Aktuelle Zeit: So 25. Aug 2019, 08:48


Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

  • Autor
  • Nachricht
Offline
Benutzeravatar

innauen

  • Beiträge: 3396
  • Bilder: 8
  • Registriert: Mi 3. Nov 2010, 12:33
  • Wohnort: Berlin

Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 13:48

Hallo,

bei der Kommentierung des Jahrhundertjahrgangs sehr guten Jahrgangs 2012 höre ich an vielen Ecken und Enden: "Sehr gute Weine von den üblichen Verdächtigen". Liest man die Kaufempfehlungen aus dem Forum oder die bei Facebook kursierenden Bestenlisten finden sich wie immer Wittmann, Schäfer-Fröhlich, Dönnhof, Van Volxem, Heymann-Löwenstein, die Weine von HO Spanier und bisweilen noch von Winning, Buhl, Schönleber, Weil etc. etc. Auf jeden Fall: Es sind im Wesentlichen die Weingüter, die schon seit über einer Dekade die Tendenz für trockenen Riesling der Spitzenklasse vorgeben. Natürlich tauchen auch mal neue Namen auf. Wagner-Stempel ist so einer der wenigen. Bei Weinproben (auch blinden) und Ereignissen wie dem BerlinRieslingCup stehen dann auch meist die Weingüter an der Spitze, die man schon kennt - was nicht an fehlender Konkurrenz liegt.

Wie kann es aber sein, dass immer die gleichen Weingüter vorn sind, wo doch die Kollegen auch immer schöne Parzellen in den gleichen Lagen haben, der VDP einheitliche Richtlinien für Herstellung und Verkauf vorgibt und der Ausbildungsstand doch mittlerweile auch überall gleich hoch sein sollte. Kommt mir jetzt nicht mit Einzelnamen. Den ein oder andere Aufsteiger gibt es natürlich - wie ich schon eingangs geschrieben habe - und die Aufzählung der usual suspects ist sicher nicht abschließend.

Fast kommt es mir vor, als hätten wir burgundische Verhältnisse wie in den 90er Jahren. Ein paar Weingüter machen phantastische Weine - auf allen Lagen und in allen Preisklassen. Der Rest hält mal hier und dort eine Überraschung bereit, aber kann sich dauerhaft an der Spitze nicht halten.

Provokante Grüße,

wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
Offline
Benutzeravatar

Charlie

  • Beiträge: 1051
  • Registriert: Mo 6. Dez 2010, 16:13
  • Wohnort: Berlin, Heidelberg
  • Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken

Re: Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 14:09

Dazu von mir nur was dummes: gute Frage.
Offline
Benutzeravatar

Birte

Administrator

  • Beiträge: 3125
  • Bilder: 15
  • Registriert: Di 25. Jan 2011, 22:28

Re: Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 14:14

Und von mir was Kluges: Warum nennt der Wolf selber keine anderen herrausragenden Weingüter?
Offline
Benutzeravatar

Markus Vahlefeld

Administrator

  • Beiträge: 1689
  • Bilder: 2
  • Registriert: Do 4. Nov 2010, 11:43

Re: Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 14:20

Ich glaube zu allererst, dass es ein psychologisches Phänomen ist, gegen das sich kein Verkoster wehren kann. Ich persönlich probiere bei der Vorpremiere in Wiesbaden beispielsweise blind, indem ich in der Excel-Tabelle die Spalte mit den Weingutsnamen ausblende. Dennoch ist es so, dass ich manche Weingüter blind erkenne. Das krasseste Beispiel ist von Winning. In den Lagen-Flights stechen die Weine wirklich heraus.

Nun freut sich die menschliche Seele aber, wenn sie etwas blind wiedererkennt. Das ist eine Form der Eitelkeit, die dann auf den Begriff "typisch" abgewälzt und etwas positiver bewertet wird.

Dann wiederum spielt die Tatsache eine Rolle, dass, wenn man eben nicht blind verkostet, sowohl eine gewisse Vorurteilshaltung (auch positiv) als auch ein gewisses Sicherheitsdenken ("ach, das ist Keller. Den sehen die anderen doch auch immer so hoch...") mitspielt. Newcomer haben es da dann erheblich schwerer. Die Verkoster müssten da Mut zeigen.

Genauso wichtig ist aber auch, dass die "Arrivierten" schon seit Jahren auf so hohem Niveau spielen, dass sie eine gewisse "Geschmackslatte" gelegt haben, die nun zur Gewohnheit geworden ist. An diese Gewohnheit - die etwas anderes ist als die Freude über das Wiedererkennen - docken sie nun an und werden positiv bewertet.

Denoch: ein prominentes Beispiel ist von Winning, das die letzten beiden Jahre mit einem NEUEN Geschmacksbild hoch gepunktet hat. Und auch der Aufstieg von Schäfer-Fröhlich ist so alt noch nicht.
Offline
Benutzeravatar

pivu

  • Beiträge: 370
  • Registriert: Mi 3. Nov 2010, 10:48
  • Wohnort: Frankfurt & Wien

Re: Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 14:52

Hallo Wolf,

ich sehe das überhaupt nicht so, mehrfach wurden dieses Jahr Peter Lauer oder Kranz genannt, letztes Jahr Ress, davor von Winning, nur um einige wenige zu nennen. Wirklich neue Namen findet man oft außerhalb vom VDP, so bin ich z.B. überzeugt davon, dass 2012 von Racknitz eine der stärksten Kollektionen an der Nahe abgeliefert hat, Immich-Batterieberg strahlt an der Mosel, etc.

