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BVE Barossa Valley Estate

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MQuentel

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BVE Barossa Valley Estate

BeitragSo 17. Jul 2011, 22:24

Zu Beginn der 80er Jahre war der Rotweinkonsum in Australien stark rückläufig und die Regierung zahlte Prämien für die Neuanpflanzung von Chardonnay bei gleichzeitiger Rodung alter Shiraz-Reben. Achtzig Winzerfamilien im Barossa Valley, die schon Weinbau in der 3. und 4. Generation betrieben, weigerten sich jedoch ihre schönen alten Reben zu opfern und beschlossen stattdessen ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Die Familien wollten nicht länger ihre geernteten Trauben für kleines Geld am Markt verkaufen, sondern man gründete eine Kooperative und produzierte und vermarktete seine Weine selbst. Dies war die Geburtsstunde des Barossa Valley Estate (BVE). In ersten Jahren verkaufte man zwar noch Trauben und Fasswein, doch wegen der gesunkenen Nachfrage nach Trauben, stellte man dies 1991 komplett ein und konzentrierte sich fortan ausschließlich auf die Vermarktung von Premium-Flaschenwein.

Im Jahr 1993 kam der nächste Schritt, die Kooperative kaufte Grundstücke und Gebäude, die man bislang mit Berri Renmano (gehörte nun zum BRL Hardy) gemeinsam genutzt hatte. Gleichzeitig ging man eine Vertriebsvereinbarung mit BRL Hardy, einem der großen Weinunternehmen in Australien, um in der Vermarktung einen Quantensprung zu vollziehen.

1998 stand man dann vor der Entscheidung die bestehenden Fazilitäten im Angle Vale zu modernisieren oder im Barossa Valley, der Heimat der meisten Mitglieder, eine völlig neue Kellerei zu errichten. Da die Finanzierung dieses Vorhaben durch die Genossenschaftsmitglieder allein nicht mehr gestemmt werden konnte, entschied man sich 50% der Anteile vom BVE – im Rahmen eines joint ventures – an BRL Hardy zu verkaufen. 2001 ging die neu errichtete Kellerei in Betrieb.

Im März diesen Jahres (2011) dann die Wende, Constellation Wines, die fusionierte Nachfolgegesellschaft von BRH Hardy, willigte in der Rückkauf der Anteile eine und nun gehört BRE wieder zu 100% den Winzerfamilien, die es letztlich mit ihrer Arbeit und ihrem Qualitätsstreben in den letzten 20 Jahren geschafft haben, die beiden Flaggschiff-Weine E&E Black Pepper und Ebenezer langfristig zum Erfolg zu führen und beide Weine unter den Stars der australischen Weinszene zu positionieren.

Die stets aufstrebende Entwicklung des Barossa Valley Estates im Allgemeinen und des E&E Black Pepper Shiraz im Besonderen ist eng verwoben mit dem Namen Colin Glaetzer (heute mit dem eigenen Weingut, das er mit seinem Sohn Ben betreibt, extrem erfolgreich). Nach der Gründung der Kooperative engagierte man Colin Glaetzer als Weinmacher und Manager und in dieser Funktion erschuf der den E&E Black Pepper Shiraz, der mit dem Jahrgang 1988 erstmals vermarktet wurde. Beim Winespectator scheint man von diesem Shiraz besonders angetan zu sein, denn seit dem 95er Jahrgang (bis zum letzten verkosteten: 2006) hat man den Wein stets – und das immerhin in 11 Jahrgängen – mit mindestens 91 Punkten bewertet, meist jedoch noch deutlich höher (1996, 1998 und 2000 mit 95 Pkt. Oder 2002 mit 97 Pkt.)

Ich war nun gespannt, wie meine kleine Vertikale, bei den Weinfreunden ankommen würde. Aktuelle Jahrgänge des E&E kosten leider richtig Geld (ca. €80,- pro Flasche), doch da der Wein in Deutschland nicht so bekannt ist, habe ich auf der einen oder anderen Auktion ein Schnäppchen gemacht und insbesondere freute ich mich auf den 91er, denn so etwas bekommt man heute gar nicht mehr zu fassen.


