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Weingüter und die Corona-Pandemie

Hohe Brisanz, kurzes Verfallsdatum
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UlliB

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragMo 20. Apr 2020, 15:43

JoergBoerg hat geschrieben:Ab heute dürfen Geschäfte bis 800qm unter Beachtung von Hygiene-Regelungen ja wieder öffnen.
Demnach dürften doch auch die meisten Probierstuben der Winzer wieder theoretisch aufmachen, oder?
Ich habe bisher aber dazu kaum etwas gelesen/gehört.

Ich bin nicht mal sicher, ob die überall geschlossen sein mussten. Hier in Baden-Württemberg durften Hofläden ganz explizit geöffnet bleiben. Ob sich das nun nur auf Hofläden mit Lebensmitteln erstreckt, und in wieweit nicht Wein ggf. auch in die Kategorie "Lebensmittel" fällt, weiß ich nicht.

Ansonsten bleibt zumindest für einige Leute das Problem, dass sie momentan gar nicht zum Winzer kommen können. In Bayern darf man nach wie vor das Haus nur aus wichtigem Grund verlassen, und ob es ein "wichtiger Grund" ist, einen vielleicht 150 oder 200 km entfernt sitzenden Winzer zu besuchen, um ein paar Flaschen zu kaufen, ist wohl sehr die Frage ;)

Und ich weiß auch nicht, ob ich von hier mal eben in die Pfalz fahren dürfte, um da Wein zu kaufen. Da müsste ich mich ja nicht nur über die Regularien hier im Ländle schlau machen, sondern auch noch sehen, was Rheinland-Pfalz da so verfügt hat. Also bleibe ich erstmal brav zu Hause. Der Weinvorrat geht mir hier auch nicht so schnell aus...

Gruß
Ulli
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JoergBoerg

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragMo 20. Apr 2020, 16:16

Es stimmt, der Verkauf war nicht verboten (die meisten Weinhändler hier in der Nähe hatten auch weiterhin auf), aber die Verkostung war nicht möglich und die fällt ja auch eher unter Gastronomie und ist somit auch noch nicht wieder zulässig...
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Rieke Riesling

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragDi 21. Apr 2020, 21:51

JoergBoerg hat geschrieben:...aber die Verkostung war nicht möglich und die fällt ja auch eher unter Gastronomie und ist somit auch noch nicht wieder zulässig...

Das wäre mir neu das eine Verkostung (Probe beim Weinkauf) unter Gastronomie fällt.
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niers_runner

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragDi 21. Apr 2020, 22:28

Rieke Riesling hat geschrieben:
JoergBoerg hat geschrieben:...aber die Verkostung war nicht möglich und die fällt ja auch eher unter Gastronomie und ist somit auch noch nicht wieder zulässig...

Das wäre mir neu das eine Verkostung (Probe beim Weinkauf) unter Gastronomie fällt.

Mir sind zahlreiche Winzer bekannt, die Weine noch ab Hof verkaufen, aber ohne die bekannten Verkostungen aus der Vergangenheit. Deshalb nun u.a. virtuelle Verkostungen.

Beste Grüße

Peter
Es entspricht dem Wesen des Genießens, dass der Erlebnisraum der Form einer Pyramide verwandt ist: es gibt viele Basisqualitäten, aber im strengen Sinne nur eine Spitze, und man steigt nicht freiwillig die Pyramide herab (Matthias Hilse)
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UlliB

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragDo 23. Apr 2020, 10:02

Weinschlürfer hat geschrieben:Heute las ich eine Meldung der Weinabsatz wäre deutlich gestiegen :)
Zumindest in Supermärkten. Der Absatz in der Gastro sicher nicht.

Ja, ich habe gerade die Zahlen der GfK gesehen. Von Januar bis Ostern gab es beim Wein satte 34 Prozent Umsatzplus im Einzelhandel. Bei Spirituosen waren es 31 Prozent, bei Bier aber nur 11,5 Prozent.

Offensichtlich wird zu Hause mehr konsumiert, weil die Gastronomie komplett ausgefallen ist. Und vielleicht gibt es hier sogar eine gewisse Verschiebung von Bier zu Wein.

Die GfK sagt leider nicht, welches Marktsegment die Zuwächse hat. Ein Weinhändler, den ich gut kenne, hat berichtet, dass der Umsatz mit Weinen bis etwa 10 Euro tatsächlich stark zugelegt hat. Darüber sei das Geschäft aber so gut wie tot.

Die Weingüter, die nur wenig über den Einzelhandel verkaufen und in der Vergangenheit sehr stark auf Direktvermarktung gesetzt haben, werden wohl erhebliche Probleme haben. Und wer die Gastronomie als wichtigen Kunden hatte, noch viel mehr.

Gruß
Ulli
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niers_runner

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragDo 23. Apr 2020, 11:55

Hallo Ulli,

ja, ich glaube auch, dass viele Winzer vor erheblichen Problemen stehen werden.
Deshalb setzen immer mehr auf zeitlich befristete Aktionen, frachtfreier Versand ab 6 Flaschen, oder 11+1 Angebote.

