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Pinot weit weg

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olifant

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 16. Apr 2013, 13:59

Sorry Chris,

war wohl kein Dolcetto, sondern ein Rosso Langhe - die Aldo Conterno etiketten schauen irgendwie alle gleich aus ;)
Grüsse

Ralf
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 16. Apr 2013, 14:11

Kein Problem ;-)
Hab mir fast gedacht, dass du den meintest. War Freisa mit etwas Beimischung. Die Etiketten von Conterno sehen wirklich alle sehr ähnlich aus... Und anscheinend war laut Händler im Langhe früher auch Dolcetto drin.
Gruss
Chris
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragFr 3. Mai 2013, 11:59

Hallo zusammen,

wie wäre es heute mal mit “Sassicaia Pinot Noir” aus einer Wüste am Ende der Welt? Anfang dieses Jahres stellte ein gewisser Kapitän zur (Wein-)See einen Pinot Noir aus Argentinien vor, von dem er offensichtlich ziemlich begeistert war. Dabei handelte es sich um den Bodegas Chacra Treinta y Dos des Jahres 2009. Ich muss zugeben, dass mich die "Reine Begeisterung" dieses reinen Pinot Noir etwas ansteckte und ich daher beschloss mir einen Wein dieses Weingutes zu besorgen - obwohl ich jahrelang gegenüber diesem Erzeuger mich aufgrund der bedenklichen Preisgestaltung in Zurückhaltung übte. Da ich in finanzieller Hinsicht eindeutig ein Teil des abgehängten Prekariat bin, hat es bei mir nur zum Einstiegswein bzw. Viertwein des Weingutes gereicht. Ich sage, oder schreibe, nur: Manchmal ist es ganz vorteilhaft „arm“ zu sein! Dazu aber später mehr …

Zunächst erst mal die Frage: „Warum eigentlich „Sassicaia Pinot Noir“? Kurz: im Jahre 2004 kaufte der Marchese Piero Incisa della Rocchetta, seines Zeichens aktueller Weinmacher des Sassicaia, sehr alte verwaiste Pinot Noir (Pflanzungen zwischen 1932 und 1967) Weinberge im Rio Negro Tal im nördlichen Patagonien ca. 1000 südlich von Buenos Aires. Die klimatischen Bedingungen Vorort sind extrem trocken, die Böden bestehen aus porösem Kieselstein mit beträchtlichen Kalksteinablagerungen und sind dementsprechend sehr karg. Einer der wenigen Vorteile dieser Anbauregion war und ist, dass sie nie von der Reblaus besucht wurde.

Das Traubengut des heutigen Pinot Noir's, dem Barda (Kamm oder Bergzug), stammt aus verschiedenen alten und neu gepflanzten Rebanlagen. Die Handlese der Trauben fand im März 2009 statt, die dreiwöchige Vergärung fand bei ca. 26 C in 200 Liter Betontanks unzerdrückt (aber anscheinend enttrappt) in Verbindung mit wilden Hefen statt und machte letztlich eine 11 monatige Reifephase in kleinen französischen Holzfässern mit.

Bodegas Chacra Barda Pinot Noir 2009, Patagonien

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/05/bo ... -2009.html

Beim heutigen Wein möchte ich eine etwas andere Vorgehensweise anstreben. Eine Vorgehensweise die sich bei einem klassischen, wie man so schön beim Weinpalaver formuliert, Babymord gezwungenermaßen anbietet. Ich habe den Wein über drei Tage verkostet und konnte beträchtliche Emotionsschwankungen beim Wein und bei meiner Person feststellen. Die wie meistens erwähnt - erste „Dimension“, die Farbe, durchlitt keine sonderlichen Veränderungen. Sie war ziemlich dunkel für ein Pinot Noir, aber sehr transparent und wahrscheinlich ein wenig fahl oder grauschleierig. Letzteren visuellen Eindruck kann ich nicht wirklich gut beschreiben, da ich diesen eher sehr selten, oder so noch nie, vor mir im Glase vernehmen durfte. Zumindest nicht bewusst! Nun ja, soweit wie gehabt. Bei Geruch und Geschmack möchte ich einen etwas prägnanteren, strukturierten und chronologischen Beschreibungsstil an den Tag legen. Sonst wird die heutige Pinotbeschreibung zu einer nicht enden wollenden Vinolysses, welche dieser Wein meines Erachtens nicht verdient hätte.

