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Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2017

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thvins

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Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2017

BeitragMi 17. Mai 2017, 20:50

Kapitel 1

Gründonnerstag, 13.04.2017

Vor mir stehen 7 Flaschen Prioratwein - allesamt aus 2008, darunter die beiden Weine von Mas Garrian als späte Musterflaschen und 5 Flaschen aus meinem privaten Keller, die ich aber bis auf den Artigas auch alle verkauft habe bzw. noch verkaufen kann.

Blind natürlich.

Heute zum Vorsortieren, morgen kommen Kunden aus Süddeutschland, die auf dem Weg nach Berlin sind und die nicht nur fix paar Kisten ins Auto laden wollen, sondern die gern was probieren möchten, um den Priorathorizont zu erweitern.

Ich bin noch etwas im Streß, wie üblich, plötzlich fallen dir noch 100 Dinge ein, die erledigt sein müssen, bevor es auf große Tour geht. Aber der "Beipackzettel" für´s Auto ist schon geschrieben, nicht dass wieder am Ende was Überlebensnotwendiges vergessen wird, ich bin in den 13 Jahren, die ich inzwischen zur Fira fahre, nicht jünger geworden.

Meine fast 90 Jahre alte Tante triumphiert:"Guck mal, was ich für dich bekommen habe..."
Und schon halte ich ein Kilo frischen heimischen Spargel in den Händen und weiß gar nicht so recht, wohin eigentlich damit. Und so wird erst mal angespargelt und die Roten müssen sich bis nach dem Essen gedulden. Was ihnen aber gut tut, wie ich merke, als ich die Nase in die Gläser halte... Ein Fest, wie ich erkennen muss - hatte hier irgendjemand Bedenken wegen des Jahrganges?

Gut, die Weine sind oft nicht ganz so üppig wie au 2007 oder 2009, aber die Frische macht den Jahrgang zu einem Trinkspaßjahrgang. Wer mich kennt, der weiß, dass ich nach Eleganz suche, aber nicht nach Zerbrechlichkeit, dass ich Druck am Gaumen mag, aber die all zu fetten Geschosse nicht ganz so gut weg kommen, Trinkmarmelade nein danke - knackige süße reife Früchte, her damit...

Ich bin jetzt selbst überrascht, die Punktevergabe am ersten Abend macht neugierig auf den nächsten Tag und das aufdecken. 94+; 92+; 94+; 96+; 94,5+; 97+; 95+ - respektable Noten, wie ich sie nicht hatte vorhersagen wollen.

Das Einzige, was mir nebenbei noch gelingt, ist die Zuammenstellung des Musikprogramms für die Tour, das Ausdrucken diverser Klettersteigtopos und das Zusammensuchen des nötigen Karten- und Reiseführermaterials.

Der Rest muss sich morgen so ganz nebenbei packen - gibt es keine Autopackhexe? Auch so was eine der Erfindungen, die neben dem Duftrekorder noch fehlt, stattdessen wurde schon so viel Sinnloses erfunden... ich will jetzt nicht über die Atombombe sinnieren...

Ein Grinsen huscht mir übers Gesicht, wenn ich an die eben getrunkenen Weine denke - und an den morgigen Tag.
Beste Grüße

Torsten

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Sauternes

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragMi 17. Mai 2017, 21:13

So schnell den Wunsch erfüllt, sehr schön.
Ja die Sache mit den Reisevorbereitungen und die Frage: habe ich denn alles :?: , kenne ich auch.
bin schon gespannt wie es weiter geht.

Gruß Heiko
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vinos

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragMi 17. Mai 2017, 21:29

thvins hat geschrieben:Kapitel 1

Gründonnerstag, 13.04.2017

Vor mir stehen 7 Flaschen Prioratwein - allesamt aus 2008, darunter die beiden Weine von Mas Garrian als späte Musterflaschen und 5 Flaschen aus meinem privaten Keller, die ich aber bis auf den Artigas auch alle verkauft habe bzw. noch verkaufen kann.

