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Korsika

nördliche Rhône (Côte Rôtie, Hermitage, Cornas und Co.) und südliche Rhône (Châteauneuf du Pape, Gigondas, Tavel und Co.), Ardeche, Vivarais, Vaucluse und Isere, Côstieres de Nîmes, Provence, Korsika
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragSa 14. Jul 2018, 17:31

Hallo,

vor einigen Wochen war ich wieder vor Ort und habe auch die Domaine de Granajolo besucht. Die Domaine liegt wenig nördlich von Porto Vecchio. Angebaut werden die Rebsorten Niellucciu, Sciaccarellu und Vermentinu, seit 1987 mit Bio-Zertifizierung.

WP_20180529_17_01_47_Rich.jpg

Die Anbaufläche der Domain kann man in etwa in der Mitte des Bildes sehen. In dem brachen Bereich wird neu bestockt. Die Herkunftsbezeichnung is AOC Vins de Corse - Porto Vecchio. Neben der Domaine de Granajolo mit ca. 100.000 Flaschen jährlich gibt es in dieser Appelation noch die Domaine de Torraccia (ca. 200.000 Flaschen). Einen Weinberg der Domaine de Torraccia kann man rechts im Bild auf der Hügelkette erahnen. Weiter gibt es noch das Weingut Fior di Lecci. Das sind dann meines Wissens auch schon alle wesentlichen Erzeuger, ich meine mal gelesen zu haben, dass etwa 400.000 Flaschen jährlich in der Appelation gemacht werden.
Bei den Böden handelt es sich um Granit-Böden. Die Weine sind deshalb m. M. auch deutlich von den Weinen von Kalksteinböden in Patrimonio zu unterscheiden. Ich finde sie insgesamt in der Regel körperärmer und rustikaler, was ich aber durchaus schätze. Häufiger auch eine lebhafte, fruchtige Säure bei den roten.

Die Weine der Domaine de Granajolo werden von der sympathischen Winzerin Gwenaële Boucher gemacht. Ihr Eltern, Monika und André Boucher, haben das Weingut 1974 gegründet. Monika stammt aus Deutschland und deshalb spricht neben ihr, auch Gwenaële fließend deutsch.
Es gibt jeweild die Cuvée Tradition und die Cuvée Monika in weiß, rot und rose. Einige Vetreter habe ich in den letzten Wochen getrunken:

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Bei den Weinen wird Wert auf unverfälschte Sorten- und Regionstypizität gelgt. Mit Preisen von unter 9€ bekommt man hier einen schönen Gegenwert und vor allem auch einen unkomplizierten Einblick in die Gebietstypizität von Weinen vom Granitboden aus dem südlichen Korsika.

Persönlich sehe ich die etwas frischere und leichtere Cuvée Tradition vorne. Es gibt etwas gehobener auch noch den Le J in weiß und rot, der im Holzfass ausgebaut wird, was in Korsika eher die Ausnahme als die Regel ist. Ich konnte nur den roten 2014er aus Niellucciu probieren, der Wein hatte eine prägnante Mentholnote, die laut der Winzerin von der Fasslagerung kommt. Den wollte ich aber noch etwas liegen lassen.

Granajolo_Jun2018.PNG

2018 war in Porto Vecchio ein ziemlich feuchtes Frühjahr, weshalb der Weinberg an vielen Stellen einer Blumenwiese ähnelt.

Granajolo2_Jun2018.PNG

Grüße, Josef
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragSa 25. Aug 2018, 19:20

manubi hat geschrieben:Eigentlich kann ich mich nicht an korsische Weine erinnern, die ich je getrunken hätte. Mehr aus Neugier habe ich vor kurzem 3 Flaschen eines mit einer sehr hohen Parker-Wertung angepriesenen Wein ersteigert, 3 Flaschen für € 51 inkl. Versandkosten:

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Der XX270 gehört aber deutlich zur besseren Hälfte der bisher verkosteten Syrah/Shiraz-Weine.

