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Pinot weit weg

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olifant

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 10. Sep 2013, 18:08

Gute Frage, aber keine Ahnung :lol: Vermutlich liegst du richtig.
Grüsse

Ralf
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 10. Sep 2013, 20:15

Bei 92 Pinot PP für den 2007er kann das fast garnicht anders sein :lol:

Trotzdem Danke ;)

Besten Gruss

Chris
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Re: Pinot weit weg

BeitragFr 27. Sep 2013, 11:07

Hallo zusammen,

weiter geht's mit Oregon Pinot Noir ....

Soter Vineyards North Valley Pinot Noir 2007, Willamette Valley

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/09/so ... -noir.html

Und weiter geht es mit einer neuen monatlichen Zwischenrast auf dem Oregon Trail. Mein heutiger Pinot Noir stammt aus der Ende der 1990iger Jahren von dem verdienten kalifornischen Weinmacher und -berater Tony Soter gegründeten Soter Vineyards Weinkellerei in Yamhill Carlton. Bei Soter könnte man von einer Barn-Winery, also einer Art Heustadl-Weingut, sprechen, da anfänglich die Weine in der ehemaligen Yamhill County Barn gekeltert wurden. Mein heutiger North Valley Pinot Noir 2007 gehört zur Basislinie des Hauses welche aus zugekauften Traubengut hergestellt wird. Die Trauben für den North Valley Pinot Noir stammen zu ca. 50% aus der Eola-Amity Hills AVA, ca. 40% aus der Yamhill-Carlton AVA und unter 10% aus der Dundee Hills AVA. Also, wie schon beim meinem letzten Oregon Pinot ein Verschnitt aus verschiedenen Lagen und verschiedenen AVAs. Daher ergibt sich auch, dass die Trauben auf sehr unterschiedlichen Böden gewachsen sind (z.B. in Yamhill-Carlton auf Fülle und Kraft verleihenden Sand- und Schluffsteinböden oder in Dundee Hills auf mineralischer Feinheit (mit)erzeugenden vulkanischen Jory Böden). Zu 20% wurden die Trauben samt Traubenstiel und Rappen im Holz vergoren und in größtenteils gebrauchtem Holz (ca. 15% neues französisches Eichenholz) ausgebaut. Jetzt schaun wir mal ob dieses flüssige Zwischenrast-Vesper geschmeckt hat …

Im Kern zeigte sich die Farbe des North Valley Pinot Noirs überdurchschnittlich dunkel und von mittlerer Transparenz. Der Wasserrand erschien mir ein wenig erweitert zu sein. Doch letztlich gab es nicht viel an der Färbung zu entdecken. Die Nase eröffnete mir ein weiteres, sehr von allen bisherigen Oregon Pinot Noirs abweichendes, insbesondere für einen 2007er, Geruchsbild. Dieses war stark geprägt von matschigen und ziemlich reifen dunklen Kirschen, einem Mehr an Sedimenten von dunkler Holzwürze, vermeintlicher schwarzer und sehr würziger Erdigkeit in Verbindung mit sehr trocken-staubigen Kaffeepulver, recht verhaltenen Unterholz- und Laubimpressionen und einer eher frischen brombeer-lastigen Beerenfrucht. Ich war mir nicht ganz sicher wie ich das Nasenbild einordnen wollte. Es war überraschenderweise stark von reifen (fast überreifen) und kräftigen - nicht all zu klaren - Aromen geprägt. Plump oder reich an schwach ausgeprägter Komplexität war er sicher nicht. Naja, schaun wir mal weiter … Der Geschmack offenbarte ähnliche Geschmacksrichtungen wie es das Bouquet schon verstand anzukündigen. Viel reife, etwas trockene, etwas matschige Kirschfrucht und körperlich schwächere Eindrücke von nicht ganz so reif und viel frischer wirkenden brombeer-lastige Beerenaromen. Das dunkle Holz war nicht ganz so präsent wie ich es schon in meiner Nase kribbelte. Dafür zeigte sich eine ungewöhnlich herbe Rauchigkeit. Die typischen unterholzigen mineralischen Anklänge waren zwar präsent, jedoch sehr hintergründig ausgeprägt. Trotz seiner reifen Charakteristiken schmeckte der North Valley glücklicherweise nicht gekocht oder hitzig. Der Alkohol (13,5%) zeigte sich geschmacklich ein klein wenig. Doch ins Gesamtbild eingefügt fand ich diesen nicht so anstößig oder störend (wie es bei Gaumen doch recht sehr schnell passieren kann). Einen leichten Hang zum "Veggietabilismus" möchte ich nicht unter das Sofa kehren. Für mich zeigte sich, dass dieser Wein von seiner guten Zugänglichkeit und „Trinkigkeit“ lebt und nicht von ausgesprochener Raffinesse oder begeisternder Komplexität. Der so gerne und vielbeschworene Spannungsbogen, ein hier sinngemäß passende und normalerweise nicht zu meinem Wortfundus zugehörige Ausdruck, erwies sich ein wenig schwammig und „porös“. Unharmonisch war er trotz dieses "Defizits" dennoch nicht! Mit der Zeit zeigten sich hinten heraus kleinste Spuren von leicht bitterer Lakritze. Einer Aromatik der ich bei Pinot Noir nicht ganz so gelassen gegenüber stehe. Glücklicherweise hielten sich die Aromen aus dieser Geschmackrichtung auch noch Stunden später sehr zurück. Letztlich für mich trotz mancher mir nicht ganz so erfreulich erscheinenden Ausprägungen ein guter (+) Pinot mit für Oregon, und dem Jahrgang 2007, etwas unerwarteten Düften und Geschmäckern.


