Aktuelle Zeit: Mi 15. Aug 2018, 10:43


Pinot weit weg

  • Autor
  • Nachricht
Offline
Benutzeravatar

Oh Dae-Su

  • Beiträge: 718
  • Bilder: 2
  • Registriert: Di 1. Nov 2011, 15:00
  • Wohnort: BW
  • Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken

Re: Pinot weit weg

BeitragSa 6. Jan 2018, 14:19

Hallo zusammen,

nach einer gefühlten halben Ewigkeit, und dazu auch noch mit kräftig Verspätung, gibt es heute mal wieder einen "Pinot weit weg". Da es einer der spannensten Weine des nunmehr vergangenen Jahres war, möchte ich diesen einfach nicht unterschlagen.

Evesham Wood Cuvée J Pinot Noir 2010, Eola-Amity Hills

http://wine-zeit.blogspot.de/2017/12/ev ... -2010.html

Die delikate Grundhaltung des Pinots von Evesham Wood kündigte sich schon durch seine Farbe an. Alles sehr transparent, sehr sehr hell und nur in den Randregionen leicht verfärbt. Seine Nase kam von Anbeginn sehr elegant und durchaus subtil daher. Vielerlei Frühlingsblumen, mehrheitlich weisse Blumen, mit ein paar Rosé Rosen und dem einen oder anderen ergänzendem Veilchen. Sehr duftig, aber keinesfalls aufgesetzt oder über-parfümiert. Dazu gesellten sich frische Erdbeeren, eine handvoll Himbeeren und eine wunderbar ergänzende schüchterne kräuterige Würze. Am Gaumen zeigten sich ähnliche Aromen. Diese wirkten hier etwas expressiver und schmissiger. Aber natürlich, wie nicht anders bei so einem Wein zu erwarten, fern jeglicher Drallheit, Überfülle, Wärme usw. Es handelte sich auch am Gaumen um eine sehr zur Eleganz und Leichtigkeit neigende Pinotgelegenheit ;) ! Die insbesondere für die Eola-Amity Hills typischen Aromen welche an Herbstlaub erinnern, hier meist mehr als in anderen AVAs, kamen am Gaumen erst so richtig zur Geltung. Lebendigkeit, Säure, Abgang und so weiter und so fort waren sehr bestechend. Meiner Meinung nach ein wirklich schon richtig fantastischer (+++) Pinot der ein riesen Spass gemacht hat! Vielen Dank nochmals fürs mitbringen an die Jungs und das Mädel von http://www.wineisseriousbusiness.com/

Etwas mehr zu diesem feinen Pinot findet ihr auch auf meinem Blog:

http://wine-zeit.blogspot.de/2017/12/ev ... -2010.html

Besten Gruss und ein verspätetes Frohes Neues Jahr

Chris
Offline
Benutzeravatar

P-No

  • Beiträge: 94
  • Bilder: 1
  • Registriert: So 1. Apr 2012, 17:40

Re: Pinot weit weg

BeitragSa 6. Jan 2018, 15:30

Hi Chris,
schön wieder von Deinen „Pinots weit weg“ zu lesen :) - aus Oregon hatte ich kurz vor Weihnachten auch ein schönes Exemplar im Glas:
Bild
In der Jungend war der Bergström noch eine ziemlich heftig Wuchtbrumme (und entsprechend auch recht hoch parkerbepunktet) - aktuell ist der Babyspeck ziemlich abgeschmolzen und der Pinot ist sogar fast ein wenig „elegant“. Hab ich bei den „fetten US-Pinots“ leider auch schon ganz anders erlebt (manchmal bleibt dann nur eine Alkoholleiche übrig, wenn‘s ganz blöd läuft...). Der hier zeigt, dass auch US-Pinots teilweise sehr gut reifen können.
VG Patrik
Offline
Benutzeravatar

Oh Dae-Su

  • Beiträge: 718
  • Bilder: 2
  • Registriert: Di 1. Nov 2011, 15:00
  • Wohnort: BW
  • Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken

Re: Pinot weit weg

BeitragMo 8. Jan 2018, 21:46

Hi Patrik,

freut mich, dass der Bergström Speck weg ist ;-). Insbesondere bei einem 2006er. Die neigen in Oregon schon zu etwas mehr Fülle. Von Bergström habe ich nur mal ein Glas relativ jungen Pinot probiert. Der war damals schon ne Wuchtbrumme (mit leicht angezogener Handbremse :-D ... war, wenn ich mich richtig erinnere nicht wirklich enorm überalkoholisiert). Leider hab ich mir im Cellartracker keine Notizen gemacht. War vielleicht damals ein 2008er.

