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Schaumwein von der Rhone

BeitragVerfasst: Fr 2. Jan 2015, 16:02
von VillaGemma
Es ist zwar nicht das häufigste Gut, was man in der südlichen Rhone findet, aber es gibt sie: Die Schaumweine aus dem Gebiet der südlichen Rhone. Daher darf man dafür wohl ruhig einen Thread öffnen:

Zum Genuss gab es: "Clairette de Die" von "Achard-Vincent Clairette Tradition".

Ein Schaumwein bestehend auf 90% Muskat (riecht man auch sofort) und 10% Clairette. Vorweg: Der Schaumwein ist auf eine spezielle Weise gefertig (zB mit Weinen verschiedener JG) und besitzt eine hohe Restsüsse (66 g/L) aber eben auch schön wenig Alkohol (7%).
Der Wein hat einen sehr schönen vollen Geschmack nach weißen Früchten und schmeckt absolut typisch nach Muskat. Abgang ist nicht sooo lange, aber dafür möchte man sofort ein weiteres Glas einschenken, was letzten Endes sehr für den Wein spricht.

Es ist zudem ein Schaumwein aus zertifiziertem biodynamischen Anbau (mit demeter-Logo).

Es ist auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die einen solch restsüssen Schaumwein mögen, wo ich mich erstaunlicherweise sogar dazu zähle ;)

Re: Schaumwein von der Rhone

BeitragVerfasst: Fr 2. Jan 2015, 18:10
von Grenache
Restsüß ist ein Clairette de Die nicht, er ist "Doux", aber gerade das macht seine Finesse aus, eingesperrte Trauben in der Flasche aus einem Seitental der Rhône. Bei der méthode tratitionelle findet die zweite Gärung ohne Dosage in der Flasche statt, das ist Natur pur. Bei mir darf er im Keller nicht fehlen und an heißen Sommertagen auf der Terrasse eiskalt genossen, ist er ein wahrer Hochgenuss. Als Aperitiv und zum Dessert geht er immer. Preislich liegen sie zwischen 5 und 11€.
Archand-Vincent Tradition war übrigens ein coup der coeur im Guide Hachette 2014.

Re: Schaumwein von der Rhone

BeitragVerfasst: Fr 2. Jan 2015, 18:26
von VillaGemma
Grenache hat geschrieben:Restsüß ist ein Clairette de Die nicht, er ist "Doux",


Ernsthafte Frage: Wo genau liegt der Unterschied? Und dann noch eine Frage: Wo bekommst Du den so günstig? Vor Ort ab Hof? Ich habe den für 16,90 Euro gekauft.

Was auf jeden Fall richtig ist: Der wird wohl ein fester Bestandteil im Weinkeller :) ... wir haben den gestern bei 14 Grad genossen, so kalt braucht der gar nicht zu sein.

Und könnte es sein, dass er durch seine Machart weniger Histamin entwickelt als ein normal flaschengegärte Sekt? Ich fand es auf jeden Fall extrem angenehm, dass er so wenig Alkohol hat. Schade, dass das bei einem C9 doch immer das doppelte an Alk anzutreffen ist und mehr..aber nun ja. Lässt sich nicht ändern.

Re: Schaumwein von der Rhone

BeitragVerfasst: Fr 2. Jan 2015, 20:00
von Grenache
VillaGemma hat geschrieben:Ernsthafte Frage: Wo genau liegt der Unterschied?


Restsüß ist eine nicht genau definierte Angabe und kann zwischen 3g/l und über 50g/l Restzucker beinhalten.
"Doux" ist dagegen eine in Frankreich klar definierte Angabe der Restsüße, nämlich mindestens 50g/l Restzucker in Schaumwein.
Würde man eine solche Zuckerbombe außerhalb der AOC Clairette de Die herstellen, wäre sie sofort zum Rummelmarktsblubber oder Straßenkehrerspuma degradiert, weil diese immer aufgezuckert sind.
Nur mit der méthode ancestrale im Tal der Drôme erreicht man diese gefragte Spitzenqualität.
Clairette de Die kaufe ich meistens bei der jährlichen Rückfahrt von Ch9dP, dann mache ich einen Abstecher über Nyons, wo ich Olivenöl kaufe, nach Vercheny ins Tal der Drôme und kaufe meist bei Jaques Faure ein, da habe ich das letzte Mal 7,45/Fl bezahlt. Jaques Faure ist übrigens auch in Strasbourg vom 20.- 23. Feb.,Salon des Vins.

Gruß, Grenache

Re: Schaumwein von der Rhone

BeitragVerfasst: So 4. Jan 2015, 11:27
von VillaGemma
Super, danke für die Info. Und wie immer hast Du ein umfassend detailliertes Wissen um die Region. Daher sei mir noch eine Frage erlaubt ;)

Wieso verbleibt bei diesem Schaumwein die hohe (Rest) Süsse? Klar, man arbeitet hier ohne weitere Zugabe, wie bei einem Champagner üblich. Das hatte ich bei delinat schon gelesen, nur ich frage mich, wieso wird der nicht trocken?
Nach der anscheinend ähnlich ablaufenden Flaschengährung schlägt man keine Resthefe (Degorgieren) ab, sondern entnimmt den Inhalt unter Druck der Flasche, reinigt die Flasche, filtert den Wein und gibt ihn zurück in den Flasche+Verschluss. (Auch sehr aufwendig, aber eigentlich ja das "korrekte/unverfälschte" Verfahren. Beim Champangner führt man dann nochmal eine geheime Dosage wieder zu, ggf. mit Zucker. Für Puristen ja schon grenzwertig ;) ).