Besten Gruss

Chris
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Re: Pinot weit weg

BeitragMi 16. Okt 2013, 14:49

Hallo zusammen,

Ich beschäftige mich schon länger mit dem Einfall mich gedanklich ins Auto zu begeben, weit gen Südosten zu fahren, natürlich auch rein palatal ;) , um einige interessante und vor allem gute Weine entdecken zu dürfen. Wie man teilweise auch hier bei "Pinot weit weg" finden kann, habe ich dieses wagemutige Vorhaben schon ein paar mal versucht zu unternehmen. So richtig hat es bis jetzt noch nicht klappen wollen. Das hat größtenteils mit dem zweiten der in fett genannten Attribute zu tun. Die letzten Male hab ich mein Glück eher mit lokal angestammten, teilweise auch autochthonen, Rebsorten in Südosteuropa versucht. In nächster Zeit möchte ich dieses Glück eher noch ein wenig mehr ausreizen! Jetzt soll es ausgerechnet dem Pinot Noir an den Flaschenhals gehen ;) . Da bin ich mal gespannt was da noch auf mich warten mag :lol:

Krauthaker Vinogradarstvo i Podrumarstvo Pinot Crni 2008, Kutjevo

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/10/kr ... tjevo.html

Für meinen ersten südosteuropäischen Spätburgunder habe ich mir einen der namhaftesten Weinbaugetriebe Kroatiens ausgesucht. Die Weine von Vlado Krauthaker gehören zu den hochwertigsten und interessantesten Slawoniens. Insbesondere seine Weine aus Chardonnay, Graševina (Welschriesling) und Sauvignon Blanc gehören zu den besten der Weinanbauregion Kutjevo. Wie schon mehrfach erwähnt habe ich - natürlich rein aus zweifelhafter Neugier heraus - zum Spätburgunder, dem Pinot Crni, des Hauses aus dem Jahr 2008 gegriffen. Die Trauben für diesen pinotigen Slawonen wuchsen auf den gen Süden gerichteten und hauptsächlich sandig-lehmigen Hängen des Požega Tal. Ausgebaut wurde der Wein für 13 Monate in 85% gebrauchtem und 15% neuem Holz. Jetzt bin ich sogar noch gespannter ...

