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Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013

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moc

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013

BeitragMi 29. Mai 2013, 19:55

dito!!!
grüße jens
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thvins

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Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013 (17)

BeitragMi 29. Mai 2013, 23:35

Hallo Wolfgang und Jens,

freut mich, wenn es euch gefällt - dafür wird es gemacht... ;)

Teil 17

Wir sind den Via Cable 2 bei Canillo hoch geklettert und nun müssen wir wieder runter...

Es ist uns etwas zu wage, zum oberhalb von uns befindlichen 2. Klettersteig weiter zu gehen, denn zum Einen ist es schon relativ spät und zum Anderen schaut es etwas nach Regen aus. Aber letztlich ist auch das Abseilen von hier immer wieder ein Spaß. Wenn man weiter oben von den Klettersteigen kommt, dann hat man oben in der Schlucht drei kurze Abseilstücken und dann kommt man zu dieser Stelle hier, wo man mittels einer Dreifachabseile 70 m nach unten kommt. ich finde hier oben einen herrenlosen Kletterhelm und beschließe, ihn auf zu setzen, falls Steffen von oben mit Steinen wirft (was er dann beim Abseilen auch mehrfach unbabsichtigt getan hat).

Hier das Abseilen in Bildern:

1397

Es geht los, Einbinden in den obersten Standplatz.

1398

Ich habe das erste Drittel bereits geschafft.

1399

Steffen auch - und wir ziehen erstmals das Seil ab.

1400

Ich mach mich dann mal wieder los...

1401

Und auf zur letzten Abseiletappe.

1402

Ich bin fast unten.

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Seil frei! Kannst nachkommen, Steffen. Und was passiert, wenn man unangeseilt hier runter fällt, das sieht man an den Geripperesten im Baum...

Ganz unten haben wir dann das Schild, welches uns noch einmal die beiden Via Cable - Wege erläutert.

1404

Als wir dann wenig später wieder unten am Auto sind, will es doch tatsächlich mit regnen beginnen. Also verzichten wir auf ein Picknick, aber bei der BP-Tankstelle gegenüber tanken wir erstmal wieder richtig voll. BP ist in Andorra nach wie vor am Billigsten, in der Regel etwa 2 Cent unter den anderen Tankstellen, wir berappen hier 1,24 € / l für das 95er Super.

Dann lassen wir uns abrollen und wir haben Glück, es geht staufrei durch sämtliche neuralgischen Punkte Als wir dann kurz vor der spanischen Grenze am Punta Trobada sind, jenem legendären riesigen Hypermarkt, da regnet es bereits richtig. Wir essen hier zunächst eine Kleinigkeit und dann kaufen wir ein.

Seit der Punta Trobada von Leclerc übernommen worden ist, ist das Angebot allerdings deutlich schlechter als früher. Die Frische-Abteilung hat eine völlig lustlose Bedienung, ich stehe mir hier für nichts die Beine in den Bauch, wenigstens bekomme ich nach all dem Warten ein bisschen guten Käse. Auch am Fleischstand werde ich vertröstet - am Ende gehe ich zum SB-Regal, weil auch 10 Minuten später, nachdem ich vertröstet wurde, das die Kollegin gleich wieder käme, nichts passiert. Der Kaffee ist hier inzwischen fast so teuer wie in Deutschland und die richtig gute CD-Abteilung gibt es überhaupt nicht mehr. Auch das Weinangebot war schon umfangreicher.

Dennoch müssen 6 Flaschen ins Gepäck - zunächst als Re-Import ins Priorat - die letzten beiden Flaschen vom Clef de l´ Exzellence von Herencia del Padri (Bernard Magrez) zu je um die 7 € (!!!) müssen mit - witzig ist, dass die Weine die französische Steuerkapsel mit der grünen Marianne haben... Auch die letzen beiden Cirerets vom Mas Alta müssen eingepackt werden, bei dem Preis - und um die Kiste voll zu machen, packe ich noch zwei günstige Flaschen Artigas, ebenfalls von Mas Alta dazu.