Besten Gruss

Chris
Offline
Benutzeravatar

Oh Dae-Su

  • Beiträge: 718
  • Bilder: 2
  • Registriert: Di 1. Nov 2011, 15:00
  • Wohnort: BW
  • Bewertungssystem: Auf Benutzername klicken

Re: Pinot weit weg

BeitragSo 18. Feb 2018, 18:24

Hallo zusammen,

von Schreibfäulnis durchtränkte Pinot-Monate liegen hinter mir! Irgendwie kriege ich diesen neuen Fehlton nicht weggeschönt. Da ich aber einige sehr lohnenswerte „Pinots weit weg“ nicht so einfach vom Tisch wischen möchte, soll es heute zu einer geballten Nachlieferung an Flaschen kommen. Dieses mal schicke ich meine Zunge nach Tasmanien, in den Nordosten Spaniens, das kleine Luxemburg (okay, nicht wirklich weit weg ;) ) um abschließend im voralpinen Slowenien einen komplex-jugendlichen Abgang zu finden.

Dalrymple Bicheno Pinot Noir 2012, Tasmania

http://wine-zeit.blogspot.de/2018/02/pi ... uxslo.html

Transparenz mit hellem, aber etwas blutig wirkendem, Granat, welches sehr glänzend und farblich sehr durchgängig wirkte, zeigte sich in meinem Glas. Die Nase wirkte mir ein wenig zu parfümiert, aber sicherlich auch nicht unangenehm. In den Vordergrund spielten sich nicht ganz dunkle Kirschen, sowie ziemlich würzige und sehr saftige Pflaumen. Eher im Hintergrund zeigten sich etwas überrösteter Kaffee, recht angenehmes Unterholz und ein ein stärkerer Hauch von Eiche. Am Gaumen wirkte der Tasmanier erstaunlich würzig, ähnlich von den Aromen, darüber hinaus zwar noch etwas voller … glücklicherweise aber nicht wärmer. Das sich im Hintergrund tummelnde Zündholz und der etwas angetäuschte Stich Karamell waren keinesfalls störend, so ganz meins waren diese Attribute dann aber auch nicht. Insgesamt ein wirklich überzeugender Pinot aus Tasmanien! Viel Dichte, viel Lange und mehr Komplexität als meine zu kurze Verkostungsnotiz vermuten lässt. Etwas körperbetonter und wolllüstiger – sicherlich zu dramatisch formuliert, glücklicherweise - als die anderen Pinots von Dalrymple. Dennoch ohne weiteres eine sehr gute (++) Abwechslung aus der neuen Welt.

Castell D'Encus Acusp Pinot Negro 2013, Costers del Segre


http://wine-zeit.blogspot.de/2018/02/pi ... uxslo.html

Aus nicht ganz so fernen Gefilden kam der mittlerweile in hiesigen Weinkreisen nicht ganz unbekannte Acusp mit viel Tranzparenz und sehr hellem Rubinrot daher. Der Wasserrand erschien mir bemerkenswert groß. Auch die sehr spielerische Viskosität ist mir positiv aufgefallen. Seine Nase zeigte sich sehr frisch, schlankheitlich und sehr animierend. Sehr subtil sich einbringende Himbeeren zeigten neben frisch geschnittenen Rosen, etwas Zündholz (schon wieder?), milden mediteranen Kräutern und trockenem Laubwerk ihr schon fast volles Potential. Das in diesem noch sehr jungen Wein etwas doch und hoffentlich noch zu vital wirkende Holz sollte ich nicht verschweigen. Aber naja, sonst passte alles sehr gut! Der sehr jugendlich anmutende Gaumen wurde beherrscht von Himbeeren, dunklem Pflaumensaft – beides ein anfänglich ein wenig brausepulverhaft, einer sehr lebendigen Säure und einer verständlicherweise sehr babyhaften Textur, welche bei dem einen oder anderen (zu) frühen Schluck gewisses Nervungspotential inne hatte. Das hört sich aber wesentlich kritischer an, als es in Wirklichkeit war. Noch recht zurückgefahrenes Laubwerk, schüchterne Rosenblätter, etwas Brennessel und die eine oder andere Spur an Zimt, zeigten, dass von diesem Pinot durchaus viel in Zukunft zu erwarten sein dürfte. Insgesamt für ein südeuropäischen Pinot ein sehr feingliedriger und kühler Vertreter mit aufkommender Eleganz und Komplexität. Wie erwähnt aber noch sehr grün hinter den Ohren. Ebenfalls ein sehr guter (++) und überraschender Pinot Noir.

