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Douro (ohne Port)

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ChezMatze

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Douro (ohne Port)

BeitragDo 31. Mär 2011, 23:47

Liebe Admins, wollt Ihr nicht der Einfachheit halber die bislang verstreuten Douro-Beiträge unter einem allgemeinen Dach vereinigen? Denn wenn ich mir die Batutas, Crastos, Barcas Velhas, Pintas, C.V.s und Passadouros so anschaue, ist das die mit Abstand bedeutendste Herkunftsregion für hochwertige (ungespritete) portugiesische Weine.

Um Euch schon mal vorab mein Leid zu klagen: Ich habe seit gestern den 2008er Passadouro Reserva im Glas. Natürlich noch unfertig, aber mit fantastischen Aussichten. Leider ist es mir wegen meiner miserabligen Internet-Verbindung noch nicht gelungen, das Video auf meinen Blog zu laden. Aber wer auf Cheval Blanc steht (und nur 30 € in der Tasche hat), sollte hier besser schnell zugreifen. Der 2008er Jahrgang war in Portugal insgesamt eher kühl, was meiner Meinung nach bei entsprechendem Können und Abwarten zu ungeheuer ausgewogenen Weinen geführt hat.

Weitere Beweise: Poeira und Vale Meão, nachdem der Vorgänger des letzteren (für die Preisentwicklung) zu viele Punkte bei Parker bekommen hatte. Zum Glück bin ich noch zwei Wochen hier, da finde ich sicher auch noch ein paar günstigere Sachen...
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Desmirail

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Re: Douro (ohne Port)

BeitragFr 1. Apr 2011, 09:07

ChezMatze hat geschrieben:Liebe Admins, wollt Ihr nicht der Einfachheit halber die bislang verstreuten Douro-Beiträge unter einem allgemeinen Dach vereinigen?


Idee gute (!), unterstützen ich will ;)
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BuschWein

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Re: Douro (ohne Port)

BeitragFr 1. Apr 2011, 15:30

Hallo Matze

Auch ich habe bei der Prowein die neuen 2008er Jahrgänge von Passadouro/Pintas probiert. 2008 scheint mir auch weniger üppig als der 2009er. Die Weine wirken auf mich weniger konzentriert, weniger "portweinartig" als der Vorgängerjahrgang. Ich denke aber mit etwas Reife werden diese Weine wirklich sehr schön sein und eine schöne Harmonie entwickeln.

Hier meine Eindrücke (Wir führen das Weingut im Programm):
2010 Passa branco DO - Qunita do Passadouro
elegant mit guter Säurestruktur, Blütendüfte, Wiesenblumen, helle Früchte. Sehr schön. 89P

2008 Passa tinto DO - Qunita do Passadouro
Saftig, Kirschfrucht, schönes, feinkörniges, aber noch etwas festes Tannin, feine Tabaknote. 89P

2008 Passadouro tinto DO - Qunita do Passadouro
Das Tannin wirkt feiner als beim Passa, auch noch jung, wirkt eleganter als der doch recht konzentrierte 2007er. Dunkle Beeren, etwas Zedernholz, tolle Struktur. Gefällt mir sehr gut. 92P

2008 Passadouro Reserva tinto DO - Qunita do Passadouro
Im Moment noch sehr jung, vom Tannin dominiert, kraftvolle dunkle Frucht, braucht noch einige Zeit. Hat mir von den 3 im Moment am wenigsten Spaß gemacht.

2008 Touriga Nacional Douro tinto DO - Qunita do Passadouro
Setzt auf den Reserva noch eines drauf, wow was für eine Konzentration, Powerwein, braucht noch einiges an Reife, aber mit der Struktur kann da etwas richtig großes entstehen. Sollte man ein paar Flaschen in den Keller legen.

