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Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2017

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thvins

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragFr 9. Jun 2017, 13:39

Das mag sein, Volker, aber ich hoffe, Es bleibt familiär und übersichtlich, auch preislich.
Beste Grüße

Torsten

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thvins

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragSo 25. Jun 2017, 10:58

Kapitel 15 - noch immer Dienstag, 25.04.2017

Als wir unser Mittagpicknick oberhalb von den Minen von Bellmunt machen, kommt Wind auf und es bewölkt sich zusehends.

Der Wetterumschwung nimmt seinen Lauf, aber wir haben noch Zeit, in Ruhe zu picknicken. Nur der Wind will den Tisch mitunter etwas durcheinander bringen.

Wir lassen uns abrollen und nehmen den direkten Weg nach El Molar durch die Siurana - Furt. Auf den neuen Wein von Casa Gran del Siurana, den wir ja bereits verkosten durften, weist auf dem Weg bergab eine Eisentafel mit dem Lagennamen hin.

Die Furt führt nur wenig Wasser, das Queren geht bedenkenlos, der weitere Weg auf der schmalen Straße ist wie immer abenteuerlich. ich muss an die vielen Male denken, als ich hier zu Charles fuhr. Das alte Hinweisschild von La Perla steht immer noch, aber wir haben nun doch nicht mehr die Zeit für einen Abstecher. Zu gern würde ich wissen wollen, was jetzt nach dem Umzug von Estriacus aus dem Anwesen, dem Keller und den Weinbergen wird bzw. geworden ist. Früher hatte mich hier immer Vif bereits freudig begrüßt, wenn ich noch einen knappen halben Kilometer entfernt war, der Hund von Charles kannte die Geräusche meines Autos genau. Jetzt ist Stille. Kein Hund bellt nach uns, kein Fuchs quert die Straße. Zum Glück kommt uns auf dieser schmalen Strecke auch kein Auto entgegen.

Von El Molar geht es hinauf nach La Figuera, es zieht sich mehr und mehr zu, je höher wir kommen. Die Zeichen stehen jetzt auf baldigen Regen.

Jaume Roca erwartet uns bereits, als wir bei Ficaria Vins klingeln. Seine Frau öffnet uns, er selbst geht an einer Krücke, ein Bänderriß macht ihm zu schaffen. Wir werden schnurstracks in den Verkostungsraum gebeten. In dem kleinen Raum, wo sonst die Weinflaschen für die Touristen zum Kauf stehen ist gähnende Leere, statt seiner Weine stehen dort plötzlich Pardelasses und Co von Jordi Aixalà zum Verkauf? Ja, das ist halt so, meint Jaume mit einem lächelnden und einem weinenden Auge "Plus d´vins"... "...rien?!?" "Rien. Zero. Niente" Ooookay...

Für uns stehen weitghend Fassmuster zur Verkostung, Èlia 2016, Pater 2015, Cerverola 2015. Und Matraketa Tranquil 2016 aus der Amphore. Später zaubert er noch einen neuen experimentellen Weißwein her.

Dummerweise bin ich aufgrund meines immer schlimmer werdenden Schnupfens nicht in der Lage, die Weine zu bewerten und muss mich auf die zustimmenden und begeisterten Worte von Leon verlassen. Aber klar, Jaume hat uns noch nie schlechten Wein in die Gläser gefüllt und ich kenne das Weingut so ziemlich von Beginn an. So komme ich darauf zu sprechen, was es zu kaufen für mich gibt. Viel ist es dieses Mal nicht.

Zum Glück habe ich Pater und Cerverola 2014 im Dezember 2016 bereits erhalten, Èlia 2015 kam im Januar raus und war nach wenigen Tagen vergriffen, ich konnte davon nur bekommen, was ich bereits vorab reserviert hatte.

Seit Jaume im November 2016 vom Guia des Vins Catalans zum Besten Winzer Kataloniens gekürt wurde, rennen ihm die Katalanen die Bude ein. Dabei hatte sein Matraketa Blanc als bester Weißwein und sein 2013er Pater als bester Roter und mit der höchsten Gesamtnote von weit über 1.000 verkosteten Weinen aus ganz Katalonien abgeschnitten.

Pater 2013 bekam ich zum Glück in komfortabel großer Menge, lange bevor der katalanische Weinführer raus kam und auch 2014 war eine erste Tranche bereits auf em Weg nach Deutschland. Ein paar Tage später war klar, es wird die einzige Tranche bleiben dieses Mal, nicht nur der Siegerwein Pater 2013, sondern auch der 2014er Nachfolgejahrgang war innrhalb von Tagen ausverkauft, für 2015 bereits riesige Vorbestellungen. Dazu beim Èlia 2015 wieder nur knapp über 1.000 Flaschen, die zweitkleinste Èlia-Auflage nach dem 2012er... Restaurants der Gegend, die den Èlia seit Jahren auf der Karte hatten, bot Jaume den Matraketa Negre als Ersatz an, aber diese ca. 400 Flaschen sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir bekommen ihn nicht mal mehr zu kosten...

Um die Flaschen für meine Zuteilung in diesem Jahr feilschen wir wie auf dem türkischen Basar. Zum Schluß kommt er mir mit der Menge zum Matraketa Tranquil so weit entgegen, dass ich basierend auf der Pater Zuteilung Kisten anbieten kann, bei der auf einen Pater gleich zwei Cerverola und drei Tranquil kommen. Anbieten kann ich eine solche Kiste nur Ficaria - Vins Stammkunden oder Leuten, die aus den lieferbaren Weinen entsprechend mitbestellen. Aber immerhin dürfte ich wohl so ziemlich der Einzige sein, der sowohl trinkreife jahrgänge anbieten kann, als auch den Siegerwein Pater 2013. Dennoch ist diese Minimenge dieses Jahr auch für mich eine Art Zäsur. Und so wundert es auch nicht, das bereits jetzt Kunden bei mir Èlia 2017 vorabbestellt haben, um sich die gewünschte Flaschenzahl zu sichern. Und auch nach Matraketa und Pater 2017 wurde ich bereits gefragt.

