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Griechenland

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mixalhs

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Re: Griechenland

BeitragMo 29. Mai 2017, 20:50

.... und nun der zweite Teil, die Roten.

Vorweg möchte ich sagen, dass mir bei den Roten die Stilistik nicht ganz so gut gefällt wie bei den Weißen. Yannis Papargyrious Rotweine sind alle sehr dicht und haben viel Extrakt. Sie sind sogar richtig gut, aber ich kann mit diesen sehr dichten und meistens auch sehr alkoholreichen Weinen nicht so viel anfangen. Im Gegensatz zu einigen anderen griechischen Weinen sind diese Weine aber überhaupt nicht mastig, marmeladig und breit, sondern sehr strukturiert und balanciert. Sie wachsen in hohen Lagen etwa 600 bis 900 Meter über dem Meer. Die Nächte sind auch im Sommer kühl, und das hilft sehr, den Weinen Struktur zu geben. Im Gegensatz zu vielen anderen griechischen Winzerinnen und Winzern liest Yannis Papargyriou nicht im bereits im August, sondern frühestens Ende September / Anfang Oktober, manchmal erst in der zweiten Oktoberhälfte.


Don Giovanni Nebbiolo 2014. Beginnen wir mit meinem Lieblingswein unter den Roten. Nebbiolo ist deutlich spürbar, allerdings mit weichen Tanninen, reifen Kirschen, etwas Rumtopf, geschmeidig, aber sehr strukturiert ; der Wein lag 28 Monate im großen Holzfass (1300 Liter), einfach schön - durchaus zum Jetzttrinken, aber auch mit langer Zukunft. Toller Wein zum am Spieß gebratenen Schweinefleisch, Lamm und sicher zum Kokoretsi ( Schafsinnereien in Schafsdärme gewickelt und langsam am Spieß über Holzkohle gegart). Diese Kombi von Essen und Wein ist momentan mein Traum. Leider wird er wohl nicht befriedigt. Kokoretsi findet man nur noch selten in griechischen Restaurants und diesen Wein noch seltener. Die Fassprobe vom Don Giovanni Nebbiolo 2015 war etwa auf demselben Niveau, aber noch nicht ganz so zugänglich

Le Roi da la Montagne Syrah 2015 war schön, hatte weniger Alkohol als seine Vorgänger, nämlich nur 15%, war typisch für die Rebsorte, reife Kirschen, etwas schwarzer Pfeffer, hatte aber eine leicht grasige Note. Ich vermute, dass sich das in den nächsten Jahren auswächst. Der Wein war bei weitem nicht so grün wie der 2012er Syrah von Knipser, den ich vor einem Jahr im Glas hatte.

Mavrostyfo 2016, eine vergessene Rebsorte, wahrscheinlich eine Mutation des Mavroudi, als Fassprobe, sehr dunkel, weniger Säure, Fruchtsüße, reife Süßkirschen, etwas Himbeere, weckte in mir vage Erinnerungen an einen Aleatico aus Mittel- bis Süditalien. Das ist ein Wein, der auch als restsüßer Rotwein eine gute Figur machen würde. Schade, dass es dafür keinen Markt gibt!

Es gab dann noch andere nicht abgefüllte Rotweine als Fassproben, allesamt spannend und dem Stil des Hauses entsprechend: dicht und dunkel, aber nicht fett, sondern sehr strukturiert.

Abschließend möchte ich erwähnen, dass YP fest plant, Xinomavro zu machen. In diesen hohen Lagen angebaut, wird das ein höchst spannendes Projekt. Ich jedenfalls freue mich.

