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La Mancha

Castilla y Leon, La Mancha, Extremadura u.a.
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austria_traveller

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Re: El Vinculo Crianza; La Mancha; 2001 rot

BeitragMi 18. Jul 2012, 20:02

Plaumenkompott, ohne jegliche Tannine.
Anfangs noch leicht Orange, dann aber immer wenger, abflachend, trinkbar ohne Ambitionen auf mehr,mild, wenig Säure. Trinken ! Gut gemeinte 86 GP.
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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Alas

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Re: La Mancha

BeitragFr 2. Nov 2012, 06:53

1977

Es regnete immer noch, aber der Himmel hatte sich deutlich ins Hellgrau entwickelt. Ich verlies das Gelände erleichtert, fuhr nur kurz um die Ecke, hielt in der nächsten Parkbucht, kurbelte die Fensterscheibe etwas herunter, und die Rückenlehne, und drückte die CD zum Abspielen tiefer in den Schlitz:

1977-> Television -> Adventure ->The Dream's Dream:

http://www.youtube.com/watch?v=0VBKJuuN ... re=related

Die Gitarren und die Stimme: 'Its not my fault.'

Das ist es wirklich nicht. Es ist das Jahr 1977, das weiterhin so in mir wirkt, wie eine Flasche Wein, die auch immer so einfach irgendwie fruchtig anfängt, und wenn es ein Bordeaux ist, entpuppt sich da was.
Vielleicht.
In meinem Fall hat es immer noch nicht aufgehört, wie die letzten Töne in dem Lied von Television.

Das Eine, das 1977 anfing, ist dieses Auto.

1977 wurde ich als Tramper an der M6 östlich von Preston in Richtung London von einem PKW mitgenommen. Der Wagen hatte gehalten, der Fahrer die hintere Tür geöffnet und mir gedeutet einzusteigen. Ich setzte mich hinein, d. h. ich versank in einem bequemen Sessel. Der Fahrer sagte nichts. Ich fragte in die beginnende Musik, ob er in Richtung London führe. Er nickte, ohne etwas zu sagen oder den Kopf in der Richtung zu ändern. Dann begann das Konzert laut und in Stereo: Es war das erste Mal, daß ich eine Oper in voller Länge hörte.
Die Akustik war unglaublich.

Es gab nur eine kurze Unterbrechung auf einem Parkplatz irgendwo. Der Wagen hielt, der Fahrer ging nach hinten zum Kofferraum, kam mit einem Korb und einer Flasche Wein wieder. Auf der Mittellehne legte er mir auf einem Tuch zwei Scheiben Brot mit dunkelgelbem Cheddar hin und gab mir ein Glas Wein. Der Wein war recht süß und fruchtig, passte aber gut zum Käse. Er zeigte mir kurz die gelb glänzende Flasche. Später habe ich den Wein anhand der Krone auf dem Etikett als einen Chateau de Fargues identifizieren können.

Nach der kurzen Pause ging es weiter, weiter mit der Oper, und nach einiger Zeit näherte sich deutlich das Ende der Darbietung, Häuser vermehrten sich draußen, und dann hielt der Wagen und ich hatte aus zu steigen. Im Wegfahren sah ich XJ 6.

Ich war am nördlichen Rand von London. Etwas verdutzt, aber bereichert, ohne genau zu wissen um was.

Mit der U-Bahn fuhr ich weiterer komischer Musik entgegen, Lene Lovich z.B.

http://www.youtube.com/watch?v=uJRGdQSvwjU

und The Clash:

http://www.youtube.com/watch?v=dPMG52AO ... re=related

Meistens gab es Bier.

In einem alten Theater habe ich zum ersten Mal Reggae gehört und einen rosa Sandwein aus Frankreich getrunken. Fast wäre ich vom Balkon gefallen:

http://www.youtube.com/watch?v=4oD63-EJW5Y

Mir war dann noch nach etwas Freiheit und so bin ich nach Westen gefahren, in Richtung Exeter und als ich die Lady vom Bed-and-Breakfast nach einem guten Restaurant fragte, war es eine Bar mit einer guten Küche.
Zuerst an der Bar mit einem Bier, konnte ich das Menue wählen.
Für mich war es Fisch, der beste Fisch meines Lebens, bis heute. Dazu wurde ich dann nach einiger Zeit in den Salon gebeten, und als Wein gab es einen traumhaften weißen Portugiesen, von dem ich leider nichts weiter weiß. als daß er Salz und Frucht hatte, die den Fisch so gut unterstützte.
Schließlich nochmal nach London.
Dort stolperte Ich über die Residents, war verblüfft und bekam deshalb ein Schnipsel eines Mastertaps und die Mitgliedschaft im Fanclub.:

http://www.youtube.com/watch?v=5OlrMT2g ... re=related

(Religiöse Seelen mögen sich das nicht anhören)

An weiteren Wein aus der Zeit kann ich mich nicht erinnern, aber XJ6 ging mir nicht mehr aus dem Kopf.
So kam es, daß ich einen solchen kaufte, in Hell-Mint-Grün, denn ich fand keinen anderen Wagen, der eine bessere Akustik hat, in dem Wein besser schmeckt, und ja, den ich lieber fahre, es sei denn ich bekomme eines Tages einen XM oder SM.