Gruß

Manfred


Hi Manfred, ich habe den Wein heute bei der Cave du reserve du president (der Erzeuger) probiert. Deine Beschreibung gibt den Wein ziemlich gut wieder. Die Tannine habe ich nicht mehr als rau empfunden, die Flasche war schon recht leer. Ich vermute, die war schon länger offen. Vom Stil jedenfalls recht breit und kräftig, die Säure fand ich etwas schlapp. War gerade von 15€ auf 10€ reduziert, gereizt hat mich Wein trotzdem nicht.

Jedenfalls kann man sagen, dass der Wein nichts mit korsischen Weinbau gemein hat. Allgemein würde ich einen Bogen um die Weine von reserve du president machen. Die weißen schmecken nach kaltvergorene, einheits Drops-Wässerchen. Die einfachen roten habe ich überextrahiert empfunden. Es gibt noch den Prestige du President der mit 94pp versehen ist (für 9€). Wusste nach den Probieren nicht, ob ich lachen oder weinen soll...
Wie alle Weine hier, völlig neben jeder Rebsorten - und Regiotypizität.

Ich hoffe du verstehst mein Posting nicht als Kritik o. Ä. An deiner Vkn. So ist es definitiv nicht gemeint.
In den letzten tagen war ich bei vielen korsischen Weingütern und habe viele tolle, typische korsische Weine zu guten Preisen getrunken. Nach dem Besuch eben bei Reserve du President bin ich regelrecht schockiert, was da in die Flasche kommt.

Grüße Josef
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragSa 8. Sep 2018, 15:27

Hallo,

zuletzt habe ich ein paar Weine der Domaine Vecchio getrunken. Die Domaine liegt an der korsichen Ostküsten-Ebene etwa 25 Km nördlich von Aleria in der Appelation Corse. Die Sedimente der Osküsten-Ebene sind im Neogen entstanden und beinhalten im wesentlichen Sandstein (Tonmineraliern, Quarz und Feldspat). Lokal gibt es in der Ostküsten-Ebene auch Kalkstein (durch veränderte Küstenlinien in den letzen 20 Mio. Jahren) und/oder Gerölle, Schotter und Mineralien, die von Flussläufen des heutigen Tavignanu-Flusses stammen. Beides ist aber bei den Weingärten der Domaine Vecchio nicht der Fall.

Domaine Vecchio Aug2018.PNG


Die (vier?) verschiedenen Weingärten liegen an unterschiedlichen Orten in der Ostküsten-Ebene. Der größte Anteil der Korsischen Weine wird hier produziert (z.B. von den Cooperativen Union de Vignerons de l'ile de beaute und Vignerons de Aghione).

Die Weine haben für meinen Geschmack alle das Merkmal einer relativ kräftigen Extraktion. Neugierig war ich auf einen korsichen Chardonnay.

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Ich habe noch davon und werde die zwei Flaschen eine ordentliche Weile liegen lassen. Ich denke aber, dass mir der Wein deutlich zu säurearm ist. EIn Argument für einen Chardonnay aus Korsika konnte ich auch nicht ausmachen, hatte nichts, was man nicht auch in einem Chardonnay aus sonstwoher finden kann. Wird schon seine Gründe haben, warum man auf Korsika nur sehr selten einen Chardonnay findet.

Den Vermentino aus 2017 habe ich auch probiert. Der war leider gar nicht mein Fall, sehr voll und säurearm. Bei den Vermentinos aus der Appelation Corse habe ich in 2017 häufig erlebt, dass diese zu säurearm waren und einfach matt und teilweise breit sind. Da bin ich lieber vorsichtig.

Der einfache rote (2016) ist mit 7€ angenehm bepreist. Ich finde, er leidet aber unter dem kräftigen Extrakt, was ihn doch ziemlich grob und unharmonisch macht. Er bringt Frische und Substanz mit, vielleicht wird er in 3 - 4 Jahren ein angenehmerer Vertreter.

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Für 30€ kann man noch die Cuveé Melusine kaufen sortenrein aus Niellucciu oder Vermentino, stark ertragsreduziert. Ich habe nur den roten probiert, der war schon sehr dicht, frisch und auch präzise. Ein guter Wein, aber keine 30€ wert. Für 18€ hätte ich ihn genommen.

Grüße, Josef

Ach ja, einen Rose mit rosa Plastikkorken gibt es auch...
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragDi 18. Sep 2018, 19:11

Palim, Palim,

vor einigen Wochen habe ich auch die beiden rosé Weine der Domaine Marquiliani getrunken. Jahrgang 2017, ich war auf ganzer Linie enttäuscht.