Alles soweit klar, nur wie unterbinden die eine Reduzierung des Weins zu einem dann Restsüssen ;-) bei 10-12% Alkohol? Durch Kühlung? Beim Muscat de Riversalt durch die Zugabe von Alkohol...aber hier?

Viele Grüße,

Robert

PS: Es ist schon irre, wieviel unterschiedliche Methoden es gibt, einen Wein oder Schaumwein herzustellen.

Re: Schaumwein von der Rhone

BeitragVerfasst: So 4. Jan 2015, 17:46
von weinaffe
Hallo Robert,

nach meinem Wissensstand werden diese dezent schäumenden Weine, wenn Sie den gewünschten Alkoholgehalt mit entsprechender natürlicher Restsüsse erreicht haben, unter Gegendruck filtriert und in eine neue (saubere) Flasche gefüllt. Durch die Ausfiltrierung der Hefe tut sich natürlich gärungsmässig nichts mehr und es verbleibt bei geringem Alkoholgehalt mit entsprechend hoher natürlicher Restsüsse.

Grüsse
Bodo

Re: Schaumwein von der Rhone

BeitragVerfasst: So 4. Jan 2015, 22:40
von Grenache
Bei der "méthode dioise ancestrale" werden die handgelesenen Trauben zunächst in die Kelter gebracht, der Most wird dann inzwischen in Inox-Tanks auf bis zu -3°C runtergekühlt und dann einer sehr langsamen, kühlen Gärung unterzogen, bis der Stillwein ca. 4 bis 5% Alkohol aufweist. Das dient der Konservierung der Geschmacksstoffe der Trauben, Alkohol ist nun mal ein Geschmacksträger ( wie Fett auch). Zur zweiten, weiteren Gärung wird er ohne weitere Dosage in Flaschen gefüllt und weitere 4 bis 5 Monate der Gärung überlassen. Bei einem Alkoholgehalt von ca. 7,5% erreicht man einen Stop der Gärung durch weitere Kühlung, Filtration des Flascheninhalts und Abfüllung in neue Flaschen.
Der anfängliche Restzucken von ca. 55g/l reduziert sich bei der zweiten Fermentation als Flaschengärung auf ca. 35g/l. Das würde aber immer noch ausreichen, um den Inhalt weiter durch Gärung im Alkoholgehalt steigen zu lassen, das wäre die Fruchtigkeit dieses Weines abträglich.
Also stoppt man die weitere, mögliche Gärung durch Kälte und Sterilfiltration. Das Ergebnis ist eben dieser unglaublich frische und fruchtige Clairette de Die, durch nichts zu ersetzen und weit vor Dom Perignon bekannt.
Champagner ist dann allerdings was ganz anderes und darf auch im Keller keinesfalls fehlen.

Gruß, Grenache

Re: Schaumwein von der Rhone

BeitragVerfasst: Mo 5. Jan 2015, 09:34
von thvins
Und weil Champagner ja noch mal etwas ganz anderes ist, gibt es auch im Gebiet um Die den Schaumwein nach der Champagnermethode, den Crémant de Die. ich habe bei meinen Besuchen in der Gegend stets gern beide Varianten mitgenommen. Selbst die Genossenschaft produziert recht anständigen Stoff (Jaillance, Cave de Die), einfach zu finden, da nicht zu übersehen, wenn man das Drôme-Tal hoch fährt. Ein anderer Erzeuger macht aber wesentlich bessere Sachen, ich glaube Raspail hieß der. Ich muss der der Planung der diesjährigen Klettersteigtour vielleicht mal diese Strecke wieder mit einplanen... Preislich liegen die Schaumweine des Die-Gebietes meist um 5 bis 10 € vor Ort bei den Erzeugern gekauft. Und ganz beiläufig - die alte kleine Stadt ist auch recht hübsch.

Es gibt allerdings dann noch eine zweite interessante Region, wo ähnliches angeboten wird, aber das ist von der Region nicht so die Baustelle unseres Rhône -Experten Grenache. In Limoux unterhalb der Pyrenäen gibt es eine ebenso süße wie alkoholarme Méthode Ancestrale, die ich für genau so probierenswert und seriös halte wie die von Die (wie auch den nach Champagnermethode erzeugten Crémant de Limoux). Ob die Herstellung dort genau so abläuft, entzieht sich jetzt meiner Kennnis, aber diese M. A. kann ich jedenfalls nicht mit abwertenden Worten disqualifizieren.

Re: Schaumwein von der Rhone

BeitragVerfasst: Mo 5. Jan 2015, 21:01
von VillaGemma
Super, danke für die Ausführungen. Einzig blöd, dass man die Schaumweine net soooo einfach hier in D bekommt bzw. nicht für die genannten Preise ;) . Aber wir werden ganz sicher wieder im C9 Urlaub machen, nur dieses Jahr klappt das nicht :cry: