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Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

Hohe Brisanz, kurzes Verfallsdatum
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weingollum33

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragSo 5. Nov 2017, 19:56

Hallo Weinschlürfer,
einen 100€-Tipp als Aha-Erlebnis finde ich immer schwierig - meist sind der Zeitpunkt des Öffnens und die eigenen Vorlieben viel entscheidender als der Kaufpreis. Diese Erfahrung hast du ja selber bereits bei dem 96er Mouton Rothschild gemacht. Bei älteren Weinen kommt hinzu, dass auch nicht jede Flasche gut reift.
Eine Weinregion zu erkunden oder ein neues Level zu erfahren geht mE nur über das Auseinandersetzen mit der Region und über das Herantasten an die jeweiligen Weine. Zu Bordeauxweinen haben sich einige Mitglieder des Forums bereits geäußert. Da diese Weine bei mir eher ein Nischendasein fristen, sage ich lieber etwas zu Burgund. So launisch, wie die Diven aus Pinot Noir hier von dem ein oder anderen gesehen werden, sind sie mE allerdings nicht.
Aha-Erlebnisse hatte ich in Burgund nicht unbedingt mit 100€-Weinen – sondern eigentlich über alle Qualitätsstufen hinweg. Es gilt das Gespür dafür zu bekommen, wann man welche Weine in einer guten Phase erwischt. Vor diesem Hintergrund habe ich von interessanten Domänen Weine aller Qualitätsstufen eines Jahrgangs gekauft (Bourgogne, Village, 1er Cru und Grand Cru (letztere nur manchmal und nur wenn sie für mich erschwinglich waren)) - meist 2 bis 3 Flaschen je Level. In der Regel trinke ich mich dann in der Hierarchie nach oben. Hierdurch taste ich mich an das Trinkfenster der höherwertigen Weine eines Jahrgangs heran. Natürlich ist dies nicht 1 zu 1 auf die Weine anderer Domänen übertragbar, dazu variieren Ausbau, Stilistik und Lagencharakteristik zu sehr. Man erhält aber zumindest Anhaltspunkte, um sich den jeweiligen Qualitätsstufen der Weine eines Jahrgangs zu nähern. Seitdem ich so vorgehe und auch ein wenig Geduld mitbringe, singen zwar nicht alle geöffneten Flaschen aber es gibt eigentlich keine nennenswerten Fehlgriffe mehr!
Jetzt noch einmal zum 100€-Tipp, so du dies dennoch probieren willst. Ich würde aufgrund der abstrusen Preisentwicklung für rote Burgunder der letzten Jahrgänge - wenn überhaupt - auf etwas reifere Weine zurückgreifen. Hierbei kann man sich eigentlich darauf verlassen, dass bei den wirklich guten Domänen, die Weine aller Qualitätsstufen in jedem Jahrgang gut sind. Dies trifft, wer sich z.B. an Clive Coates orientieren möchte, eigentlich auf jede Domäne zu, der er zwei oder gar drei Sterne vergeben hat – aber durchaus auch auf viele Ein-Stern-Domänen.
Nun zu den jeweiligen Jahrgängen, die meines Erachtens bei mittel- bis höherwertigen roten Burgundern Trinkvergnügen bereiten. Ich sehe eine derartige Liste allerdings selber mehr als nette Spielerei an, als als zuverlässige Kaufentscheidungshilfe. Sie hat ferner keinen Anspruch auf Vollständigkeit und verweist natürlich nur auf die Jahrgänge, von denen ich selber das eine oder andere im Glas hatte. Teilweise habe ich konkrete Beispiele dahinter geschrieben. Dies sind Weine, die mir kürzlich besonders viel Trinkspaß bereitet haben!
2008: sehr uneinheitlich, m.E. derzeit keine Verallgemeinerung möglich
2007: Village und 1er Cru (Angerville Volnay Taillepieds; Bruno Clavelier Vosne Romanee Beaumonts)
2006: Village und 1er Cru (nur Cote de Nuits; Mugneret-Gibourg Nuits St. Georges Chaignots)
2004: 1er Cru nur Top-Domänen ! - Grüntöne leider immer noch häufig vorhanden und einige Weine bauen bereits ab
2002: Village und teilweise 1er Cru
2001: 1er Cru vor allem Cote de Nuits (Gouges Nuits St. Georges Vaucrains)
2000: 1er Cru und Grand Cru
1999: Village
1996: sehr frischer / säurebetonter Jahrgang; Village, 1er Cru und Grand Crus (letztere sind mE am Beginn des Trinkfensters; Jadot Beaune Clos les Ursules, Ponsot Clos de la Roche)
1993: 1er Cru und Grand Cru (jung)
1992: 1er Cru und Grand Cru (auf dem Höhepunkt!)
Es wäre interessant zu erfahren, wie du dich entschieden hast. Allerdings glaube ich, dass Burgunder kaum zum Beeindrucken an Geburtstagen geeignet sind, sondern eher der besonderen Aufmerksamkeit in einer ruhigen Stunde bedürfen. Sie begeistern mE selten alleine durch Frucht sondern eher durch Textur, Kraft und gleichzeitige Leichtigkeit, Transparenz oder vergleichsweise komplexe Aromenvielfalt.
Gruß Tobias
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Weinschlürfer