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Beide mit 13.5% Alkohol, was an den Weinen das einzig hervortretende war. Ansonsten ausdrucks- und lieblos was seine Krönung im Plastikkorken fand. Die ab Hof Preise liegen bei 10€. Es war noch ein anderes Paar auf dem Hof welches nach dem Probieren sich dafür entschieden hat, keinen Wein zu kaufen. Ich habe die beiden Flaschen dann mit 7 anderen mehr oder weniger Weininteressierten am abend getrunken. Ohne das der Wein weiter thematisiert wurde, fiel mir auf, dass sich keiner nachschenken wollte.

Die Weine werden auch von dem Kermit Lynch in die USA importiert und sind dann da für ca. 30$ erhältlich. Klar, meine Einschätzung ist subjektiv, aber die Berichte auf Cellartracker (10 Bewertungen für einen 2017er Rose! Da werden keine 10.000 Flaschen von gemacht.) decken sich so garnicht mit meinen Erfahrungen.

https://www.cellartracker.com/wine.asp? ... eab11f4ea2

https://www.cellartracker.com/wine.asp? ... eab11f4ea2

Ich werde das Gefühl nicht los, dass da jemand ganz dreist Marketing betreibt... :D

Grüße, Josef
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragSa 22. Sep 2018, 16:04

Hallo,

ebenfalls an der korsichen Ostküste in Rotani liegt das Weingut Clos Canereccia. Es wird von Christian Estéve bewirtschaftet. Die Gründung und ersten Rebpflanzugen Anfang der 70er Jahre gehen auf seinen Großvater Pierre zurück. Seit 2010 vinifiziert Christian Estéve seinen eigenen Wein, anfangs aus 5ha. Weitere 16ha Rebfläche wurden bewirtschaftet und in der Cave Cooperative ausgebaut.

In den letzten Jahren kamen zur eigenen Weinbereitung weitere Neupflanzugen der Rebsorten Vermentinu, Carcaghjolu Neru, Sciaccarellu, Biancu Gentile, Genovese und Minustellu hinzu, so dass heute 9 ha Produktionsfläche existieren. Die Trauben aus ca. 15ha werden immer noch an die Cooperative geliefert.

WP_20180818_18_13_08_Pro.jpg
Bild 1


In den Weinbergen sind Gerölle bis ca. 10cm Durchmesser aufgeschlossen, die im Mittelmiozän im Verlauf eines Flussdeltas (von West (Blickrichtung Bild 2) nach Ost (Richtung Meer)) abgelagert wurden. Diese Flussschüttungen sind horizontal verzahnt mit randmarinen Ablagerungen.

WP_20180818_18_18_11_Pro.jpg
Bild 2


Die vertikale Abfolge der Sedimente wurde durch Meeresspiegelschwankungen gesteuert. Die Küstenlienie hat sich durch Anstieg und Sinken des Meeresspiegels verändert und dadurch Strandsände und marine Sedimente abgelagert.[1] Unweit vom Clos Canereccia kann man das in einem Aufschluss schön sehen. Wechselnde, ineinander verzahnte Schichten von Flussgeröll und marinen Sedimenten.

Bild 3.PNG
Bild 3

Bild 4.PNG
Bild 4


Weine gekauft und getrunken habe ich übrigens auch:

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Den einfachen Rose fand ich nicht besonders spannend. Er richtet sich mit seiner einfachen, fruchtigen Stilistik wohl an Freunde leicht zugänglicher Weine.
Besser fand ich den Rosé AOP. Nach Angabe von Christian Estéve geht der hauptsächlich in die Gastronomie. Die Länge war für einen Rosé beeindruckend und er gibt mit Sicherheit einen guten Essensbegleiter für Gemüse und helles Fleisch ab.

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Gut gefallen hat mir auch der Rote:

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Kräftig und dicht, dabei aber schön frisch und lebhaft.

Am besten gefallen haben mir die Weißen. Mitgenommen habe ich den 2016 Biancu Gentile (20€) und 2017 Vermentinu (18€). Beide werden jeweils zu 50% im Fuder und im Stahltank ausgebaut. Nicht ohne Stolz erwähnte Christian Estéve, dass seine Fuder aus Österreich von Stockinger stammen. Ich weiß das jetzt nicht einzuordnen...