Tag 1.

Geruch: sehr parfümierter Charakter der in den letzten Winkel der Nase vordringt, unangenehmer Duft von Corned Beef, etwas Moschus, extrem dunkler und scharfer Rauch, Gefühle von staubigem Geschirrschrank (das Glas war es nicht), Wacholder, ausgetrocknete dunkle Erde, sehr alkoholisch, ziemlich schwache Eindrücke von sehr überreifen an-rosinierten dunklen Kirschen, Schuhcreme (braun), tonnenweise Lakritze

Geschmack: Guinness, Guinness und nochmal Guinness (Stout); angereichert mit schüchternen Anklängen von überreifen und getrockneten dunklen Kirschen, sehr staubiger hochprozentiger Bitterschokolade, enorm viel ätherisch-alkoholische Noten (14%) und einem richtig fiesen und super harten Tannin wie man es bei Pinot Noir nur selten findet. Ganz sicher einer der seltsamsten Pinot Noir die ich je getrunken habe. Meine Gefühlslage an Tag 1. war etwas zwischen Schock, Überraschung, verdrehtem Interesse und Wut, gepaart mit Erleichterung das ich "arm" bin und keinen der Top-Weine gekauft habe (wobei ich nicht natürlich unterstellen möchte, dass der Treinta y Dos oder ein anderer Pinot des Hauses automatisch ähnliche Attribute an den Tag gelegt hätte).

Tag 2.

Geruch:insgesamt ein ähnlicher Charakter; seine extrem parfümierte Art hat er ein wenig ablegen können und vermochte es etwas mehr dunkle Kirschfrucht zuzulassen, die unangenehmen Nebengerüche waren immernoch präsent

Geschmack: das Guinness erwies sich als etwas verwässert und wurde von sehr sehr reifer Kirschfrucht ausgebremst; diese Frucht wirkte sehr rosinig und ein wenig cola-lastig; der Alkohol war nicht mehr so präsent, aber eine fiese Fruchtsüße, die am ersten Tag nicht vorhanden war, kam ziemlich stark durch; das Tannin verweilte im Harten-Modus; immer noch erschien mir der Wein als extrem unausbalanciert, penetrant und ein wenig bösartig. Meine Gefühlslage an Tag 2. war neutral angepisst und bezüglich der Handlungsoptionen zwischen - (1) auf in den Topf mit dem Zeug oder (2) Korken drauf und warten – angesiedelt. Offensichtlich habe ich Option (2) gewählt ;)

Tag 3.

Geruch: immer mehr und mehr Frucht, sogar gar nicht mehr so überreif und rosinig wirkend; keine Lakritze mehr, kein Rauch mehr; fast nichts mehr vom extrem parfümiertem Stil übrig; sehr gewaltig, erdig und ernsthaft wirkend; der ätherisch-alkoholische Einschlag ging nicht ganz unter; ein wenig peffrig scharf

Geschmack: keine Lakritze mehr, kein Rauch mehr, kein Guinness mehr; viel staubige, etwas scharf wirkende überreife und sehr ruppige Kirschfrucht mit immer noch sehr anstrengendem Charakter; das Tannin entsprach nun eher einem ruppigen und sehr klassisch vinifizierten Burgunder (bei dem kräftig Grünzeug mitvergoren wurde); das erste Mal in den drei Tagen konnte ich mir vertraute Pinot Eigenschaften erschmecken; der Alkohol war an der obersten Grenze meiner Toleranzfähigkeit; der Abgang war gewaltig, noch etwas seh bitter, trotz Verbesserung unangenehm und ziemlich lang anhaltend; verhaltene Anzeichen von Balance verbreiteten sich auf meinen Geschmacksknospen und Gehirnzellen; trotz der positiven Entwicklungen immer noch ein wenige Wochen altes Baby das viel schreit und heult. Meine Gefühlslage am 3. Tag war hoffnungsvoll für eine rosigere Zukunft für diesen Wein - die ich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erleben werde (oder möchte)!