Die Farbe des Pinot Crni hatte eine etwas schleierhafte zinobrig-rote Tönung und wirkte wesentlich reifer als sie letztlich war. Die Nase war ziemlich ungewöhnlich und erstaunlich komplex an verschiedensten Aromen. Sehr reife Orangenschalen, etwas einfältig wirkende Erdbeeren, ein wenig zuviel Zimt, ganz leicht grüner Pfeffer, verhaltener Rauch, ein Etwas von frisch gebackenen Eierkuchen, mittelstark ausgeprägte dunkle Erdigkeit und Anmutungen von frisch geschnittenen grünen Zweigen zeigten eine nasale Komposition von erstaunlicher Seltsamkeit. Nach einigen Stunden zeigten sich Düfte die eher Richtung Tannenzapfen, den schon genannten Fruchtsorten- und deren Hüllen und einer übertrieben strammen Portion an Karamell gingen. Über die meiste Zeit erwies sich das Nasenbild als ungewöhnlich, aber dennoch in sich geschlossen und schön ausbalanciert. Bis auf die späteren Entwicklungen. Manche dieser Duftkomponenten hätten nicht unbedingt sein müssen. Der Geschmack zeichnete sich zunächst durch eine kraftvolle Säureattake aus. Diese beinhaltete wahrscheinlich auch kleinste Spuren an Flüchtigkeit. Schön war der erste Eindruck nicht wirklich. Dummerweise zählt dieser bewusst oder unterbewusst immer so unsäglich viel. Ich versuche ihn dennoch im weiteren Verlauf nicht zu stark zu gewichten, da sich dieser nach einer guten Stunden substantiell zum fast Positiven veränderte. Nun passte die Säure einigermaßen ins Gesamtbild. Sie war zwar immer noch lebhaft, doch so manche fiesen Zungenspitzenvibrationen hatten sich erledigt. Die Geschmacksaromen präsentierten sich nicht so vielschichtig, wie es die Nase vermochte. Leicht künstlich anmutende Erdbeeraromen, Orangenschalen, später auch rote Johannisbeeren, ziemlich feiner Rauch, leichte an Steinpilze erinnernde Süße und gewissen Spuren von Marzipan spielten sich im Vorder- und Hintergrund ab. Das gesamte Geschmacksbild wirkte ein wenig verwaschen. Später gesellten sich noch kräftige Karamellnoten zu dem ungewöhnlichen Potpourri. Insgesamt hätten die Aromen ein wenig präziser und subtiler sein können. Von der Körperstruktur war der Wein ein in die Breite gehendes Leichtgewicht. Wie man lesen kann - auch bei der Struktur fühlte sich der Pinot Crni ein wenig ungewohnt an. Leider reichte die Kraft des Weines nicht aus die leicht über 14 % Alkohol auszubalancieren. Im Abgang war dieser neben einer leichten, aber eindeutig präsenten, Süße zu etwas spüren. Trotz vieler nicht so positiv klingenden Beschreibungen empfand ich den Wein sicher nicht als abstoßend. Die erwähnten Eigenschaften waren teilweise sehr nuanciert und größtenteils nicht sonderlich stark ausgeprägt. Teilweise machten diese aber auch ein für mich neues und sehr eigenes Pinot-Geschmackserlebnis aus. Sicher zeigten sich einige Ungereimtheiten und Balanceprobleme. Einige dieser Probleme dürften von seinem jugendlich wirkendem Zustand herrühren. Andere waren für mich eher nur schwierig und nicht wirklich fassbar. In Abwägung verschiedener Eigenschaften war der Pinot Crni dennoch ein so la-la (o) Erlebnis und das beste südosteuropäische Pinot-Erlebnis meines bisherigen Lebens. Das will schon (vielleicht) was heissen!

Besten Gruss

Chris

PS: Habt ihr schon einmal einen erwähnenswerten oder auch nicht so erwähnenswerten Pinot aus Südosteuropa getrunken?
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Re: Pinot weit weg

BeitragMo 4. Nov 2013, 20:04

Hallo zusammen,

heute geht es mal wieder nach Oregon. Dieses Mal habe ich es sogar hinbekommen mich etwas kürzer zu halten ;). Dies mag wohl mit der klaren und sauberen, aber dennoch richtig überzeugenden, Einfachheit des verkosteten Weines zu tun haben.

Westrey Wine Company Pinot Noir 2008, Willamette Valley

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/11/we ... -2008.html


...