Blind natürlich.

Ein Fest, wie ich erkennen muss - hatte hier irgendjemand Bedenken wegen des Jahrganges?




Ich war´s :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen: und stehe nach wie vor dazu!
Wer braucht nach dem hypergenialen unfassbar guten Traumjahrgang 2007 und dem vielleicht noch besseren oder zumindest gleichwertigen Jahrgang 2009, Weine aus 2008? :lol:

Aber natürlich gibt es auch aus 2008 sehr schöne Weine, sind alle in meinem Keller, bis auf Mas Garrian..... :D
Nächstes Jahr werden wir das zur 10-Jahresprobe ganz genau erörtern, aber nur falls wir die diesjährige Probe überstehen....was freue ich mich auf die 2007er.....

Tja, Gründonnerstag, bei mir war das Priorat noch ganz weit weg......noch galt es reichlich Arbeit zu erledigen, auch der Karfreitag war als Arbeitstag gesetzt, endlich mal den ganzen Tag kein Telefon, da geht so richtig was.
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thvins

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragMi 17. Mai 2017, 22:43

Kapitel 2 – Karfreitag, 14.04.2017

Lucy erschrickt und springt mir von der Brust, das unerbittliche Weckerklingeln hatte ihr Schmusen unterbrochen…

Einer der riesigen Vorteile einer Selbständigkeit ist es, dass nicht jeden Morgen ein Wecker klingeln muss, Lucy genießt das, sie konnte Wecker noch nie leiden. Und so kommen wir schmusend in den neuen Tag, außer heute. Vorwurfsvolles Maunzen…

Wenig später sieht das Wohnzimmer aus, als würde man eine Flucht vorbereiten. Zum Glück ist schönes Wetter, ich kann in Ruhe die Reisevorbereitungen machen und dann können wir an der Elbe die 7 Weine trinken…

Immer wieder streiche ich Posten um Posten vom “Beipackzettet”, zwischendrin fallen mir andere Dinge ein, der Schornsteinfeger sollte sein Geld noch bekommen, er hat schließlich seine Arbeit verrichtet. Und dann ist da die lästige GEZ. Ich habe gelernt, dass man dagegen nicht mehr ankommt und mag keinen Streß, auch wenn es mir meinen Lebtag nicht in den Kopf kommt, diese Art Erpressung einer Zwangsgebühr gut zu heißen. Zumal sich mein Fernseher, nur angeschafft, damit ich mir wenigstens einen “Gegenwert” für die Zwangsgebühr schönreden konnte, Ende März abgeschaltet hat, weil ich nicht schon wieder in neue und andere Technik investieren konnte und wollte. Einige Zeit später fällt mir ein, ich muss noch zwei, drei Mails beantworten von Leuten, die einfach nur wissen wollten, ob ich noch lebe… und ehe falsche Gerüchte aufkommen…

Das Telefon klingelt, meine Kunden nahen. Die bestellten Weine stehen parat und wir beschließen, gleich zu packen und uns dann an der Elbfähre zum Weintrinken an schönen Orten zu treffen. Ich bekomme ein Mitbringsel aus dem Badischen – der erste frische Spargel… klar normalerweise ist Baden da zeitiger als der Fläming. Außer in Jahren wie 2017…

An der Elbfähre sitzt man entspannt – zwei Picknicktische mit Bänken im Grünen und Blick auf die Silhouette Coswigs. Auf dem Hinweg war ich mit dem Rad schneller als die Autofahrer…

Die Flaschen haben noch die Blindstrümpfe, ich serviere nach meinem Ranking der ersten Runde. schon der erste Wein hat zugelegt und macht gleich richtig Spaß: “Das soll der schlechteste Wein sein, du machst Witze…” Staunen und das Bedauern des Autofahrers, spucken zu müssen… Es is der 2008er Billo. Passt. Natürlich muss die Obama – Geschichte zu diesem Wein erzählt werden…

Und dann steigern wir uns, Wein um Wein. Vieles ist heute besser als Gestern. Im Leben außerhalb des Prioratweins ist das nicht immer so… Die Mas Garrian – Muster überzeugen, der Solertia überrascht. (die Verkostungsnotizen lest ihr gesondert demnächst auf meinem Blog), alles in allem haben wir um die 2 Stunden viel Spaß mit diesen Weinen aus vielleicht doch unterschätztem Jahr.