Ganz sicher einer der seltsamsten Pinot Noirs meines Lebens! Ab dem dritten Tag sicher antrinkbar, doch es wäre empfehlenswert den Wein irgendwo hinten im Keller für die nächsten Jahre zu verstecken. Seinen speziellen Charakter wird er dadurch aber auch nicht ganz verliehren! Als Fazit: ein für mich unbewertbarer, würzig feurig scharfer, ziemlich komplexer, etwas schmutziger, sehr gewaltiger, wilder Tango-Pinot der es vermochte mich zu schockieren und gegen Ende hin etwas hoffnungsvoller zu stimmen.

Besten Gruss

Chris

PS: In letzter Zeit einen "Pinot weit weg" gehabt? Hier ist noch genügend Platz dafür ;)
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Alas

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Re: Pinot weit weg

BeitragSa 4. Mai 2013, 03:59

Grüß dich Chris!

Eine einmalige Erfahrung ist es alle mal. Wer hat schon vom Wein aus Patagonien gekostet!
Vielleicht sollte man den Wein erst am dritten Tag trinken. Hattest du ihm Luft gegeben?

Gruß

Alas
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragSa 4. Mai 2013, 09:30

Guten Morgen Alas,

ich werde es hoffentlich bei der einmaligen Erfahrung belassen :lol: ! Was patagonischen Pinot betrifft war das schon mein zweiter:

http://wine-zeit.blogspot.de/2012/04/pi ... l-fin.html

Dieser war wesentlich klassischer bzw. pinot'iger, aber leider schon auf halbem Weg über den Jordan.

Vielleicht sollte man den Wein erst am dritten Tag trinken

Ich würde es auch nicht unbedingt empfehlen den Wein am dritten Tag zu trinken. Der war da immernoch sehr herausfordernd und speziell. Am besten im Keller für einige Jahre vergessen oder noch besser erst gar nicht kaufen :lol: . Zumindest hat der Wein zum Nachdenken angeregt.

Hattest du ihm Luft gegeben?


Karaffiert habe ich den Wein nicht. Im Fall von Spätburgunder bin kein großer Freund vom übermäßigen Belüften. Meiner Meinung nach geht das Spätburgunder gerne in die Hose. Beim betreffenden Wein hätte ich das wohl machen können, aber ich hab mich letztlich für eine hochwissenschaftliche vinologische Beobachtungstudie :lol: entschieden ;) . Im Glas und in der angebrochenen Flasche hat der Wein über die Tage genug Luftkontakt bekommen.

Wenn ich etwas manchmals bei Spätburgunder mache, dann eher die "aus der Flasche und wieder zurück in die Flasche" Methode (erinnere mich gerade nicht an den Fachbegriff ...). Mit diesem Verfahren habe ich wesentlich bessere Erfahrungen als mit Karaffierung über Minuten oder Stunden hinweg.

Schönes Wochenende wünscht

Chris
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragMo 6. Mai 2013, 17:12

Hallo zusammen,

nach dem argentinischen Experiment gleich noch ein weiterer "Pinot weit weg"! Laut meinen Bewertungsversuchen erst der zweite fantastische (+++) "Pinot weit weg"!
Der andere Fantastische war ein hügeliger Bastard aus Victoria ;) !
http://wine-zeit.blogspot.de/2011/12/gl ... yarra.html
(auch irgendwo hier im Thread, hab ihn nur nicht auf die Schnelle gefunden :oops: )

