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Pinot weit weg

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Oh Dae-Su

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Pinot weit weg

BeitragSo 6. Nov 2011, 12:41

(oder vielleicht doch eher Pinot außergewöhnlich)

Hallo alle zusammen,

vorab sollte ich zugeben, dass ich von Pinot Noir doch ziemlich besessen bin. Im Normalfall begnüge ich mich äußerst gerne mit der Konsumption von Pinots aus Regionen die für die Produktion solcher Weine bekannt und berühmt sind. Doch manchmal packt mich die Experimentierfreude, oder vielleicht auch der Wahnsinn, Pinot Noir aus exotischeren Gegenden probieren zu müssen.

Deshalb möchte ich heute mal ein neuen Themenblock beginnen in dem Ihr (vielleicht mag es noch ein paar so seltsame Gestalten geben) und ich von derartigen Erfahrungen berichten können. Natürlich könnt Ihr auch gerne diese meinige seltsame Neigung kommentieren. Bitte seid aber nicht zu hart mit mir ;)

Als erstes möchte ich mit einem Wein beginnen, den ich vor ca. zwei Wochen getrunken habe:

2009 Lidio Carrao Pinot Noir Da’Divas aus Rio Grande do Sul in Brasilien :shock:

Seine Farbe ist schon erstaunlich bräunlich-rot. Vor allem wenn man bedenkt, dass es ein 2009er ist. Von der Tiefe der Farbe würde ich sagen, dass er doch relativ hell erscheint.

Sein Geruch wird einerseits ganz klar von feiner Erdbeere und Himbeere dominiert. Andererseits vernehme ich Düfte einer frühlingshaften Blumenwiese. Insbesondere Veilchen und Margeriten stechen heraus.

Sein Geschmack zeichnet sich durch seinen leichten und filigranen Charakter aus. Ich schmecke angenehme sowie ziemlich schlanke Erdbeer- und Himbeeraromen, eine sehr lebendige und wohl proportionierte Säure, nahezu kein Einfluss durch Eiche und einen Hauch von Kaffee.

Für mich ein sehr überraschendes Erlebnis. Zunächst festgestellt: Ein positives Erlebnis. :o Das ist nicht immer so bei solchen Experimenten. Vor dem Öffnen der Flasche sind mir schon so einige Horrorszenarien durch den Kopf gegangen. Ich hatte eigentlich eher mit einem Pinot wie ich ihn aus Chile oder Argentinien kenne erwartet. Also tendenziell doch eher ziemlich kräftig, holzig und alkoholstark. Natürlich gibt es da auch andere Beispiele, doch die meisten die mir über die Jahre untergekommen sind waren eher solche Gesellen. Dieser brasilianische Pinot jedoch ist von einer Leichtigkeit und Finesse wie ich sie eher mit einem „mittelschweren“ und klassischem Bourgogne Rouge verbinde. Bei einer Blindverkostung wäre ich 100% auf die Nase gefallen.

Als Fazit würde ich meinen: Ein leichter, schöner, nicht allzu komplizierter (Sommer)wein der viel Spass bringen kann. Leider etwas zu teuer. Gleiche Preisklasse wie ein anständiger Bourgogne Rouge.
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 15. Nov 2011, 17:12

Schade. Anscheinend hat sich bis jetzt noch niemand gefunden der gerne mal solchen seltsamen Pinot Experimenten erliegt. Eigentlich aber durchaus verständlich ;).
Dann mach ich mal mit dem zweiten Wein weiter. Dieses mal von nicht ganz sooo weit weg. Pinot aus Malle :P :

2002 Bodegas Miquel Gelabert Vinya Des Moré Crianza Vi de Taule de Balears

Ich kann nicht behaupten, dass ich mich sonderlich mit Pinot Negros aus Spanien auskenne. Bis dato habe drei oder vier probieren können und so richtig bin ich bis jetzt nicht auf die Nase gefallen. Diesen Wein von Miquel Gelabert habe ich schon einmal vor 3 Jahren getrunken. Schon damals empfand ich ihn als sehr reizvoll. Aus meiner Erinnerung und meiner damaligen VKN heraus kann ich keinen erheblichen Unterschied zu damals feststellen. Es mag sein, dass seine Farbe damals nicht ganz so rot-bräunlich war wie sie es heute ist. Stark auffallen tut dies aber nicht, da der Vinya Des Moré ziemlich dunkel ist.

Vom Geruch her vernehme ich immer noch dieselben gereiften Himbeer- und gut ausbalancierten Eichenaromen. Auch sehr delikate Gerüche einer Blumenwiese im Frühling und leichten Heuanklängen steigen mir in die Nase. Der Geruch erscheint sehr dicht, aber keineswegs schwer oder alkoholisch.