Ich äußere meine Hoffnung, dass ich auf dem Tast Vi Natural am Freitag besser verkosten kann, als heute, aber Jaume wiegelt ab - er wird nicht an der Verkostung teilnehmen, obwohl er auf der Liste der dort ausstellenden Winzer ist: "Plus d´ vins - aucune..." Nur auf der Weißweinverkostung in Falset würde man den Matraketa Blanc kosten können, der ebenfalls komplett ausverkauft ist, aber es sind Flaschen aus dem Aguiló - Bestand...

Als wir Ficaria Vins verlassen, sind die Straßen nass. Wir fahren durch Nebelschwaden auf den engsten und abenteuerlichsten Straßen des Priorats zu unserer Bleibe für die nächsten beiden Schlechtwetternächte.Wir werden damit wieder einmal mehr alles richtig gemacht haben...
Beste Grüße

Torsten

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragDi 27. Jun 2017, 16:52

Kapitel 16 - Mittwoch, 26.04.2017

Es hatte in der Nacht immer wieder geregnet, wir haben uns irgendwie daran gewöhnt. Aber früh noch mit geschlossenen Augen murmele ich:"Das regnet ganz schön laut". Worauf Leon erwidert:"Das ist nicht nur Regen..."

Zeit, die Augen zu öffnen: Ah - Schneeregen... Äh...

Irgendwann haben wir das Gefühl, nicht mehr liegen zu können und wir haben Frühstückshunger. Und ich eine dicke Nase...

"Jetzt kommt die Sonne raus"... "Ne, ist eine Fata Morgana..." Die Pfütze wirkt so, als scheine die Sonne drauf. Sinnestäuschung. Eine halbe Stunde später:"Jetzt kommt die Sonne raus."...

So kann man Stunden zubringen... Hätte ich nicht den doofen Schnupfen, dann könnte man wenigstens ´nen Wein aufreißen...

Irgendwann hört es wenigstens auf zu regnen, Leon zieht sich die Wanderschuhe an, ich empfehle den ersten Teil der Tour, die ich vor einigen Jahren mit dem Holzwurm machte.

Ich aber bleibe im Basislager, nehme Nasentropfen, Chinaöl und andere Wundermittel und versuche mich, so gut es geht zu kurieren... Ich sortiere CD´s, höre Musik über Kopfhörer, lese und vergammle weitgehend den Tag.

Am Nachmittag beginnt die Nase wieder ein wenig, ihren Dienst aufzunehmen...

Als Leon wieder da ist, bringe ich ihm das Abseilen bei. Felsen, wo man von hinten ran wandert und sich nach vorn abseilt hat es hier verschiedene. Es war klar, dass Leon schnell gefallen an der Technik des Abseilens findet. Auch eine kleine Quacke zum Klettern hat es, allerdings ist das Gestein nicht sonderlich seriös, sondern leicht brüchig, so dass wir auf den richtigen Kletterkurs doch eher verzichten müssen. Aber zumindest würde es eine solche Situation wie in der Schlucht im Zentralmassiv nicht noch mal geben, Überwinden des Hindernisses mittels Abseile ist nun auch für Leon eine Option.

Dafür will es noch einmal regnen - und ja, dann soll es das halt tun. Wir sind ja geschützt im Trockenen.

Irgendwann kommen noch ein paar deutsche Kletterer hier hoch - zum Gucken und Abschätzen der Situation hier, wir wechseln ein paar Worte, dann sind wir schnell wieder allein und werden es auch bleiben.

So haken wir diesen Tag ab - morgen wird ein neuer sein und für mich ist nur wichtig, das es mir abends besser geht als morgens... dann war das auch richtig so, sich mal komplett zu schonen.
Beste Grüße

Torsten

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragMi 28. Jun 2017, 14:46

Kapitel 17 – Donnerstag, 27.04.2017

Ein neuer Morgen im Montsant – Gebirge. Der Regen hat sich verzogen, der Schnupfen ist bereit, sich auch zu verziehen.

Also verziehen auch wir uns nach Frühstück und Camperdusche. Zum Glück kommt uns kein Fahrzeug entgegen und auch Leon muss nicht aussteigen, um auf die schmale Fahrbahn gefallene Steine zu beseitigen. So kommen wir glücklich von der abenteuerlichsten Straße des gesamten Gebietes wieder in die Zivilisation und wenig später parken wir in La Vilella Baixa. Unser Lieblingsfleischer Cal Cento ist leider bereits geschlossen, aber beim Celler Sabaté empfängt uns der Junior persönlich, später kommt der Senior hinzu, nur der Kater läßt sich in diesem Jahr nicht blicken.

Wir dürfen uns in Ruhe durch die aktuelle Kollektion kosten und haben damit schon mal einen Erzeuger weg, denn auf den Fira – Terminen dürfte es dieses Jahr extrem stressig werden. Vor einigen Jahren hatte es hier durch den vermehrten Einstieg des Juniors einen Qualitätsschub gegeben, nicht nur was die Qualität der Weine angeht, sondern auch Auftreten, Etikettendesign etc. Leon lobt als Fachmann die neuen Etiketten, merkt aber das Schwarz für den Spitzenwein an und hätte da lieber ein Dunkles Weinrot oder Traubenblau… Dass wir in Katalonien vom Vi Negre sprechen – dem schwarzen Wein, rechtfertigt seiner Meinung nach nicht den schwarzen Tropfen auf dem Etikett. Ich lausche einem interessanten Streitgespräch und kann aber die Argumente beider Seiten verstehen.

Wichtiger für mich aber ist die Info, dass aus dem 35 Jahre Ranciofass erneut eine kleine Partie abgefüllt wird und dass ich im Herbst dann meinen Bestand an Rancioflaschen wieder etwas aufstocken kann.

Es gibt zwar auch einen einfachen Rancio, für alle Tage quasi, aber wenn jemand bei mir nach einem Rancio verlangt, dann soll er schon was richtig Spannendes bekommen. Und nach wie vor werden nicht all zu viele Rancios zum Verkauf angeboten und zum Teil sind sie sündhaft teuer.

Die Familie Sabaté verkauft nach wie vor das Meiste direkt über die Ladentheke, aber auch hier hat sich die internationale Aufmerksamkeit inzwischen eingenistet. Eben auch, seit der neue Spanienverkoster für Robert Parker sich auch um Rancio kümmert und diese naturgemäß sehr hoch bewertet.