Zusätzlich macht er auch verschiedene Amphoren-Weine (30€). Im Falle vom Carcaghjolu Neru 2016 fand ich das auch sehr gelungen. Die Traube kann ganz schön rustikal sein, der Amphorenwein präsentierte sich dann aber schon weich und harmonisch bei einer ungemeinen Dichte und Intensität. Einen Nielluciu aus der Amphore gibt es auch, mir haben hier die Tannine nicht ganz so gut gefallen, Christian Estevé war sich sicher, dass dieser Wein mit Reife besser wird als der Carcaghjolu Neru. Ich habe mal eine Flasche mitgenommen um zu sehen, ob er Recht hat. Der Vermentinu aus der Amphore war mir zu weich, zu wenig lebhaft.

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Bild 5


Insgesamt hat mir der Besuch des Weinguts sehr gut gefallen und ich bin gespannt, was er nächstes Jahr so hat. Die Preise sind jedoch für m. E. recht weit oben in der Bandbreite.

Grüße Josef

[1] J. Kuhlemann, W. Frisch, M. Meschede, Sammlung Geologischer Führer Band 99 Korsika, Gebr. Bornträger
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Winedom

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Re: Korsika

BeitragSa 22. Sep 2018, 17:06

Hallo Josef!
Danke für´s mitnehmen nach Korsika!
Scheint echt schön zu sein da!
Und es scheint viel zu geben zum entdecken.
Allein die Rebsortarten von denen ich noch nie was gehört habe!

Das mit Domaine de Marquiliani hört sich dreist an aber ist in meinen Augen durchaus im Bereich des Möglichen!

Ganz früher haben wir oft mal einen Corsaire im Tengelmann mitgenommen. Das war so ein Standart Massenwein
aber schön würzig und rund. So vor 30 Jahren :lol:

Viel Spass noch dort!
Und super mit dem einbinden Deiner Bilder!
Gruss Rainer
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragSa 17. Nov 2018, 14:54

Hallo,

weiter vorne hatte ich ja schon mal etwas zum Clos Fornelli geschrieben. Im August habe ich das Weingut wieder besucht. Von den Weinen war ich wieder sehr angetan. Für mich persönlich ist das mein liebstes Weingut auf Korsika von der Preis-Genuss Relation betrachtet.

Ich würde die Weine von Josée Vanucci typischerweise als eher schwach extrahiert, frisch und auch gerne mal fruchtig, dazu würzig beschreiben. Sie probiert m.M. viel aus und hat Interesse an Erneuerung. Generell (solche Aussgen sind natürlich gefährlich, ich lasse mich mal hinreißen) empfinde ich sie und viele korsische Winzerinnen und Winzer, mit deren Weinen ich Erfahrung gemacht habe, als recht progressiv (z.B. Muriel Guidicelli, Nicolas Mariotti Bindi, die drei Arenas, Christian Estéve und Yves Canarelli).

Es werden vielfach alte korsische Rebsorten neu gepflanzt. Unter anderem auch, weil die Sorge besteht, das Xylella Bakterium, was schon auf Korsika nachgewiesen wurde, könne auf die Weinreben übergehen. Man erhofft sich, das die Rebsortendiversität hier die Ausbreitung verlangsamt und evtl. resistente Sorten hervorbringt.

Luftlinie ist das Weingut nur ca. 10 Km vom Clos Canereccia entfernt. Ebenfalls besteht der Boden hier aus Flussgeröll aus dem Mittelmiozän und horizontal geschichteten Sanden von Meeresspiegelschwankungen wie man in dem Aufschluss sehen kann.

Bild 1.PNG


Im Gegensatz zum Clos Canereccia aber ohne kalkhaltige Sedimente.

Der einfache Rotwein aus der korsichen Sangiovese-Variante Niellucciu ist sortentypisch und recht ordentlich.

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Meiner Erfahrung nach sollte man dem korsischen Niellucciu ca. 4 -6 Jahre nach der Ernte an Reifezeit geben, um nicht mehr ganz so ungehobelt und rustikal zu sein.