Kelley Fox Wines Momtazi Vineyard 2007, McMinneville

Die Anzeichen für weitergehende Begeisterung verdichten sich so langsam mehr und mehr! Auch mein letzter Pinot Noir aus Oregon konnte mich überzeugen. Dieses Mal sogar in außerordentlich hervorhebenswerter Weise. Der Momtazi Vineyard 2007 von Kelley Fox Wines verstand es ein überaus anständiges Maß an Eleganz mit beeindruckender präziser Klarheit an Frucht und mineralischen Eindrücken zu kombinieren. Daher nehme ich es heute ausnahmsweise gerne mal vorweg: Für mich ein fantastischer Pinot Noir! Neben diesem Highlight verkostete ich auch einen Beaune Les Boucherottes 1er Cru 1999 von François Parent und einen überraschenden, wenn auch nicht übermäßig komplexen, Chardonnay S 2008 vom Weingut Ewald Kopp aus der Ortenau. Zunächst aber zurück zum Hauptdarsteller der kleinen Verkostung:


Kelley Stearns Fox ist mittlerweile ein bekannter Name im Willamette Valley. Die gelernte Biochemikerin und Biophysikerin arbeitete (und arbeitet) seit über zehn Jahren als full-time winemaker bei einigen der bedeutendsten Namen im Pazifischen-Pinot-Tal. Seit dem Jahr 2005 (und 2007) bereitet sie unter eigenem Namen exklusive Kleinstmengen an Pinot Noir aus zwei bekannten Weinbergen. Zum einen aus dem Maresh Vineyard in den Dundee Hills und zum anderen aus dem Momtazi Vineyard in der AVA Mc Minneville. Aus letzterem stammt das Traubengut meines heutigen Weins. Die Rebstöcke (Pommard Klone 115 und 114) im Momtazi Vineyard wurden 1998 (!) von der aus Persien stammenden Familie Momtazi (Maysara Vineyards) gepflanzt und werden seit dem nach Demeter zertifizierten Richtlinien biodynamisch bewirtschaftet. Kelley's „Ausbeute“ aus diesem Weinberg betrug im Jahrgang 2007 ganze 1600 Flaschen die im Verhältnis 2 (neu) : 4 (gebraucht) in französischen Barriques ausgebaut wurden. Die Bearbeitung und Bereitung in Weinberg und Keller sind durchweg von manueller Arbeit geprägt. Das geht soweit, dass Kelley ihre Trauben eigenfüßig anpresst!

Die Farbe des Momtazi Vineyard Pinot Noir 2007 war super transparent, sehr klar und zeigte vitale Reflexe von hellem Rubin-Rot. Die Nase zeigte direkt nach dem Aufdrehen was in ihr steckt! Ein sehr tiefgreifende, elegante und ausdrucksstarke Himbeerfrucht gepaart mit Anklängen von sehr dezentem Unterholz, zurückhaltenden Waldbeeren, Spuren von roten Rosen und Veilchen und einem kaum zu vernehmenden und wunderbar eingebundenen Hintergrundrauschen von sauberstem Eichenholz. Was den Geschmack betrifft zeigte der Wein die erste Stunde stramme Säure und sehr zivilisierte und leicht bissige Fruchtaromen. Keine negative Bissigkeit. Eher eine Bissigkeit die viel Direktheit, Ehrlichkeit und Charakter vermittelte. Nach ca. eineinhalb Stunden zeigten sich hoch elegante, fantastisch klare, zugleich leicht und beschwingte, sowie vielschichtige Aromen von Himbeeren, etwas weniger ausgeprägten dunkle Waldbeeren, feinem Kaffee und sehr angenehmen und dezent proportioniertem herbstlichen Unterholz. Die Tiefgründigkeit, Komplexität und Länge des Abgangs liessen zu keinem Zeitpunkt zu wünschen übrig. Auch die Frucht war zu keinem Zeitpunkt überbordend, schreihälsig oder penetrant. Die drei letzteren Begriffe sind wahrscheinlich das Letzte was mir zu diesem Wein je einfallen würde! Noble, kühle und leise Eleganz passen zum Momtazi wesentlich besser! Nun habe ich wohl das Wort mit „E“ etwas überstrapaziös verwendet. Was soll ich machen!?! Es ist nun mal eine Eigenschaft die mir bei Pinot Noir im Normalfall sehr sehr wichtig ist. Und bei diesem Wein zeigte sich diese in jedem Molekül. Mein heutiges Fazit lautet: Vielleicht einer der besten (und saubersten) offen bzw. offiziell biodynamisch produzierten Pinot Noirs in meinem Trinkerleben! Falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: ein fantastischer (+++) Pinot Noir.