1991

96 Punkte - Würde man die Schönheit und Komplexität der nasalen Eindrücke eines Wein isoliert bepunkten, dann wäre der 91er Black Pepper Shiraz für mich ein klarer 100-Punkte Kandidat. Unglaublich differenziert und nachhaltig sind die Aromen, die einem - wie von einem Schleier getragen – entgegenströmen; soooo schön. Sehr ätherische Eindrücke kombinieren sich mit Aromen von Brombeeren, Minze, Mon Cherry, schwarzen Johannisbeeren und vielen anderen Nuancen zu einem Bild von großer Dichte und Strahlkraft. Durch den ätherischen Grundton wirkt der Wein in der Nase kühl. Dieser Eindruck von kühler Noblesse bestätigt sich auch am Gaumen und zieht sich als Charakterzug durch alle nachfolgend verkosteten Jahrgänge.
Ein feiner Gerbstoff in Form von weichen, runden Tanninen gibt diesem 20 Jahre alten Wein eine noch beeindruckende Struktur. Die ätherischen Aromen aus der Nase finden sich auch am Gaumen wieder (Lorbeeren, Muskatnuss, schwarzer Pfeffer, Zimt, Vanille); eine ganz zarte Süße und eine feiner Schmelz unterstreicht die sehr filigranen Fruchtnoten genauso wie den Eindruck von feiner, dunkler Schokolade, Nougat und Blut (wer jetzt ekelig schreit, hat wohl noch kein Rinder- oder Straußensteak in einer - mit Schokolade verfeinerten - Bratensoße gegessen). Meine Hand geht ständig zum Glas und ich bin beeindruckt von diesem wunderbaren und langen Finale, das sich in die Erinnerung einbrennt.


1995

92 Punkte – Im Vergleich zum 91er E&E Black Pepper Shiraz präsentiert sich der 95er deutlich verwandt, aber nicht ganz mit der gleichen, faszinierenden Differenziertheit und Eleganz des 91er - dafür sind seine Rundungen etwas üppiger. In der Nase saftige, reife, dunkle Beerenfrüchte. Auch hier wieder deutlich ätherische Noten, hinten heraus kommt der Alkohol etwas stärker zum Ausdruck; sehr dunkel in der Aromatik, feinschmelzig und fruchtsüß. Schöner Trinkfluss; ein Wein, der nicht zuletzt durch die eher kühle Art zu überzeugen weiß – selbst wenn der Alkohol gegen Ende etwas deutlicher in den Vordergrund tritt. Schöne Länge.


1997

94 Punkte – Fast nicht zu glauben, dass dieser Shiraz bereits 14 Jahre „auf dem Buckel“ hat. Der Wein wirkt noch sehr jung und ich vermute, dass er in ein paar Jahren noch ein einen oder zwei Punkte drauf legen kann. Wie bereits mehrfach ausgeführt, überzeugt auch die 97er Ausgabe durch ein hohes Maß an ätherischen Noten, hier kommt hinzu, dass man den Eindruck hat, man kann eine gewisse „Salzigkeit“ riechen. Am Gaumen dicht, saftig, mit viel Biss und wunderbar abgerundeten, aber doch erstaunlich zupackenden Tanninen. Der Wein besitzt viel innere Kraft und einen festen Körper. Kein gedopter Muskelprotz, sondern ein wohl definierter und proportionierter Wein, der seine Kraft in einer geschmeidigen Hülle angenehm verpackt. Schwarzer Pfeffer (bei dem Namen ja eigentlich ein „must have“), Lakritze, dunkle Beerenfrüchte und dunkle Schokolade sind nur ein paar Eindrücke, die ich mir notiert habe. Eine schöne, reife Säure rundet das geschmeidige Bild ab und der Wein zeigt bis in das lange Finale, was er für ein „Beau“ ist.


1998

90 Punkte – Der 98er Jahrgang gilt im Barossa Valley allgemein als besonders gelungen (vgl. Parkers Jahrgangsbewertung für Barossa-Weine des Jahrgangs 1998: 95 Punkte), doch in unserer kleinen Vertikalen bildet der 98er das bisherige Schlusslicht - wenn auch auf sehr, sehr hohem Niveau. In der Stilistik ähnelt er dem 95er: fruchtbetont, etwas fülliger, so erinnert er mich an die besten Schwarzwälderkirschtorten meines Lebens. Eine dezente Mineralität verleiht ihm Komplexität - der etwas kräftiger wirkende Alkohol trägt leider davon etwas wieder ab; insgesamt jedoch ein wirklich schöner und Genuss stiftender Tropfen, der sicherlich noch ein paar Jahr auf gleichem Niveau Freude stiftet.