Zum Glück muss ich hinterher fast nur noch die zurechtgelegten Sachen ins Auto packen, ich hatte bei den 7 Weinen fast nichts gespuckt. Lust auf einen Spargelwein hätte ich schon, aber ich bin vernünftig. In der Not frißt der Teufel den Spargel auch ohne Wein. Dennoch muss der restliche Spargel mit gen Frankreich.

Vor dem ins Bett gehen gucke ich nach den Wetterinformationen für die kommenden Tage in meine Richtung.

Es gibt Dinge, die läßt man besser sein…
Beste Grüße

Torsten

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thvins

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragDo 18. Mai 2017, 07:23

Kapitel 3/1 – Samstag, 15.04.2017

Nun sind es doch wieder einige Minuten über der angedachten Zeit geworden, die Katze wollte ausgiebiger geschmust werden als normal, Kaffee für unterwegs musste aufgebrüht werden, der Kühlschrank leergeräumt. In den Tagen zuvor hatte ich zu wenig aus meinem Kühlschrank gegessen oder ich hatte zu viel hineingepackt. Wenn ich etwas wirklich hasse, dann Kühlschränke, wo eine Maus den letzten Rest Käse mit einem Schild um den Hals verteidigt, auf dem steht"Hab Erbarmen..."

So aber mußte vieles auf das Haltbarkeitsdatum hin geprüft werden und bei dem Meisten wurde entschieden:"Kühltasche". Das wird die Ausgaben für Lebensmittel in den nächsten Tagen gewaltig flach halten.

Viel entscheidender die Frage, was anziehen... Nein, ich bin kein Mädchen, aber nachdem ich letztes Jahr mutig mit kurzer Hose startete und mich beim ersten Toilettenstopp alle Leute anguckten, als wäre ich ein Außerirdischer, kam ich doch in Grübeln. Im letzten Moment wird mir das grübeln abgenommen, es beginnt etwas zu regnen, zum Glück ist alles im Auto.

Irgendwas ist es dann doch, was mich noch mal aussteigen lässt und in die Wohnung zurück kehren - Lucy freut sich natürlich, als ich plötzlich wieder in der Küche stehe: "Hey. Bleibst doch hier?" Nee...

Beim Verstauen der letzten vergessenen kleinen Dinge ins Auto fällt mir auf, dass in der Tasche hinterm Sitz noch ein Paar Handschuhe und die Pudelmütze klemmen... Neiiiin - die packe ich jetzt nicht aus, fahren sie eben mal fix nach Spanien mit.

Abfahrt...

In Dessau runter zum Tanken bei Kaufland. Aber es ist noch zu zeitig, die Preise sind noch oben. Also nicht volltanken, ich muss unterwegs eh noch was nachgießen...

Die Tankstelle neben der Autobahn bei Eisenberg war immer relativ günstig und einen guten Imbiss gab es da auch immer. Und ich wechsle ja dann auf die A4 in diesem Jahr, dort ist erstmal nix mit günstig tanken...

Bezüglich des Tankens hatte ich den richtigen Riecher, 5 Cent weniger pro Liter heißt übersetzt wenigstens Thüringer Röster gratis... Aber Fehlanzeige. Entweder wollen die heute nicht mehr oder sie wissen, dass bei diesem Regen und der dazugehörigen Kälte eh niemandem nach Essen ist...