Die Weine von Francois Parent und Ewald Kopp findet ihr hier:
http://wine-zeit.blogspot.de/2013/05/ke ... pinot.html

Besten Gruss

Chris
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Re: Pinot weit weg

BeitragFr 17. Mai 2013, 14:18

Hallo zusammen,

und schoooooon wieder etwas aus Oregon. Langsam wird's ein wenig eintönig ;)

St. Innocent Winery Justice Vineyard Pinot Noir 2007, Eola-Amity-Hills

Mein heutiger Pinot Noir aus Oregon führte mich an den östlichen Rand die Eola-Amity Hills in der Nähe der Hauptstadt Salem. Mark Vlossak, ein der Pioniere im Oregon Pinot Business, gründete 1988 die St. Innocent Winery. Von Anbeginn spielte Pinot Noir neben elsässisch inspirierten Pinot Gris und Pinot Blancs die Hauptrolle auf dem kleinen biologisch und biodynamisch produzierenden Weingut. Aktuell produziert Vlossak neben seinem Village Pinot sieben Einzellagen Pinots. So auch der Pinot Noir 2007 aus der süd-östlich ausgerichteten 0,9 Hektar großen Justice Vineyard Parzelle. Die Reben (Dijon 777 Klon) für diesen Wein sind außerordentlich jung. Sie wurden erst im Jahr 2001 gepflanzt. Diesen Umstand konnte man vielleicht merken. Bezüglich seiner grundsätzlichen Qualität zeigte sich diese Jugendlichkeit keinesfalls abträglich. Vergoren wurden die Trauben im Stahltank und anschließend für 16 Monate in französischen Eichenholz (34% neu) ausgebaut.

Was die Farbe betrifft zeigte sich der Justice Vineyard nicht wirklich dunkel, auch nicht außerordentlich hell, einfach ziemlich normal für einen Pinot Noir, und machte einen leicht getrüben Eindruck (welche vielleicht von Erschütterungen hervorgerufen wurden). Der Duft des Weines erschien mir sehr zivilisiert, rund oder vielleicht rund-kantig. Für mich zeigte er nicht so viel, aber etwas, vom schon oft erwähnten leicht stinkig-wilden „Oregon-Funk“. Anzeichen von wilden Blumen möchte ich nicht unterschlagen, doch eine erwähnenswerte Eleganz konnte der Wein für mich nicht ausdrücken. Auch die nasale Frucht war sehr ausgeglichen und balanciert. Von meiner Seite aus hatte ich keinerlei Beanstandungen was die Nase betrifft. Doch überbordende Begeisterung konnte sich auch nicht breitmachen. Der Geschmack erwies sich als sehr weich, etwas glatt - ohne jegliche Kontur verloren zu haben - und wiederum sehr ausgeglichen. Die klar und fein abgestimmte Fruchtigkeit des Weines war geprägt von hellen Beerenfrüchten und einem Hauch von Blaubeeren. Die Würzigkeit und mineralische Prägung war, wie schon angedeutet, mir ein wenig zu zivilisiert und geglättet. Die Säure erschien mir ein Tick zu schwach proportioniert. Insbesondere wenn man bedenkt, dass in 2007 relativ säurestarke Pinots in Oregon produziert wurden. Letztlich kam mir auch das neue Holz ein wenig zu präsent vor. Aber nicht das wir uns missverstehen: wirklich nur ein wenig und auch recht hintergründig. Der Justice Vineyard Pinot Noir war ein sanft nuancierter Wein mit ruhigem und ausgeglichenem Charakter dem man seine junge „Grundlage“ aufgrund der Glätte und schwächeren mineralischen Prägung wahrscheinlich anmerken konnte. Zusammengefasst mag sich der Wein jetzt ein wenig langweilig anhören, doch dem würde ich nicht zustimmen wollen. Für mich hatte er ohne zweifel seine Qualitäten. Auch wenn diese noch ein wenig adoleszent erschienen und nicht viel oregonesischen Charakter verspüren ließen. Absolut ein guter und anständiger (+), vielleicht sogar ein sehr guter und sehr anständiger (++) Pinot Noir aus Oregon.