Vom diesem 2016er gibt es auch noch eine fassgereifte Variante: Vini Navigati. Im Ausbau dann an einen Chianti erinnernd, ich will den mal in einigen Jahren blindverkosten. Bin gespannt auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Der einfache Weißwein 2017 ist sehr breit und säurearm geraten, bereitet kein Vergnügen.

Für ca. 10€ gibt es in weiß (Vermentinu) und rot (Sciaccarellu) den Wein La robe d'Ange, der mir eigentlich immer recht gut gefällt. Sciaccarellu ist sehr fruchtig und arm an Tanninen und leicht. Hat Aromen von Erdbeer und Kirsche und Gewürzen. Der 2017er in Weiß ist für einen sehr heißen Jahrgang überraschend säurereich und frisch und gefällt mir auch gut. Etwas dünner als der 16'.

Die Cuvée Stella Rose (nach ihrer Tochter benannt) gibt es in rot (Sciaccarellu und Nielluciu) und weiß und ist im Fass ausgebaut und ein Wein für die Reife.

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Der Weiße aus 2015 war schon recht gut und weit, ich habe mir aber keine Notizen gemacht. Der rote braucht m.M. noch Zeit um sich zu entwickeln.

Es gibt noch einen weiteren reinsortigen Sciaccarellu, Vinu di Scimia 2017. Der Wein wird kalt wie ein Weißwein getrunken, und ist voll auf der Fruchtigen Seite ausgebaut. In der Nase und im Mund ist überbordende Erdbeere vorhanden und dazu dezente Extraktsüße. Die 13.5% Alkohol sind nicht zu merken. Daher auch der Name: Scimia bedeutet im Korsischen Affe, was aber auch als Synonym für einen Betrunkenen verwendet wird. Das ist ein sauber gemachter Spasswein für 9€, der jetzt nicht umbeding meine Vorlieben trifft, aber auch was interessantes hat.

Der weiße Biancu Gentile war auch sehr gut. Für mich das Highlight, der 2017 erstmals geerntete Genovese. Genovese ist auch eine alte, autochthone, weiße Rebsorte. Vor, ich glaube, 4 Jahre gepflanzt und erstmals ein Wein daraus gemacht. Ich habe ihn nur am Weingut probiert und kann jetzt leider nichts konkretes wieder geben aber werde es beim Öffnen meiner Flaschen nachholen.

Das Weingut erfreut sich übrigens auch an Beliebtheit und Verkauf in Japan. Das hat zu der Erwähnung in der Manga-Serie über Wein Drops of God oder auch Gouttes de Dieu geführt.

https://en.wikipedia.org/wiki/Drops_of_God

WP_20180820_18_58_36_Pro.jpg


Ich könnte mir vorstellen, dass es mit dem Design des Etiketts zusammenhängt. Es zeigt einen roten Kreis auf weißem Grund.

Grüße, Josef

p.s: Ich habe beim Besuch einen Korkenzieher geschenkt bekommen, meine Objektivität ist evtl. beeinträchtigt ;) .
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragDi 5. Mär 2019, 15:42

Hallo,

gerstern mal wieder ein Wein der Domaine de Torraccia getrunken. Die Domaine liegt in der AOC Corse de Porto-Vecchio, im Südosten von Korsika, auf Granit-Boden. Einigermaßen in Küstennähe, so dass die Land-Seewind-Zirkulation greift, die für kühle Nächte sorgt.

DdT1.JPG

Ddt2.JPG

Die Einstiegscuvée in rot aus Nielluciu, Sciaccarellu, Grenache und Syrah. Ausgebaut im Beton. Meiner Erfahrung nach, brauchen diese Weine eine Weile bis sie ihre Strenge und Rustikalität abgelegt haben. Dann bestitz der Wein eine sehr klare Aromatik und schöne Frische ohne jegliche Schwere.

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Blind könnte man das vom Körper und der Säure m.M. nach auch für einen Weißwein halten.
Der Wein ist nicht besonders komplex. Ich muss aber sagen, dass ich die reduzierte Aromatik (nicht im Sinne von reduktivem Ausbau) und den klaren Ausdruck sehr gelungen finde! Das ist kein Symphonie vom Orchester vorgetragen, aber eine sehr schön gepfiffene Melodie.