2002

91 Punkte – Mit großen Erwartungen näherte ich mich der letzten Flaschen in der kleinen Jahrgangsvertikalen des E&E Black Pepper Shiraz von BVE – 97 Punkte im Winespectator und einen hervorragenden 21.Platz in der TOP 100 Liste der gleichnamigen Zeitschrift (Ausgabe 12/2005) konnte ich im Vorfeld nicht komplett ausblenden. In der Farbe sehr dunkel und leuchtend floss der Wein ins Glas. Eine üppiger, mit Fruchtaromen voll beladener Schwall an Aromen entflog dem Glas; Erinnerungen an Eckes Edelkirsch und meine ersten, heimlichen „Nipper“ an der Flasche meiner Eltern im Keller zauberten mir ein abwegiges Grinsen aufs Gesicht. Aber auch fast jede andere Beerenfrucht drängte sich ins Bewusstsein: Brombeeren, rote und schwarze Johannisbeeren, Preiselbeeren und Pflaumen (ja, letzte sind keine Beeren ;-))
Am Gaumen unfassbar jung, fast nicht zu glauben, dass der Wein schon 9 Jahre ist. Er wirkt sehr fruchtig und stoffig; besitzt viel Substanz, eine schöne Säure und „rollige“ Tannine. Interessant ist, dass er nicht die auffallenden ätherischen Noten der anderen Jahrgänge aufweist, sondern ganz und gar von seiner Frucht lebt. Trotzdem wirkt er nicht überladen oder fett, auch der Alkohol ist sehr gut eingebunden. Trotzdem hat der Wein für mich zurzeit weniger zu bieten, als die älteren Jahrgänge. Aber was nicht ist kann noch werden; ich kann mir gut vorstellen, dass der Wein in 10 Jahren deutlich komplexer und ausdifferenzierter wirkt – wahrscheinlich nicht auf dem Niveau des 91er, aber doch besser als die 91 Punkte, die ich ihm aktuell gegeben habe.


Mein persönliches FAZIT: :twisted: :idea: Mehr Mut zur Reife bei australischen Weinen. Diese kleine Vertikale hat mir gezeigt, dass es sich lohnt.
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Jürgen

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Re: BVE Barossa Valley Estate

BeitragMo 18. Jul 2011, 09:13

Vielen Dank Michael für deine eingestellen Eindrücke. Auch ich mag den Black Pepper sehr gerne und habe in den letzten Jahren einige Flaschen unterschiedlicher Jahrgänge getrunken. Nicht immer waren diese Momente Hochgenüsse, manchmal allerdings schon. Der '98 hatte manchmal tatsächlich 95 Punkte, manchmal deutlich weniger. Ein '96er war mal total über den Berg. Da ich die Weine teilweise auch wie du ersteigert habe, kann es natürlich sein, daß einige davon nicht so dolle gelagert waren. Auf jeden Fall lohnt sich Geduld und manchmal ist sie sogar unerlässig.
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Moulis

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Re: BVE Barossa Valley Estate

BeitragMo 15. Aug 2011, 11:03

Gestern hatte ich mal wieder den 95er E&E.
Im Gegensatz zur letzten Flasche perfekt :mrgreen:
Aus einer Auktion, wahrscheinlich war die Fasche mehr gereift als die letzte.
Schwarz-Violett.
Pflaumen, Johannisbeeren, dunkle Früchte. Etwas Zimt? Der Alkohol stand diesmal nicht im Vordergrund. Langer Nachhall. So liebe ich ihn.
94 P.
Für 33 €/ Flasche ein super PGV.

Übrigens sind die "einfachen" Ebenezer auch hervorragend. Ob als Shiraz, CS oder Cuvee mir Merlot. Kenen tue ich aber nur die 96er, 97er, 98er und 2002er.
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MQuentel

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Vor Ort - BVE Barossa Valley Estate

BeitragSa 17. Mär 2012, 21:29

Vor Ort:

Das Barossa Valley ist nur 50 km nördlich von Adelaide und wohl die in Deutschland bekannteste Weinregion, wenn es um australische Rote geht. Als die zarten Hügel näher kommen und ich anschließend durchs Valley fahre, bin ich erstaunt, wie eng hier alles beieinander liegt. So klingende Namen wie z.B. Greenock Creek, Torbreck oder das Barossa Valley Estate findet man alle in einer Strasse, der Seppeltsfield Road.