Und diesen Wagen habe ich nun durch den TÜV gebracht. Und deshalb atme ich jetzt freier.

Aber jetzt kommt Vera. Sie ist auch von 1977.
Meine Frau mag sie auch, ist aber beruflich auf den Aleuten derzeit,.

Ich habe Vera gesagt: 'Es wird etwas Spanisches geben.'

Das mag sie eigentlich nicht, weil sie Spanien unfein findet, und ich muss das Abendprogramm noch ausarbeiten. Mir ist mein Jaguar eigentlich näher.

Warum ich Vera mag?

Ich habe sie in Port de Sóller kennen gelernt. Sie war der Meinung. dass es keine Kinder mehr geben sollte. Sie ist der Widerspruch selbst und mag DIESE Musik:

http://www.youtube.com/watch?v=BAXnBuPx ... re=related

Die finde ich albern.

Man sollte mehr Zeit haben und einen von diesen Weinen trinken:

Beldui Txakolina 2009
Puffeney Poulsard 2009

Was wird es geben zum spanischen Hahn In Johannisberen?:

Einen Bobal.

von Ponce

denn es ist der erste Wein, der uns auch emotional sehr berühren wird, denn da sind die Beeren, das Laub, die Bäume, so fein abgelegt in der Schwärze. wie es zuvor noch nie war, und niemals so eine Wärme gab.

Vera wird bestimmt etwas stottern.
Sie gehört zu den Frauen, die nie begreifen, daß es keinen Prinzen für sie gibt.

http://www.youtube.com/watch?v=SrZYP8Sz ... ure=fvwrel

Naja.

Es gibt noch viele Rebsorten in Spanien, die kein Deutscher gekostet hat.

Soweit den mit:

http://www.youtube.com/watch?v=QzSEd7eN0Ik


Gruß

Alas
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Oh Dae-Su

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Re: La Mancha

BeitragFr 2. Nov 2012, 11:55

Hallo Alas,

danke für die Geschichte! Ich fand sie sehr lesenswert. Auch die Links passten meiner Ansicht nach gut!

Dir viel Spaß mit dem Bobal, auch wenn es nicht gerade meine lieblings Rebsorte ist :oops: ;).
Die meisten sind mir wahrscheinlich etwas zu aufdringlich. Die Weine von Ponce fand ich aber meistens in Ordnung!

Danke nochmals!

Gruss

Chris
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Weinzelmännchen

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Re: La Mancha

BeitragFr 2. Nov 2012, 14:22

Alas hat geschrieben:Das mag sie eigentlich nicht, weil sie Spanien unfein findet, und ich muss das Abendprogramm noch ausarbeiten. Mir ist mein Jaguar eigentlich näher.


Hallo Alas,
super Geschichte. Mein Hightlight sind deine obigen Sätze. Präzise und poetisch zugleich, chapeau!
MvG
(Mit vinophilen Grüssen)

Daniel
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Alas

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Re: La Mancha

BeitragSa 3. Nov 2012, 05:42

Hallo!

Danke für eure Aufmerksamkeit!

Es gibt vom Bobal noch zwei ganz gute VKN. Man sollte diese Rebsorte 'im Auge behalten.' :)

Das war übrigens der erste spanische rote Wein in meinem Leben überhaupt, und somit hat sich Spanien wirklich sehr gut vorgestellt.

Einen guten Tag wünscht

Alas
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Alas

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Re: La Mancha

BeitragSa 9. Mär 2013, 11:38

Guten Tag!

Eine zweite Annäherung an die Rebsorte Tempranillo. Die erste findet sich hier (runterscrollen):

viewtopic.php?f=71&t=81&start=50

Auch hier wird die Tradition betont, mit einem wohlhabenden Lebensstil geworben, und die Bodega vertreibt Weine aus verschiedenen Regionen.