Zwischendrin kommt noch ein französisches Pärchen in den Laden, Kletterer offensichtlich, die nach einem Süßwein suchen, hier wird auch alles noch en vrac angeboten, der Nicht-Weinfreak, sondern Normalkonsument schätzt auch gerade das hier. Ich übernehme die Rolle des Sprachmittlers und eine Weile später zieht das Kletterpärchen verliebt und zufrieden mit süßem Muscat und weiteren Produkten weiter.

Auch wir sind durch (die Verkostungsnotizen kommen im Anschluß) und ziehen weiter. Leon bemerkt eine Nachricht von Klaus-Peter, der uns mitteilt, dass er leider nicht am Mittwoch abend starten konnte. Er wird es wohl leider nicht bis heute abend schaffen…

Schade, aber wir werden dennoch wieder in Bellmunt Stellung beziehen. Aufgrund meines zum Wochenbeginn ausgebrochenen Schnupfens habe ich auf das Forcieren weiterer Winzertermine für heute verzichtet und so können wir uns erneut treiben lassen und ich mit noch endgültig auskurieren.

In Falset nutzen wir die schwachen Siesta Stunden, in denen man ohnehin nicht viel machen kann, zum Gang ins Internet. Inzwischen sind doch einige Anfragen beantwortet und der Terminkalender kann komplettiert werden. Auch ein paar wichtige Mails kann ich bearbeiten. Es ist so warm geworden, dass wir uns über ein kühles Bier freuen, auch über zwei…

Wir schlendern durch Falset und schauen, wie weit die Vorbereitungsarbeiten zur Fira gediegen sind, die Buden werden fleißig aufgebaut und der Platz vorbereitet, durch den Regen ist man etwas ins Hintertreffen geraten, aber wie ich die Katalanen kenne, werden sie es trotzdem schaffen. Ein paar Stunden vorher denkst du, nie und nimmer wird das was – und pötzlich ist alles schick.

Wieder wird der große Hauptparkplatz für die Fira genutzt, man baut an mehr Überdachung und Sonnenschutz, dennoch sollten wir beten, dass es nicht zu warm wird, die Buden stehen zudem enger zusammen gerückt als im Vorjahr, was heißt, dass es wieder einmal mehr sein werden.

Völlig neu in diesem Jahr ist die Betonsperre auf der Straße – selbst im kleinen Falset möchte man sich gegen einen möglichen Terroranschlag, wo ein verrückter Attentäter in eine Menschenmenge rast, erparen. Nizza und Berlin sind auch in Falset angekommen…

Wir kaufen Lebensmittel für diesen und die kommenden Abende ein, genehmigen uns ein Eis in meiner Lieblingseisdiele und dann fahren wir nach Bellmunt und lassen dort den Abend gemütlich ausklingen

Ab morgen wird dann für die nächsten Tage der Wecker den Startschuß in den Tag übernehmen.
Beste Grüße

Torsten

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragMi 28. Jun 2017, 14:49

Besuch bei Celler Sabaté


Celler Sabaté; Plantadeta Blanc; Priorat – La Vilella Baixa; 2016 weiß;


13,5°. 95% Grenache Blanc, 5% Muscat. Duftig und sehr ausgewogen. Zitrus und Blumen, cremig und zugleich frisch, recht leicht wirkend. 92+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)


Celler Sabaté; Mas d´ en Bernat; Priorat – La Vilella Baixa; 2015 rot;

14,5°. 100% Grenache alte Reben, als Joven ausgebaut. Leicht am Gaumen, sehr fruchtbetont, sanft und klar. Ohne Ansprüche als einfacher Tischwein gut zu trinken. 88+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)


Celler Sabaté; Plantadeta Negre; Priorat – La Vilella Baixa; 2014 rot;

15°. 100% Grenache, 8 Monate Barriqueausbau. Erdbeerige, sehr offene Frucht, dann viel Tannin, leider etwas trocknend. Wobei das noch gut durch die fleischige Frucht gepuffert wird. Daher als Essensbgleiter geeignet. 89-90+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)


Celler Sabaté; Plantadeta Crianza; Priorat – La Vilella Baixa; 2010 rot;

15°. 70% Grenache, 30% Carignan, 12 Monate Barriqueausbau. Sehr ausgewogen und klar, elegant mit samtenem Tannin. Schöne und sanfte Länge. Eine Liga höher als die anderen Weine. Durchaus ansprechend. 93+/100 Th. Exzellenter Wein.
(04/2017)


Celler Sabaté; Vi Ranci 35 anys; Priorat – La Vilella Baixa; o.J. Braun;

2016er Abfüllung. Sehr komplex und intensiv. Honig ohne Zucker, Heu, Tabak, Trockenfrucht, auch Brandyaromen. Sehr spannend, komplex und tief und von immenser Länge. Schließt gut an die vorherige Abfüllung an. 97+/100 Th. Weltklassewein.
(04/2017)
Beste Grüße

Torsten

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragSo 2. Jul 2017, 19:19

Kapitel 18 – Freitag, 28.04.2017 (1)

Da hat sich doch dann des Nachts jemand herangeschlichen… als ich früh zum Auto gehe, um die Sachen für´s Frühstück zu holen, da steht Klaus – Peters Prioratmobil vor mir. Damit ist die Crew dann wieder mal komplett und beim Frühstück werden erst mal die Erlebnisse der Fahrt ausgetauscht.

Dann heißt es auch für uns erst mal wieder Zelte zusammen packen, heute abend werden wir einmal mehr in Porrera den Tag beenden. Heute haben wir das vielleicht straffste Programm der diesjährigen Fira – Tage.

Zunächst müssen wir nach Gratallops, wir nehmen gleich den schnellen Weg von Bellmunt durch die Furt, dann bei Mas Garrian vorbei und über El Lloar hinauf in da Zentrum des Priorats.

Wir sind mit Christopher Cannan verabredet. Dieses Jahr werden wir nicht zum Tast amb Dones gehen, da wir für morgen vormittag eingeladen sind, der Veranstaltung auf Mas Perinet beizuwohnen. Die alljährliche leidige Crux bei der Fira, wo es immer wieder zwei interessante Verkostungen zeitgleich gibt.