2008 PINTAS Character Douro DO - Wine & Soul
Im Vergleich mit den beiden Vorgängern wirkt er regelrecht weich und rund, erst mit dem zweiten und dritten Schluck merkt man dass dieser Wein durchaus Kraft hat. Geschliffenes Tannin, klare Frucht, Kirche und Brombeere, schon recht zugänglich. 93P

2008 PINTAS Douro DO (Fassprobe) - Wine & Soul
Genialer Stoff, natürlich noch sehr unentwickelt, wirkt kühl, Kräuternoten, mineralische Struktur, festes noch etwas körniges Tannin, dunkle Beerenfrucht. Tolle Anlagen.

2008 Quinta Manoela (Fassprobe)- Wine & Soul
Ein neuer Wein von Jogre Borges und Sandra Tavares, die Trauben kommen aus einem Weinberg von Jorges Eltern, wirkt erstmal deutlich feiner als der PINTAS, fast ein wenig "burgundisch" ;-), schöne rotbeerige Frucht, festes Tannin, auch noch sehr jung, interessant.

Und dann kam der Knaller:
10 Years old Tawny Passadouro
Was ein genialer Tawny, so fein, so elegant, für mich der beste 10 Years old, den ich bisher verkosten konnte! Unglaublich sanft und geschmeidig am Gaumen, sehr saubere Frucht, relativ hell in der Farbe, eher leicht aber extrem lang, ein Meditationswein par excellence! Großartiger Stoff.
Armin
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ChezMatze

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Re: Douro (ohne Port)

BeitragSa 2. Apr 2011, 00:00

Hallo Armin,

ich wollte Euch sowieso als Importeur verlinken, wenn ich mit dem Passadouro Reserva durch bin. Im Moment habe ich Tag 4, und ich komm mir schon fast vor wie Priorat-Torsten ;)

Die Aromatik des neuen Quinta Manoela hört sich nach Deiner Beschreibung ja so an, als wäre das genau auf meiner Geschmackslinie. Halten sie denn den 2008er immer noch im Fass gefangen? Und der Tawny... oh nein, meine Liste wird immer länger hier. Gibt aber Schlimmeres. Und damit meine ich nicht, die ProWein verpasst zu haben.

Viele Grüße, Matze
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BuschWein

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Re: Douro (ohne Port)

BeitragSa 2. Apr 2011, 13:21

Hallo Matze

Ja ja der Manoela liegt noch im Fass, soll wohl zum Herbst auf den Markt kommen und wird dann aber wahrscheinlich immer noch zu jung sein. Es ist einfach schade, dass man von den guten Douro-Erzeugern keine reiferen Jahrgänge mehr kaufen kann, vor 5 Jahren war das noch anders.

Ähnlich ist es auch bei den Dao-Rotweinen, auch Weine, die schon im Basisbereich sehr schön reifen, ja etwas Zeit brauchen, bis sie sich finden, aber auch da bekommt man heute kaum noch älteres als 2, 3 Jahre. Schade.
Armin
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ChezMatze

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Re: Douro (ohne Port)

BeitragSo 3. Apr 2011, 00:26

Ich weiß nicht, ob es damit zusammenhängt, aber ich habe hier in Lissabon schon von verschiedener Seite gehört, dass die Konsumenten nicht mehr bereit seien, einen jahrgangsmäßig gereiften Wein zu kaufen. Die Weinhändler sitzen hier auf gut gelagerten Dãos und Bairradas aus den 90ern (weniger Douros) und werden sie nicht los.

Früher war das Motto in Portugal wohl "Kauf den ältesten Roten und den jüngsten Weißen, den du bekommen kannst". Weil das aber mittlerweile als opahaft gilt, sind die jüngeren Käufer total umgeschwenkt, und die Produzenten sehen ältere Weine im Keller als lästig an. Aber wie gesagt, das sind nur aufgeschnappte Meinungen...
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BuschWein

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Re: Douro (ohne Port)

BeitragMo 4. Apr 2011, 15:51

ich habe hier in Lissabon schon von verschiedener Seite gehört, dass die Konsumenten nicht mehr bereit seien, einen jahrgangsmäßig gereiften Wein zu kaufen. Die Weinhändler sitzen hier auf gut gelagerten Dãos und Bairradas aus den 90ern (weniger Douros) und werden sie nicht los.