Keyser-Kohll Pinot Noir 2014, Coteaux d'Ehnen


http://wine-zeit.blogspot.de/2018/02/pi ... uxslo.html

Aus doch sehr nahen Gefilden, dessen Weine es eher selten über Mosel, Sauer und Our nach Teutonia schaffen, kommt der nächste Pinot Noir. Auch der Luxemburger hatte viel Strahlkraft! Diese aber aus wesentlich dunkler Farbgebung heraus emittierend. Farblich ging er schon eher in Richtung Granat. Transparenz war dennoch gegeben. Die Nase zeigte viel kalten Rauch, feine Holzkohle, kräftige dunkle Kirschen und straffe Würze von Thymian und etwas schwarzem Pfeffer. Wie die zwei ersten Attribute vermuten lassen, kam das Barrique in diesem ebenfalls jungen Wein noch relativ stark raus. Am Gaumen zeigte sich viel saftige und vitale Schwarzkirsche. Dazu ebenfalls reichlich Rauch, sowie feine Holzkohle und stramme Würze. Sein Tannin war erstaunlich knackig und die Säure sehr präzise. Abgang zeigte sich sehr herb-freundlich und respektabel lang. Stilistisch ganz offensichtlich in Richtung Frankreich orientiert! Vielleicht nicht gerade der vielschichtigste Pinot Noir, doch sehr viel ernsthafte Pinot-Freuden für erschreckend wenig Geld bekommt man hier allemal in Glas. Für mich absolut gut (+) …. vielleicht sogar (in einiger Zeit) mit Tendenz gen sehr gut (+)-(++).

Marjan Simcic Pinot Noir 2013, Goriška Brda

http://wine-zeit.blogspot.de/2018/02/pi ... uxslo.html

Und zum Abschluss geht es nochmal über die Alpen in Richtung Südosten. Simcic's Pinot Noir aus 2013 präsentierte sich für pinotige Verhältnisse sehr dunkel mit wenig Glanz. Die Nase zeigte sich zunächst recht schüchtern. Die fruchtige Prägung wirkte sogar zunächst etwas matschig und warm. Im Vordergund standen dunkle Kirschen, Thymian, Rauch und ungewöhnlicherweise eine reichhaltige Portion an Lakritze. Nach ungefähr fünf Stunden machte der Pinot mehr auf. Nun wirkte er ziemlich maskulin expressiv mit Düften die an Erde, Laub, Kaffee und etwas Moschus erinnerten. Auch die vorher errochene Wärme trat etwas in den Hintergrund. Am Gaumen wirkte er in den ersten Stunden sehr hart, wild und tanninbetont. Säure zeigte sich nicht ganz so roh. Von den Aromen her viel mehr Unterholz als in der Nase, dunkle Kirschen (hier weit weniger warm als in der anfänglichen Nase), viele schwarze Oliven, etwas Lakritz und viel eher kühlem Rauch. Nach wiederum ungefähr fünf Stunden wirkte das Tannin etwas freundlicher. Ein knackigen Punch hat sich dieser sehr junge Pinot dennoch über die zwei Verkostungstage bewahren können. Was die Frucht betraf zeigten sich die dunklen Kirschen und stärker aufkommendes Cassis ganz leicht konfitürig. Für mich hart an der Grenze zu eher unangenehmen Gefühlsregungen. Diese wurde aber glücklicherweise nicht überschritten. Sonst zeigte der Pinot wesentlich mehr Komplexität als in den ersten Stunden. Viel ernsthafte und straffe pfeffrig-thymian'ige Würze gepaart mit Blut, Oliven, Rauch und laubig-erdigen Aromen. Auch der Abgang zeigte sehr viel Potential für ein zukünftiges Genusserlebnis. Betonung auf zukünftig bezieht sich eigentlich auf den gesamten Wein! Lieber noch gute fünf Jahre liegen lassen und nicht so doof-neugierig agieren wie ich. Aber einer "muss" es ja schließlich machen. DSicherlich gutes (+) Pinot Erlebnis, welches wohl nicht wirklich einer meiner stilistischen Präferenzen so richtig entspricht! Er hatte trotzdem was. Eben etwas wilder und draufgängerisch-körperbetonter!

Besten Gruss

Chris
Vorherige

Zurück zu Pinot Noir / Spätburgunder

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Impressum - Nutzungsbedingungen - Datenschutzrichtlinie - Das Team - Alle Cookies des Boards löschen