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Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

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Birte

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragDi 25. Aug 2015, 19:43

Ja, herzlichen Dank. Ich habe mit Vergnügen mitgelesen.

Grüße
Birte
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pivu

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragDi 25. Aug 2015, 20:04

markus, vielen dank, auch für das eine oder andere kritische wort, das man anderswo vermisst. zur pfalz, so gut sie 2014 auch sein mag, vermisse ich noch immer so etwas wie einen gemeinsamen nenner der großen lagen an der mittelhaardt. christmann und rebholz weiter südlich scheinen "ihre" lagen besser herausgearbeitet haben (ohne den winzer zu verkennen), und das schon seit jahren. das zumindest ist meine wahrnehmung.

ciao
peter
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Markus Vahlefeld

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragMi 26. Aug 2015, 10:57

Jochen R. hat geschrieben:Hallo Markus,
mich würden der Fellbacher Lämmler Spätburgunger GG 2013 sowie der
Fellbacher Lämmler Riesling GG 2014 von Schnaitmann interessieren.


Tut mir leid, aber mir hat einfach die Zeit gefehlt, die Rieslinge aus Württemberg zu probieren. Die Roten von Schnaitmann habe ich dagegen im Glas gehabt. Beide - der Spätburgunder und der Lemberger - sind absolut tolle Weine, wobei mir der Spätburgunder in dem Flight-Umfeld moderner vorkam, das Holz präsenter und die Röstung offensiver, als ich es von Schaitmann erinnere. Sein Lemberger dagegen war wirklich ein großartiger Wein und stand ziemlich singulär da. Diese Wildheit, Würze und präzise Tiefe kenne ich eher von den österreichsichen Blaufränkisch. Bepunktet habe ich ihn mit 94. Damit war er mit Abstand der beste Lemberger Deutschlands.
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Markus Vahlefeld

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragMi 26. Aug 2015, 11:49

Noch ein paar Worte zu den anderen Anbaugebieten:
Franken (nur die Silvaner): ich habe in Wiesbaden noch nie so viele und so schöne hervorragende Silvaner probiert. Am herausstechendsten war für mich der Silvaner Mönchshof von Bickel-Stumpf. Das war eine ganz eigene Interpretation von fränkischem Silvaner, was sicher auch dem Holz geschuldet ist (Melanie schrieb, dass er von Beginn an im 500L Fass ausgebaut wurde), aber ganz sicher nicht nur. Denn das Holz überlagerte diese erdige Silvaner-Eigenart nicht, sondern verlieh ihr nochmals einen Zacken Verwegenheit. Toller, wilder Wein, 94 Punkte.

Zu den Rotweinen (nur die aus 2013):

Für die Burgundersorten sah ja das Jahr 2013 entwas entspannter aus als für den Riesling. Zwar wurden die Trauben später reif, aber da sie eh früher geerntet werden, war der Fäulnisdruck nicht so hoch. All das merkt man den Weinen an.

An der Ahr hat Kreuzberg bereits mit den 2012ern zur absoluten Spitze aufgeschlossen. Mit den 13ern setzt sich das fort. Fast überzeugen mich die Weine mehr als die von Meyer-Näkel, dessen Holzeinsatz zwar gekonnt, aber eben doch sehr modern ist. Qualitativ sind beide die Spitze der Ahr. Kreuzberg mit seinem Schieferlay (93P) stellt dabei meinen Lieblingswein, gefolgt von Meyer-Näkels Kräuterberg (92P).

Im Gegensatz zu den Weißweinen der Hessischen Staatsweingüter (die allesamt zu vernachlässigen sind), stellt im Rheingau der Spätburgunder aus dem Berg Schlossberg die benchmark für Rheingauer Rotweine. Das ist so sinnlicher, eigenständiger, dichter Pinot Noir mit völlig schmeckbarer Schiefer-Herkunft, dass ich völlig von den Socken war. 95 Punkte.

Um die deutsche Spätburgunder-Krone müssen sich mit den 2013ern jedoch zwei andere Weingüter streiten. Fürst aus Franken oder Huber aus Baden?

Mein absoluter Favorit in Rot mit 97-98 Punkten war der Hundsrück von Fürst. Das ist so großartiger Rotwein mit allem, zu dem deutscher Pinot fähig ist: Reife, Frische, Erdigkeit, Tiefe, Komplexität… aber das Entscheidende ist immer noch diese verströmende ätherische Duftigkeit, die mich immer mitten ins Herz trifft. Vielleicht wäre sie sogar ein wenig zu süßlich-duftig, wenn sie nicht eingerahmt wäre von diesen herben kräutrigen und auch steinigen Aromen. Der Zusammenklang lässt mich auch heute noch, wo ich beim Schreiben den Wein zu erinnern versuche, Gänsehaut bekommen.

Etwas dahinter, aber mit einer auch mich restlos überzeugenden Kollektion: Huber aus Baden. Hier steht der Wildenstein (96P) an der Spitze, der etwas kantiger und wilder ist als der „normale“ Bienenberg oder der Schlossberg. Huber bleibt auch nach dem Tod des Grandseigneurs die sicherste Bank in Baden.