An Yannis Papergyrou herzlichen Dank für die tolle Weinprobe und für die Zeit zum Gedankenaustausch! Mit Weingütern wie diesem ist Griechenland auf einem guten Weg in der globalen Weinwelt.
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mixalhs

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Re: Griechenland

BeitragFr 2. Jun 2017, 00:04

My top wines after one week in Athens

1. Athiná, Santorini 2011, the typical blend of Assyrtiko, Athiri, and Aidani. Deep orange, taste of orange marmelade, phenolic, complex and long

2. Papargyriou, Le Vigneron Grec 2016, Assyrtiko fermented with Moschoudi skins (a local variety of Muscat). Orange colour, slight smell of Muscat, not that much on the palate, apple, a bit of cidre, orange peel, tannins, complex, long, still young, needs time

3. Kamara, Nimbus Rinititis 2016, a retsina based on Assyrtiko. Cloudy orange colour, lemon peel and pine needles on the palate, doesn't really taste like wine as we know it, very good

4. Papargyriou, Don Giovanni 2014, a pure Nebbiolo. Cherries, dried tomatoes, a bit of coffee and cigar tobacco, tannins that are still a bit rough, but will soften with ageing

5. Chatzivarytis, Goumenissa 2013, 70% Xinomavro with 30% Negoska. A burgundy style Xinomavro, elegant in spite of 15% alcohol, typical Xinomavro tannin, however softer and silkier than in most other Xinomavra, a little bit of red fruit (quite restrained), forest soil and brush, will benefit from additional ageing

Ich hab's für ein internationales Weinportal bei FB geschrieben, daher diesmal in Englisch.
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mixalhs

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Re: Griechenland

BeitragMo 26. Jun 2017, 07:19

Hallo zusammen,

seit gestern habe ich folgenden Wein im Glas:

Bild

Falls es jemanden gibt, der weiß, woher der Wein kommt und von wem er gemacht worden ist, würde ich mich über entsprechende Informationen sehr freuen. Der Wein hat keine regionale Herkunftsbezeichnung. Auf der Vorderseite steht "Trilogia Wines founded by Christos Kokkalis" und auf der Rückseite liest man, dass der Wein in Podochori bei Kavala abgefüllt wurde. Im Internet habe ich zu Trilogia Wines nichts gefunden und auch Google Maps hat in und um Pocochori außer zwei Restaurants und einer Tankstelle kein Gewerbe angezeigt. Die Homepage von Christos Kokkalis sieht so aus, als sei sie mindestens seit 10 Jahren nicht mehr angefasst worden.

Dass Kokkalis die Weine Trilogia und Mova nicht mehr selbst macht, sondern das Geschäft an irgendein größeres Weingut abgegeben hat, habe ich - eher beiläufig - schon mal gehört. Das war's aber auch schon. Weiß jemand Genaueres?
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Bradetti

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Re: Griechenland

BeitragMo 4. Sep 2017, 11:28

Bad News vom 26.08.2017 auf Weinkenner.de
Vor vier Wochen haben wir auf weinkenner.de zwei Assyr­tiko des Winzers Hari­dimos Hatzi­dakis vorge­stellt. Wenig später ereilte uns die Nach­richt dass Hatzi­dakis, 53, tot ist. Er schied frei­willig aus dem Leben. Die Bestür­zung in der grie­chi­schen Wein-Community und bei allen, die ihn oder seine Weine kannten, ist groß. Unter Fach­leuten galt Hatzi­dakis als einer abso­luten Top-Winzer Grie­chen­lands. Sein Assyr­tiko de Mylos und sein Assy­triko de Louros, beide von uralten, wurzelechten Reben, sind Monu­mente des grie­chi­schen Wein­baus und werden von Kennern als die besten dieser Sorte ange­sehen (nicht zufällig hatten wir unseren Artikel mit den Worten „Santo­rini at its best“ über­schrieben). Aber auch seine einfa­chen Weine sind von ganz großer Klasse und Ausdruck von Leiden­schaft, ja Genia­lität.