Die Primäraromen im Geschmack sind eindeutig sehr reife und gut „abgehangene“ Himbeeren, sowie leichte blumige Ansätze. Ich würde sagen, dass er nicht knochentrocken ist. Eine kräftige, aber nicht kitschige, Fruchtsüße ist eindeutig vorhanden. Verallgemeinert ausgedrückt erinnert er mich ein wenig an einen gut gemachten Russian River Pinot. Dem spielt vielleicht auch der Umstand in die Hände, dass immer noch anständige Eichenaromen im Gesamtbild vorhanden sind. Wobei sie ganz sicher nicht im Vordergrund stehen. Ein sehr wohl dosiertes Säuregerüst verleiht dem Wein immer noch viel Trinkfreude und Jugendlichkeit.

Derzeit vielleicht ein idealer Genusszeitpunkt. Meiner Meinung nach ein sehr probierens-werter Pinot aus Spanien. Etwas negativ mag der Preis vielleicht auffallen. Um die 30 Euro erscheint mir etwas zuviel zu sein.
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Einzelflaschenfreund

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 15. Nov 2011, 17:37

Hallo,

dazu kann ich vermelden, dass ich einst vom Grabbeltisch des örtlichen "Frischeparadieses" (bei dem nomen durchaus nicht immer omen ist) einen Pinot Noir aus Uruguay erstand. Ich öffnete ihn in einer Weinfreunde-Runde mit dem Motto "Kuriositäten". Es war schon schwierig, sich in dieser Runde vom reinen Trinkvergnügen qualitativ signifikant nach unten abzusetzen, aber DAS ist mir mit jenem Wein allemal gelungen. Um ein Haar wäre ich des Raumes verwiesen worden. :mrgreen:

Beste Grüße
Guido
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 15. Nov 2011, 18:42

Hallo Guido,

diese Situation kann ich gut nachempfinden. Da muss ich spontan an einen Pinot Noir aus dem Hause Trapiche in Mendoza/ARG denken. Das war eine ähnliche Situation. Meine Güte war das ein Horrorwein. Direkt aus der Hölle gekommen. Nur in Stichworten: fahle rot Farbe, super sauer, gleichzeitig ziemlich süß, viel Holz, künstlich anmutende Aromen und wunderschön dünn.

Da wurde die Verbannung in den Ausguß einstimmig und rasant beschlossen.

LG

Chris
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Budi

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 15. Nov 2011, 19:06

Vielleicht nicht ganz so ungewöhnlich - hier in Deutschland schon.

Habe mal aus meinem Blog einen alten Bericht über einen Pinot Noir aus Ungarn gekramt:
http://budisfoodblog.wordpress.com/2011/07/24/tibor-gal-sikhegy-pinot-noir-200x-ungarn/
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hendrik

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 15. Nov 2011, 19:33

Gestern bei eine Weinprobe in Amsterdam 30 verschiedene P.N. aus Neu Seeland probiert.
Pinot Noir ist nicht meine Traube :?

Hendrik
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 15. Nov 2011, 19:57

Dein Pinot aus Ungarn hört sich schon viel besser an Budi. Wo hast du den denn gekauft? In Ungarn direkt? Ich bin an ungarischen Wein ziemlich interessiert. Habe immer wieder viel gutes gehört und gelesen. Nur ich hab leider ein ungeschicktes Talent immer wieder Nieten zu kaufen :cry: . Tibor Gal inklusive. Das war damals aber ein Cabernet Cuvée.

Wie der Zufall es so will hab ich am Sonntag einen Pinot aus Ungarn aufgemacht den ich vor nem Jahr in München mal spontan gekauft habe. Und was war es ....

http://www.cellartracker.com/new/wine.asp?iWine=732827

...mal wieder daneben gegriffen. :x

Immerhin hab ich mal den Kopar, über den du in deinem Blog geschrieben hast, bei ner Verkostung probieren können. Der hat mir gefallen. :)
Zuletzt geändert von Oh Dae-Su am Mi 16. Nov 2011, 00:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragDi 15. Nov 2011, 20:00

Bei der Neuseeland Pinot Probe in Amsterdam wäre ich gerne dabei gewesen. Da gibt es schon wirklich tolle Sachen. Ab und zu aber auch etwas zu alki ;)
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Oh Dae-Su

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Re: Pinot weit weg

BeitragMi 16. Nov 2011, 19:30

Hallo Hendrik,

auch wenn Pinot Noir nicht Dein Ding ist :) , hast du mich gestern daran erinnert, dass ich viel zu wenig neuseeländischen Pinot probiere. Obwohl es da doch so viele interessante Dinge gibt. Daher, als ich heute Mittag in einer Filiale einer allseits bekannten österreichischen Weinhandelskette gestanden bin, musste ich sofort zuschlagen. Die 20%ige Reduzierung hat mich gleich noch mal etwas schneller ins Regal greifen lassen. Demnach gibt es heute gleich noch mal „Pinot weit weg“, wenn auch nicht gerade aus einem sonderlich außergewöhnlichem Weinanbaugebiet.

2006 Nautilus Estate Pinot Noir Marlborough Neuseeland

Wie mir das Rückenetikett und die Webseite der besagten österreichischen Weinhandelskette vermitteln, wurde dieser Pinot aus 6 verschiedenen Klonen die in 5 verschiedenen Weinbergen, wobei für Marlborough Weinacker eher stimmen mag, wenn ich mich richtig erinnere, angebaut. Ausgebaut wurde er wohl in neuen und etwas älteren französischen Barriques.

Die Farbe des Weins erscheint immer noch ziemlich vital und jugendlich, obwohl dieser auch schon 5 Jahre und eine lange Reise auf dem Buckel hat. Sehr klare und ziemlich dunkle rubinrote Reflexe. Da darf man wahrscheinlich auch ein wenig der Stelvin Cap danken, die sich in NZ schon ziemlich früh durchgesetzt hat.

Der Duft erscheint im Moment leicht gemüsig zu sein. Des Weiteren kann ich angebrannte Haselnüsse, etwas Instand Kaffee (?), abgelagertes Heu, ganz wenig Lakritz, aber auch schöne dunkle Kirschen und ein wenig Himbeeren riechen. Ich merke aber schon, dass die gemüsige Note allmählich am verschwinden ist.

Der Geschmack kommt sehr rund und ein wenig gefällig daher. Keine harten Tannine mehr. Hat viel Körper und leider auch nicht gerade wenig Alkohol (auf der Flasche 14%, auf der Webseite von Nautilus 13,5%, mich würde es nicht wundern wenn es 14,5% wären). Doch der Alkohol ist nicht all zu sehr im Vordergrund. In diesem stehen eindeutig schöne dunkle Kirscharomen. Daneben zeigen sich auch angenehme, wenn auch nicht für Pinot ganz so typische, Pflaumengeschmäcker. Ein wenig Erdigkeit und leichte Pilzenoten (vielleicht frische braune Champignons) sind ganz sicher auch vorhanden. Eine wichtige Komponente, die Säure, ist bei diesem Pinot außerordentlich gut proportioniert. Das einigste was ich an diesem Wein wirklich auszusetzen habe, ist der etwas zu starke Allohools :D . Ein gewisses Problem bei nicht so wenigen neuseeländischen Pinots. Die vom werten Wine Spectator vergebenen 91 Punkte scheinen mir ein wenig hoch, doch auch nicht total vorbei. Erstaunliche Treffergenauigkeit :D .

Als Fazit würde ich jetzt einmal vorwegnehmen, da noch gut 0,4l in der Flasche sind, ein schöner und sehr trinkfreudiger, doch ziemlich „moderner“, Pinot für einen akzeptablen Preis. Ohne 20%ige Reduzierung finde ich ihn doch etwas teuer für das was man bekommt.

Kurzer Nachtrag: Am späten Abend wurde die alkoholische Prägung des Pinots leider sehr dominant. Heute, ein Abend später, erscheint der Wein wieder angenehmer und nicht mehr ganz so starkt vom Alkohol geprägt. Dennoch merkt man ihn im Geschmack :(
Demnach sind 91 Punkte doch sehr hochgegriffen.
Zuletzt geändert von Oh Dae-Su am Do 17. Nov 2011, 23:44, insgesamt 2-mal geändert.
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hendrik

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Re: Pinot weit weg

BeitragMi 16. Nov 2011, 20:46

Hallo Oh Dea Su,

Sehr schone P.N..
Keine ahnung was Sie zahlen musse fur diese Flasche , aber inAmsterdam war es von 12 bis 65 euro.
P.G. verhaltung ist denke ich nicht optimal :?:
Die Neuseelander verkaufte bis 2008 fast alles nach Great Brittan, und hatte gar keine interesse in Deutschland oder der Niederlande.
Export 2011 etwas mehr als 9.000.000 liter fur die ganse Welt

beste grusse

Hendrik
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