Somit haben wir heute vormittag quasi eine “Privataudienz” auf Clos Figueras, um die aktuelle Kollektion der Weine in Ruhe kennenzulernen. Wir haben noch ein wenig Zeit vorneweg, dürfen aber im Gastraum warten und können im Internet schauen – ich warte ja noch immer auf die Antworten zu einigen organisatorischen Mails für die nächsten Tage…

Bald aber schon kommt der froh gelaunte Hausherr und lädt uns zunächst nach draußen in die überdachte Vorhalle, wo er schon mal die Weingläser postiert hat. Wein um Wein kommt dann dazu, die Kollektion ist wie immer in den letzten Jahren sehr seriös. Auch hier haben wir wieder eine sehr gelungene Vater – Tochter Symbiose, Anne und Christopher Cannan ergänzen sich hier sehr gut und man schmeckt den Weinen Erfahrung und Jugend ab, wir haben in ihnen Kraft und Sinnlichkeit, dass Letzteres ein wenig die Oberhand gewinnt, liegt sicher auch am Mitwirken der talentierten Önologin Silvia Puig, die seit einigen Jahren nunmehr hier im Keller federführend ist.

Beim Font de la Figuera in rot und auch beim großen Wein haben wir den direkten Jahrgangsvergleich von 2014 und 2015. Auch wenn die 2015er hier nicht das brutale Tannin haben, wie wie bislang häufig gefunden in diesem Jahrgang, so gefallen mir jedoch beide Male die 2014er ein Quentchen mehr. Ich denke aber, das liegt hier an den 2014ern. Dieser Jahrgang wurde hier hervorragend gemeistert, der sinnlich-feminine Stil der Weine und der etwas leichter wirkende Jahrgang 2014 passen stilistisch perfekt aufeinander. Nichts desto Trotz sollte man aber auch die 2015er im Auge behalten.

Wir werden gefragt, ob wir etwas dagegen hätten, wenn ich noch zwei Amerikaner unserer Runde anschließen würden. Natürlich nicht – und so machen wir schon bald die Bekanntschaft mit einem netten jungen Sommelier und seiner Freundin. Ian Burrows und Ann Archer sind gerade auf Europa -Reise in Sachen Wein. Wir haben sofort einen guten Draht zueinander. Während die beiden so einige Weine aufzuholen haben, bekommen wir ein neues Montsant – Projekt der Cannans vorgestellt.

Vinyes Compte ist der Erzeuger – Name, Poblets de Montsant heißt der Wein und wir dürfen jeweils den ersten Jahrgang probieren – 2016 für Weiß und Rosé, 2014 für Rot. Diese Weine sollen besonders jüngere Leute an die qualitativ hochwertigeren Weine aus dem Priorat heranführen, wir bewegen uns hier qualitativ auf dem Level des Serras del Priorat, preislich aber wahrscheinlich noch mal etwas günstiger. Weine für den unbeschwerten Partygenuss, ob am Strand oder auf der Terrasse zum Grillen…

Wir werden ins Restaurant hineingebeten und lernen die sehr gute Küche des Hauses zu schätzen. Anne Cannan serviert uns das Menü aus frischen und regionalen Zutaten – ganz im Sinne einer Slow-Food Philosophie rückt hier der natürliche Geschmack der erlesenen Zutaten in den Vordergrund. Gastgeber Christopher Cannan spendiert neben den offenen Weinen der Verkostung noch zwei zusätzliche Highlights, einen Font de la Figuera aus dem Jahre 2000, sprich dessen erster Jahrgang, der sich zwar gereift aber noch ertaunlich gut in Schuß präsentiert und den Clos Figueres aus 2012, einen der vielleicht besten Jahrgänge dieses Weines für mich.

Und natürlich wird ganz zum Schluß auch noch der aktuelle Süßwein-Jahrgang vorgestellt.

Während wir in regelrechte Partystimmung abdriften, steckt eine Gruppe Deutscher den Kopf zur Türe rein, es ist die Gruppe um Oliver Walter aus Bad Kreuznach. Für ihn ist das Priorat kein Neuland, aber in diesem Frühjahr hatte er für eine größere Runde bei sich eine Verkostung mit einigen Weinen aus meiner Prioratführerselektion organisiert und danach war bei einigen der Wunsch laut geworden, das Priorat zu bereisen. In den Nächsten Tagen werden wir uns öfter über den Weg laufen.

Wir müssen nun aber leider Abschied nehmen. obwohl es grade so schön gemütlich wird und uns beeilen, denn wir müssen nach Porrera rüber…

Bevor es mit dem Bericht aus Porrera weiter geht, folgen hier aber noch die Verkostungsnotizen und eine Fotogalerie vom Besuch bei Clos Figueras.
Beste Grüße

Torsten

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragSo 2. Jul 2017, 19:25

Verkostungsnotizen vom Besuch bei Clos Figueras

Clos Figueras; Font de la Figuera Blanc; Priorat – Gratallops; 2016 weiß;

15°; 55% Viognier, 40% Grenache Blanc, 5% Chenin Blanc; 1.500 Flaschen. Gute Balance und eine schöne Frische, blumige und pfeffrige Aromatik, die 15° sind gut versteckt, auch in diesem Jahr eine sichere Bank. 93+/100 Th. Exzellenter Wein.
(04/2017)


Clos Figueras; Serras del Priorat; Priorat – Gratallops; 2015 rot;

51% Grenache, 31% Carignan, 12% Syrah, 6% Cabernet Sauvignon. Wirkt sehr leicht. Schöne klare Frucht, Bleistiftmine und geröstete Mandeln. Ausgewogen. Leichte Mineralik und samtenes Tannin im Nachhall. 91+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)


Clos Figueras; Font de la Figuera; Priorat – Gratallops; 2014 rot;

15°; 58% Grenache, 23% Carignan, 12% Syrah, 7% Cabernet Sauvignon. Für den Jahrgang recht voll und fleischig, super balanciert und sehr ausgewogen, sehr klar und strukturiert. Schon jetzt sehr gut zu trinken, zeigt aber noch Tannin. 94+/100 Th. Exzellenter Wein.
(04/2017)


Clos Figueras; Font de la Figuera; Priorat – Gratallops; 2015 rot;

Seit einem Monat in der Flasche, noch ohne Etikett. Voller und reicher am Gaumen als der 2014er, im Moment dominiert die Grenache am Gaumen.. Würzig und fleischig, im Stil an den 2013er anschließend. Viel Kraft, momentan noch nicht so elegant. Entwickelt sich aber gut mit Luft im Glas. 93-04+/100 Th. Exzellenter Wein.
(04/2017)


Clos Figueras; Clos Figueres; Priorat – Gratallops; 2014 rot;

Ein wahres Nasentier! Eine volle würzige Nase, weihnachtlich. Am Gaumen ein schwarzer Gothic-Wein, sinnlich und sehr elegant. Läßt sich selbst in seiner Jugendlichkeit schon sehr gut trinken. 96+/100 Th. Großer Wein.
(04/2017)


Clos Figueras; Clos Figueres; Priorat – Gratallops; 2015 rot;

Etwas verschlossener derzeit, sehr rotfruchtig und grenachebetont, dominierende Himbeere. Voll am Gaumen und mit viel fleischigem Tannin. Will noch Ruhezeit haben. 95+/100 Th. Großer Wein.
(04/2017)


Vinyes Compte; Poblets del Montsant Blanc; Montsant – Falset; 2016 weiß;

12,5°. 85% Grenache Blanc, 15% Chardonnay. Sehr frisch und ungewöhnlich für einen Montsant – Weißen. Weiße Johannisbeere und Stachelbeere. Wirkt leicht am Gaumen und mit einfacher Frucht, ein Wein für die Jugend und für Meeresfrüchte am Strand. 91+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)


Vinyes Compte; Poblets del Montsant Rosé; Montsant – Falset; 2016 rosé;

13°. 100% Grenache. Einfacher und sehr gefälliger Rosé, gut zu trinken, aber ein etwas unauffälliger Charakter. 88+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)


Vinyes Compte; Poblets del Montsant Negre; Montsant – Falset; 2014 rot;

14°. 80% Grenache, 15% Carignan, 5% Syrah. Ein Durtlöscher. Säuerliche Früchte, direkt und pur. Ohne große Ansprüche zu trinken. 90+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)


Clos Figueras; Font de la Figuera; Priorat – Gratallops; 2000 rot;

Gereift in der Farbe, offen und mineralisch. Noch immer erstaunlich gut in Schuß, dieser einstige Basiswein aus der Anfangszeit der Cannans im Priorat. Rotfruchtig und mit Luft komplexer werdend, er wandelt sich stetig im Glas. Eine Überraschung. 92+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)


Clos Figueras; Clos Figueres; Priorat – Gratallops; 2012 rot;

Voll und komplett, sehr tief am Gaumen. Ein Pfauenrad der Aromen. Sehr gut die früheren Eindrücke bestätigend – einer der besten Clos Figueres – Jahrgänge. 97+/100 Th. Weltklassewein.
(04/2017)


Clos Figueras; Sweet de Clos Figueres; Priorat – Gratallops; 2016 rot-süß;

Sauerkirsche und süße Früchte, sehr frisch für einen Süßen, zugleich drängt sich die Süße nicht auf. Viel Mineralik. Wunderbar zu trinken und in perfekter Süße-Säure Balance. Ein süßweinstil, der mir sehr gut gefällt. 97+/100 Th. Weltklassewein.
(04/2017)
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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragFr 7. Jul 2017, 18:05

Kapitel 19 – Freitag, 28.04.2017 (2) – Tast Vi Natural in Porrera

Natürlich kommen wir erst sehr spät aus Gratallops weg. Dafür waren aber auch die Stunden auf Clos Figueras zu schön, waren die Weine wie auch die nette Gesellschaft so gut, dass es keinesfalls ginge, zu drängeln. Zum Glück kennen unsere Autos die kurvenreichen Straßen über Torroja nach Porrera so gut, dass sie sich von selbst quasi im Rallyemodus dort entlang bewegen.

Die Zeit reicht grad noch so, dass wir mit den Autos hoch nach St. Antoni fahren können, aber Zeltaufbau, die Zeit wäre nicht mehr. Sachen schnappen und zu Fuß den steilen Berg ins Dorf runter, fast schon im Laufschritt…

Ich bemerke noch so, dass es an einer Abkürzung mangelt, wenn man von der Einsiedelei runter kommt und ins Dorf will, da öffnet sich eine Tür und Pere Sangenis winkt uns zu. Er hat eine Tür zur Straßenseite und natürlich die Toreinfahrt zum Keller. Wir begrüßen uns, er sieht, dass wir in Eile sind und bittet uns rein, wir stehen quasi im “Fasskeller”, der ja in Porrera desöfteren kein Keller ist, sondern die Obergeschosse der mehrstöckigen Häuser. Wir eilen also zwei oder drei Etagen die Treppe runter und verlassen durch den Empfangsraum und die Toreinfahrt das Gebäude, um sofort auf der Plaza Catalunya zu sein. Das spart uns mindestens 5 Minuten Fußmarsch “außenrum”. Und die kurze Begegnung war ausreichend, um zu erfahren, dass Maria noch nicht entbunden hat, sie also nachher mit ihrer Schwester und ihrem Vater bei der Verkostung sein wird. Außerdem haben wir nun für den Nachmittag des 1. Mai einen Verkostungstermin bei Sangenis I Vaque

Über die mittelalterliche Brücke geht es hinein ins Gewirr der engen Gassen und Treppen, wir folgen dem Strom derer, die genau dorthin wollen, wo es auch uns hin zieht: zum 2. Tast Vi Natural

Im letzten Jahr fand die erste Verkostung dieser Art in Siurana statt, bei den Ökos in Latschen und den Kletterfreaks. Das war der grauenhafte Moment, als man uns die Weine in Plastikweingläsern servierte, angeblich, weil man in der schönen Natur Wein nicht in Weingläsern ausschenken darf. Letztes Jahr weigerte ich mich, auch nur einen der Weine zu bewerten, so befremdlich war die Haptik des Plastikweinglases.

Dieses Jahr nun quasi das “Vorprogramm” zur berühmt berüchtigten Carignan – Nacht. Zum Glück im selben Dorf nur auf der anderen Seite am Berg. Und in einem historischen Keller des Cal Porrera.