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragMo 6. Nov 2017, 01:43

Danke für die Mühe in deinem Post!

Egal was ich für den Geburtstag kaufe wird mir dein Beitrag sehr helfen mich an Burgund ranzutasten !!


PS: Gibt es empfehlenswerte Quellen für den Bezug etwas älterer Burgunder?
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austria_traveller

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragMo 6. Nov 2017, 07:08

Weinschlürfer hat geschrieben:Gibt es empfehlenswerte Quellen für den Bezug etwas älterer Burgunder?

Ohne jetzt ein Burgunder-Experte zu sein, aber ich würde bei Kierdorf reinschauen
http://www.kierdorfwein.de
Beste Grüße
Gerhard aus Wien
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amateur des vins

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragMo 6. Nov 2017, 10:09

Weinschlürfer hat geschrieben:Gibt es empfehlenswerte Quellen für den Bezug etwas älterer Burgunder?
Ich bin letztens zufällig bei der Vinothèque du Sommelier vorbeispaziert und habe ein paar "gebrauchte" gekauft. Der erste Burgunder(*) von diesen war sehr gut. Die Preisliste liest sich recht interessant. Wirklich belastbare Aussagen kann ich aber noch keine treffen.

(*) Vincent Girardin Pommard Clos des Lambots 1999. Duroché Charmes 1995 u.a. warten noch auf mich.
Besten Gruß, Karsten
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innauen

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragMo 6. Nov 2017, 10:45

Hallo,

ein Aha Erlebnis tritt ein, wenn etwas überraschendes passiert. Wenn ein 100 Euro Wein besser als ein 20 Euro Wein schmeckt ist das noch nichts unerwartetes. Wenn ein solcher Wein aber geschmacklich in Dimensionen einsteigt, die ich noch nicht kenne, dann erfahre ich etwas neues, unvorhergesehenes. Für mich persönlich macht einen großen Wein u.a. aus, dass er sich sich ständig wandelt und verändert. Während ein QbA möglichst ein erwartetes Geschmacksbild erfüllen sollte, darf und muss ein großer Wein mich ständig neu herausfordern.

Überrascht bin ich von einem Wein auch gerne dann, wenn ich nicht viel von ihm erwarte. So am Wochenende passiert. Numanthia 2000 war immer schwierig. Ich hatte davon wenige gute und leider auch ein paar seltsame, fast verdorbene Flaschen. Gestern dann habe ich eher unmotiviert eine der verbleibenden Pullen geöffnet. Ich kann nur sagen: Ein großer Wein :lol: Ich war wirklich verblüfft.