Die Farbe des regional ausgelegten Oregonesen erschien mir äußerst lebendig, zwar farblich leicht (?), aber nicht wirklich hell und ziemlich transparent. Am Rande zeigte sich sein mittleres Alter in keinster Weise. Auch Schwebeteilchen und Ähnliches konnte ich trotz ausgewiesener Unfiltrierung nicht entdecken. Die anfänglichen Eindrücke in der Nase, wie auch am Gaumen, verleiteten mich direkt zu einem mir sonst nicht so lieben Vergleich in Richtung rebgleicher Produkte aus dem 21isten Département. Im vorstehenden Fall ergab der Inhalt meines Glases eine solche „Bourgogne Rouge Frappanz“, die ich einfach nicht unerwähnt lassen wollte. Die Nase war schlank, kühl, angereichert mit schlanken und reif wirkenden Erdbeergerüchen, einer Tendenz in Richtung grün-stängelige Aromen, etwas Tropfwasser von sauren Gurken und einer aufrichtig, streng wirkenden kalkigen Aromatik, die ich mir aufgrund der willamette'ischen Unterlage nicht wirklich erklären kann. Vom oft erwähnten "Oregon Funk" und ausgeprägten Unterlaubaromen konnte nichts erriechen. Am Gaumen zeigte sich ein ähnlicher und nicht sonderlich oregonesischer Eindruck. Viel super klare, reife Erdbeerfrucht gepaart mit leichten Anklängen von dunklen Kirschen, elegant proportionierter Rauch, eine stramme gut abgestimmte kalkige Mineralik, tolle lebendige Säure, einige grüne Taninne, eine recht "feingliedriger" körper und ein mittlerer Abgang. Sicherlich nicht viel Komplexität und überbordender Anspruch, was wohl auch nicht der Anspruch dieses Pinots sein sollte. Dafür viel seriöser, gut balancierter und leichtfüßiger Pinot-Spass von absolut guter (+) Qualität, den man in dieser Form, die ganz sicher nicht jedem gefällt da so Mancher dem Wein etwas Dünnlichkeit vorwerfen dürfte, außerhalb des Burgunds eher selten aufzufinden ist. Mir hat er sehr gefallen und als dünn empfand ich ihn überhaupt nicht. Nur die „Bourgogne Rouge Frappanz“ erstaunt mich immernoch.


Besten Gruss

Chris
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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 12. Nov 2013, 22:42

Hallo zusammen,

heute geht es mal wieder recht weit weg an die südlichen Gestade des fünften Kontinents. Darüberhinaus von ner ganz dicken Nummer des dortigen Wein Business.

Henschke Giles Pinot Noir 2010, Lenswood Adelaide Hills


http://wine-zeit.blogspot.de/2013/11/he ... swood.html

...

In meinem Glase zeigte sich ein ziemlich transparenter, noch viel ziemlicher leichtschwenkiger und blutroter Augeneindruck. In den ersten Stunden war die Nase geprägt von verrottendem Holz in einer Waldbodenumgebung, nicht wenig an schwarzer Pfeffrigkeit, ganz leichtem Kirsch-Konfit und etwas angetrocknet wirkenden Waldbeeren in Verbindung mit sehr schüchterenen Anklängen von Wiesenblumen. Am Gaumen wirkte der Giles ziemlich kühl, einer Kühle die es nicht an Intensität missen lies – schwer zu umschreiben, ziemlich klarer und frischer Erdbeerfrucht und wesentlich reiferen (oder auch überreifen) und leicht ätherisch wirkende hellen Kirschfrucht, welche sich in Richtung des schon erwähnten Konfit sich orientierte. Das Tannin zeigte sich noch ziemlich präsent und verlieh dem Wein ein herb-ernsthaftes Rückgrat was mir sehr gefiel. Auch die Länge des Abgangs sagte mir zu. Auch wenn dieser nicht sonderlich vielschichtig war. Nach einigen Stunden wirkte der Wein immer süßer und reichhaltiger – fast schon ins Herb-Üppige gehend, die sich zwar nicht anschickte übertrieben zu wirken, aber auf einen für mich recht schmalen Grad tänzelte. Am zweiten Tag traten mehr und mehr Reife- und Reifenaromen in den Vordergrund. Auch Lakritze und Vegetarisums waren Entwicklungen die mir nicht wirklich die Freude in die Augen trieb. Vielleicht wurde mein Gaumen am zweiten Tag von zuviel hier nicht weiter zu beschriebenden Rieslingen und Chambertins & Co. verdorben. Doch diese Verderbungen versuchenshalber mal auszublenden würde ich annehmen, dass der Giles am zweiten Tag schon so einges abgebaut hat. Trotz manch erwähnter Defizite würde ich ihm aufgrund der Eindrücke vom ersten Tag soeben und gerade noch als ein gutes (o)-(+) Pinot Erlebnis bezeichnen.


Besten Gruss

Chris

PS: Wie sieht's aus? Auch einen weiten oder ungewöhnlichen Pinot in letzter Zeit gehabt? Hier hat es noch viel Platz ;-)
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Re: Pinot weit weg

BeitragSo 17. Nov 2013, 21:05

Hallo zusammen,

ich glaube es ist schon eine ganz schön lange Weile her das ich mich im schönen Südafrika getummelt habe. Per Zufall bin ich vor nicht all zu langer Zeit dem heutigen Pinot Noir 2009 aus Franschoek in einer gut sortierten Weinhandlung, schon wieder, über den Weg gelaufen. Vom Namen her war mir der Pinot Noir vom Traditionsbetrieb Haute Cabrière in Franschoek schon lange ein Begriff. Insbesondere wegen seiner für Südafrika angeblich ein wenig ungewöhnlichen visuellen und körperlichen Leichtigkeit ist mir dieser nie ganz aus dem Gedächtnis enthüpft. Das Gut an sich besteht schon seit über 300 Jahren. Damals, im Jahr 1694 siedelte sich der hugenottischen "Bauer" Pierre Jourdan in Franschoek an. Um ein wenig abzukürzen wage ich bewusst einen gewaltigen Zeitsprung um nicht noch mehr mit Trockenheit zu langweilen! Im Jahr 1982 begann eine neue Zeitrechnung für Haute Cabrière. Seit diesem Zeitpunkt konzentriert sich das Weingut unter der Regie des deutschstämmigen Achim von Arnim auf die klassischen burgundischen Rebsorten Chardonnay und Pinot Noir. Diese werden bei Haute Cabrière auch vermehrt in Schaumweinproduktion verwendet. Die Trauben für unseren heutigen Pinot Noir stammen aus gen Westen gerichteten Lagen in den steinigen Ausläufern des Franschhoekpass am westlichen Kap. Weiter mag die Ausbauzeit interessant ein. Diese betrung ca. 10 Monate in französischer Troncais und Allier Eiche.

Haute Cabrière Pinot Noir 2009, Frankschoek

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/11/ha ... -2009.html

Wie mein gewohnt miserables Foto es vielleicht verraten mag (siehe Blog, ich will die Speicherkapazität des Forums nicht unnötig belasten ;) ), vorausgesetzt die Helligkeitseinstellung an eurem Bildschirm ist im extra-hellem-retina-versengenden Modus eingestellt, zeigte sich die Farbe des Haute Cabrière enorm hell und bergbachklar transparent. Eine visuelle Tendenz hin zu einem hyper-farbigen Rosé will ich an dieser Stelle nicht vollkommen ausschließen. Die Nase präsentierte sich die ersten Stunden als nicht sehr präzise, weniger begeisternd und zugegebenermaßen recht jugendlich. Duftige Aromen von grünen Bananenschalen, ein feiner und leicht speckig wirkendem Rauch und viel von leicht klebrig anmutender Erdbeerfrucht. Eine über allem schwebende erstaunliche Melange von Bounty Schokoladenriegel gepaart mit nicht zu kräftig abgestimmten vanilligen Holzaromen, bei denen der süßliche Kokosnussaspekt stark überwiegte, solle ich nicht unterschlagen. Am Gaumen zeigte sich eine sehr leichte, eher einfache, und frische Struktur gepaart mit lebendiger Säure. Die Fruchtaromen waren in den ersten beiden Stunden recht simpel und überraschend warm. Die mir viel zu süß wirkende reife Erdbeerfrucht konnte mich leider nicht überzeugen. Auch die Eindrücke von Karamell und die glücklicherweise sehr verhaltenen Eichenaromen, im Gegensatz zur Nase, zeichneten sich nicht gerade durch Subtilität aus. Nach guten drei Stunden gesellten sich noch so manche ungewöhnlichen Aromen von angeschwitzten sehr leicht geräucherter Fleischwurst und "Käsigkeit" hinzu. Positiv empfand ich, dass man den auf dem Rückenetikett angeführten hohen Alkoholwert von 14% nicht erschmecken konnte. Leider konnte die Leichtigkeit des Weines mit keinem elegant und schon garnicht erhaben wirkenden Spiel aufwarten. Diese Leichtigkeit wirkte auf mich nur sehr eindimensional und euphemistisch formuliert überaus schlank. Der Abgang war ebenfalls nicht der Rede wert. Etwas mehr auf den Rippen, in vieler Hinsicht, hätte dem Wein nicht allzu schlecht gestanden. So konnte der Pinot Noir von Haute Cabrière mich leider nicht überzeugen. Sicherlich war der Wein noch relativ jung, doch mehr als eine knappe so la-la (o)-(-) Bewertung war für mich und meinen Gaumen nicht drin. Ich würde vorschlagen den Wein etwas kühler zu trinken. Die sehr spätburgunderisch wirkende Süße, 'tschuldigung für diese gemeine Sippenhaft, doch diese hat mich wirklich frappierend an einen eher einfachen deutschen Spätburgunder erinnert, wird dadurch etwas abgemildert.

