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Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-Immig

Hohe Brisanz, kurzes Verfallsdatum
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thvins

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Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-Immig

BeitragSa 1. Mär 2014, 01:03

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Der Priorat-Hammer sucht um Asyl...

...weil momentan mein Blog ein neues "Gesicht" bekommt - und ich momentan dort nicht schreiben kann, bis alles neu ist...

Deswegen kommt jetzt hier mein Beitrag zur Weinrallye...

Wieviele Flaschen Wein finden Asyl in zwei Fahrradpacktaschen?

Ich habe einige alte Fotos einer Radtour durch Frankreich rausgesucht, eingescannt und so nehme ich Euch mit auf eine Schmuggeltour, denn hat es nicht auch etwas mit schmuggeln zu tun, wenn sich Asylanten verstecken, um illegal einzureisen?

Gehen wir zurück in eine Zeit, in der ich noch keinen wirklichen Weinkeller hatte, aber schon mein Herz auch an die französschen Weine verloren... Wir schreiben das Jahr 1993, ich hatte damals eine Freundin, die sogar den guten Wein nicht verschmähte (ja, das ist nicht selbstverständlich) und zur damaligen Zeit gab es nur Radtouren als Urlaub.

Und so geht es nach Fronkroich... Wir starteten in Kehl und nach einem kurzen Abstecher in die Schweiz ging es ins Jura.
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Ein Wachhund für unsere Räder war dankbar für einige Streicheleinheiten...

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... und in den ersten Tagen ging es durch die weitläufigen Wälder des Jura.

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Alle Wege im Jura führen schließlich nach Arbois - und hier wartete man schon regelrecht auf uns, um ums die Weine des Jura nahezubringen. Erste Flaschen wanderten in unser Gepäck - nicht alles überlebte die Reise, aber der Vin Fou von Henri Maire und einiges mehr überlebte die noch knapp zwei Wochen.

Letztlich prägte diese Tour auch - meine Vorliebe für die Weine und auch die Küche des Jura fand hier seinen Ursprung. Und wäre ich nicht mit einer Vegetarierin unerwegs gewesen, dann hätte ich in der Bresse auch schon das Geflügel zu schätzen gelernt. So beschränkte ich mich auf die kleinen Sehenswürdigkeiten am Weg...

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Als dann am anderen Ende der Bresse Tournus sichtbar wurde, waren die nächsten Weinberge nicht mehr fern.

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Zunächst aber gab es großes Romanik - Kino, die Kirche in Tournus zählt schließlich zu den Berühmtesten in Burgund.

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Am Meisten begeisterten uns neben den vielen steineren Zeugen aber auch immer wieder diverse skurrile Dartellungen - die wir in der katholischen Kirche gar nicht so erwarteten wie z.B. diese Schnitzerei, die eine Züchtigung des Mannes zeigt:

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Zur damaligen Zeit bestimmte oft noch der Preis das, was auf den Tisch kam. Aber in Burgund sind auch die einfachen Dinge ein Genuss.

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In Mercurey gab es dann wieder Winzer und natürlich auch Wein für das Gepäck - vorbei am Schloß von Couches radelten wir dann weiter bis Autun.

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An einem Abend bekamen wir Besuch beim Zelten - auch in Burgund sind die Katzen neugierig und schmusebedürftig...

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Auf dem Weg nach Dijon radelten wir dann längere Zeit am Kanal von Burgund entlang - manche der Schleusenwärter verkaufen hier auch Proviant für die Schiffer und Radler - und an einer Schleuse gab es sogar Wein zu kosten und zu kaufen...

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In Dijon gibt es neben dem Wein auch einige sehenswerte Museen, in einem fanden wir dieses hübsche Mosaik, welche zeigt, dass bereits zu römischer Zeit Katzenbilder beliebt waren...

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Es ist Zeit, den Heimweg anzutreten, einen letzte Nacht im Elsaß zeigt unsere bevorzugte Art, auf den Radtouren zu übernachten - sous belles Etoiles... Und manchmal auch im Zelt, je nach Wetterlage...

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Grenzübertritt - und ab zum nächten Bahnhof - wieder daheim, stellten wir zunächst unsere Mitbringsel auf die Treppe - und wieviel passt nun in zwei Fahrradpacktaschen? Seht selbst...

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Sieben der Flaschen haben wir übrigens direkt bei Winzern gekauft - die übrigen Sachen, vor allem die Süßen nahmen wir aus diversen Supermärkten mit...

Und so hat es einst begonnen - immer wieder brachte ich danach Weine von meinen Reisen mit, die Mitbringsel sind immer die besten Erinnerungen. Allein das schon rechtfertigt ihren Platz im Gepäck bzw. im Kofferraum.

So manches wird natürlich auch zu Lieblingsimmigranten, für mich z.B. sind es die Jura - Weine, auch weil man sie bei uns nicht in der Breite bekommt. Andere Lieblingsimmigranten sind meine Prioratos, aber die schleuse ich ja nicht nur für mich ein...

