Martin Müllen

Bernd Schulz
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Re: Martin Müllen

Beitrag von Bernd Schulz »

EThC hat geschrieben: Mo 23. Feb 2026, 22:26 ...mußt Du halt den Operationsbereich vorher großflächig mit Folie auslegen...
Das wäre natürlich eine Option! :twisted:
EThC hat geschrieben: Mo 23. Feb 2026, 22:26 ...oder Du entkorkst grundsätzlich nur in der Dusche...
Und wie bekomme ich die Korkbrösel dann hinterher aus der Duschtasse? Einfach runterspülen ist schwierig, denn das Zeug schwimmt oben.....

Mal im Ernst: Speziell bei alten Rieslingen in restsüß erlebe ich das Problem bei gefühlt jeder zweiten Flasche, und es nervt einfach gewaltig! Ich hoffe ja, dass ich irgendwann in meinem Leben doch noch mal nach Traben gelangen werde, und dann werde ich Martin und Jonas Müllen im Hinblick auf die Baumrinde noch einmal ordentlich etwas vorposaunen, obwohl es ansonsten überhaupt nicht meine Art ist, im Umgang mit Winzern die Posaune auszupacken...

Herzliche Grüße

Bernd
TroisLacs
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Re: Martin Müllen

Beitrag von TroisLacs »

So, liebe Mitleserinnen und Mitleser

unser Moseltrip ist vorbei und wieder einmal haben wir die 4 Tage sehr genossen, Wetter war super, bereits ideal zum wandern.
Am Dienstag hatten wir unsere Degustation bei Müllens in Traben-Trarbach. Lustigerweise sind wir am Morgen noch durch den Hühnerberg gewandert, der Bikiniblick wurde allerdings aufgrund der Tageszeit seinem Ruf noch nicht gerecht :P

Schon mal vorweg, einfach nur sensationell. Susanne Müllen hat uns empfangen und uns durch die Degustation durchgeführt. Martin Müllen und Sohn Jonas haben wir auch noch kennengelernt (die mussten dann Weinkartons zusammenstellen).
Susanne hat uns wunderbar in die verschiedenen Lagen, Prädikate und Ausbaustile durchgeführt. Ich habe schon bei den trockenen Weinen aufgehört zu zählen, meine Partnerin hat die Nummerierung durchgezogen, wir haben also 25 Weine probiert ;)
Sie hat immer wieder etwas zu den Weinen erzählen können, authentisch ("ne, den kann ich einfach nicht verkaufen, der riecht einfach nach Kuhstall" oder "das ist unser Mädelswein"). Natürlich hat sie schnell gemerkt, dass wir sehr interessiert waren, Fragen stellen, das macht es für sie sicher auch angenehmer. Sie hat erzählt, dass immer wieder Leute klingeln, "es regnet und wir wollen Wein probieren, aber nix kaufen und auch nix für die Weinprobe bezahlen".

Ich fand jetzt wirklich jeden der 25 Weine hochklassig. Sie können Riesling von trocken bis süss.
Meine Favoriten sind aber schon der Hühnerberg, da habe ich Spätlesen trocken und fruchtsüss mitgenommen, meine Partnerin Kabinette trocken und feinherb. Und das Kröver Paradies, da gab es eine feinherbe Spätlese aus 2019 und die Spätlese "Fallay" aus 2023, die Erich vor kurzem getrunken hat.
Überraschend aber die ebenfalls mitgenommenen Spätlesen aus dem Steffensberg (trocken, 2024, Susanne Müllens Wein) und die 2018-er-Auslese aus der Kirchlay.
Daher - vielleicht wegen den spürbar würzigen Noten - eher abgefallen, der Trabener Würzgarten. Abgefallen ist aber nicht das richtige Wort.

Der Keller ist nun mal gefüllt, aber ich weiss, wo es Nachschub hat, also ich war nicht das letzte Mal bei Müllens. Sie bezeichnen sich selber noch als Geheimtipp. Ich werde die Weine gerne mit meinen Freunden teilen und Werbung machen.
Gruss, Sascha

„Riesling geht immer“!
Bernd Schulz
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Re: Martin Müllen

Beitrag von Bernd Schulz »

Sascha, vielen Dank für deinen Bericht über den Besuch bei einem Weingut, zu dem ich schon ziemlich lange eine besondere Verbindung habe!

Susanne Müllen kann schon etwas speziell sein, aber wenn sie merkt, dass man wirkliches Interesse an qualitativ hochwertigen Weinen hat, taut sie auf und hat entsprechend viel zu sagen.
TroisLacs hat geschrieben: Sa 7. Mär 2026, 09:07 Sie können Riesling von trocken bis süss.
Das sehe ich genauso, wobei es an der Mosel eine ganze Reihe von Winzern gibt, die süß ebenso hervorragend beherrschen. Aber im trockenen Segment finden sich im Anbaugebiet nicht viele, die den Müllens wirklich das Wasser reichen können.
TroisLacs hat geschrieben: Sa 7. Mär 2026, 09:07 Sie bezeichnen sich selber noch als Geheimtipp.
In gewisser Hinsicht sind sie das durchaus, was wohl auch ihrer bewussten Distanz zum VDP geschuldet ist.
TroisLacs hat geschrieben: Sa 7. Mär 2026, 09:07 Ich werde die Weine gerne mit meinen Freunden teilen und Werbung machen.
Mache das mal, denn die Müllens können es nach wie vor gut gebrauchen!

Herzliche Grüße

Bernd
TroisLacs
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Re: Martin Müllen

Beitrag von TroisLacs »

Bernd Schulz hat geschrieben: Sa 7. Mär 2026, 22:15 Aber im trockenen Segment finden sich im Anbaugebiet nicht viele, die den Müllens wirklich das Wasser reichen können.
Grüss dich, Bernd
Das würde ich mich natürlich noch nicht getrauen zu sagen, aber du hast sicher etwas mehr Erfahrung.
Aber dem Müllen seine trockenen Weine finde ich schon auch ausserordentlich gut. Ich wollte unbedingt die 21-er Spätlese vom Hühnerberg probieren, und die ist - mit EUR 28 kein Schnäppchen - schon erste Sahne. Die drei Flaschen werden dann zuhause zelebriert :D

Wir hatten im Set noch einen 2013-Revival, das ist ja eine Cuvée, der hatte feine Reifenoten und trank sich sehr gut, im Gesamtbild fehlte ihm etwas Kraft oder vielleicht auch die Eigenständigkeit der Einzellagenweine. Aber für einen 13 Jahre alten "Gutswein" bemerkenswert gut.
Gruss, Sascha

„Riesling geht immer“!
nm_
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Re: Martin Müllen

Beitrag von nm_ »

Letztes Wochenende gab es bei der Präsentation der gereiften Weine Rieslinge von 1994 bis 2015 zu probieren. Für mich, als jemand der sonst Riesling selten älter als 6-8 Jahre trinkt, war es interessant wie anders er nach 10-30 Jahren riechen und schmecken kann. Es mag auch an der Reihenfolge gelegen haben, aber mir haben die trockenen und halbtrockenen besser gefallen als die meisten süßen. Ich kam leider nicht dazu, mir zu allen Weinen detaillierte Notizen zu machen, aber teile mal was ich habe.

Besonders gefallen haben mir:
2015 Hühnerberg Spätlese* trocken: Kräftiges Goldgelb, intensiver, süßer Geruch nach Honig / Blüten, gefiel mir deutlich besser als der 2011er den es auch zu probieren gab.
2014 Hühnerberg Auslese trocken: Dunkleres Goldgelb, würziger, süßer Geruch der an Waldhonig erinnerte.
1994 Letterlay Spätlese halbtrocken: Goldgelb, Geruch nach Wachs / Seife
1997 Paradies Spätlese feinherb: Helles Gelb, nicht so intensiv im Geruch wie andere, längerer Nachhall als andere (halb-)trockene
2011 Letterlay Beerenauslese

Interessant fand ich außerdem:
2002 Steffensberg Kabinett halbtrocken: Ohne die Flasche gesehen zu haben, hätte ich den auf maximal 5 Jahre alt geschätzt.
1997 Paradies Auslese trocken: Neben Wachs war hier auch etwas käsiges? zu riechen, was ich so von Riesling nicht kannte.
2018 Letterlay Auslese: Außerhalb des Events an 2 Tagen aus zwei Flaschen probiert. Beim ersten Mal deutlicher Modergeruch und -geschmack, beim zweiten Mal starker Geruch nach Champignons, der im Geschmack nicht zu bemerken war. Ich hätte bei Riesling nicht mit pilzigen Gerüchen gerechnet, der ist mir aber in schwächerer Form auch bei mehreren der anderen Weine begegnet..
Zuletzt geändert von nm_ am Do 12. Mär 2026, 22:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Martin Müllen

Beitrag von Kle »

Mit dem 24 er Jahrgang hatte ich bisher Probleme - wir hatten zwei Hühnerberger probiert, die nicht gefallen mochten. Mir vor allem nicht wegen geradezu beißender Säure, die durch nichts abgefangen… sinnvoll genutzt wurde. Ich bin neugierig, ob es hier ähnliche Erfahrungen gibt. Vielleicht braucht es nur etwas mehr Zeit. Aber nur wegen dieser beiden Weine kamen bei mir vergesslich grundsätzliche Zweifel auf, die vom 23er Hühnerberg Spätlese trocken nun völlig ausgeräumt wurden. Hier erlebe ich, was die Einzigartigkeit der Müllen-Weine ausmacht. Überhaupt nicht gestelzt oder imponieren wollend. Mit Frucht, die intensiv-würzig und leicht zugleich ist, mit guter Säure abrollt und niemande hemmt, die Weine nur zum Spaß trinken. Aber da ist sofort auch etwas Schwebendes, Luftiges, das innehalten lässt. Ein wenig scharfe Moselsäure bekommt einige Tropfen Süßes (die Lebendigkeit des Weines erzeugt tatsächlich den Eindruck, das Komponieren mitzuverfolgen), das sie unwiderstehlich macht. Auch leicht nussige Noten sind zu schmecken und dann zieht sich der Wein zurück, als sei es sein Wunsch, normal zu erscheinen. Keine vibrierende Mineralität, vielschichtige Aromen oder Komplexität faszinieren, sondern wie individuell - und dadurch enorm interessant - er einfache Phänomene ausdrückt. Nein, er drückt sie nicht aus, sondern besteht aus ihnen. Ich hatte immer das Gefühl, Müllen-Weine nicht wirklich zu verstehen, komme der Sache aber näher.

Gruß, Kle
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Re: Martin Müllen

Beitrag von TroisLacs »

Kle hat geschrieben: Mo 16. Mär 2026, 19:05 Ich hatte immer das Gefühl, Müllen-Weine nicht wirklich zu verstehen, komme der Sache aber näher.
Hallo Kle
Aber philosophieren kannst du schön über die Weine ;) schon fast poetisch!
Ich bin da bei dir, und Spass soll das Wein trinken ja auch machen. Ich bin gerade meine Excelliste durchgegangen und es gibt da schon Weine, die mich "glücklich" machen.

Ich habe vor 2 Wochen nur einen 2024-er probiert, die Kröver Steffensberg Spätlese trocken. Und die hat mich voll überzeugt.
Bei den 23-er trockenen aus dem Paradies und dem Hühnerberg habe ich bisher einzig festgestellt, dass sie mit jeder Minute im Glas besser, sprich ausgewogener und runder werden. Daher - trotz meiner wirklich erst minimalen Erfahrung mit Müllen-Weinen - denke ich, dass es wirklich nur etwas Zeit braucht.
Bernd hatte neulich auch schon 24-er im Glas und war ziemlich angetan.
Gruss, Sascha

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Re: Martin Müllen

Beitrag von Kle »

Hallo Sascha,

nein nein, ich habe nicht philosophiert, die richtig aufregenden Weine regen nur - anscheinend völlig unabhängig von einer alkoholischen Wirkung - zum Schwadronieren an. Ich frage mich aber gerade, ob Wein ohne zumindest alkoholische Schwingungen, zumindest Placeboeffekt, so herausfordern würde.
Vielen Dank für deine Hinweise, mal sehen, was noch kommt.

Gruß, Kle
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