Geduldig lasse ich mir von einer sehr schmucken jungen Frau ein Bändchen mit kleinem Stein ums Handgelenk knippern, als Zeichen meines rechtmäßigen Eintrittes hier und dazu bekomme ich erklärt, dass der kleine Stein ein Glücksbringer sein wird. Okay, später werden wir ausgelassen miteinander tanzen…

Doch zunächst die harte Arbeit der Verkostung… – dieses Jahr mit echtem Weinglas. so, wie es sich gehört…

Hier finden wir Weingüter, die sich mindestens der Biodynamik verschrieben haben und die dazu noch experimentell in Richtung Vi Natural arbeiten, das heißt, Verzicht auf jegliche Zusatzstoffe bis hin zum “Sense sulfit”. Hier verzichtet man auf die Sulfitgabe, das Einzige, was die meisten anderen im Priorat machen, denn auf Eiweißschönung verzichten hier ohnehin die meisten und filtriert wird auch bei vielen nicht. Aber rigoroser Verzicht auf Schwefel, das macht nicht jeder. Auch hier nicht, es gibt eine ganz geringe Menge, die toleriert wird. Aber die Harten verzichten drauf… was den Weinen dann doch schon einen eigenen Gechmack gibt. Wers mal unmittelbar selbst vergleichen will, der nehme einen Pater und einen Matraketa Tranquil, beides 100% Grenache aus der selben Lage zudem noch und trinke das mal parallel. Jaume von Ficaria Vins, der diese Weine macht, hat, wie wir ja inzwischen leider wissen abgesagt “Il y a plus d´vins”.

Hier haben wir wie im letzten Jahr nicht nur Winzer aus dem Priorat und Montsant, sondern auch aus anderen Regionen Kataloniens. Aber wir haben mehr aus dieser Ecke als im Vorjahr, weswegen wir uns erst mal auf diese beschränken werden, schließlich werden wir ja auf die Uhr schauen müsen, denn in nicht mal 2 Stunden geht die Carignan Nacht los…

Wir beginnen mit dem Wein unserer Freunde aus Porrera. Dic und Eduard Duran stellen ihren Trosset de Porrera 2012 vor und legen die Messlatte gleich mal sehr hoch. Zu hoch, wie es sich heraus stellen wird. Am Ende werden wir diesen Wein einfach noch einmal brauchen…

Was dazwischen passiert, ist teilweise Gaumenrevolution. Okay, Revolte trifft es eher, meinetwegen sogar mitunter Randale…

Ich hab heute noch Klaus-Peters Satz im Ohr, während ich diese Zeilen schreibe:“Lllleeeeeuteee! Des ist scho heffftig, was man hier präsentiert…”

Zu ensprechend drastischen Bildern greifen wir in unseren Kommentaren und Verkostungsnotizen, grade bei den Weinen von Los Comuns, einem recht neuen Projekt aus El Molar. Weinnamen wie Estrem oder Torts deuten vielleicht schon an, was uns hier für heftiges Gaumengeschrammel erwarten wird. Wär Musik, wärs eine explosive Mischung aus Avantgarde, Industrial und Death Metal.

Dagegen ist Gratavinum brave Folklore mit ein paar schrägen Tönen gemischt, aber auf Pop- und Schmusekurs, während die Sachen von Sola d´Ares dann wohl was für Free Jazz Fans sind.

Hinzu kommt, dass man uns grade mit den Weinen aus 2015 massig Tannin um die Ohren haut, so dass einem teilweise Hören und Sehen vergeht. Würden wir es nicht besser wissen, dächten wir, wir wären auf Fassprobe im Madiran.

Lllleeeuteee!!!

Das Ziegenkäsetapas, was gereicht wird, wirkt brav und bieder nach diesen Weinen. Und wie gesagt, wir brauchen am Ende noch mal einen guten Schluck vom Trosset de Porrera, einfach um dem Gaumen zu beweisen, dass es auch in der Weingruppe Eleganz und Zärtlichkeit gibt… Das Liebeslied halt.

In Kürze kommen die Verkostungsnotizen hierzu…
Beste Grüße

Torsten

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragSa 8. Jul 2017, 09:31

Tast Vi Natural in Porrera – Die Verkostungsnotizen


Germans Duran; Trosset de Porrera; Priorat – Porrera; 2012 rot;

Sehr offene Nase, ansprechend, ein sehr typischer 2012er. Im Moment noch sehr fruchtbetont, weniger füllig, aber dafür frischer als der 2011er, mehr geradeaus und in die Tiefe gehend. . Stilistisch anders, aber qualitativ gleichwertig. Noch sehr jung wirkend, braucht noch Zeit, aber ein sehr seriöser Jahrgang. Er geht in die Tiefe einer profunden Höhle. 97+/100 Th. Weltklassewein.
(04/2017)



Los Comuns; Estrem; Vi Negre Sense Additius; Ohne D.O. – El Molar; 2015 rot;

13,5°. Carignan und Grenache aus der Amphore und ohne Schwefelzusatz. Neuer Erzeuger mit Weinbergen innerhalb der DOQ Priorat, aber vom Ausbau her nicht in die Statuten der DOQ passend, daher Verzicht auf eine DO-Deklaration. Ein reduktives Stinktier, schon recht schräg in der Nase. Interessante Aromatik, spezielle Duftkombination. Am Gaumen dann viel Säure und ein gutes samtenes Tannin, aber in Unmengen. Eine sehr schräge Angelegenheit. Provokant und aufmüpfig. Nur für Naturweinfreaks. 92+/100 Th Sehr Guter Wein.
(04/2017)



Los Comuns; Bateta; Vi Natural I Artesa; Ohne D.O. – El Molar; 2014 rot;

70% Carignan, 30% Grenache, spontanvergoren und ohne Schwefelzusatz, 6 Monate im Fass ausgebaut und nicht filtriert. Eine relativ karge Frucht trifft auf eine Steinwand. Massive Tannine im Abgang. Sehr abgefahren und schräg, Wein auf Konfrontationskurs. Pures Heavy Metal Geschrammele der härteren Sorte zum Trinken. 89+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)



Los Comuns; Sorts; Vi Natural I Artesa; Ohne D.O. – El Molar; 2014 rot;