Neben diesem nun reichhaltig genug geschriebenen Südafrikaner hat es mich noch nach etwas Chardonnay gedürstet. Dafür musste eine Flasche des vortrefflichen Bourgogne Chardonnay 2010 von Benoît Ente aus Puligny-Montrachet herhalten ...

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/11/ha ... -2009.html

Dieser hat zu einem erfüllten Ente des Abends geführt ;)

Besten Gruss

Chris
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Re: Pinot weit weg

BeitragMi 27. Nov 2013, 13:56

Hallo zusammen,

und heute gleich noch eine südafrikanische Pinot-Verkostungs-Station hinterdrein! Eine angenehmere als letztes mal! Heute auf etwas weniger ausgetretenen Pinot-Pfaden. Darling, was für ein netter Name, im südlichen Swartland gibt es zwar schon seit Jahrhunderten, doch erst in letzter Zeit schafften es einige Erzeuger Weine auf die Flasche zu zaubern, die sogar so manchem Weinenthusiasten ein Hauch an Interesse abringen konnten. Der heutige Wein kommt von dem historisch bedeutenden landwirtschaftlichem Gut Groote Post. Doch erst seit den 1970er Jahren werden unter der Regie der Pentz Familie auch Weintrauben angebaut. Doch erst 1999 konnten sich Vater und Sohn, Peter und Nick Pentz, durchringen eine Kellerrei aufzubauen um ihren Wein selber herzustellen und zu vermarkten. Von Beginn an konnten sie so manche nationale und internationale Fachjury von ihrem Sauvignon Blanc überzeugen. Mein Interesse, wie verwunderlich, galt natürlich dem Pinot Noir Reserve 2009. Die Trauben für diesen Pinot wuchsen auf stark lehmhaltigen und mit Steinen versetzten Hutton und Oakleaf Böden. Diese spezifische Art von Lehmböden sind im Swartland sehr häufig aufzufinden. Die eigentlichen Weinberge befinden am gen Süden ausgerichteten Kapokberg in den Darling Hills auf 250 bis 400 m über dem Meeresspiegel.

Groote Post Pinot Noir Reserve 2009, Darling

Die Farbe des Groote Post Pinot Noir Reserve erschien mir ziemlich trübe, von nicht erwähnenswerter Vitalität, breit wasserrändisch und ziemlich dunkel. Die Nase zeigte von Beginn an viel dunkle und rauchig wirkende Frucht die später von wild-roh anmutender Characteristik untermalt wurde. Diese wilden Charakteristiken zeigten sich nach gut zwei Stunden am Gaumen noch wesentlich präsenter. Zunächst fiel mir recht viel frische gelbe zitronige Frucht in Kombination mit sehr reifen und etwas monoton wirkenden Erdbeergeschmäckern auf. Nach einer Weile meinte ich die von der Nase schon angekündigten satt-saftigen dunklen Johannisbeeren und Maulbeeren aufschnappen zu können. Dann, nach ca. zwei Stunden, und hinüber in den nächsten Tag wurde es wild: viel Rauch, Trockenfleisch, Unterholz und vermeintlicher Tierschweiß verstanden es die kräftige Fruchtigkeit in ihrer Strahlkraft zu zügeln und dem Reserve einige weitere Facetten zu verleihen. Zugegebenerweise keine wirklich sehr eleganten oder überaus raffinierten Facetten. Dennoch voller sehr eigenständiger und nicht wirklich uninteressanter Aromen. Leider konnte ich die 14% Alkohol nicht komplett ausblenden. Diese waren zeitweise ziemlich präsent. Die Struktur war zwar nicht wirklich super präzise oder brillant ausgewogen, doch eher kühl und pointiert. Für mich ein noch guter (+) Pinot mit wenig Armut an ungewöhnlichen Aromen.

