Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Elsaß, Lothringen, Jura und Savoyen
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EThC
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von EThC »

...kann gut sein, daß ich das zumindest interessant finde, mal sehen. Muß erst mal die Elsässer Beute vom Jahreswechsel so nach und nach probieren...
Viele Grüße
Erich

Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
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EThC
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von EThC »

...zum Glück so gar nicht das, was man aus dem Elsaß allgemein so erwartet:

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Viele Grüße
Erich

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UlliB
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von UlliB »

UlliB hat geschrieben: So 9. Mär 2025, 10:50 Mambourg Grand Cru 2021 (Marcel Deiss) 14%Vol. Wie bei Deiss üblich in complantation - mehrere Rebsorten stehen gemischt im Weinberg, werden alle zusammen an einem Zeitpunkt geerntet und vinifiziert. In diesem Fall handelt es sich laut Homepage um Reben der gesamten Pinot-Familie: Gris, Noir, Meunier, Blanc, Beurot.

Goldgelb. An Naturwein erinnernde Nase, ganz zarte Oxidation, die an der Luft konstant bleibt, aber nicht zunimmt. Herb, völlig trocken, sehr hohe Dichte, ein Brocken von Wein. Enorm tiefgründig, dabei aber schroff und abweisend. Ein Wein, den man sich erarbeiten muss; wirkliches Trinkvergnügen will da nicht aufkommen. Vielleicht fügt sich das mit längerer Lagerung.

Beeindruckend, aber anstrengend. Mal geht das, aber regelmäßig möchte ich so etwas nicht im Glas haben.
Ein gutes halbes Jahr nach dem 2021er gab es jetzt die 2022er Version des Mambourg Grand Cru von Deiss.

Ebenfalls 14%Vol. Ansonsten könnten die Unterschiede kaum größer sein. Hier ist überhaupt nicht "schroff und abweisend", sondern sanft und rund, fast könnte man sagen "gefällig", wenn dieser Ausdruck nicht so negativ belegt wäre. Kein Naturweineindruck, keine Oxidation, sehr würzig, da hätte ich vermutet, dass da ein wenig Gewürztraminer in der Cuvée ist, es soll aber nicht so sein. Als "sec" deklariert, aber es ist auch Restzucker spürbar, passende Säure, sehr vielschichtig und tiefgründig.

Gefällt mir wesentlich besser als die 21er-Version, der 22er ist nicht nur analysierbar (was man schon tun kann, wenn man möchte, und findet dabei so einiges), sondern auch gut trinkbar.

Wie es bei Deiss so ist: die Stilistik schwankt von Jahrgang zu Jahrgang erheblich. Jedes Jahr eine neue Wundertüte ;)

Gruß
Ulli
amateur des vins
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von amateur des vins »

Beurot mußte ich nachschlagen: Die meisten Quellen scheinen davon auszugehen, daß es ein Synonym für Pinot Gris sei, also dasselbe?
Besten Gruß, Karsten
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EThC
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von EThC »

...generell ist Pinot Beurot die gleiche Rebsorte wie Pinot gris. Dennoch kann's bei an sich gleicher Genetik Unterschiede geben, es wurden laut Ulli ja Gris und Beurot in der Zusammensetzung explizit beide genannt. Also wie Gewürztraminer und Roter Traminer auch Spielarten der gleichen Sorte mit unterschiedlichen Beerenfarben sind...
Viele Grüße
Erich

Nicht was lebendig, kraftvoll, sich verkündigt, ist das gefährlich Furchtbare. Das ganz Gemeine ist's
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UlliB
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von UlliB »

Engelgarten 2022 (Marcel Deiss) 13,5%Vol. Engelgarten ist eine flache Lage am Ortsrand von Bergheim, in unmittelbare Nähe des Betriebs von Deiss. Wie bei Deiss fast immer der Fall, in complantation, hier laut Rückenetikett Riesling, Muskateller, Pinot blanc, Pinot gris, Pinot noir und Sylvaner.

Rotgold, schon eher in Richtung Kupferfarben. Braucht viel Luft, um sich zu entfalten, karaffieren wäre wahrscheinlich gut gewesen. Faszinierende Entwicklung im Glas: zunächst ist Riesling aus einer warmen Gegend (wie eben dem Elsass) das Hauptthema, warme Zitusfrucht und Bitterorange. Aber mit Zeit und Luft verschiebt sich der Charakter immer mehr in Richtung der Pinot-Sorten, dann Mostbirne und etwas zerlassene Butter, und schließlich erscheint unverwechselbar der Pinot noir mit seinen Himbeernoten, alles auf einem herb-steinigen Untergrund. Völlig trocken, frische Säure, im Gaumen kräftiger als in der Nase, auch etwas Gerbstoff, aber nicht sehr viel. Komplex und sehr interessant, außerhalb üblicher Kategorien.

