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Große Gewächse 2010

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amateur des vins

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Re: Große Gewächse 2010

BeitragSo 5. Nov 2017, 16:39

Es ist ja nicht unproblematisch, wenn der Weinbestand anwächst: Nicht jedem ist ein dedizierter, ausreichend großer Keller gegeben. So klagt die Liebste bisweilen (zurecht!), daß in allen möglichen (und unmöglichen) Ecken Wein rumliegt. Ein Nebeneffekt dieser leicht chaotischen Lagerung ist, daß Inventurfehler auftreten. Meist ist der Saldo negativ, weil ich schlicht vergesse, einen getrunkenen Wein auszustreichen. Aber hin und wieder taucht eine Flasche auf, mit der ich nicht (mehr) gerechnet habe. So auch dieser

Emrich-Schönleber Halenberg GG 2010 (13%),

der mich jetzt die letzten beiden Tage begleitet hat. Selten habe ich einen Wein im Glas, der sich über die Zeit dermaßen stark verändert!

Sofort begrüßt einen eine dichte, volle, fast opulente Nase, etwas gereift. Sehr deutlich dominiert Quitte, hinzu kommt Aprikose. Am Gaumen zeigt er sich dann viel schlanker und straffer, als die Nase erwarten ließ. Hier geht es ziemlich Richtung Zitrone und Zitronengras. Die Säure (it's 2010, stupid!) ist jugendlich, nur leicht gereift, knackig, aber nicht aggressiv. Eine leichte Firnis zeigt sich - sehr leicht. Der Abgang ist lang; auch hier wirkt die Säure nach. Hinzu kommt eine ganz leicht grasige Note, die mit der Zeit ein wenig in's kräuterige geht (getr. Oregano).

[+1h30'] Inzwischen ist die Säure ein bißchen mehr als nur knackig. Ist es wegen der jetzt höheren Temperatur? Auch sonst wirkt er jetzt etwas weniger harmonisch, und es kommt eine leichte Bitternote hinzu. Die Frucht läßt nach, er wirkt erdiger, aber auch komplexer, v.a. im Abgang. Aber alles steht ein wenig nebeneinander.

[+1d] Von der Textur her weicher, wie zu erwarten. Die Säure ist und bleibt allerdings hoch, wirkt heute sogar etwas unreif, und auch die leichte Bitternote bleibt. Leichte Abzüge für einen ansonsten sehr guten Wein.

[+2d] Heute ein in sich ruhender Wein: Leise, weniger Spektakel als zu Beginn - aber mindestens genausoviel Intensität und Komplexität. Die Säure ist weiter hoch, und auch das Bitterle ist da, aber beides scheint mir deutlich gemildert. Das grasige ist einer vielfältigen erdigen Würze gewichen, was den Wein "dunkler" erscheinen läßt. Die (wenn auch leichte) Reife oder Firnis, die er zu Beginn zeigte, kann ich nicht mehr erkennen. Und er ist heute "ewig" lang; das war zu Beginn nicht so ausgeprägt. Heute definitiv mit Abstand am besten!
Besten Gruß, Karsten
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Judo

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Re: Große Gewächse 2010

BeitragSo 5. Nov 2017, 19:07

Die Beschreibung liest sich, als hätte der Wein noch viele Jahre vor sich. Ist das auch Deine Einschätzung?
Ich habe noch drei Flaschen und möchte deren Genuss zeitlich gerne noch etwas strecken. Ein unlängst getrunkener 2012er hat mich nicht restlos überzeugt.
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amateur des vins

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Re: Große Gewächse 2010

BeitragSo 5. Nov 2017, 19:43

Judo hat geschrieben:Die Beschreibung liest sich, als hätte der Wein noch viele Jahre vor sich. Ist das auch Deine Einschätzung?
Ja. Nur daß ich keinen mehr habe. :|

Natürlich hängt das immer davon ab, wie sehr man Reifearomen mag. Ich selber beispielsweise mag sie nur beginnend, nicht so sehr voll ausgeprägt. Bei diesem hier habe ich sie nur zu Beginn, dann aber kaum mehr wahrgenommen. Da der Wein am Ende der zwei Tage am harmonischsten war, weil das Säuregerüst ist, wie es ist, und weil zum "Ausgleich" für die Säure genug Substanz da ist, würde ich ihm noch viel Zeit zugestehen.
Besten Gruß, Karsten
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Dilbert