Wie in Trance rausche ich über die A4, nur darauf achtend, nicht schneller zu sein, als die Polizei erlaubt, ansonsten fährt es sich entspannt, bis sich die Blase meldet. Da bin ich zum Glück schon im Westen und erwische ein Regenloch... Aber auch hier ist nicht groß Landschaft schauen, Regenloch heißt noch lange nicht, dass Sonne raus kommt. Aber wenigstens Kaffee aus der Thermoskanne holen. Ich komme mit den Parkplatznachbarn ins Gespräch, die wollen in Fulda einen rumänischen Straßenhund abholen...

Weiter, auch in Hessen regnet es, hinterm Reiskirchener Dreieck gießt es regelrecht und man sieht die Hand kaum vor Augen. Der Scheibenwischer hat zu tun, dennoch gibt es genug Leute, die wie der geölte Blitz gen Frankfurt rasen müssen... Bis es dann urplötzlich passiert und ich eine Vollbremsung machen muss. Reifenteile und anderes liegen rum, zwei Wracks stehen quer und ich habe zum Glück genau die Spur, auf der es langsam hindurch geht, Bremsen bei Aquaplaning ist auch nicht ganz witzig, plötzlich bin ich hellwach und hoffe nur, dass die anderen rings um mich auch mitdenken... der auf der linken Spur neben mir hat mehr zu bremsen, schließlich wartet auf seiner Spur noch das eine Wrack und er ist deutlich schneller als ich, er fährt über irgendwas Schwarzes und schmeißt das über meine Spur, zum Glück fliegt das Teil knapp vor mir über die Spur. Der Raser fährt plötzlich genau so schnell runtergebremst neben mir, die Augen seiner Frau gucken mich weit aufgerissen an. Er muss weiterbremsen und rüber, hinter mich. Ganz vorn weitere Autos mit Warnblinker, da sind schon welche am Gucken, was los ist...

Hernach fahren sie alle plötzlich sinnig, bis es dann vor Frankfurt aufhört mit Regnen, es wird wieder Gas gegeben und ich schnurre an Frankfurt vorbei, froh darüber, dass diese Reise kein vorzeitiges Ende fand.
Beste Grüße

Torsten

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thvins

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragDo 18. Mai 2017, 09:04

Kapitel 3/2 – Samstag, 15.04.2017

Hinter Frankfurt brauchte ich dann doch erst einmal eine Pause, Nerven beruhigen, wegen aufkeimender Müdigkeit kurz die Äuglein schließen, Dann kaltes Wasser ins Gesicht und Kaffee in die Gurgel, sich ums Geschäftliche kümmern und dann ab - den Rest der Tagesetappe fahren...

Ich bin eingeladen, die Etappe in Heidelberg zu beenden. Ich bin kurz ein wenig irritiert, finde einen der beschriebenen Anhaltspunkte und fahre dennoch erst mal falsch aus dem Kreisel raus. Ich merke, das man in Heidelberg niemanden nach dem Weg fragen muss, es sind alles nur Touristen, die sich auch nicht weiter auskennen. Mein Gefühl sagt, ich muss zurück auf Anfang, in dem Moment Bahnhof und nochmals über LOS.

Und plötzlich stehe ich genau da, wo ich hin muss. finde sogar einen Parkplatz und bin angekommen, fast 2 Stunden eher als ich es für möglich gehalten hätte...

Kurz darauf bin ich geduscht und habe auf Entspannung umgeschalten, trinke gedankenverloren einen Silvaner und lausche meiner Gastgeberin, die mir Heidelberg zunächst in der Theorie nahebringt. Per Stadtplan. Die Praxis soll morgen folgen, bei hoffentlich besserem Wetter.

Später gibt es ein Risotto mit Erbsenpesto und Jakobsmuscheln, dazu einen leckeren Salat mit Avocado, Tomaten und Pinienkernen. Ich hätte noch einen Rosé aus dem Süden mitnehmen sollen, der wäre im Auto heute nicht mal warm geworden.