Dazu gab es noch etwas mehr Stoff aus anderen Landen ;) :

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/05/st ... eyard.html

Viele Grüsse! Der nächste Pinot weit weg kommt bestimmt nicht aus Oregon - Versprochen!

Chris
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Alas

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Re: Pinot weit weg

BeitragSa 1. Jun 2013, 17:32

Hallo Chris

Ein Wein von nicht ganz so weit weg, aber einer, den du höchstwahrscheinlich nicht gekauft hättest.

Bild

Albrecht.jpeg


Das Weingut ist leider in Konkurs gegangen, wurde aber von Wolfsberger aufgekauft.

Gruß

Alas
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 4. Jun 2013, 21:03

Hallo Alas, Hallo allerseits,

deinen "Pinot weit Weg" Alas habe ich diesmal übersehen :oops: . Von mir aus ist er ja nicht so richtig weit weg. Von dir aus aber schon. Deshalb passt er auch hier rein ;) . Nur die Farbe des Pinots ist vielleicht nicht ganz meine :lol: ;).

Ich habe heute natürlich auch noch einen "Pinot weit weg", sehr weit weg, der mir sehr gefallen hat!

Timo Mayer Bloody Hill Pinot Noir 2009, Yarra Valley

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/06/ti ... -2009.html

Beim heutigen Wein bin ich mal wieder etwas voreilig! In verschiedener Hinsicht. Zum einen ist mir bewusst, dass der heutige Pinot sicherlich noch das eine oder andere Jahr Flaschenlagerung vertragen könnte und zum anderen hat es sich mal wieder gezeigt, dass das Yarra Valley im nordöstlichen Großraum Melbournes zu den besten Pinot Noir Regionen der Welt gehört. Genung der Voreiligkeit - jetzt zum Wein!

Produziert wurde der heutige Pinot Noir vom gebürtigen Remstäler Timo Mayer. Dieser produziert auf geschlagenen 2,5 Hektar insgesamt vier Weine aus Pinot Noir, Chradonnay und Shiraz. Sein Weingut befindet sich, wie der aufmerksame Leser wohl schon bemerkt hat, nicht im Schwabenland sondern im Bundesstaat Victoria des fünften Kontinents. Genauer gesagt im Yarra Valley das seit wenigen Jahrzehnte für gute, aber oft sehr unterschiedliche (Bandbreite zwischen mächtigen Komplexo-Frucht-Bomben und filigranen Gaumentänzern), Pinot Noirs bekannt ist. Timo Mayer's Pinot Noir würde ich eher zur letzteren Gruppe zählen. Ich schlage einfach mal vor wir schauen mal wie der heutige Bloody Hill Pinot Noir 2009 sich „geschlagen“ hat …