15°. 60% Carignan, 40% Cabernet Sauvignon. Spontanvergoren und ohne Schwefelzusatz, 6 Monate im Fass ausgebaut und nicht filtriert. In der Nase etwas gefälliger als die Weine zuvor. Ebenso wieder Tannine ohne Ende am Gaumen. Sehr abweisend und streng, auch etwas grüne Cabernet – Noten. Der Wein wirkt, als würde man unter einem Geröllhaufen begraben. Nicht so ganz meins. Eher Death – Metal. Erinnert in der Tanninstruktur an junge Madiran. Ein abgefahrener Wein, der dienlich ist, die Schwiegermutter zu vergraulen oder als Zwischengetränk beim Besuch in einem SM-Studio. In der Nase öffnet er sich zwar, aber am Gaumen eher Folter als Spaß. Wo führt so etwas hin? 85+/100 Th. Guter Wein.
(04/2017)



Los Comuns; Torts; Vi Natural I Artesa; Ohne D.O. – El Molar; 2015 rot;

15°. 60% Carignan, 40% Cabernet Sauvignon. : Ebenfalls sehr charakterstark, ebenso abgefahrenes und schrägs Zeug wie die Weine zuvor. Provokativer Wein, der nicht dazu da ist, um Spaß zu machen.. Er will herausfordern, Kitzeln, nur nicht Spaß machen. Hardcore-Kettensägemassaker für Hartgesottene. Die Einstürzenden Neubauten grüßen. Schwierig und spaßbefreit. Noch mehr Säure, noch mehr Stein, hier wird es ins Extrem getrieben. Interessant allemale, aber wozu ist das gut? 85+(?)/100 Th. Guter Wein.
(04/2017)



Noch nie habe ich im Priorat Provokanteres getrunken. Gewinnt den Preis für das schrägste Weinprojekt im Priorat…





Gratavinum; Silvestris; Priorat – Gratallops; 2015 rot;

14,5°. Biodynamischer Wein ohne Sulfitzusatz, 5 Monate Ausbau im Fass bzw. der Amphore. Nach den Weinen aus dem Folterkeller schon fast Popmusik. Schöner ausgewogener Stil zwischen Frucht und Säure. Ist noch sehr jung, aber die vielen Tannine wirken hier nicht so heavy. Das macht deutlich mehr Spaß und hat Potential Die Weinberge hierfür sind inzwischen seit 2014 Demeter – zertifiziert. 92+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)



Gratavinum; 2PiR; Priorat – Gratallops; 2011 rot;

Zeigt noch sehr viel Tannin, aber alles ist gut integriert. Eine schöne dunkle Frucht, säurebetonter Abgang, durstlöschend. Hat sich insgesamt sehr gut entwickelt. 93+/100 Th. Exzellenter Wein.
(04/2017)



Gratavinum; GV5; Priorat – Gratallops; 2010 rot;

Ein typischer 2010er, der sehr viel Zeit braucht. Noch immer sehr verschlossen. Zeigt aber Tiefe und Komplexität, auch Eleganz. Braucht eventuell sehr viel Luft oder einfach noch Lagerzeit. Das Potential auf einen unbestritten großen Wein ist da, die Nase ist bereits super. Im Abgang noch viel samtenes Tannin. Für Leute, die bereit sind, zu warten. 95-96+/100 Th. Großer Wein.
(04/2017)





Solà d´ Ares; Petit Sauri Blanc; Ohne D.O. – El Molar; 2016 weiß;

12°. 80% Macabeu, 20% Xarel – Lo, malolaktische Gärung erfolgt. Artisanal – Wein ohne DO, da zu geringer Alkoholgehalt. Sehr frisch. Wirkt recht leicht, klar und geradeaus, aber auch relativ einfach am Gaumen. 86+/100 Th. Guter Wein.
(04/2017)



Solà d´ Ares; Petit Sauri; Catalunya – El Molar; 2015 rot;

14,5°. Grenache und Tempranillo. Artisanal – Wein mit DO Catalunya wegen des Tempranillo – Anteils, die Trauben stammen aber aus dem Priorat. Die Grenache kommt vom Melis – Weinberg in Torroja, die Tempranillo stammt aus El Molar, Relativ verhaltene Nase. Am Gaumen gefällig und klar, einfach und trinkig. 88+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)



Solà d´ Ares; Sauri; Ohne D.O. – El Molar; 2016 rot;

14,5°. Grenache und Carignan ohne D.O. Am Gaumen zunächst gefälliger, aber dann im Abgang wieder Tannin ohne Ende, etwas bitter. Ebenfalls experimentell und eigenwillig interpretiert. Aber nicht ganz ohne Spaß. Könnte sich fügen. Im Abgang Schiefer, Säure und Tannin, braucht noch viel, viel Zeit. Man denkt auch hier wieder eher an Madiran als an Priorat. 90+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)



Solà d´ Ares; Sauri Vinyes Velles; Ohne D.O. – El Molar; 2015 rot;

100 Jahre alte Carignan Reben vom eigenen Weinberg in El Molar, im Priorat gelegen. Der verarbeitende Keller liegt aber nicht innerhalb der DOQ-Grenzen, auch daher keine DOQ. Deutlich gefälliger Dunkle Noten, noch viel Tannin, aber mit Potential. Braucht noch etwas Zeit. 92-93+/100 Th. Sehr Guter bis Exzellenter Wein.
(04/2017)



Solà d´ Ares; Sauri Cabernet Sauvignon; Ohne D.O. – Tarragona; 2016 rot;

14,5°. Mediterranean Artisanal Wein. Der Weinberg ist nicht im Priorat, sondern in Tarragona.
Sehr cabernettypisch und mit einer massiven Tanninattacke, alles andere versteckt sich dahinter. Spaßbefreit und abweisend. Nicht mein Wein, aber auch generell sehr schwer zu beurteilen, wohin das führt. Zumal das Tannin den Gaumen auch noch trocknet.. Gehört für mich ebenso zu den provokanten Weinen der Veranstaltung. 84+/100 Th. Guter Wein.
(04/2017)




Perinet Winery; Aram – Perinet Single Vineyard; Ohne D.O. – La Morera de Montsant; 2016 rosé;

Roséfarbener Weißwein – Blanc de Noir. 100% Grenache aus Porrera, nur ein Fass (300 Flaschen). Im Fass vergoren und ausgebaut. Relativ süße, himbeerige Grenachefrucht, macht am Gaumen Spaß. 92+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)



Perinet Winery; Rikka – Perinet Single Vineyard; Ohne D.O. – La Morera de Montsant; 2016 rosé;

Roséfarbener Weißwein – Blanc de Noir. 100% Carignan aus Porrera, nur ein Fass (300 Flaschen). Im Fass vergoren und ausgebaut. Da sie wie Weißweine ausgebaut sind, werden die beiden Weine trotz deutlicher Roséfarbe als Weißweine bezeichnet. Die Farbe des Carignan ist noch deutlicher Roséfarben. Sehr trinkig, aber weniger gefällig als der Grenache, zeigt mehr Charakter und auch mehr Schiefer. Diese absolute Rarität macht durchaus Spaß. 93+/100 Th. Exzellenter Wein.
(04/2017)



Vor 3 Jahren gab es bei Mas Perinet einen Neustart durch amerikanische Investoren. Toni Sanchez Ortiz ist dort jetzt als beratender Önologe tätig. 2014/2015 /2016 sind die ersten neuen Jahrgänge im neuen Mas Perinet.




