karsten
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von TroisLacs »

Pichon Longueville Comtesse de Lalande, Pauillac, 2017
70% Cabernet Sauvignon, 23% Merlot, 6% Cabernet Franc und 1% Petit Verdot

Gestern zum Grillfleisch und zur "Sommereinweihung" wollte ich einen schönen Bordeaux kredenzen.
Bereits beim Öffnen verströmt der Wein einen fruchtigen Duft nach Cassis, Brombeeren und einer feinen Würze. Karaffieren wäre wohl nicht nötig gewesen, aber hab's trotzdem gemacht. Mit etwas Zeit kommen feine Holznoten dazu, etwas Florales und etwas dunkle Schokolade.
Im Gaumen - wohl jahrgangstypisch - eher fein und im positiven Sinne leicht, kein Kraftpaket. Nur 13.2% Alkohol.
Extrem trinkfreudig, animierend, ausbalanciert. Eine schöne Frische und Säure, feine Tannine und beste Fruchtnoten.
Der Wein ist sicher noch jugendlich und hat entsprechend noch einige Jahre vor sich, kann aber mit grosser Freude getrunken werden.

Verführerisch kommt mir in den Sinn... vielleicht ist das der Stil, gewollt, ich weiss es nicht. Aber für mich in keinster Weise negativ, sondern einfach ein leckerer Wein, der unglaublich Spass macht. Und wenn meine Frau zwei Gläser Bordeaux trinkt, heisst das was ;-)
Gruss, Sascha

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Sauternes
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von Sauternes »

Danke @Karsten und @Sascha für eure Notizen.
Einzig LCHB 2017 ist bei mir vorhanden, aber noch unangetastet, was wohl noch eine zeitlang so bleiben wird, hoffe der Wein wird mit der Zeit noch etwas.
Comtesse hat ja nicht umsonst eine große Fangemeinde, ich zähle mich schon ein wenig dazu, auch wenn der große Knaller bisher noch fehlt, aber 2016 liegt in einiger Stückzahl im Keller, ich denke im Herbst ist die erste Flasche davon fällig, getreu dem Motto: Ten Years later :lol: .

Gruß Heiko
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Jochen R.
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von Jochen R. »

Sauternes hat geschrieben: So 24. Mai 2026, 16:14 ...
Comtesse hat ja nicht umsonst eine große Fangemeinde, ich zähle mich schon ein wenig dazu, auch wenn der große Knaller bisher noch fehlt, aber 2016 liegt in einiger Stückzahl im Keller, ich denke im Herbst ist die erste Flasche davon fällig, getreu dem Motto: Ten Years later :lol: .

Gruß Heiko
Hallo Heiko,
na da bin ich mal gespannt - würde mich aber nicht wundern, wenn der erhoffte "Knalleffekt" (noch) ausbleibt. Aber wenn man ausreichend Reserven hat, kann man das ja mal probieren. Bitte berichten!

Ich freue mich schon riesig auf die 96er Comtesse am kommenden Samstag (Pauillac 96-Probe).

Viele Grüße,
Jochen
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amateur des vins
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von amateur des vins »

Na klar Heiko! Danke für's Interesse.
Sauternes hat geschrieben: So 24. Mai 2026, 16:14 Einzig LCHB 2017 ist bei mir vorhanden, aber noch unangetastet, was wohl noch eine zeitlang so bleiben wird, hoffe der Wein wird mit der Zeit noch etwas.
Falls das nicht rüberkam: Ich fand, der war jetzt schon 'was. ;)

Je nachdem, wieviele Du hast: Ich fand ihn ziemlich zugänglich. Aber Du magst Deine roten Bordeaux gerne deutlich gereift, wenn ich mich richtig erinnere?
Besten Gruß, Karsten
Sauternes
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Re: Bordeaux 2017

Beitrag von Sauternes »

amateur des vins hat geschrieben: So 24. Mai 2026, 17:54 Falls das nicht rüberkam: Ich fand, der war jetzt schon 'was. ;)

Je nachdem, wieviele Du hast: Ich fand ihn ziemlich zugänglich. Aber Du magst Deine roten Bordeaux gerne deutlich gereift, wenn ich mich richtig erinnere?
Hallo Karsten,
ah ok, dann kann ich den LCHB doch mal auf test legen, 6 Fl. sind vorrätig.
Das mit dem deutlich gereift, ist aber mangels derartiger Weine, so nicht gegeben. Ich teste gerne die jungen Weine an, und dann ab 10-12 Jahre wieder, was der Keller so hergibt, die Auswahl wird sich in den nächsten zum Glück deutlich verbessern.

Gruß Heiko
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