Neben dem Pinot der Großen Post konnte ich noch einen etwas vom Idealbild (? ... ich weiss ;) ) abweichlerischen Chambolle-Musigny 2006 von Dujac Fils & Pére und eine vermutlich leicht angenockte Bombacher Sommerhalde 2005 vom Weingut Huber in Malterdingen probieren.

Diese off-topischen Pinots gibt's hier:

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/11/gr ... -2009.html

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Re: Pinot weit weg

BeitragDo 28. Nov 2013, 18:46

Hallo zusammen,

für den vorgestern und gestern verkosteten kroatischen „Pinot weit weg“ möchte ich euch nicht all zu viel Zeit abringen. Warum? Ich denke eine gewisse Selbsterklärung wird sich in den folgenden Zeilen ergeben. Ich werde versuchen so kurz und (ausnahmsweise ;) ) so sachlich wie möglich zu bleiben.

Bolfan Libertin Pinot Crni 2008, Zagorje

Die Farbe des Libertin Pinot Noir zeigte sich sehr transparent und dennoch überraschend dunkelrot mit leichten Tendenzen hin zu Cola-ähnlichen Reflexen. Die Nase erschien mir die ersten 15 Minuten sehr stark von warmen und kräftigen Holzdüften parfümiert zu sein. Der Holzeindruck zivilisierte sich über die Stunden und Tage, doch seine eigentliche Dominanz im Gesamtbild blieb sehr prägend. Die eher helle Kirschfrucht und einige Spuren von Cassis wirkten sehr süßlich. Weiter zeigten sich Aromen von frisch geschnittenen Zweigen, recht viel Holzkohle und Spuren von Zimt. Leider überzog das Holz alle weiteren Aromen, sodass sie nur sehr verhalten präsentierten. Der Geschmack war ebenfalls stark von sehr viel Holz, süßlichem und karameligem Holz, geprägt. Daneben zeigten sich nicht wenige Aromen die mich stark an die weihnachtliche Zeit erinnerten. Hierbei beschränke ich mich auf die Erwähnung der Haupteindrücke: Zimt und Pfefferkuchen (mehr in Richtung Gingerbread Man Aromen) . Die Frucht war wie die Nase ebenfalls eher von Kirschen geprägt. Meiner Ansicht mehr von sehr süßlich wirkenden dunkleren und etwas verwaschenen wirkenden Kirscharomen. Später dazu auch noch mehr und mehr likörige Orangen. Leider wirkte der Pinot Crni von Anfang an ziemlich brandig alkoholisch (13,6%). Der Abgang war sehr kurz und zeigte nach ca. zwei Stunden Neigungen zur Bitterkeit. Ergänzend sollte ich noch anmerken, das der Bolfan Libertin Pinot Crni 2008 kein sehr kostspieliger „Pinot weit weg“ war. Der Preis lag bei um die 11,50 Euro. Für mich zeigte der Wein ganz klare Schwächen (-)-(--). Die Nase war noch mehrheitlich in Ordnung, wenn auch nicht sonderlich animierend. Am Gaumen enttäuschte mich der Wein in erster Linie aufgrund seiner enormen Holzprägung, mit welcher der eher leichte Körper des Weines überhaupt nicht zurechtgekommen ist, und einer sehr präsenten, mich störenden, Süße. Schade! War wohl nicht mein "Pinot weit weg" ...

Eigentlich hatte ich vor in näherer Zukunft mehr Pinot Noir aus Südost- und Osteuropa zu verkosten. Wie ich leider schon insgeheim befürchtet habe, aus früheren und teilweise auch hier erwähnten Erfahrungen heraus, waren die ersten Proben nicht sehr erbaulich. Trotz meiner unstillbaren und oft unvernünftigen Neugier sollte ich mir doch genau überlegen ob ich meine gaumische Verkostungsreise in Richtung Rumänien und Bulgarien fortsetzten möchte … Die Magyaren liegen schon im Keller. Diese Flaschen werden demnächst sicherlich verkostet werden. Kurz erwähnen werde ich sie allemal ...