Grüße,

wolf
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weingollum33

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragMo 6. Nov 2017, 18:25

Innauen hat geschrieben:
ein Aha Erlebnis tritt ein, wenn etwas überraschendes passiert. Wenn ein 100 Euro Wein besser als ein 20 Euro Wein schmeckt ist das noch nichts unerwartetes. Wenn ein solcher Wein aber geschmacklich in Dimensionen einsteigt, die ich noch nicht kenne, dann erfahre ich etwas neues, unvorhergesehenes.


Mit dem Begriff Aha-Erlebnis habe ich in Bezug auf die verschiedenen Qualitätsstufen der Burgunder ausdrücken wollen, dass es mich in der Tat überrascht hat, welche Freude kleinere und mittlere Burgunder bei mir auslösen, wenn ich sie auf gutem Fuß erwische und sie singen. Dies liegt möglicherweise tatsächlich an der geringeren Erwartungshaltung. Ich denke sogar manchmal, dass der Anteil an höherwertigen Weinen in meinem Keller vergleichsweise zu hoch ist. Es bedarf auch immer einer entsprechenden Gelegenheit einen "High-End-Wein" aufzumachen.

Kierdorf ist sicherlich eine gute Adresse für gereifte Burgunder. Wahnschaffe war dies ebenso, ob dies noch für die Nachfolgegesellschaft gilt, weiß ich nicht. Die Vinothèque du Sommelier ist mir durch das Internet bekannt, ich habe aber bisher noch nichts dort gekauft!

Gruß Tobias
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Jürgen

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragMo 6. Nov 2017, 18:50

Der Clos Mogador 2001 ist seit Jahren ein sicherer Kandidat für etwa 95 Punkte. Ich hatte nur einmal eine korkige aber sonst immer gute Flaschen. Auf Auktionen sollte man den eigentlich noch unter 100€ bekommen.
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amateur des vins

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragMo 6. Nov 2017, 21:28

weingollum33 hat geschrieben:Ich denke sogar manchmal, dass der Anteil an höherwertigen Weinen in meinem Keller vergleichsweise zu hoch ist. Es bedarf auch immer einer entsprechenden Gelegenheit einen "High-End-Wein" aufzumachen.
+1

Ich habe allerdings ganz bewußt im Rahmen meiner Möglichkeiten versucht, die Grenzen ausloten. Ich kann den OP verstehen...
Besten Gruß, Karsten
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Weinschlürfer

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragDi 14. Nov 2017, 14:49

Die Dinge sind derweil mal im Gange. Ich werde informieren was es so wurde :)

Weitere Vorschläge immer gerne :)
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Weinschlürfer

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Re: Weintipps bis ca. grob um 100 Euro

BeitragDo 16. Nov 2017, 01:37

So kurzes Feedback

Ich habe über einen Shop 4 Pinot Noirs aus den Jahren 1995, 2000, 2001 und 2010 gekauft. Premier Crus alle um die 40-60 Euro. Ich bin gespannt ! Ich hoffe hier auf schöne Weine und einen tollen Einblick ! Neben den Tipps des Threads habe ich zumindst grob gecheckt, dass sie weder bei CTracker noch sonst wo schlecht bewertet waren.

Desweiteren hat mir Thorsten Hammer ein Paket mit spanischen Top Weinen zusammen gestellt. Da ist auch der Cartus 2004 dabei. Danke Thorsten für die Unkompliziertheit und das Vertrauen das Paket so schnell abzuschicken!

Ich werde auch alle die andere Tipps hier im Hinterkopf behalten und auf der Agenda haben.
ich bin jetzt mal richtig gespannt und werde berichten.

Vielen Dank an alle !

---

Mein Menue / Vorfeier für besonders gute und weinaffine Freunde im kleinen Kreis wird wohl nun ungefähr so ablaufen:

- einer der reifen 1cru Pinot Noirs aus Burgund
- Chateau Cantermerle 1989 (zum Essen)
- Cartus 2004 (zum Essen)
- Riesling Auslese *** 2001 vom Ürziger Würzgarten von Jos.Christoffel

Ich bin sehr zufrieden mit den Weinen und freue mich da ich selbst sau gespannt bin !
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