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Re: Große Gewächse 2010

BeitragMo 6. Nov 2017, 12:17

Hatte den 2010er Halenberg auch vor ein paar Monaten im Glas:

Der Wein ist aus meiner Sicht natürlich schon trinkbar, aber doch deutlich zu jung. Wir hatten ihn in einem Dreier-Flight mit Dönnhoffs Dellchen und Schneiders Magnus (Hermannshöhle) - beide ebenfalls aus 2010. Der Halenberg war in der Tat schlanker als die beiden anderen, aber auch sehr viel mineralischer (Kräuter- und Zitrusnoten).

Werde die nächste von meinen verbleibenden 5 Flaschen frühestens in drei Jahren öffnen! :mrgreen:

Gruß,
Jochen
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weinaffe

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Re: Große Gewächse 2010

BeitragDi 3. Jul 2018, 14:16

Hallo zusammen,

ein sehr guter Riesling, "but not my Cup of tea":


Bild

Grüsse
Bodo
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amateur des vins

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Re: Große Gewächse 2010

BeitragDi 3. Jul 2018, 14:44

Hallo Bodo, wenn Du hochscrollst, siehst Du, daß mir vor einem halben Jahr auch eine Flasche in die Hände fiel. und ein knappes Jahr zuvor hatte ich die vorletzte.

Ich trinke meine Weine auch oft "in einem Rutsch" - manchmal zu meinem Bedauern, woran mich dieser Halenberg erinnerte, denn er war nach 2 Tagen deutlich am besten.

Das mit der Botrytis ist wohl so (für mich Honig/Kräuter/Bitterle). Was macht denn für Dich "Trinkfluß/Trinkspaß" aus?
Besten Gruß, Karsten
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weinaffe

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Re: Große Gewächse 2010

BeitragDi 3. Jul 2018, 18:51

amateur des vins hat geschrieben:Hallo Bodo, wenn Du hochscrollst, siehst Du, daß mir vor einem halben Jahr auch eine Flasche in die Hände fiel. und ein knappes Jahr zuvor hatte ich die vorletzte.

Ich trinke meine Weine auch oft "in einem Rutsch" - manchmal zu meinem Bedauern, woran mich dieser Halenberg erinnerte, denn er war nach 2 Tagen deutlich am besten.

Das mit der Botrytis ist wohl so (für mich Honig/Kräuter/Bitterle). Was macht denn für Dich "Trinkfluß/Trinkspaß" aus?


Hallo Karsten,

ich bin kein Fan von Botrytisnoten im trockenen Riesling, die dann besagte Honig- oder Karamelltöne nach sich ziehen. Die Flasche leerte sich dann nur sehr langsam; ein kleiner Rest präsentierte sich am nächsten Tag relativ unverändert. Der Wein ist sicher harmonisch und von sehr guter Qualität, daher von mir auch eine entsprechende Bepunktung. Ich würde mir einfach etwas mehr Spannung und Biss im Wein wünschen, auch ruhig einige Ecken und Kanten. Aber Gott sei Dank ist das ja alles Geschmackssache... ;)

Grüsse
Bodo
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amateur des vins

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Re: Große Gewächse 2010

BeitragDi 3. Jul 2018, 19:38

Ja, zum Glück ist es Geschmackssache. :) Wollte Dich auch garnicht missionieren.

Mich hat i.W. überrascht, daß Du dem Wein die Spannung absprichst. Spannung wird für mich ganz wesentlich (aber nicht nur) durch die Säure erzeugt, und an der mangelt es ihm ja nicht... Daß Botrytis-Noten den Wein tendenziell breiter machen, sehe ich aber ähnlich. Hier macht für mich die Menge das "Gift".
Besten Gruß, Karsten
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EThC

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Re: Große Gewächse 2010

BeitragMo 1. Jul 2019, 13:34

...hier auch noch, weil's so schön ist:

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Viele Grüße
Erich


NOVINOPHOBIE ist die Angst davor, daß der Wein ausgeht...
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