Ciao
Peter
Offline
Benutzeravatar

innauen

  • Beiträge: 3396
  • Bilder: 8
  • Registriert: Mi 3. Nov 2010, 12:33
  • Wohnort: Berlin

Re: Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 15:04

Charlie, wie schaffst Du es eigentlich gleichzeitig zu posten, bei Facebook unterwegs zu sein UND Verkostungsnotizen zu verfassen????

Um auf Birte zu antworten: Ich finde, dass die nicht vollständige Aufzählung schon recht homogen ist. Keller fehlt natürlich, aber der lanciert seine Weine nicht zusammen mit den anderen VDP-Gütern. Molitor ist sicherlich ein Solitär, der aber auch keine Weine anstellt, die er Grosse Gewächse nennt.

Und Peter. Die Weine von Lauer haben mich 2005 das erste Mal aufhorchen lassen. Winning hat natürlich eine Vorgeschichte. Racknitz erzeugt spätestens seit 2007 großartige Weine. ABER das sind alles Ausnahmen, die die Regel vorerst nur bestätigen. Es gibt sooo viele VDP-Betriebe. Aber Große Gewächse, die den Namen (und die Preisvorgaben ;) verdienen, gibt es verdammt viel weniger.

Grüße,

wolf
„Es war viel mehr.“

Johnny Depp dementiert, 30.000 Dollar im Monat für Alkohol ausgegeben zu haben. (Quelle: „B.Z.“)
Offline
Benutzeravatar

Charlie

  • Beiträge: 1051
  • Registriert: Mo 6. Dez 2010, 16:13
  • Wohnort: Berlin, Heidelberg
  • Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken

Re: Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 15:15

innauen hat geschrieben:Charlie, wie schaffst Du es eigentlich gleichzeitig zu posten, bei Facebook unterwegs zu sein UND Verkostungsnotizen zu verfassen????

Um auf Birte zu antworten: Ich finde, dass die nicht vollständige Aufzählung schon recht homogen ist. Keller fehlt natürlich, aber der lanciert seine Weine nicht zusammen mit den anderen VDP-Gütern. Molitor ist sicherlich ein Solitär, der aber auch keine Weine anstellt, die er Grosse Gewächse nennt.

Und Peter. Die Weine von Lauer haben mich 2005 das erste Mal aufhorchen lassen. Winning hat natürlich eine Vorgeschichte. Racknitz erzeugt spätestens seit 2007 großartige Weine. ABER das sind alles Ausnahmen, die die Regel vorerst nur bestätigen. Es gibt sooo viele VDP-Betriebe. Aber Große Gewächse, die den Namen (und die Preisvorgaben ;) verdienen, gibt es verdammt viel weniger.

Grüße,

wolf
ist ja auch alles sehr kurz bei mir.
Wolf, das klingt wiederum nicht wie eine Frage, sondern wie eine Kritik an der Qualität in der Breite beim VDP und seinen Großen Gewächsen
Offline
Benutzeravatar

Markus Vahlefeld

Administrator

  • Beiträge: 1689
  • Bilder: 2
  • Registriert: Do 4. Nov 2010, 11:43

Re: Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 15:17

innauen hat geschrieben:Es gibt sooo viele VDP-Betriebe. Aber Große Gewächse, die den Namen (und die Preisvorgaben ;) verdienen, gibt es verdammt viel weniger.

Oder andersherum: gäbe es das gute Dutzend herausragender Betriebe nicht, wir würden vllt. alle mit mehr Milde auf den Rest schauen. Bei der Vorpremiere habe ich gleichviel hervoragende wie auch wirklich katastrophale Weine probiert. Also wenige. Der Großteil war einfach "mehr als ordentlich bis gut". Und bekanntlich verschwindet das statistische Mittel in der Menge.
Offline

BuschWein

  • Beiträge: 542
  • Registriert: Mi 3. Nov 2010, 16:33

Re: Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 15:21

Hallo Wolf

Das ist aber doch bei vielen anderen Dingen ähnlich, 3 Sterne Restaurants gibt es auch nicht so viele und die wechseln auch nicht jedes Jahr. Wenn einer sich in der ersten Riege etabliert hat, dann hat er eben auch den Vorteil, dass er höhere Preise verlangen kann, damit kann er im Weinberg und im Keller mehr Risiko gehen, sprich etwas ausprobieren. Wenn der Wein dann nicht den eigenen Ansprüchen genügt, lässt er sich immer noch zu relativ hohem Preis als Ortswein oder so vermarkten.

Für Betriebe der dritten und vierten Reihe ist es schon deutlich schwieriger, da muss man eben etwas mehr auf Nummer sicher gehen, da muss vielleicht auch beim Ertrag etwas mehr erzeugt werden, alles kleine Stellschrauben, die der Topqualität am Ende schaden und das schmeckt man dann halt auch.

Wobei ich es ähnlich wie andere oben auch sehe, ganz so klein und abgeschlossen ist die Riege der Toperzeuger auch nicht. Ich nenne jetzt mal Eva Fricke oder Weiser-Künstler, Vollenweider oder von Oettinger (der dieses Jahr immer mal wieder genannt wurde), oder Alexander Laible ...
Armin
www.gutsweine.com

Dumme Menschen machen immer den gleichen Fehler, intelligente immer Neue ;)
Offline

Dirk Würtz

  • Beiträge: 229
  • Registriert: Mo 6. Dez 2010, 16:30

Re: Warum eigentlich immer nur die üblichen Verdächtigen?

BeitragDi 3. Sep 2013, 15:27

Ich für meinen Teil habe einiges "entdeckt" in diesem Jahr. Aber es gibt nun einmal die "üblichen Verdächtigen", die konstant auf einem sehr hohen Niveau boxen.
Nächste

Zurück zu Grosse Gewächse

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

Impressum - Nutzungsbedingungen - Datenschutzrichtlinie - Das Team - Alle Cookies des Boards löschen