Der Vollständigkeit halber darf aber auch Salwey nicht unerwähnt bleiben. Die letzte wirklich überragende Kollektion war die aus 2009. Seitdem hat es Salwey für mich nicht mehr geschafft, den letzten Rest an Größe und Potential in seine Weinen zu zaubern. Mit seinen 2013ern ist er wieder auf der Erfolgsspur. Vor allem der Henkenberg (95P) mit seiner unergründlichen Tiefe und Dunkelheit (man fällt förmlich in einen schwarzen Aromensee) hat mich wieder versöhnt. Aber auch Eichberg und Kirchberg sind nur einen Wimpernschlag dahinter. Toll! Ich freue mich, dass Salwey wieder mit dabei ist.

So, was habe ich vergessen oder ist unerwähnt geblieben? Bitte jederzeit nachfragen oder kommentieren…
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Jochen R.

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragMi 26. Aug 2015, 11:56

Markus Vahlefeld hat geschrieben:
Jochen R. hat geschrieben:Hallo Markus,
mich würden der Fellbacher Lämmler Spätburgunger GG 2013 sowie der
Fellbacher Lämmler Riesling GG 2014 von Schnaitmann interessieren.


Tut mir leid, aber mir hat einfach die Zeit gefehlt, die Rieslinge aus Württemberg zu probieren. Die Roten von Schnaitmann habe ich dagegen im Glas gehabt. Beide - der Spätburgunder und der Lemberger - sind absolut tolle Weine, wobei mir der Spätburgunder in dem Flight-Umfeld moderner vorkam, das Holz präsenter und die Röstung offensiver, als ich es von Schaitmann erinnere. Sein Lemberger dagegen war wirklich ein großartiger Wein und stand ziemlich singulär da. Diese Wildheit, Würze und präzise Tiefe kenne ich eher von den österreichsichen Blaufränkisch. Bepunktet habe ich ihn mit 94. Damit war er mit Abstand der beste Lemberger Deutschlands.

Vielen Dank für die Infos!
Schnaitmann beschreibt seinen 2013er übrigens "...unserer bisher wahrscheinlich
besten Spätburgunger. ..."

Viele Grüße,
Jochen
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Markus Vahlefeld

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragMi 26. Aug 2015, 12:02

pivu hat geschrieben:zur pfalz, so gut sie 2014 auch sein mag, vermisse ich noch immer so etwas wie einen gemeinsamen nenner der großen lagen an der mittelhaardt. christmann und rebholz weiter südlich scheinen "ihre" lagen besser herausgearbeitet haben (ohne den winzer zu verkennen), und das schon seit jahren. das zumindest ist meine wahrnehmung.


Ich glaube, da wirst Du bis zum St. Nimmerleinstag warten müssen, was weniger am VDP oder den Winzern liegt, als vielmehr an einem IMHO anachronistischen Lagenfetisch. Sobald zwei oder mehr Winzer in einer Lage arbeiten, ist der „Lagencharakter“ perdu. Ich weiß, das ist eine provokante Ansicht, aber seit Weine nicht mehr nur „im Weinberg entstehen“, sondern der Winzer den entscheidenden Beitrag leistet, ist die Güte der Lage die Bedingung der Möglichkeit von grossem Wein. Aber der „Charakter“ der Lage ist weitgehend verschwunden.

Wie gesagt: das Lagendenken ist ein Anachronismus, dem wir gerne frönen, weil er ein netter Zeitvertreib ist. Und uns ans Burgund erinnert (hach, 1.000 Jahre Weinkultur mit Mönchen und Klöstern und allem, was uns noch so vorgaukelt, mit der „Natur“ zu leben!), aber die Wahrheit ist doch: der menschliche Geist ist viel zu flexibel geworden, als dass der „Charakter“ einer Lage (wenn es ihn je gegeben hätte) nicht von ihm überlagert würde.

Zurück zur Pfalz: man schmeckt deswegen viel mehr die jeweiligen Winzer in den vergleichenden Lagen als wirklich einen „Lagencharakter“. Am deutlichsten ist dies bei von Winning, die mit den 2014ern eine bärenstarke (vielleicht sogar die stärkste Kollektion je) abgeliefert haben. Bei den meisten Weinen ist das neue, tolle, dezent geröstete, prägnante Holz sofort der entscheidende Hinweis auf die Herkunft. Blind. Und die Herkunft heisst: von Winning. Der Charakter der Lage ist nur innerhalb der Kollektion selbst dann auszumachen. Wenn überhaupt.
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pivu

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragMi 26. Aug 2015, 16:17

hi markus,

ich komme gerade von der 14er lagenwein präsentation aus rheinhessen und da ist es durchaus so, dass bei populären lagen, die von einer vielzahl von winzern bewirtschaftet werden, ein gemeinsamer nenner erkennbar ist. konkret z.b. das kirchspiel (weißfleischig, spur floral, kräutrig), und zwar über alle (!) erzeuger hinweg (dreissigacker, wittmann, k. wechsler, seehof, ...). beim pettenthal ist's ähnlich, klar als lage erkennbar. beim forster ungeheuer? für mich fehlanzeige, schade.