Sollte es so sein, zeigt sich leider, dass "die jungen Konsumenten" aus Imagegründen einen großen Fehler machen, gerade in den 90ern wurden im Dao und in Bairrada sehr haltbare Weine gemacht. Wer das Glück hat solche gereift zu bekommen sollte froh sein.

Ich fürchte aber das Problem ist weniger, dass die Weine gereift sind, sondern allgemein haben Dao und Bairrada nicht den Hype-Faktor, auch junge Jahrgänge tun sich da wohl nicht all zu leicht. Im Dourotal ist das Image einfach besser, es gibt halt auch mehr spannende Betriebe. Und man hatte auch über die Portweinschiene schon immer die besseren Kontakte ins Ausland, was der Vermarktung sicher auch hilft.
Armin
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ChezMatze

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Re: Douro (ohne Port)

BeitragDi 5. Apr 2011, 00:18

Stimmt. Einen Dirk van der Niepoort schlägt so schnell keiner in Marketing und Vertrieb. Was mich allerdings wundert, ist dass Dao- oder Bairrada-Weine so matt beworben werden. Ich habe hier schon ein paar Winzer getroffen, die ausgezeichnet Englisch sprechen und auch schon mal längere Zeit im Ausland unterwegs waren. Vielleicht spielt auch ein bisschen Bescheidenheit mit rein, ich weiß es nicht.

Jedenfalls habe ich gerade mit dem ersten biodynamisch bewirtschafteten Weingut im Dao-Gebiet gemailt, Casa de Mouraz. Die haben mich gleich zu sich eingeladen, denn selbst hier in Lissabon gibt es nur einen einzigen Laden, der die Weine führt... Besorge ich mir natürlich.
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BuschWein

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Re: Douro (ohne Port)

BeitragDi 5. Apr 2011, 15:14

Ein Problem der Regionen Dao und Bairrada ist auch die dort übliche Realteilung beim Erbe, wer heute in diesen Regionen investieren will, muss sich mit vielen kleinen Eignern auseinandersetzen.

Im Dourogebiet gab es immer große Erzeuger durch den Port und im Alentejo wurde das Land nur an den Erstgeborenen vererbt, sprich auch dort sind die Ländereien großflächiger. Dazu kommt, dass weder Bairrada noch Dao landschaftlich wirklich sehr reizvoll wären, also auch nicht unbedingt Regionen des Tourismus sind. Und die Qualität der Weine allein ist es halt oft auch nicht, die Weinbauregionen auf die Agenda der Journalisten setzt.
Armin
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ChezMatze

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Re: Douro (ohne Port)

BeitragMi 6. Apr 2011, 00:15

Eine sehr interessante Info, Armin, vielen Dank! Die Folge unterschiedlicher Erbteilungssysteme kann man ja bis heute in der deutschen Landwirtschaft sehen. Auch die Latifundienwirtschaft in Italien oder Spanien hat zu einer ganz anderen Weinwelt geführt als in unseren Breiten.

Welcher Weinbauer ist gleichzeitig Abfüller, ist gleichzeitig Eigenvermarkter? Vielleicht müssen wir den prinzipiellen Unterschied zwischen "alter" und "neuer" Weinwelt an solchen Kriterien festmachen. Ist Winzerwein deshalb immer "alte" Weinwelt, Produzentenwein "neue" Weinwelt? Douro scheint trotz aller Tradition vielleicht aus diesem Grund zur "neuen" Weinwelt geworden zu sein, die Bairrada ist hingegen "alt" geblieben.

Nur mal so ein paar ungeordnete Gedanken zum Feierabend...

Viele Grüße, Matze
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