Für welche Anlässe? Für das Leben halt... Was braucht es andere Anlässe?
Beste Grüße

Torsten

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Birte

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Re: Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-I

BeitragSa 1. Mär 2014, 10:04

Was für ein schöner Reisebericht. Diese Reisen, auf welchen man viel improvisieren muss, sind oft die besten.
Sag Torsten, bist Du das mit dem Bart???

Gruß
Birte
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susa

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Re: Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-I

BeitragSa 1. Mär 2014, 10:22

Das stimmt, so reibungslose Reisen sind zwar erholsam aber bleiben nicht lange im Gedächtnis. Im Nachhinein war das Unvorhergesehene dann doch immer wunderbar.

Ich habe den Beitrag dann noch bei der obersten Weinrallyespielleitung eingereicht ;).
http://chateau-et-chocolat.blogspot.de/ ... -oder.html

Moin
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Red wine with fish. Well, that should have told me something.
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thvins

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Re: Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-I

BeitragSa 1. Mär 2014, 11:09

@ Birte, ja, so sah ich vor mehr als 20 jahren längere Zeit aus..

Diese Reisen, wo nicht alles geplant und vorhersehbar ist, haben ja auch den Hauch von Abenteuer. Du weißt nicht, was passieren wird, aber es ist sicher, das etwas passieren muss. Und das Meiste sind ja auch positive Erlebnisse, vor allem Begegnungen mit Menschen unterwegs, die haften bleiben...

Z.B. die Geschichte von dem Abend, wo die schwarze Katze dazugehört... Es war am Canal du Centre bei St. Léger s. Dheune. unweit des Dorfes wollten wir unser Zelt aufbauen - d.h wir hatten aufgebaut und ich wollte es einräumen, als ich unter mir ein immer drohenderes und aggressiveres Geräusch hörte - Erdwespen... - wir hatten genau auf Ihrem Nesteingangsloch aufgebaut. Nun muss man wisen, ich habe schon bei einer Wespe eine Riesenphobie und Erdwespen können richtig, richtig aggressiv werden... Wir waren mal mit einer Jugendgruppe in der Böhmischen Schweiz wandern, einige bummelten wie üblich - plötzlich waren sie alle vorn bei mir.... - wir waren über in Erdwespennest gegangen und die Erschütterugen machten die Biester kirre - die Letzten wurden nicht von den Hunden gebissen, sondern von Erdwespen zerstochen. Auch nicht schön... - einer hatte acht Stiche und wir weitab jeder Zivilisation...

In sofern wusste ich, mit den Erdwespen ist nicht zu spaßen. Ich drückte den Schlafsack auf die Stelle, von wo das beunruhigende Geräusch kam, Helke brachte zunächst die Räder und das ganze Gepäck in Sicherheit, dann zog sie alle Heringe, ich aus dem Zelt, wir packen beide das Zelt und rannten um unser Leben...

Ein Pärchen, dass im letzten Haus des Dorfes wohnte, beobachtete die Szene, muss im nachhinein betrachtet auch lustig ausgesehen haben...

Als wir an ihnen vorbei mussten, sprachen sie uns an, was passiert sei und luden uns sofort zu sich ein. Ein Gästezimmer wurde hergerichtet, der Grill angeworfen, es gab Wein, den jemand aus der Verwandtschaft gemacht hat, nette Gespräche und auch jene schwarze Miez...

Und ja- Susa, erholsam ist so was auch, ich war schon immer eher ein Feund der aktiven Erholung. Improvisieren muss man natürlich können und reagieren, Entscheidungen treffen, auch ein Händchen, aber auch eine Gelassenheit entwickeln für den Umgang mit herausfordernden Situationen.

Und wirklich Negatives passiert halt auch mal - aber das kann auch bei jeder von A-Z durchgeplanten Reise passieren. Das Negative ist halt leider auch ein Bestandteil des Lebens.

Was von derartigen Reisen bleibt ist aber zumeist das Positive. All die netten Begegnungen, die Erfahrungen mit dem Fremden und der fremden Kultur - davon könnte ich Bücher schreiben... Das ist Glück und das gebiert den Willen zum Leben.

Es macht aber auch süchtig, wie alles, was in der Lage ist, uns glücklich zu machen.
Beste Grüße

Torsten

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thvins

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Re: Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-I

BeitragSa 1. Mär 2014, 11:16

Und um noch mal den Bogen zum Wein zu schlagen, jene Weine von derartigen Reisen selbst mitgebracht, diese Immigranten-Weine, sie müssen einfach schmecken - weil jeder von ihnen seine Gechichte und seine Erinnerungspotentiale hat - allein das ist ein Grund, Weinen von Reisen immer einen Asylplatz in meinem Keller anzubieten... ;) :lol:
Beste Grüße

Torsten

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Birte

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Re: Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-I

BeitragSa 1. Mär 2014, 11:20

Ich muss jetzt die ganze Zeit an eigene lustige Reisegeschichten denken. Die Zeltflucht wegen Getier ist mir auch bekannt. Leider habe ich zu dieser Zeit noch keine Weine von Reisen mit nach Hause genommen.
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Re: Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-I

BeitragSa 1. Mär 2014, 11:26

Dann musst du das halt jetzt nachholen. Zum Wein mitnehmen solltest du ja inzwischen alt genug sein. Und zum Zelten vielleicht noch jung genug... ;)

Und nach Fonkroich hast du es ja auch nicht sooo weit. Also los, Wein-Abenteuer-Urlaub planen... :ugeek:
Beste Grüße

Torsten

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Re: Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-I

BeitragSa 1. Mär 2014, 11:53

Asylgewährend ist im Übrigen Dorit Schmitt vom Blog Dorits Chateau et Chocolat

Neben einem Artikel über ihre Südafrika-Sehnsucht findet Ihr dort auch die Links zu den anderen Asylbewerbern, die sich an dieser Weinrallye beteiligt haben: http://chateau-et-chocolat.blogspot.de/ ... -oder.html

Danke Dorit, für ein trockenes Plätzchen, was Gutes zum Trinken und das Viele zum Lesen...
Da lässt es sich schon eine Weile Pause machen.
Beste Grüße

Torsten

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Re: Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-I

BeitragSa 1. Mär 2014, 12:07

coole bilder torsten! wir sollten mal mit dem fahrrad ins priorat ;-)...wer kommt noch mit?
es lebe die freiheit! es lebe der wein!
(johann wolfgang von goethe, faust, auerbachs keller)
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thvins

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Re: Weinrallye 71 - Asylsucher im Glas oder mein Lieblings-I

BeitragSa 1. Mär 2014, 13:06

Kein Problem, Martin...

Ich wäre ja 1996 schon fast dort hingekommen - bis zum Kloster Poblet und Tarragona waren wir da schon, damals konnte man allerdings noch problemlos fliegen - ohne dass einem der Trangia konfisziert worden wäre (seit wir 1997 dann damit auf einem Flug nach Faro Probleme bekamen und ich wirklich schmuggeln musste, fliege ich nicht mehr - etsprechend kam dann halt der Entschluß, die Fahrerlaubnis zu machen und ein Auto zu kaufen 8-) ... Natürlich auch, um mehr Wein immigrieren zu lassen...).

Man müßte halt schauen, ob es noch jenen Schweizer Nachtzug von Genf nach Barcelona gibt, der "relativ problemlos" :mrgreen: Räder mitnahm. Problemlos ist das Mitnehmen von Rädern in den Zügen auf französischem Territorium aber nie wirklich :? :cry: Auch da könnte ich Geschichten erzählen, eher :shock: - Geschichten...

Auf besagter Tour 1993 mussten wir auch von Dijon nach Mulhouse per Bahn, um pünktlich zurück zu sein. Schließlich war der Urlaub irgendwann zu Ende und die Arbeit rief...

Zug nimmt Räder mit, so die Auskunft der SNCF - aber halt nur einer am Tag damals. Wir kaufen die Fahrkarte und stellen unsere Räder ins Fahrradabteil, wo schon fünf Räder stehen. Wir schließen unsere sogleich an eine Stange des Zuges an = feste Verbindung von Zug zu Rädern... 8-) .

Kommt der Schaffner und erklärt uns, wir müssen wieder raus, es seien zu viele Räder im Zug, 3 seien nur erlaubt. Ich entgegne, wenn wir aussteigen, seien immer noch zu viele im Zug. Wir proben den zivilen Ungehorsam.

Der Schaffner holt die Polizei. Diese gibt mir recht und im Ergebnis wuchten sie die 5 anderen Räder, die zwar aneinander angeschlossen waren, aber nicht am Zug selbst, mit Riesenkraftaufwand aus dem Zug und stellen sie auf den Bahnsteig. Ohne sich zu kümmern, wem diese gehören...

Als der Schaffner nochmals auch von uns das Aussteigen befiehlt, ist die Polizei auf unserer Seite. Seien ja jetzt nur noch 2 Räder drin, 3 seien ja erlaubt....

Wir suchen uns einen Sitzplatz - uns schräg gegenüber fünf junge Leute aus der Ecke um Cottbus - die entdecken dann 3 Minuten vor Zugabfahrt ihre Räder auf dem Bahnsteig... :o :shock:

Der Schaffner verlangte allen Ernstes von der Gruppe, dass drei am Folgetag, der Letzte zwei Tage später fahren könne, einer dürfe wieder einsteigen... Sie blieben am Ende alle ratlos bei ihren Rädern auf dem Bahnsteig.

Unterwegs stiegen mehrfach Franzosen mit Rädern zu, am Ende waren bis zu 10 Rädern im Radabteil. Das hat den französischen Schaffner dann aber nicht mehr gejuckt...
Beste Grüße

Torsten

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