Und wenn ich so mein eigenes Kaufverhalten betrachte, erkenne ich eigentlich keine Änderungen zu den Vorjahren. Ich kaufe wie immer, so auch dieses Jahr bei den gleichen Winzern wie in der Vergangenheit meine 19er Rieslinge.
Hoffen wir mal, dass bald wieder bessere Zeiten kommen.

Beste Grüße

Peter
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tmmd

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragFr 24. Apr 2020, 07:32

JoergBoerg hat geschrieben:Ab heute dürfen Geschäfte bis 800qm unter Beachtung von Hygiene-Regelungen ja wieder öffnen.
Demnach dürften doch auch die meisten Probierstuben der Winzer wieder theoretisch aufmachen, oder?
Ich habe bisher aber dazu kaum etwas gelesen/gehört.


Die dürften unter Gastronomie fallen und daher noch geschlossen haben.
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tmmd

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragFr 24. Apr 2020, 07:39

UlliB hat geschrieben:
Weinschlürfer hat geschrieben:Offensichtlich wird zu Hause mehr konsumiert, weil die Gastronomie komplett ausgefallen ist. Und vielleicht gibt es hier sogar eine gewisse Verschiebung von Bier zu Wein.

Die GfK sagt leider nicht, welches Marktsegment die Zuwächse hat. Ein Weinhändler, den ich gut kenne, hat berichtet, dass der Umsatz mit Weinen bis etwa 10 Euro tatsächlich stark zugelegt hat. Darüber sei das Geschäft aber so gut wie tot.

Die Weingüter, die nur wenig über den Einzelhandel verkaufen und in der Vergangenheit sehr stark auf Direktvermarktung gesetzt haben, werden wohl erhebliche Probleme haben. Und wer die Gastronomie als wichtigen Kunden hatte, noch viel mehr.

Gruß
Ulli


Wer viel an Urlauber, also vor Ort verkaufte und viel über Gastronomie und Hotels verkaufte, der wird Probleme bekommen. Wer über den Lebensmitteleinzelhandel große Teile umsetzt, dazu noch über die Weinfachgeschäfte und das Internet, der steht wohl besser da.

Die +31 % Zuwachs sind halt relativ zu sehen. Es dürfte sich zu großen Teilen nur um Verschiebungen der Vertriebswege handeln. Ist doch wie beim Klopapier: was erst gehamstert wurde, wird dann später nicht mehr gekauft, weil dann das gehamsterte Klopapier erstmal verbraucht wird.

Probleme bekommt wohl, wer bisher bei den Vertriebswegen das Internet außen vorgelassen hat. Der aktuelle Artikel in der Gründerszene zeigt auch, daß gerade die Online-Weinhändler aktuell von der Krise profitieren. ( https://www.gruenderszene.de/food/coron ... n-startups ). In einem anderen Artikel las ich übrigens auch, daß von dem Anstieg des Weinverkaufs in erster Linie Weine bis 10 € profitieren. Aber seien wir ehrlich: auch da gibt es jede Menge guter Tropfen.

Im Allgemeinen sage ich mal, wird sich der pro Kopf-Verbrauch nicht wirklich verändern.
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Mahoney_jr

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragFr 24. Apr 2020, 08:36

Also mein Konsum hat sich definitiv erhöht. Wein ist aktuell auch Genuss und eine Art Tanzfläche im eigenen Haus ;) habe tatsächlich eine App nun heruntergeladen, um mal nachzuverfolgen, wie viel ich tatsächlich trinke.

Ach ja: gekauft werden/wurden Flaschen die ca 25 Euro im Schnitt kosten. Online.
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UlliB

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Re: Weingüter und die Corona-Pandemie

BeitragFr 24. Apr 2020, 10:11

tmmd hat geschrieben:Im Allgemeinen sage ich mal, wird sich der pro Kopf-Verbrauch nicht wirklich verändern.

Vor kurzem war zu lesen, dass wegen Corona die EU-Kommission von einem in diesem Jahr um 8% sinkenden Verbrauch ausgeht.

Da frage ich mich schon, wie man zu derartigen Prognosen kommt... wir haben ja erst April, und niemand weiß, wie sich die Dinge in den kommenden Monaten weiter entwickeln werden.

Klar, wer deutliche finanzielle Verluste erlitten hat oder noch erleiden wird, wird vermutlich nur wenig Neigung verspüren, Geld für teure Weine auszugeben. Aber für das, was im Supermarkt oder Discounter angeboten wird, dürfte es wohl immer noch reichen, und zumindest volumenmäßig macht das den weit überwiegenden Teil des in der EU produzierten Weins aus. Und auch die Basisweine der meisten deutschen Winzer dürften finanziell in Reichweite bleiben (es muss ja nicht immer VDP sein).

Gruß
Ulli
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