Aber ich habe 2 mal La Torre von Jean Gardiès im Gepäck. Mourvedre aus dem Roussillon, dem französischen Teil Kataloniens, wir nähern uns weintechnisch dem Zielgebiet an, ohne hin zu kommen, die ebenfalls im Gepäck befindliche Priorat 7er Serie aus 2008 muss warten, ich möchte heute nur trinken, nicht schreiben oder bewerten.

Wenn man aber bei einer Wein- und Genussbloggerin zu Gast ist, dann geht das nicht so einfach, natürlich reden wir über die Weine, vergleichen und haben beide schlußendlich den 2002er La Torre vor dem 2003er, obwohl beide sich große Mühe mit uns geben. Sind schon schöne Sachen, was da in Vingrau/Tautavel wächst und von einem der talentiertesten Winzer der Gegend in Flaschen gefüllt wird. Der La Torre ist der zweite Spitzenwein des Betriebes neben dem noch ein wenig teureren La Falaise, einem 100%igen Syrah. Beide, der Syrah und der Mourvedre können große Erzählweine sein...

Ich habe das Weingut 1999 vor Ort erstmals kennengelernt und habe dann die Weine einige Jahre lang immer wieder gern gekauft - und trinke sie noch immer gern, ich bin gern dort in den Felsen herumgeklettert und habe dort einige meiner schönsten Kletterrouten gemacht. Wenn man in der Mairie höflich fragt, darf man am Sportplatzrand zelten und Dusche und WC des Sportplatzes nutzen. Abends kommen die Hunde des Dorfes und gucken, ob man was zu Fressen für sie hat, manche frech, andere zurückhaltend. Aber alle lieb und wohlerzogen, so weit man das für "les primieres chiens de la rue" behaupten kann. Hach Vingrau... ich müßte mal wieder hin. Wäre da nicht immer das nur wenige Stunden entfernte Priorat mit seiner Sogwirkung.

In Heidelberg ist diese Sogwirkung noch nicht zu spüren. Nur die Sehnsucht ist da. Die aber ist wohl immer da...
Beste Grüße

Torsten

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WilD

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragFr 19. Mai 2017, 15:47

Top story.... bin schon ofter nach Priorat gefahren (wir haben schon zusammen geessen in Gratallops).

Ich werde die Story folgen.

Gr, Wil aus Holland
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suitcase

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragSa 20. Mai 2017, 10:03

Ich freue mich ebenfalls sehr über den Bericht. Ich meine, alle vorherigen gelesen zu haben und bin auf diesen ganz besonders gespannt. Eigentlich wollte ich dieses Jahr zum ersten Mal selbst vor Ort sein, musste aus gesundheitlichen Gründen aber doch kurzfristig passen. Nächstes Jahr soll es dann klappen, erste Unterkünfte sind gebucht. ;)
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thvins

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragSo 21. Mai 2017, 08:52

Kapitel 4 – Ostersonntag, 16.04.2017

Ein Ostersonntag in Heidelberg.

Das Auto darf heute nach nur einem Fahrtag pausieren, es geht heute zu Fuß durch Heidelberg…

Zum Glück regnet es nicht, auch wenn der Himmel grenzwertig ist, aber dafür will es so kalt bleiben, dass es angeraten ist, sich zu bewegen. Das tun wir auch zur Genüge. Durch ein Viertel mit vielen wunderschönen Jugendstilhäusern nähern wir uns der Altstadt, die wir allerdings nicht betreten. Stattdessen gehen wir über den Neckar und nehmen dann den Philosophenweg, der durch Wälder und Parkanlagen auf der anderen Seite der Altstadt führt.

Zunächst geht es steil bergan, dann halten wir die Höhe am Hang. Zunächst bin ich baff erstaunt über all die vielen in- und ausländischen Touristen, die hier lang laufen. Später dann wird klar, warum. Man hat wundervolle Blicke hinüber auf die Altstadt, die fast wie aus einem Guss wirkt, wenige, zumeist kleinere Bausünden stören den Modellbahn-Stadtanblick nicht wirklich. Das ist Idylle pur und ein Fest für die Augen. Ich hatte davon bislang keinerlei Vorstellungen, was mich erwarten würde. Umso erfreuter bin ich jetzt.

Ich halte vielleicht doch zu wenig in den alten Bundesländern an, fast immer lasse ich mich mitreißen von der Hektik auf den deutschen Autobahnen. dabei warten viele Perlen nur darauf, gefischt zu werden…

Die Juliane hat sich da eindeutig verbessert, als sie von Berlin hier her zog. Bekommt man das noch mit, wenn man längere Zeit hier lebt? Sie sicher, denn sie hat sich akribisch vorbereitet, mir die perfekte Entdeckungstour zu präsentieren. Das ist genau so durchdacht, wie Ihre Wein-und Speisenkombinatioen und Kreationen. Ich möchte immer wieder verweilen, jeden Blick aufsaugen, die Bilder genießen… Aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns, zunächst geht es bergab und dann über die Alte Brücke, die mit Sandsteinfiguren und Türmen prächtig geschmückt ist.

Hier merken wir, dass Ostern ist, denn eine Gruppe missionarisch demonstrierender Christen spaziert singend immer wieder auf der Brücke hin und her. Wir verlieren uns dann in den Gassen der pittoresken Altstadt, schauen uns die alten Bürgerhäuser an, die schon vom Reichtum vor 400, 500 Jahren künden. Ich wundere mich über die Hauptkirche mit ihren kleinen Läden außendran, in denen man nicht nur christliche Andenken und allerlei Kitsch kaufen kann, sondern auch Crêpes, Eis, Getränke… Während Juliane nicht so begeistert vom Inneren der Kirche ist, gefällt sie mir von der Architektur her sehr.

Während wir bei einer kleinen Pause am Kornmarkt Kaffee und Schorle trinken und sich die Füße ausruhen, staune ich immer mehr über die Massen von Touristen, obwohl mir Juliane versichert, es wären heute noch wenig. Da hat man in Wittenberg dieses Jahr Angst vom Kollabieren durch eventuell kommende Touristenströme, Heidelberg scheint damit 365 Tage im Jahr umgehen zu müssen… Kein Wunder auch, dass es dann der Stadt hier so gut geht. Wenn Geld her kommt, bleibt Geld kleben, es sei denn, es gibt keine überzeugenden Angebote.

Angebote gibt es hier mehr als genug. Wir steigen hinauf zur eindrucksvollen Schloßruine, später dann an Studentenhäusern wieder hinab zum ehemaligen Gefängnis und noch einmal verlieren wir uns in den Gassen der Altstadt. Dann stellen wir fest “Hunger und Weindurst…” Wir nehmen Kurs auf Julianes Wohnung, in der Spargel und 7 Prioratweine warten.

Dazu noch ein Weißburgunder aus 2012, der in Milchkannen vergoren wurde. Juliane war skeptisch, ob der Wein noch trinkbar sei, ich versuchte sie zu beruhigen – 5 Jahre?! Hallo… Kein Alter. Er war dann auch sehr gut als Erfrischung zwischen den Roten zu trinken. Aufgeschrieben aber habe ich nur zu den Prioratweinen was – und das bekommt ihr im Anschluß an dieses Posting zu lesen. Auch später habe ich mir den Luxus erlaubt, die anderen “Urlaubsweine” nur zu genießen…

Die Prioratweine aus 2008, inzwischen 4 Tage offen, haben sich zum Teil weiter entwickelt und geöffnet, zum Teil blieben sie auf ihrem unerwartet hohen Niveau. Da hatten wir schon viel Spaß und Gesprächsstoff. Juliane war am Meisten vom Cecilio Negre begeistert, auch wegen seies Preis-Genuss-Verhältnisses, als sie hörte, was der Wein gekostet hat. Mich wundert nun aber auch nicht mehr, dass unlängst jemand den Rest davon wegkaufte, so gut, wie er sich jetzt nach 9 Jahren präsentiert – wir reden hier von einem Basispriorat ohne Fassausbau… Ich habe nun nur noch 2010 und 2011, aber vom 2010er auch schon nur noch überschaubare Reste…

Aber auch bei den teureren Weinen leuchteten Julianes Augen, nur beim Artigas weniger – aber da waren wir uns beide einig – schon ein hohes Niveau, aber doch etwas zu fett… und das bei einem 2008er.

Als wir dann den Tag beendeten, war mir eigentlich schon klar, ganz so zeitig will ich morgen nicht los. Jetzt hab ich eh vom Hetz- auf Urlaubsmodus umgestellt.

Und ja – in Heidelberg kann man sein Herz verlieren. Da ist schon Disziplin nötig, es wieder mitzunehmen…



Die Verkostungsnotizen zu den 2008er Priorat-Weinen kommen als nächses auf meinem Blog, ich werde das dann hier verlinken, aber nicht direkt einstellen, da ich ja einige der Weine angeboten habe, noch anbiete oder neu anbieten werde...
Beste Grüße

Torsten

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Das Roadbook Firafahrt 2

BeitragMo 22. Mai 2017, 15:34

Kapitel 5 – Ostermontag, 17.04.2017

Das Wetter lädt nicht wirklich zur Weiterfahrt ein, war es am Ostersonntag nur kalt, so ist es heute wieder kalt und nass. Die gesamte Hoffnung liegt nun darauf, dass das Wetter in Frankreich besser wird.

Ich lasse Heidelberg hinter mir, zuvor habe ich noch einen Schluck draufgetankt, um bis an die französische Grenze zu kommen.

Ich winke noch einmal zurück und bedanke mich bei Juliane für die Gastfreundschaft und die schöne gemeiname Zeit. Auf ihrem Blog EinfachWein hat sie im Rahmen der April-Weinrallye über den kulinarischen Teil dieser gemeinsamen Stunden geschrieben: http://www.einfachwein.net/ostergeschic ... allye-109/

Und auch ich habe inzwischen die Verkostungsnotizen zu den sieben Prioratweinen aus 2008 auf meinem Blog veröffentlicht: http://www.torsten-hammer-priorat-guide ... pril-2017/

An Karlsruhe und den dortigen staugefährdeten Engpässen komme ich gut vorbei, aber es zieht sich dann noch einmal ewig, ehe der Kaiserstuhl in Sichtweite kommt...

Ich verlasse die Autobahn, um auf schmalen Straßen in dieses kleine Bergland hineinzufahren, in dem mein Firamitfahrer Leon wohnt. Den Lesern des letzten Firaroadbooks dürfte er noch in Erinnerung sein, bereits 2014 fuhren wir gemeinsam, da auch er leidenschaftlicher Frei-Camper und auch Klettersteiggeher ist. In den letzten beiden Jahren hat er sich zur Fira immer irgendwie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem vollgepackten Wanderrucksack durchgeschlagen. 2015 tauchte er ohne Vorwarnung abends in La Morera de Montsant auf dem Picknickplatz auf und letztes Jahr konnte er noch kurzfristig Klaus-Peter über seine neuerlichen Reisepläne informieren. Und dieses Jahr plante er alles etwas rechtzeitiger. Ab wann kann man davon sprechen, das einen das Fira-Virus erwischt hat? Bei der vierten aufeinander folgenden Tour oder erst mit der X-ten?

Und wann geht das Fira-Fieber vorbei? Mit der 13. Tour oder endet es niemals zu Lebzeiten?

Wir müssen seine Sachen im Regen verstauen. Es regnet nicht doll, aber in Verbindung mit den kühlen Temperaturen ist es unangenehm.

