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kistenfreund.de

Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

Hohe Brisanz, kurzes Verfallsdatum
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Gerald

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Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragMo 6. Nov 2017, 12:08

Dass Weinwirtschaft und Naturschutz nicht immer auf einer Linie liegen, zeigt die folgende - ein bisschen skurrile - Meldung aus dem Burgenland:

BirdLife Deutschland hat den Star zum Vogel des Jahres 2018 ernannt und die abnehmenden Bestände aufgrund verlorener Lebensräume in ganz Europa beklagt. Diese Entscheidung (die von BirdLife Österreich übernommen wurde) ist aber nicht ganz zum Wohlgefallen der burgenländischen Winzer ausgefallen. So meinte der Präsident des Weinbauverbandes Burgenland „Es ist fast eine Verhöhnung für uns Winzer. Wir kämpfen Jahrzehnte gegen den Star. Er dezimiert unsere Ernte jährlich. Wir geben Millionen aus, um den Star zu bekämpfen.“

Quelle: http://burgenland.orf.at/news/stories/2876324/

Grüße,
Gerald
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amateur des vins

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Re: Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragMo 6. Nov 2017, 13:46

Alle umbringen!

Stare fressen Beeren, Wölfe fressen Schafe, Schafe fressen Pflanzen.
Und Menschen fressen alles.

Alle umbringen!

/sarcasm
Besten Gruß, Karsten
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innauen

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Re: Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragMo 6. Nov 2017, 18:10

amateur des vins hat geschrieben:Alle umbringen!

Stare fressen Beeren, Wölfe fressen Schafe, Schafe fressen Pflanzen.
Und Menschen fressen alles.

Alle umbringen!

/sarcasm


+1

Genauso. Naturschutz. Sowas albernes. Wann hat die Natur schon jemals jemanden geschützt :ugeek:
„Wir haben den Keller gut bestückt. Vielleicht nicht legendär. Aber nichts, für das man sich schämen muss. “
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weingeist

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Re: Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragMo 6. Nov 2017, 18:12

Und ganz ohne Sarkasmus...hast Du eigentlich schon einmal in Natura (ist übrigens ein tolles Schauspiel, wenn ein Starschwarm im Verband fliegt) so etwas gesehen? Außerdem, die Stare fressen ja nicht unbedingt einzelne Trauben, sie pecken dafür halt sehr viele an, was wiederum viel schlimmer ist.

Ich weiß nicht, was Du arbeitest, aber wenn Dir jemand den Lohn Deiner (Jahres)arbeit schredern würde, wärst Du wohl auch nicht ganz happy. Der Ausdruck "Verhöhnung" ist wohl etwas überzogen, stammt aber aus dem Mund eines politischen Funktionsträgers und der muss sein Klientel vielleicht so "bedienen".
Liebe Grüße
weingeist
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Gerald

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Re: Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragMo 6. Nov 2017, 19:30

Hmmm, schwierige Sache.

Ich habe natürlich Verständnis für die Winzer, deren Jahreseinkommen von den hungrigen Vögelchen weggefressen wird. Genauso auch Verständnis für die Teichbesitzer in Niederösterreich, deren Einkommen von den Fischottern gefährdet wird und die die Tötung der eigentlich streng geschützten Tiere durchgesetzt haben. Oder die Walfänger in Skandinavien, die sonst wenig andere Arbeitsmöglichkeiten hätten. Oder eben die Bauern, die ohne massiven Pestizideinsatz zu viele Verluste und damit zuwenig Ertrag zum Leben bzw. Decken der Kosten ihres Betriebs hätten.

Leider bringt das viele Verständnis die inzwischen ausgerotteten Tier- und Pflanzenarten aber nicht mehr zurück. :(

Grüße,
Gerald
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amateur des vins

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Re: Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragMo 6. Nov 2017, 21:22

weingeist, ich arbeite weitgehend entkoppelt von der Natur, was ich öfter bedauere. Und natürlich wäre ich nicht darüber glücklich. Aber alleine die Vokabel "bekämpfen" deutet meiner bescheidenen Meinung nach auf ein ziemlich einseitiges und kurzgedachtes Problemlösungsverhalten hin. Insekten haben wir auch schon so erfolgreich bekämpft, daß abertausende Chinesen mit Pinselchen durch die Obstplantagen kraxeln müssen, während andere an Bienenrobotern forschen, wie ich gerade sehe. Ich habe keine Patentlösung, aber das kann es jedenfalls nicht sein.
Besten Gruß, Karsten
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innauen

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Re: Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragMo 6. Nov 2017, 21:49

weingeist hat geschrieben:Und ganz ohne Sarkasmus...hast Du eigentlich schon einmal in Natura (ist übrigens ein tolles Schauspiel, wenn ein Starschwarm im Verband fliegt) so etwas gesehen? Außerdem, die Stare fressen ja nicht unbedingt einzelne Trauben, sie pecken dafür halt sehr viele an, was wiederum viel schlimmer ist.

Ich weiß nicht, was Du arbeitest, aber wenn Dir jemand den Lohn Deiner (Jahres)arbeit schredern würde, wärst Du wohl auch nicht ganz happy. Der Ausdruck "Verhöhnung" ist wohl etwas überzogen, stammt aber aus dem Mund eines politischen Funktionsträgers und der muss sein Klientel vielleicht so "bedienen".


In diesem Jahr haben die Stare die nach dem Frost bei uns im Dorf ohnehin karge Kirschernte im Garten geholt. Außerdem haben sie die wenigen Äpfel angepickt. Sehr ärgerlich :evil: Ich habe früher versucht, mit Netzen die Vögel davon abzuhalten. Bis ich aus den Maschen tote Vögel holen musste, weil sie sich dort verfangen haben. Andererseits hätten wir ohne die Viecher in diesem Jahr eine riesige Mückenplage gehabt. Denn der Star ist ein Allesfresser. Vor allem im Frühjahr wo es noch kein Obst gibt, dezimiert er die Schadinsekten, die sonst die Kulturen anfallen würden.

Grüße,

wolf
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thvins

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Re: Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragDi 7. Nov 2017, 17:52

Deutschland sucht des Super - Star und die österreichischen Winzer bekämpfen ihn.

Irgendwas ist immer, wenn es nicht die Stare sind, sind es die Wildschweine, die Rebhühner, die Kirschessigfliege oder der Aasgeier...

Bei uns schimpft man auf Biber, Wölfe und vor allem auf Waschbären und Wildschweine... Alles Problemtiere, besonders für Problembürger. :twisted:

Ach so, ich vergaß, die Flüchtlinge...

Gibt aber zum Glück auch noch Winzer, die stolz auf eine intakte Umwelt und Biodiversität sind.
Beste Grüße

Torsten

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Rieke Riesling

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Re: Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragMi 8. Nov 2017, 20:31

Ich glaube ich gebe mal meinen Senf dazu. Thema Waschbären. Bisher habe mich die Tiere relativ wenig interessiert, da sind sie schon eine weile. Dank Wildkamera bekommt man ja einen Überblick. Nachdem aber im diesem Jahr massiv Waschbären in unserem Weinberg eingefallen sind und ca. 8-10 Zentner Trauben gefressen und angerissen haben und das ganze noch vor Lesebeginn, ist irgendwann schluss mit lustig. Wenn ich dann nix unternehme kann ich aufhören.
Das ist im Prinzip nichts anderes wie Pflanzenschutz mit Pestiziden. Eigentlich will das keiner machen und einsetzen. Nur was wenn nicht? Dann fallen die Ernten so klein aus, dass Wein wieder ein Getränk für wenige werden würde.
Es gibt leider kein Schwarz oder Weiss, die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
Und Stare sehe ich auch lieber wo anders fliegen als bei uns im Weinberg.
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innauen

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Re: Winzer von Naturschutzorganisation "verhöhnt"

BeitragMi 8. Nov 2017, 21:06

Hallo,

Waschbären haben als Neophyten keine natürlichen Feinde, das macht es so schwierig. Und sie sind schwer zu fangen. In diesem Jahr waren sie besonders gierig, weil der Frost im Frühjahr ihre Nahrungsquellen stark getroffen hat und sie sich auf alles werfen, was später blüte (bei uns waren es die Erdbeeren). Anders als Stare, die mal ein Jahr mit großer mal ein Jahr mit schwacher Population haben sind Waschbären eine Dauerplage, die sich auch nicht natürlich regelt. Bei uns in der Uckermark haben sie den Wildvögeln massiv zugesetzt. Das Problem ist: Bejagung bringt nicht die Besserung, die man sich erwartet. Eine Waschbärenpopulation, die unter Bejagungsdruck gesetzt wird, reagiert durch verstärke Vermehrung - sagen jedenfalls drei Familienmitglieder, die alle Jäger sind.

Fazit: Eingriffe in die Natur (die Auswildung des Waschbären fand in den 30er Jahren statt) sind nicht so einfach zu korrigieren.

Grüße,

wolf
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