Vom meinem letzten Besuch ist mir noch die Verkostung der beiden Weißweine Torraccia blanc 2017 und Oriu blanc 2017 in Erinnerung geblieben. Beide Weine reinsortig aus Vermentinu.
Wie bei vielen Vermentinu, die ich aus 2017 probiert habe, leiden auch diese beiden Weine an der fehlenden Säure. Vermentinu ist ja gewöhnlicherweise nicht besonders Säure reich, in 2017 dann häufig lasch und breit.

Grüße, Josef
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragSo 26. Mai 2019, 15:37

Hallo,

zuletzt mal wieder ein paar korsische Weißweine vom Clos Fornelli getrunken.

Der aus Vermentino gemachte La robe d'Ange wird meines Wissens zu jeweils einem Drittel im Holzfass, im Stahltank und im Beton ausgebaut. 2017 fallen viele der von mir verkosteten Vermentinos sehr säurearm aus, ein eher schwieriges, heißes Jahr. Dieser hat das noch ganz gut gemeistert.

Bild

Recht kalt zu trinken, sonst kommt die Säure nicht vernünftig gegen die Bitternoten und den Süßeeindruck an. Für einen leichten, eher einfachen Sommerwein fand ich den Alkohol etwas störend. Nicht geschmacklich, aber für einen unkomplizierten Genuss war ich nach wenig Wein schon zu beschwipst. Ich schätze die nominalen 13.5% eher abgerundet.

In 2017 gab es auch eine Abfüllung des oben beschriebenen Weins nur aus dem Holzfass. Ein Fass hat sich wohl besonders schön entwickelt. Eine zweistellige Anzahl von Flaschen sind dann per Unterdruckpumpe unfiltriert und ohne zusätzliche Schwefelung abgefüllt worden. Vini Navigati - blanc.

Bild

Der hat insgesamt etwas mehr Struktur, etwas voller. Sehr feines Holz, wunderschöner Geruch. Man bekommt die Nase kaum aus dem Glas. Die Frucht etwas reifer. Insgesamt sehr rein und klar mit Länge. Wirkte noch sehr jung, ich bin gespannt wie der sich entwickelt. Hingegen der La robe d'Ange mit etwas frischerer, grünerer Frucht, kürzer und eher trinkanimierend.

Zuletzt gab es noch den Biancu Gentile aus 2015. Zum jetzigen Zeitpunkt mein Favorit vom Clos Fornelli.

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Der zeigt schon eine schöne Reife. Feine Frucht komplementiert von Tertiäraromen. Voll, aber nicht schwer. Ich finde, das geht etwas in Richtung Chardonnay aus dem südlichen Burgund. Natürlich eher die einfache Qualität, der Wein kostet aber auch nur 12€.

Einen Wein von Antoine-Marie Arena aus Patrimonio gab es auch noch. Eine Cuvee aus Biancu Gentile, Vermentino und Muscatellu. Wie alle Weine der Arenas nur im Stahltank ausgebaut.

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Die Rebsorten finden sich gut wieder, Muskatellu mit Muskatnoten und frischer Säure. Die typische Bitternote vom Vermentino. Blüten, Birne, Quitte vom Biancu Gentile und Vermentinu. Der hat eine dezente, aber super schöne Frucht, hervoragend balanciert und sehr elegant. Von der Frische und Leichtigkeit der Typ Terrassenwein, kein Essensbegleiter. Von der Klarheit, Präzision und Vielschichtigkeit als solches ein totales Understatement.

Grüße, Josef
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stollinger

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Re: Korsika

BeitragFr 31. Mai 2019, 19:37

Die Winzerverinigung der Appellation Patrimonio hat sich einstimmig entschieden, dass keine chemischen Herbizide (z.B. Glyphosat) mehr verwendet werden dürfen.

https://www.corsematin.com/article/ajac ... glyphosate

Es sind nur 36 Winzer in Patrimonio und klimatisch ist es wahrscheinlich einfacher als in vielen anderen Weinbaugegenden. Trotzdem finde ich es eine schöne Entscheidung. Zeigt m.M. die progressive, naturnahe Einstellung von vielen korsichen Winzern.

Grüße, Josef
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