Gruß
Ulli

PS. Die Flasche ist mit einem Naturkorken verschlossen, und darüber befindet sich eine der momentan so angesagten Wachskapseln, die durch tauchen in das geschmolzene Wachs aufgebracht werden. Hier eine besonders unangenehme Variante, weil das Wachs nicht elastisch ist, sondern fast so spröde wie Siegellack, beim Öffnen völlig zerkrümelt und in alle Richtungen wegfliegt. Ärgerlich und unnötig.
amateur des vins
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von amateur des vins »

UlliB hat geschrieben: Mo 12. Jan 2026, 17:33 Engelgarten 2022 (Marcel Deiss)
Liest sich äußerst spannend. Danke für den Trigger, Ulli!
Besten Gruß, Karsten
glauer
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von glauer »

UlliB hat geschrieben: Mo 12. Jan 2026, 17:33 Engelgarten 2022 (Marcel Deiss) 13,5%Vol. Engelgarten ist eine flache Lage am Ortsrand von Bergheim, in unmittelbare Nähe des Betriebs von Deiss. Wie bei Deiss fast immer der Fall, in complantation, hier laut Rückenetikett Riesling, Muskateller, Pinot blanc, Pinot gris, Pinot noir und Sylvaner.

Rotgold, schon eher in Richtung Kupferfarben. Braucht viel Luft, um sich zu entfalten, karaffieren wäre wahrscheinlich gut gewesen. Faszinierende Entwicklung im Glas: zunächst ist Riesling aus einer warmen Gegend (wie eben dem Elsass) das Hauptthema, warme Zitusfrucht und Bitterorange. Aber mit Zeit und Luft verschiebt sich der Charakter immer mehr in Richtung der Pinot-Sorten, dann Mostbirne und etwas zerlassene Butter, und schließlich erscheint unverwechselbar der Pinot noir mit seinen Himbeernoten, alles auf einem herb-steinigen Untergrund. Völlig trocken, frische Säure, im Gaumen kräftiger als in der Nase, auch etwas Gerbstoff, aber nicht sehr viel. Komplex und sehr interessant, außerhalb üblicher Kategorien.

Gruß
Ulli

PS. Die Flasche ist mit einem Naturkorken verschlossen, und darüber befindet sich eine der momentan so angesagten Wachskapseln, die durch tauchen in das geschmolzene Wachs aufgebracht werden. Hier eine besonders unangenehme Variante, weil das Wachs nicht elastisch ist, sondern fast so spröde wie Siegellack, beim Öffnen völlig zerkrümelt und in alle Richtungen wegfliegt. Ärgerlich und unnötig.
Hatte ich vor Jahren mal in Strasbourg, ich glaube aus 2016, und war schwer begeistert. Hat mir besser gefallen als die grossen Geschosse von M.D., die Komplexität war da, aber ohne Übergewicht. War solo spannend und als Essensbegleiter grosse Klasse.
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UlliB
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von UlliB »

Riquewihr 2023 (Marcel Deiss) 13,5%Vol. In Riquewihr gibt es einen der berühmtesten grands crus des Elsass, Schoenenbourg, aber in diesem stehen die Reben für diesen Wein nicht. Laut Homepage "am Ende des Ortes", da fragt sich nur, welches Ende, und die Beschreibung des Bodens als "kieselhaltige Sedimente über Mergel" lässt vermuten, dass es sich um eine flache Lage am Fuß der Hügel handelt. Riesling und Grauburgunder in complantation.

Helles Gold. Und die Nase ist eindeutig: Grauburgunder, und genau so auch im Gaumen: Grauburgunder. Vom Riesling merke ich nichts, außer dass der Wein trotz 13,5% Alkohol überhaupt nicht fett ist, sondern trotz hoher Konzentration leichtfüßig und elegant daherkommt. Profitiert auch von Luft und wird dann vielschichtiger, bleibt aber hinsichtlich Komplexität doch recht weit hinter dem Engelgarten zurück. Vielleicht tut sich da mit mehr Flaschenalter noch etwas, Potential scheint durchaus da zu sein, aber im Moment ist das "nur" ein schöner und eleganter Grauburgunder, und für den muss ich nicht unbedingt 26 Euro ausgeben.

Gruß
Ulli
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UlliB
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Re: Alsace Sonstige (Cremant, Chasselas, Complantation, etc.)

Beitrag von UlliB »

Meine "Expedition Deiss" geht weiter:

Schoffweg 2023 (Marcel Deiss) 14%vol. Der Lagenname erschließt sich über den französischen Untertitel auf dem Etikett, Le chemin des brebis, der Weg der Schafe, somit Schoff = Schaf. Tatsächlich wurden hier früher die Schafe aus ihren Ställen in und bei Bergheim zu ihrer Weide auf dem Grasberg getrieben. Der Grasberg ist heute bestockt und ebenfalls ein Lagenname.

Laut Homepage complantation von Riesling und Pinots (Plural !) mit einigen Stöcken Muskateller und Chasselas. Helles Gold ohne Rottöne. Aromatisch nahe verwandt mit dem oben erwähnten Riquewihr 2023, auch hier dominiert Grauburgunder, aber der Gesamteindruck ist vielschichtiger und feiner. Vielleicht ein paar Gramm Restzucker, ich bin da unsicher - Werte habe ich keine gefunden. Ganz wunderbare Harmonie und trotz 14% hoher Trinkfluss, der Riesling dürfte auf der Säureseite sehr hilfreich gewesen sein. Die Fans von Mineralität werden hier auch gut bedient, und der Wein macht einfach sehr viel Spaß. Wir hatten dazu Salumi und Käse, das passte super, aber der Wein dürfte zu einer Vielzahl von Speisen passen.

Gruß
Ulli
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