das für mich abstand (!) größte rheinhessische gewächs aus 2014 ist btw olivers "frauenberg", für mich mehr als fragwürdig, wenn andere den "schwarzen herrgott" oder gar gunderlochs "rothenberg" drüber sehen. leider viel restzucker unterwegs, auch bei den "großen" (wittmann (!), wagner-stempel).

ciao
peter
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Rieslunder

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragFr 28. Aug 2015, 11:07

Danke für die Berichterstattung!
Cheers,
Martin
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harti

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragFr 28. Aug 2015, 13:09

Markus Vahlefeld hat geschrieben:Ich glaube, da wirst Du bis zum St. Nimmerleinstag warten müssen, was weniger am VDP oder den Winzern liegt, als vielmehr an einem IMHO anachronistischen Lagenfetisch. Sobald zwei oder mehr Winzer in einer Lage arbeiten, ist der „Lagencharakter“ perdu. Ich weiß, das ist eine provokante Ansicht, aber seit Weine nicht mehr nur „im Weinberg entstehen“, sondern der Winzer den entscheidenden Beitrag leistet, ist die Güte der Lage die Bedingung der Möglichkeit von grossem Wein. Aber der „Charakter“ der Lage ist weitgehend verschwunden.

Wie gesagt: das Lagendenken ist ein Anachronismus, dem wir gerne frönen, weil er ein netter Zeitvertreib ist. Und uns ans Burgund erinnert (hach, 1.000 Jahre Weinkultur mit Mönchen und Klöstern und allem, was uns noch so vorgaukelt, mit der „Natur“ zu leben!), aber die Wahrheit ist doch: der menschliche Geist ist viel zu flexibel geworden, als dass der „Charakter“ einer Lage (wenn es ihn je gegeben hätte) nicht von ihm überlagert würde.

Zurück zur Pfalz: man schmeckt deswegen viel mehr die jeweiligen Winzer in den vergleichenden Lagen als wirklich einen „Lagencharakter“. Am deutlichsten ist dies bei von Winning, die mit den 2014ern eine bärenstarke (vielleicht sogar die stärkste Kollektion je) abgeliefert haben. Bei den meisten Weinen ist das neue, tolle, dezent geröstete, prägnante Holz sofort der entscheidende Hinweis auf die Herkunft. Blind. Und die Herkunft heisst: von Winning. Der Charakter der Lage ist nur innerhalb der Kollektion selbst dann auszumachen. Wenn überhaupt.

Hallo Markus,

aus Jungweinen DEN Lagencharakter herauslesen zu können, halte ich für schlichtweg unmöglich. Dafür bräuchte es reife Weine.

Aus meiner bescheidenen Erfahrung kann ich sagen: Die Gesteinsformationen beeinflussen den Wein erheblich, insofern dürfte es in Anbaugebieten mit verschiedensten Böden auch deutliche Unterschiede zwischen den Weinen geben. Wie z.B. in der Pfalz oder an der Nahe. Insofern kann Deine Aussage zu Winning nicht verwundern.

Grüße

Hartmut
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Markus Vahlefeld

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Re: Grosse Gewächse 2014 - Vorpremiere

BeitragFr 28. Aug 2015, 17:29

Hallo Harti,

natürlich war meine These ja auch provokativ. Trotzdem. Vor der GG-Verkostung gab es einen ungeheuer spannenden Arbeitstag mit Daniel Deckers (eher Lagenhistoriker) und Prof. Hans Schultz. Was dort wissenschaftlich (immerhin ist Schultz Hochschulpräsident in Geisenheim) dargestellt wurde, war - knapp gesagt - revolutionär. Die verschiedenen Parameter von Sonneneinstrahlung, Hangneigung, über Tag-Nacht-Temperaturgefälle, Pflanzdichte bis hin zu Einfluss der Bodenfarbe und des Bodenabstands der Rebe verursachen derart große Unterschiede im Reifeverlauf und in der Aromenausbildung, dass die Reduzierung auf DEN Boden eher merkwürdig anmutet.

Wenn dann Daniel Deckers ausführt, dass die frühere Lagenbonität ja nichts mit „Lagencharakter“ sondern nur mit der preislichen Marktrealisierung der Weingüter zu tun hat und die heute als herausragend anerkannten Lagen gar nicht mehr diejenigen Lagen des 19. Jahrhunderts sind (eben weil andere Weingüter nun die höchsten Marktpreise realisieren können), dann bekommt man schon ein Gespür dafür, dass es eher wir Weinkonsumenten sind, die für ihren Zeitvertreib das Lagendenken so übertreiben, während die Güte der Lagen viel volatiler ist, als wir es wahrhaben wollen.

So endete Prof. Schultz mit dem netten Bonmot, dass sich der Begriff Cru vom Verb croître (also wachsen) ableitet und das Substantiv dann strenggenommen crû heißen müsste. Nimmt man den accent circonflexe jedoch weg, wird es zum Partizip von GLAUBEN (croire).

8-)
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