Bild

Old Vino Spanien.jpeg


Insgesamt ein etwas schüchterner Spanier, der für wenig Geld ein netter unaufdringlicher Essensbegleiter ist.
So, nun brauche ich einen 'richtigen' Wein. ;)

Gruß

Alas
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maha

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Re: La Mancha

BeitragMo 2. Sep 2013, 09:23

Eigentlich sollte das mein Einstieg in die Welt des Syrah werden. Leider wurde ich herbe enttäuscht.

Syrah Hacienda Casa Del Valle Vino de la Tierra de Castilla 2009

Sehr verhaltene Nase. Etwas Kirsche, ein wenig Pflaume und ein bisschen Leder. Ziemlich zurückhaltend.
Und dann der Geschmack. Welcher Geschmack? Da ist so ziemlich gar nichts. Nur eine heftige Bitterkeit im Abgang. Keine Frucht, etwas Pfeffer. Sehr eindimensional. Fast schon wässrig. Eine herbe Enttäuschung.
Nach ca. einer Stunde Luft im Glas wird das nicht wirklich besser. Meine Frau beschrieb es mit einem Wort treffend: Flach.

Es ist mir rätselhaft wie die Sportskameraden vom Wine Spactatorr diesen Tropfen mit 90 Punkten bewertet haben.
Die einzige Erklärung, die ich mir vorstellen kann, ist dass sich der Wein in einer ziemlichen Rückzugsphase befindet.
Für ca. 10 CHF hab ich nicht sehr viel erwartet, aber etwas mehr schon.

Gruss
Marko

Ich hab dem Wein heute (einen Tag apäter) noch mal eine Chance gegeben. Und ich muss sagen, ich hab gedacht ich hab ne andere Flasche erwischt. Er hat eine sehr positive Entwicklung genommen.
Feine Nase nach dunklen Kirschen und Pflaume. Etwas Rauch und Zedernholz, Leder, Lakritz. Der Geschmack ist deutlich besser, nicht mehr so bitter aber immer noch ein wenig wässrig. Heute finde ich griffige Tannine, Schattenmorellen und würzige Noten.
Den 90 Punkten kommt er jetzt langsam näher und ist der Sauce gerade noch mal von der Schippe gesprungen ;)
ob das morgen so weiter geht?
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maha

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Re: La Mancha

BeitragMo 23. Jun 2014, 22:50

Am Wochenende bei guten Freunden im Glas

Pago de Vallegarcía, Hipperia 2009

Ein Cuvee aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Petit Verdot und Cabernet Franc

Farbe: Dunkles Kirschrot
Wuchtig, hedonistisch, konzentriert. Reife dunkle Beeren, fast schon balsamisch.
Im Mund ölig, beerig, purer Samt in Flaschen. Leichte Röstnoten, feine Gerbstoffe.

Der Wein macht satt. Wer auf konzentrierte, volle Weine steht kommt hier voll auf den Geschmack. Mir gefällt's.
Gerne mehr davon

Gruss
Marko
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Bernd Schulz

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Re: La Mancha

BeitragSo 30. Nov 2014, 22:56

Ich habe schon ziemlich lange (vielleicht seit Jahren?) keinen spanischen Wein mehr gekauft. Umso angenehmer überrascht mich jetzt dieser Rote aus biodynamischer Produktion:

Bild

Das ist in puncto Komplexität und Finesse natürlich kein absoluter Riese, aber für 8,90 Euro bietet der Wein schon sehr viel fürs Geld! Er besitzt gleichermaßen Kraft und Charme, die Tannine wirken weich, aber nicht zu lasch, der Hauch Süße fügt sich stimmig ins opulente, aber trotzdem "frische" Gesamtbild. Über den Erwerb weiterer Flaschen denke ich ernsthaft nach!

Viele Grüße

Bernd
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Bernd Schulz

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Re: La Mancha

BeitragDo 26. Nov 2015, 23:51

Diesen von einer Genossenschaft produzierten Bio-Rotwein hat mir ein Schüler geschenkt, aber ich habe jetzt trotzdem mal den Preis bei Vicampo in die VKN übernommen:

Bild

Natürlich handelt es sich nicht um einen Ausbund an Komplexität und Finesse, aber angesichts eines Preises von guten 5 Euro kann man hier überhaupt nicht meckern. Hier wurde wirklich sorgfältig gearbeitet, die Frucht ist prägnant, aber nicht zu laut, es passt alles zusammen, der Wein trinkt sich weg wie nix. Die auf irgendeinem Wettbewerb für Bioweine erzielte güldene Medaille klebt diesmal zu Recht auf der Flasche - in der Kategorie > 6 Euro ist mir in den letzten Jahren kein besserer Roter begegnet.

Viele Grüße

Bernd
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