Wie gehabt fange ich mal mit der Farbe des Weines an. Diese musste natürlich dem Namen entsprechend blutrot gewesen sein. Gut möglich! Ich würde sie eher mit Eigenschaften wie sehr klassisch rubinrot, transparent, sehr klar mit wenig Schwebeteilchen und vielen jugendlichen Reflexen beschreiben. Die Nase war in den ersten Stunden eher sehr zurückhaltend und wesentlich stärker von „mineralischen“ und weniger fruchtigen Düften geprägt. Ich meinte einprägsame Gerüche von Heublumen, feuchtem Laub, recht grünem frisch geschnittenem Rosenholz, sehr feinem Rauch, Hagebutten sowie sehr ernsthaft wirkenden und zurückhaltenden Erdbeeren erriechen zu können. Nach ca. fünf Stunden und vor allem am zweiten Tag öffnete sich ein sehr ausdrucksstarkes, feingliedriges, florales und fein fruchtiges Bukett, dass mir eine gehörige Portion an Begeisterung abringen konnte. Die Nase wollte ich nicht als parfümiert bezeichnen. Dafür war sie viel zu filigran und schüchtern. Sie war letztlich einfach nur sehr beeindruckend! Beim Geschmack verhielt es sich die ersten Stunden ähnlich. Zunächst war dieser von der Fruchtseite gesehen eher sehr zurückhaltend. Trotzdem konnte man die mineralische Prägung und eine sehr elegante, kühl anmutende und seriöse Typizität feststellen. Das Tanningerüst erschien noch etwas jugendlich mild-ruppig und die Säure sehr belebend und ganz sicher eleganzverleihend. Übermäßiger Alkohol oder bedenkliche Holzaromen standen bei diesem Wein aber auch so gar nicht auf der Agenda. Die anfänglichen Fruchtaromen waren wie schon erwähnt sehr reserviert. Einige Anklänge von reifen Walderdbeeren und einem Hauch von Brombeeren konnte ich trotz Schüchternheit sicherlich feststellen. Wie auch schon bei der Nase zeigte sich die Frucht nach mehreren Stunden Wartezeit (und natürlich am zweiten Tage) wesentlich bestechender. Nun konnte die Frucht mit raffinierten und ausgeprägten Aromen von Walderdbeeren, einigen reifen Himbeeren und Spuren Brombeeren beeindrucken. Aufdringlich oder „fruchtbombig“ waren diese Eindrücke absolut nicht. Sehr kühl, sehr seriös (obwohl ich selber gerade nicht weiß was das nun wirklich heißen soll) - sehr bemerkenswert! Auch die erstaunliche Länge des Abgangs und die feine Tiefgründigkeit verbesserten sich am zweiten Tage zusehends. Daraus kann man als aufmerksamer Leser, schon wieder, herausfiltern, dass ich wohl der Meinung bin: Noch ein wenig liegen lassen! Zuletzt muss ich mich noch durchringen eine Wertung mit meinem zweifelhaften Bewertungsschema abzugeben. Heute druckse ich mal zur Abwechslung etwas rum! Im Moment würde ich ihn als ein sehr anständig (++) Pinot Noir mit Ambitionen zu fantastischen (+++) Qualitäten bezeichnen. Fantastisch wird er bestimmt in zwei bis vier Jahren sein. Da bin ich mir sicher!

PS: Auch was das profane Geld betrifft erschien mir der Wein ziemlich attraktiv!


Wären doch alle "schwäbischen" Pinot Noirs so wie dieser ;)

Besten Gruss

Chris

PS PS: Hat jemand von euch in letzter Zeit einen "Pinot weit weg" gehabt?
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Alas

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Re: Pinot weit weg

BeitragDo 6. Jun 2013, 19:52

Hallo Chris!

Es war mir vollkommen unbekannt, das es in Australien so guten Pinot Noir gibt. Ist ja echt weit weg.

Oh Dae-Su hat geschrieben:Nur die Farbe des Pinots ist vielleicht nicht ganz meine :lol: ;).


Bei meinen Themperaturen würdest vielleicht auch mal die Farbe wechseln. ;)
Hast du dir schon überlegt welchen Wein du trinken wirst an dem Tag, an dem es in Deutschland Sommer ist? Hoffentlich nicht wieder einen Rotwein aus dem Ausland. :)

Gruß

Alas
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