Besten Gruss

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Re: Pinot weit weg

BeitragSo 15. Dez 2013, 09:10

Hallo zusammen,

nach der Enttäuschung durch den Pinot Crni habe ich mich erst mal wieder vertrauteren Regionen zugewendet. Deshalb geht es heute mal wieder ins schöne Oregon.

Cristom Vineyards Pinot Noir Sommers Reserve 2008, Willamette Valley

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/12/cr ... mmers.html

...

Der Sommers Reserve hatte einen leicht trüben Schleier, dennoch viel Transparenz, und ein recht helle an reife Himbeeren erinnernde Farbe. Die Nase zeigte sich sehr jugendlich, aber keinesfalls schüchtern. Sehr viel überaus mineralischer Oregon Funk (mit einer stärkeren Neigung hin zu sehr holzigem Unterholz – meiner Meinung nach sicherlich nicht vom Ausbau) machte sich in meinem Glas breit. Ich würde die Nase schon fast als parfümiert, in einen zuträglichen Sinn, bezeichnen. Sie war sehr intensiv, duftig und tief in die Wurzeln der Nasenhaare greifend. Fruchtaromen von lebendigem Cassisbeeren, roten Johannisbeeren und anständig gereiften Himbeeren, welche sich mit fortschreitender Zeit nach Öffnung sicherlich mehr und mehr ausbreiteten, zeigten ein sehr frisches und erfrischendes fruchtiges Nasenbild. Alles in allem eine verspielte, kaum nicht-zu-mögende Nase mit Tiefgang, aber vielleicht mit einem kleinen "Mangel" an Ernsthaftigkeit und Eleganz. Der Geschmack zeigte sich die erste Stunde bei weitem nicht so offenherzig. Viel Zurückgezogenheit, etwas konfuse Fruchtaromen, stramme Säure und reichlich zünftiges Tannin gaben den Ton an. Mit der Zeit und genügend Luftkontakt zivilisierten sich die Fruchtaromen und die Balance des Pinots. Nun waren mit reichlich Frische verwöhnte Aromen von Cassis (plus etwas Limette) und sehr saftige dunkle Kirscharomen eindeutig erschmeckbar. Zeitweise kam mir diese Fruchtlast(lustig)keit ein wenig zu dominant, gaumenschmeichlerisch und fruchtsüß daher. Diesen letzten Satz sollte ich wohl unter die Kategorie Meckern auf hohem Niveau einordnen. Es war sicherlich kein schwerwiegender und darüberhinaus zeitlich stark eingegrenzter Eindruck. Die mineralischen Prägungen des Oregon Funk waren am Gaumen weit weniger spürbar. Ein Etwas an nassem Laub, feuchter Erde und grüner-holziger Würzigkeit war vorhanden, aber weniger dominierend als es die Nase zu ankündigen versuchte. Nach ca. sechs Stunden in der geöffneten Flasche wurde der Sommers Reserve immer gradliniger, präziser und geschliffener ohne von einer Saftigkeit etwas einzubüßen. Große oregonesische Pinot Aristokratie fand, wie in der Nase, am Gaumen ebenfalls nicht statt. Ein wikliches Defizit war das für mich nicht! Dafür war der Weinfach zu "lustig-heiter"! Wie es anhand des großen Jahrgangs 2008 zu vermuten war zeigte sich der Wein noch recht grün hinter den Ohren. Ein wenig mehr Flaschenlager werden ihm in seiner Entwicklung noch gut zu Geschmacke stehen. Ach ja, was die vermuteten wärmenden Qualitäten des Alkohol betrifft kann ich größtenteils Entwarnung geben. In den ersten zwei Stunden gab es Ansätze von Spuren. Diese wagen Spuren lösten sich mit der Zeit glücklicherweise in Wohlgefallen auf. Wärmend, oder warm als übergeordnete bezeichnende Eigenschaft, war er ganz sicher nicht.

...

Gerade noch so eine sehr gute (++) Pinot Angelegenheit!


Besten Gruss

Chris
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