Josep Foraster; Trepat; Conca de Barberà; 2015 rot;


12,5°. 100% Trepat, 7 Monate im alten großen Fass ausgebaut, nur minimalst geschwefelt. Relativ leicht, aber mit Charakter und Tiefe. Rote Johannisbeeren und Pfeffer, frisch und säurebetont, metallischer Nachhall. 88+/100 Th. Sehr Guter Wein.
(04/2017)
Beste Grüße

Torsten

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragDi 11. Jul 2017, 18:36

Kapitel 20 – Freitag, 28.04.2017 (3) – Tast Carinyenes in Porrera

Der erste große Höhepunkt auf der Fira seit Jahren ist die Carignan – Nacht in Porrera. Wie bereits im Vorjahr vertraut man auch dieses Jahr völlig darauf, dass es nicht regnen wird und macht die Veranstaltung erneut auf dem Platz vor der Kirche, bereits im letzten Jahr hatten wir das als Zugewinn empfunden, vor allem verläuft es sich hier ein wenig, das Gedrängel ist nicht mehr ganz so groß, wie in den Jahren zuvor.

Auch das große Bufett, was wir im Vorjahr als Zugewinn herausgestrichen hatten, ist dieses Jahr wieder da, durch den wegfallenden Streß, den Häppchen hinterher hecheln zu müssen, ergibt sich eine deutlich entspanntere Veranstaltung.

In diesem Jahr fallen zwei Dinge zunächst auf – zum Einen verzichtet man dieses Jahr auf ein Begleitheftchen mit den Angaben zu den zu verkostenden Weinen bzw. Carignan – Mustern. Zum Anderen legen die Winzer teilweise mehr den Fokus darauf, einen kompletten Wein zu zeigen, so wie man ihn dann auch kaufen kann. Nur noch einige wenige halten an der herkömmlichen Tradition fest, hier nur 100% Carignan – Muster auf den Tisch zu stellen, die später als Teil irgendeiner Cuvée “enden”. Somit ist dieses Jahr der Teil an Verkostungsnotizen zu bewerteten Weinen erneut angestiegen

Andererseits ist es nicht zu übersehen und sehr gut zu spüren, alle hier sind mehr auf Party aus, denn auch hochwissenschaftliches Verkosten mit dem Notizbuch in der Hand weicht mehr dem zwanglosen Gespräch bei den besten Weinen miteinander. Es wird aber auch ein regelrechtes Feuerwerk an hochwertigen Weinen aufgefahren. Schritt für Schritt versuchen wir, einmal um den kompletten Platz zu kommen. Allein, einige der Winzer scharren in diesem Jahr beizeiten mit den Hufen…

Wir haben längst noch nicht alle Stände besucht, da fragt mich jemand, ob ich zufällig einen guten, zuverlässigen Korkenzieher bei mir habe, mit dem man Magnumflaschen geöffnet bekommt…

Und plötzlich kommt das, was letztes Jahr erst am Ende der Veranstaltung kam, BIG BOTTLES – BIGGER PARTY, natürlich kommt sogleich Unruhe auf. Klar darf man sich diese guten Tropfen, zumal in aller Regel trinkreif, nicht entgehen lassen, selbst wenn es das eine oder andere Muster kostet, was man nun nicht mehr zu fassen bekommt…

Aber solche Sachen wie z.B. eine Osmin – Vertikale 2006, 2005 und 2004 stehen für gewöhnlich nicht tagtäglich rum…

Unmerklich erst erhöht der DJ den Soundpegel, aber plötzlich wird die Musik so laut, dass sie nicht mehr Nebengeräusch ist und schon wird getanzt allerorten… Gespielt wird natürlich Party- und Rockmusik für erwachsenes Publikum. Und der Platz wird zum Tanzkessel. Auf einmal lächelt mich meine Glücksbringerin vom Vi Natural Tast – Einlaß an und schon tanzen wir, natürlich immer noch mit den Weingläsern in der Hand.

Klaus-Peter fühlt sich nach der langen Anreise und dem voll gepackten Programmtag eher zu müde als dass ihm zum Tanzen zumute ist. Aber Leon und ich halten die Stellung auf dem Freilufttanzparkett… Die Stimmung ist wahnsinnig gut und so war es auch die richtige Entscheidung, die Verkostungszeit zu verkürzen, um die Partyzeit zu verlängern.

Aber jede Party findet mal ihr Ende. In dem Moment, wo an keinem Stand mehr noch etwas zu trinken steht, kommt es zur Aufbruchstimmung. Dic Duran und ein paar andere Jungs und Mädels sammeln sich, dunkle katalanische Augen machen mir deutlich, ich solle mitkommen, wenn der Zug von etwa 30 jungen Leuten sich in Bewegung setzt. Leon wird diesen Moment verpassen, weil die Suche nach einer Toilette für ihn vordringlicher ist.

Die Meute findet sich mit mir wenige Minuten später zur nächtlichen Besichtigung bei Merum Priorati ein. Die neuen Eigentümer haben nun vollendet, was die alten nicht mehr schafften. Das Gebäude ist nun innen wie außen fertig. Nach dem Besuch der Kellerräume incl kleiner Fass bzw. Tankproben werden wir in den Verkostungsraum gebracht und wir dürfen den neuen Merum Priorati Spitzenwein kosten. Auch Cava kursiert noch

Porrera lebt… – es lebe der Carignan!
Beste Grüße

Torsten

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