Da ich - in kleiner Runde - im letzten Jahr eine schöne Vertikalprobe des E&E Black Pepper Shiraz gemacht habe und gerade die älteren Jahrgänge mich voll überzeugt haben, wähle ich die Kooperative des Barossa Valley Estate als Startpunkt meiner australischen Weinentdeckungsreise. Los geht’s mit einem jahrgangslosen N.V. Sparkling Shiraz für $20 die Flasche (bitte bei allen Preisen beachten, dass in Australien auf jeder Flasche Wein 39% (ja, ja richtig gelesen, 39%) Steuern lasten. Doch dieser Stoff überzeugt mich auch gekühlt nicht, das ist ein sauberer, fruchtiger, recht süßer sparkling wine, der etwas plump und schlecht geschminkt daher kommt. - 79 Punkte.

Nicht viel besser ist der 2010 E Bass Eden Valley Riesling ($18). Dieser Riesling kommt aus dem Eden Valley, dass bei den meisten als Teil des Barossa geführt wird, aber eigentlich eine eigene Weinbauregion ist, denn hier liegen die Weinberge auf einer Höhe von 400-700 Metern und unterscheiden sich klimatisch doch recht deutlich von dem wärmeren Kleinklima des übrigen Barossa Valley. Das sogenannte cool climate des Eden Valley zeigt sich insbesondere in der starken Tag-/Nacht Abkühlung mit Temperaturschwankungen von bis zu 20 Grad Celsius. Ein in der Nase eher verhaltener Riesling, der am Gaumen eine gewisse Sortentypizität zeigt, eine ordentliche Säure mitbringt, sauber gemacht ist, aber mehr auch nicht. – 82 Punkte.

Völlig überrascht bin ich von einem kühl servierten 2009 Entourage Grenache ($24), der nur an der Kellertür verkauft wird, ein eher leichter bis mittelgewichtiger, frischer Grenache, mit einer schönen Frucht, einer aromatischen Sortentypizität und reichlich Trinkspaß. Pur, frisch und gut. Gute-Laune-Grenache für den lauen Sommerabend. - 83 Punkte.

Den internationalen Lecker-Schmecker-Bauernfänger-Markt im Visier hat der 2007 E Bass Shiraz Tempranillo ($20); ein mit amerikanischem Holz und entsprechenden Vanillenoten getrimmter Fast-Spanier - weich, saftig, rund und schmackhaft. Verkauft sich sicherlich gut, ein erfolgreicher Mitläufer, leider jedoch ohne eigene Persönlichkeit. - 85 Punkte.


Der mittleren Preislinie entstammt der 2007 Ebenezer Shiraz ($35) – ein ordentlich strukturierter Shiraz, mit einer guten, frischen Säure. Vom Körper eher noch mittelgewichtig. Die Fruchtaromen wirken auf mich leider ein wenig gekocht, dafür sind die Tannine schön mürbe und gut eingebaut. Insgesamt nicht zu schwer. – 86 Punkte

Aus der gleichen Linie und dem selben Jahr stammt der 2007 Ebenezer Cabernet Sauvignon ($35). Ein jetzt trinkfertiger Cabernet, mit schönen, polierten Tanninen, einer angenehmen Frische und Aromen von schwarzen Johannisbeeren, Lakritze und einer gut erkennbaren Mint-Note. Ein wenig mehr aromatische Tiefe und Komplexität und schon würde dieser eher kühle, schön zu trinkende Cabernet an die 90er-Marke anklopfen. – 88 Punkte.

Eine beachtliche Schippe obendrauf legte der 2006 E&E Black Pepper Shiraz ($90) – ein feinwürziger Shiraz, mit einem Touch weißen Pfeffer. Am Gaumen vielschichtig und mit aromatischer Tiefe; die Tannine geben dem Wein Struktur, sind aber weich und - gemeinsam mit der schönen, saftigen Frucht von dunklen Beeren – sorgen sie für ein stimmiges Bild. Trotz seiner 15% Alc. wirkt der Wein gut balanciert und entwickelt eine gewisse Eleganz – 92 Punkte

Zum Abschluss gab es noch einen roten (!) 2005 E&E Black Pepper Sparkling Shiraz ($50) - dieser nach der Champagner-Methode bereite sparkling wine entstammt einer kleinen Partie des E&E Black Pepper Shiraz, die jedes Jahr „zur Seite gelegt“ wird. Überraschend trockener, recht reicher, aber auch frischer und eleganter sparkling Wein, der mir gut gefällt, da er eine ausdrucksvolle Fruchtigkeit mit einer gewissen Noblesse und Feinheit zu verbinden weiß – 88 Punkte.

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