Aktuelle Zeit: Mi 24. Okt 2018, 00:23


Nordrhone

nördliche Rhône (Côte Rôtie, Hermitage, Cornas und Co.) und südliche Rhône (Châteauneuf du Pape, Gigondas, Tavel und Co.), Ardeche, Vivarais, Vaucluse und Isere, Côstieres de Nîmes, Provence, Korsika
  • Autor
  • Nachricht
Offline

amateur des vins

  • Beiträge: 859
  • Bilder: 2
  • Registriert: Sa 10. Mär 2012, 22:47

Re: Nordrhône

BeitragSo 15. Jul 2018, 16:57

Moin,

wie erwähnt, habe ich mir von den Weinen unserer weißen Nordrhône-Probe im April Zweitexemplare für Nachverkostungen besorgt. Gestern und heute waren die Coursodons dran:

Coursodon, Saint-Joseph «Silice» 2016 (13,5%)
Coursodon, Saint-Joseph «Le Paradis Saint Pierre» 2010 (14%)


Der Silice ist reiner Marsanne, gewachsen auf einem Mix von Granit und Lehm, und ist im Stahl ausgebaut. Der Paradis ist Marsanne mit 5% Roussanne, kommt von Granitböden, und ist sur lie und im großen Faß ausgebaut.

Der Silice zeigt in der Nase weiße Blüten, reife Ananas und einen Hauch Banane. Am Gaumen die Crèmigkeit der Marsanne, gepaart mit einer sehr schönen, ausreichenden, aber eher weichen Säure. Weniger fruchtig als die Nase, aber spannende Textur, und man vermeint, den Granit etwas zu schmecken. Ganz leichte Bitternote im sehr langen Abgang.
Der Paradis zeigt schon in der Nase die Kraft des Sur-Lie-Ausbaus. Eher gelbe Steinfrucht (Aprikose). Holz bestens eingebunden und praktisch nicht zu erkennen. Am Gaumen auch hier deutlich weniger Frucht. Kraftvoll, leicht buttrig. Die Säure ebenfalls recht weich und mild, aber ausreichend.
[+1d] Beide zeigen heute fast keine Frucht, sind sonst kaum verändert.

Beide sind wirklich sehr gut und eine willkommene Abwechslung zu den eingetretenen Pfaden. Der Silice gefällt mir stilistisch etwas besser, weil der Stahlausbau der eher cremigen Marsanne mehr Frische beläßt, und der Wein dadurch etwas schlanker wirkt.

Meine Ersteindrücke der Verkostung muß ich korrigieren: Der Paradis ist nicht unbedingt weit entwickelt; es ist die Weinbereitung, die diesen Eindruck hervorrief. Aber auch hier ist es eine Frage der Stilistik, nicht der Qualität: Auch dieser Wein ist duchaus gut gemacht.

Weinfreunde, die überwiegend oder ausschließlich Riesling trinken, oder auch "nur" Chardonnay, tun sich hier vielleicht etwas schwer und vermissen Spannung. Aber wer wer einmal etwas anderes probieren möchte, ohne gleich zu gelbem oder orangem Wein zu greifen, findet hier sehr gute und typische Vertreter.

Diese Weine sind - vielleicht aufgrund der eher milden Säure - eher empfindlich, was die Essensbegleitung angeht: Schon ein Camembert-Brot wird vom Paradis gerade noch ertragen, überfordert aber den Silice. Den würde ich eher solo trinken, oder zu einem zart gewürzten weißen Fisch reichen. Der Paradis ist etwas intensiver und könnte wohl auch neben einer Wachtel oder einem Kaninchenrücken bestehen.
Besten Gruß, Karsten
Offline

thiloV

  • Beiträge: 72
  • Registriert: Do 2. Okt 2014, 14:19
  • Wohnort: Südwestpfalz

Re: Nordrhone

BeitragMo 23. Jul 2018, 11:10

Hallo zusammen,

ich hatte in den letzten Wochen wieder ein paar Syrahs im Glas und geb hier mal meine Eindrücke wieder. Ich hab jeweils das erste Glas direkt nach dem Öffnen abgezapft und den Rest der Flasche auf Miniflaschen verteilt und über mehrere Tage/Wochen nach und nach getrunken.

Zunächst die 2015er:

Les Vins de Vienne, Heluicum und Yann Chave, Crozes-Hermitage
Meine Erfahrung hält sich nach wie vor in Grenzen, aber ich vermute, dass beide Weine momentan verschlossen (oder auch in der Umbauphase) sind. Beide Weine waren total unrund, weder nach dem Öffnen, noch nach einiger Zeit in Miniflaschen oder nach längerem Offenstehen stellte sich sowas wie Trinkfluss ein. Es entwickelten sich keine Tiefe, es störten eigentlich immer Tannine, Alkohol und Säure. Einzig der Heluicum zeigte aus einer Miniflasche, dass in ihm Potenzial steckt.
Ich hab meine restlichen 2015er jedenfalls nach ganz hinten gestellt und fasse die erstmal nicht mehr an. Kann jemand bestätigen, dass 2015er Nordrhone-Syrahs momentan verschlossen sind? Die letzten Einträge auf Cellartracker sind noch von 2017, das würde also passen.

Viel besser die 2016er:

André Perret, Vin de Pays des Collines Rhodaniennes, Syrah
Dieser Wein ist jetzt schon das vierte Jahr der jeweils erste Syrah des Jahrgangs, den ich bekomme und spiegelte jedes Mal den Jahrgang wunderbar wider. Der 2016er ist sehr leicht, leichte Anklänge von Beaujolais, sehr fruchtig, sehr schöne Säure (die mich sonst auch schnell stört), wirklich vielversprechend für den 16er Jahrgang. Das wurde auch von jeder Miniflasche bestätigt. Viel Trinkspaß und Typizität, für einen Einsteigerwein beachtlich.

Domaine Jamet, Côtes du Rhône
Die Trauben kommen aus dem Grenzgebiet von Côte Rôtie, manche stehen wohl innerhalb, manche knapp außerhalb der Grenze. Ich kannte den Wein vorher nicht und war hin und weg. Jede Miniflasche präsentierte sich zwar sehr jung, aber ungemein trinkig, fruchtig, leicht und für einen CdR sehr komplex. Das ist jetzt schon sehr gut und wird sicherlich auch noch ein paar Jahre halten. Bei mir hat sich spontan ein Nachkaufreflex eingestellt, aber nach den Erfahrungen mit den 2015ern oben, werde ich wohl erst wieder in fünf Jahren drangehen.
Wenn ich eine Benchmark bräuchte für leichten Nordrhone-Syrah, hier wäre sie.

Viele Grüße, Thilo
Offline
Benutzeravatar

AixWine

  • Beiträge: 19
  • Registriert: Do 9. Dez 2010, 17:28

Re: Nordrhone

BeitragMo 23. Jul 2018, 11:59

Ich hatte kürzlich den 2015er Cornas Terre Brulee der Domaine Lionnet.Den fand ich gar nicht verschlossen (und richtig gut dazu):
http://etsweinblog.blogspot.com/2018/07 ... -erde.html

Viele Grüße,

Erik
Offline

thiloV

  • Beiträge: 72
  • Registriert: Do 2. Okt 2014, 14:19
  • Wohnort: Südwestpfalz

Re: Nordrhone

BeitragDi 24. Jul 2018, 09:41

Hallo Erik und danke für die Rückmeldung.

Vielleicht hatte ich ja auch einfach nur Pech, eventuell ziehe ich noch einen kleinen 15er auf. Viel habe ich aus 2015 eh nicht gekauft, insofern passt das, wenn ich den Rest liegen lasse.

Viele Grüße, Thilo
Offline

thiloV

  • Beiträge: 72
  • Registriert: Do 2. Okt 2014, 14:19
  • Wohnort: Südwestpfalz

Re: Nordrhone

BeitragSo 29. Jul 2018, 13:34

Hallo,

ich bin jetzt doch nochmal neugierig geworden und hab nochmal einen 2015er Syrah aufgezogen:

Jean-Michel Gérin, La Champine 2015
War bis vor kurzem noch ein IGP Collines-Rhodaniennes, mittlerweile ist er wohl ein Vin de France, auch wenn auf der Flasche gar nichts steht. Enthält wohl junge Trauben aus Côte Rôtie, sowie eigene und zugekaufte Trauben aus der Region drumherum.
Und tatsächlich, der Wein ist nicht verschlossen, er braucht nur etwas Luft (2-3 h). Er kommt eher von der kräftigeren Seite der Nordrhone Syrahs (13.5 %), viel Frucht und fast schon süßliche Assoziationen von Blut (?). Wer die kräftigere Stilistik mag, bekommt hier einen sehr schönen Syrah für < 15 €. Einzig die Alkohol-Säure-Tannin Kombination war mir etwas zu bissig.

Also hatte ich vorher vielleicht einfach nur Pech? Die 15er nach hinten stellen schadet mutmaßlich aber nicht, dieser hier kann mindestens noch drei Jahre zulegen, eher länger.

Viele Grüße, Thilo
Offline

stollinger

  • Beiträge: 132
  • Bilder: 0
  • Registriert: Sa 10. Dez 2016, 10:22

Re: Nordrhone

BeitragSo 5. Aug 2018, 20:11

Hallo,

ein schöner Wein ist der weiße 2015er St. Josef der Domaine Farjon.

Bild

Kein hoch komplexer Wein, trotzdem schön harmonisch und vollständig. Der ist jetzt sehr gut und gereift. Vor 1 1/2 Jahren war der noch ziemlich ungestüm und unbalanciert. Ich denke, besser wird der nicht.

Grüße, Josef
Offline

thiloV

  • Beiträge: 72
  • Registriert: Do 2. Okt 2014, 14:19
  • Wohnort: Südwestpfalz

Re: Nordrhone

BeitragDi 21. Aug 2018, 10:37

Hallo,

trotz des immer noch viel zu heißen Wetters hat es die Tage ein Rotwein in mein Glas geschafft. Wegen des heißen Wetters ein kleiner:

Domaine des Rémizières Crozes-Hermitage 2015
Nachdem mich letztes Jahr der IGP-Syrah der Domaine an einen pfälzer Dornfelder erinnert hat, bin ich hier wieder stilistisch eher in der Pfalz als an der Rhone. Viel dunkle Frucht, leicht Kohlensäure, gerade noch als Syrah erkennbar, sehr trinkig, passte sehr gut zum Pferdefilet vom Grill. Einzig das PGV ist mit knapp über 10 € schlechter als in der Pfalz, einen stilistisch ähnlichen St. Laurent oder so bekomme ich hier für den halben Preis. Wenn es aber unbedingt Syrah sein muss, macht dieser hier Spaß.

Viele Grüße, Thilo
Offline
Benutzeravatar

Herr S.

  • Beiträge: 647
  • Bilder: 6
  • Registriert: So 12. Dez 2010, 15:11
  • Wohnort: Bockenheim a.d. Weinstrasse

Re: Nordrhone

BeitragMi 22. Aug 2018, 20:25

Hallo zusammen,

zuletzt im Glas:

d8e938c822776809ff5edeff4365c5e7.jpg


Bild[/url]

Der muss sich noch die (Holz-)Hörner abstoßen, könnte dann aber schön reifen, die Anlagen sind vorhanden.

Viele Grüße,
Björn
--------------------------------------------
"Tout homme a droit à vingt quatre heures de liberté par jour"
(Wandspruch im "Het Goudblommeke in Papier")
Offline

Créot

  • Beiträge: 234
  • Registriert: Fr 18. Mai 2012, 15:24

Re: Nordrhone

BeitragMi 22. Aug 2018, 23:31

Hallo Thilo,

danke für deine Notiz zu dem Crozes-Hermitage von Remizieres - auch wenn es nicht wirklich schön klingt. Ich war letztes Jahr zu Besuch dort, ich glaube Grenache hat die Domaine empfohlen. Ich fand die Weine an diesem heißen Tag recht verschlossen und extrem tanninbetont (vielleicht Tagesform: des Weines oder meine eigene... aber Pfalz kam mir nicht in den Sinn, easy-drinking absolut nicht und Kohlensäure habe ich auch nicht wahrgenommen - vielleicht hattest du eine schlechte Flasche), habe mir nichts aufgeschrieben und auch noch nichts aufgerissen, weil ich die Sachen erst einmal liegen lassen wollte. Ich fand die Preise für Nordrhone-Niveau aber sehr ansprechend (der von dir genannte Crozes kostete ab Weingut 8,- Euro).

Ich hatte letztes aber auch noch einen anderen 2015er Crozes-Hermitage: Paul Jaboulet Aine Domaine Thalabert.

Verkostungsnotiz: Wunderbare Nase mit dunkler Frucht, Cassis, sehr würzig, Lakritze. Am Gaumen dichte Frucht, Blaubeere, sauerkirschfleischig, reif und hedonistisch aber mit guter Frische, sehr dicht gestrickt, deutliche, aber ganz feine kakaopudrige Tannine, bleibt sehr lange haften. Sehr gut.

Also: Alles andere als verschlossen. Am zweiten Abend hat er dann etwas zugemacht. Für meinen Geschmack war der Charakter etwas zu international, bin aber gespannt, wie sich der Wein in den nächsten Jahren entwickelt, insbesondere, ob sich der Wein noch etwas auffächert und mehr Nordrhonecharakter gewinnt (habe noch ein paar...).

Grüße
Stefan
Offline

thiloV

  • Beiträge: 72
  • Registriert: Do 2. Okt 2014, 14:19
  • Wohnort: Südwestpfalz

Re: Nordrhone

BeitragDo 23. Aug 2018, 06:49

Hallo zusammen,

@Stefan: Erstaunlich, klingt aber nach Flaschenform, denn easy-drinking war meiner für mich definitiv, das war auch ein Grund für die Pfalz-Assoziation. Das sollte auch gar nicht so negativ klingen, bei 8 € hätte ich auch nicht über das PGV gemeckert, ich hab aber ca. 12 € bezahlt.

Ich mag die Domaine auch, hast Du bei Deinem Besuch die (edit: 2015er) Cuvées Christophe und Emily probieren können und zufällig noch irgendwelche Erinnerungen?


@Björn: Klingt auch gut, Gripa steht auf meiner 'zu probieren Liste', allerdings eher in rot. Bei Rhone-Weißweinen hat mich bis jetzt oft der Alkohol gestört, war der spürbar?

Viele Grüße, Thilo
VorherigeNächste

Zurück zu Rhône und Provence

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

Impressum - Nutzungsbedingungen - Datenschutzrichtlinie - Das Team - Alle Cookies des Boards löschen