In Breisach am Rhein wird vollgetankt. Es ist teurer als erhofft, aber so ist das nun mal mit Feiertagen wie Ostern...

Dann geht es ins gelobte Frankreich rein, leider regnet es auch hier... Während wir auf Höhe Belfort das Stück mautfreie Autobahn nutzen, kommt die Lust auf´s Mittagspicknick. Aber im Regen?

Ich schlage vor, die Hochjura-Strecke zu nehmen und habe zur Not, sollte es nicht mit dem Regen aufhören, den von Felsen überdachten Platz im Defile d´ Entremonts im Blick. Zum Glück hört es mit Regnen auf, als wir bei Pont de Roide ins Jura rein fahren. Und in St. Hippolyte sieht es aus, als wäre Regen ein Fremdwort.

Einige Kilometer weiter oben finden wir einen netten Platz fürs Picknick, wir halten uns an den aus Deutschland mitgebrachten Vorräten schadlos.

In Morteau hat das Haus der Würste von Morteau offen, eine Verkausstelle regionaler Spezialitäten des Jura, gelegen am Ortsausgang in Richting Pontarlier. Beide haben wir zwar genug Lebensmittel auf unseren Kühlschränken geräumt, aber gegen guten frischen Käse aus dem Jura haben wir nichts. Aber auch eine Morteau - Wurst - die dann irgendwann in den nächsten Tagen gegessen werden soll, haben wir uns einpacken lassen. Und einen passenden Jura-Wein natürlich noch dazu.

Anschließend genießen wir den landschaftlich schönsten Teil der Strecke, die Fahrt durch die Defilé d´Entreroche. Der Doubs ist hier oben noch recht jung und schmal und die Schlucht ist nicht all zu tief, aber dennoch sehr eindrücklich, die Felsen überwölben zum Teil die Straße.

Hinter Montbenoit sind wir dann auf einer großen Hochfläche. Aber auch diese Landschaft hat ihre Reize. Uns fällt ein, das ein frisches Brot auch noch eine gute Idee wäre. Wir haben zwar noch wenige etwas altbackene Reste, aber macht altes Brot zu so gutem Käse Spaß???

Natürlich hat kein einziger Bäcker geöffnet, in Censeau Le Magasin endecken wir einen Brotautomaten, allerdings ist auch hier alles ausverkauft. Und dummerwise beginnt es wieder zu regnen.

Am Cirque du Ladoye regnet es ebenfalls, nichts mit einem Picknick an diesem schönen Platz. Dabei wäre es gar nicht schlecht, sich schon hier nach einem Platz für die Übernachtung umzuschauen, während ich im Jura einige schöne Biwakplätze kenne, weiß ich, das es in der Bresse diesbezüglich mau aussieht.

Leon war noch nie im Jura und er ist recht angetan von der schönen und abwechslungsreichen Gegend. Ich möchte ihm noch den Aussichtsplatz bei Granges sur Baume zeigen, der mit zu den eindrücklichsten Plätzen hier gehört. Und zugleich könnten wir gucken, wie die dortige Käserei geöffnet ist - sie ist schließlich eine meiner Lieblingkäsereien im Jura. Man braucht ja auf der Rückfahrt was für die Zeit hinterher in Deutschland.

Kurz vor Ladenschluß sind wir da, heute brauchen wir nichts weiter, aber die Zeit für die Rückfahrt merken wir uns.

Wir haben Glück, der Regen macht eine Pause und wir können die Aussicht genießen. Zugleich finden wir eine nutzbare Wanderschutzhütte, hier können wir im Trockenen kochen und auch schlafen, ohne die Zelte aufbauen zu müssen. Glück gehabt, denn kurze Zeit später regnet es schon wieder und es hört auch in den nächsten Stunden nicht auf.

Die Trangias werden angeworfen, es gibt leckeren Spargel und dazu Schinken. Und 2008er aus dem Priorat hinterher.

Alles ist gut, der Regen stört uns nicht.
Beste Grüße

Torsten

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