Hatzi­dakis kam aus beschei­denen Verhält­nissen. Er besaß zehn Hektar Reben und kaufte einen nicht uner­heb­li­chen Teil seiner Trauben zu. Jahr­zehn­te­lang arbei­tete er unter einfachsten Bedin­gungen in einem impro­vi­sierten Keller. Letztes Jahr konnte er endlich sein neues unter­ir­di­sches Weingut mit natur­kühlem Keller beziehen. Gleich­zeitig wuchsen Aner­ken­nung für und Nach­frage nach seinen Weinen beängs­ti­gend an: in Grie­chen­land selbst, aber ebenso in den USA, in Groß­bri­tan­nien und Frank­reich, teil­weise auch in Deutsch­land. Seine biody­na­misch erzeugten, nach vorge­schal­teter Maische­stand­zeit vergo­renen und teil­weise unge­fil­tert abge­füllten Weine sind im gesamten Mittel­meer­raum einzig­artig und fanden immer häufiger Eingang in die Spit­zen­gas­tro­nomie. Hatzi­dakis war auf dem Höhe­punkt seines beruf­li­chen Schaf­fens ange­kommen. Doch der sanfte, bescheiden auftre­tende Winzer litt seit Jahren an Depres­sionen, von denen nur seine engsten Freunde und Verwandten wußten.

Die Zukunft des Wein­guts ist offen. Zunächst werden es seine Familie und die Mitar­beiter weiter­führen.
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Re: Griechenland

BeitragMo 4. Sep 2017, 12:05

Das sind sehr traurige Nachrichten, die Weine Hatzidakis rangieren für mich ebenfalls ganz oben, und nicht nur, was griechischen Wein angeht. Ich hoffe zumindest, daß sein Erbe weiterlebt, ich habe gerade nochmal meine VKN's dazu durchgelesen, was da mit dem Winzer verloren gehen könnte...

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mixalhs

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Re: Griechenland

BeitragDo 14. Sep 2017, 04:43

Hohe Bewertungen für Moschofilero vom Wine Enthusiast:

http://www.winemag.com/2017/09/12/moschofilero-is-a-chameleon-of-a-white-wine-grape/

Moschofilero, ein interessanter Wein aus Griechenland, auch wenn mir die Bewertungen arg hoch erscheinen. Der hier an höchsten bewertete Wein, Boutaris Mantinia 2016, kostet in Deutschland so um die 7 bis 8 Euro. Den habe ich zwar noch nicht getrunken, aber andere Weine aus dieser Rebsorte von guten Erzeugern. Bei mir enden die Bewertungen bei 86, was IMHO auch realistisch und für einen Wein in dieser Preiskategorie wirklich gut ist (zumindest auf meiner bis 100 reichenden Skala). Ob man dem griechischen Wein mit solchen Bewertungen, die Erwartungen wecken, die der Wein nicht erfüllen kann, etwas Gutes tut, sei dahingestellt. Wie auch immer, Moschofilero ist interessant, leicht, in der Regel alkoholarm, zeichnet sich aus durch Blütenaromen gepaart mit feiner Säure und sollte nach einem bis zwei Jahren getrunken sein.

Boutaris macht im Versuchsanbau auch einen Mavrofilero (ein spezieller Klon des Moschofilero), der auf 650m wächst und ungeschwefelt abgefüllt wird. Ich hatte ihn unlängst in einer Weinbar in Athen. Falls man das in D mal angeboten bekommt, ....


Postscriptum: Den Mavrofilero habe ich auf den englischsprachigen Seiten von Boutari nicht gefunden, aber im zweiten Anlauf dann im griechischsprachigen Bereich:
http://www.boutari.gr/el/wines/labels/1706boutari_201602121706.wines.php
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Re: Griechenland

BeitragDo 14. Sep 2017, 10:35

mixalhs hat geschrieben:Wie auch immer, Moschofilero ist interessant, leicht, in der Regel alkoholarm, zeichnet sich aus durch Blütenaromen gepaart mit feiner Säure und sollte nach einem bis zwei Jahren getrunken sein.


Das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen, zuletzt mit diesem Weinchen:

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