Aber nachdem ich diese Flaschen jetzt raus geräumt habe, lohnt ein Besuch beim Punta Trobada nicht mehr wirklich.

Inzwischen regnet es immer mehr und in Spanien wird es nicht besser - im Gegenteil. Das Biwakieren auf dem Col de Canto können wir uns sparen und auch in der Folge sieht es so aus, als wäre Zelten für den heutigen Abend keine sonderlich witzige Angelegenheit.

Am liebsten wäre ich ja angesichts des Wetters aus den Pyrenäen raus und direkt ins Priorat, aber wir sind nun mal für morgen hier verabredet - zum ersten Winzertermin unserer Tour...
Beste Grüße

Torsten

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thvins

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Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013 (18)

BeitragDo 30. Mai 2013, 12:30

Teil 18

Es regnet so stark, dass man keinen Hund vor die Tür jagen würde - und die Moral geht natürlich in den Keller.
In Sort checken wir die Zimmerpreise. 60 € für eine Nacht in einem Hotel, das ist eigentlich ganz schön viel und belastend für das Budget, aber auch in Llavorsi will es nicht wirklich günstiger werden. Schließlich bekommen wir aber den Tipp, dass in Llavorsi auf dem Zeltplatz auch Bungalows vermietet werden, was wohl günstiger sein sollte als ein Hotelzimmer...

Diese Gegend ist mir ja nicht unbekannt, aber bislang konnte ich hier immer bedenkenlos zelten. Allerdings mussten wir auch schon ein paar Mal auf offizielle Zeltplätze in der Gegend, weil es kaum Biwakiermöglichkeiten in den Hochburgen des Pyrenäen - Wildwassersports gibt. Und wenn man wie ich hier alles Mögliche mal probieren will, dann kann man oft auch nicht erst von weiter weg anreisen. Von Sort aus hatte ich bereits Rafting und Canyoning mitgemacht und von Llavorsi aus das vielleicht Geilste, was man im Wildwasser machen kann - Hydro-Speed... Steffen war damals auch dabei, allerdings hat er sich nicht getraut, nachdem er gesehen hat, was ich hier machen wollte. Und es lag nicht am Geld für das spezielle Event, das hätte auch Steffen damals noch gut übrig gehabt. Ich aber mußte das ausprobieren und ich würde es jederzeit gern noch einmal tun.

Die Hydro-Speed Strecke von Llavorsi ist ca. 8 km lang und in zwei Teile gegliedert, auf den ersten vier Kilometern wechseln sich ruhiges Wasser und Wildwasser ab, so dass sogar die Schwimmflossen mal eingesetzt werden können, auf den zweiten vier Kilometern gibt es keinerlei Ausruhstück, vier Kilometer bestes Wildwasser am Stück, ich kann mir keine Droge vorstellen, die einen größeren Rausch macht... :shock: ;)

Aber heute gibt es Wildwasserregen und wir wollen nicht zelten und schon gar nicht für das "Vergnügen" bei starkem Regen zu zelten auch noch was bezahlen. Dann lieber ein Dach überm Kopf... - und eben dafür in die Tasche greifen.

Am Zeltplatz angekommen, stellen wir fest, das wir erst telefonieren müssen, ehe wir dann gegen 22.00 Uhr unseren Bungalow gezeigt bekommen. Es regnet immer noch unerbittlich

Der Schreck ist dann doch recht groß, als wir erfahren, dass auch hierfür dann 60 € für die Nacht fällig werden, aber letztlich befinden wir uns in einer Notlage... Dafür haben wir dann ein Dach über dem Kopf, Steffen hat ein für ihn zu kurzes Bett, die Türen dieses Bauarbeiterschließfaches funktionieren nicht richtig, es gibt kein Klopapier, so dass wir auf eigene Reserven zurück greifen müssen, auch die Spülung wird nicht beständig funktionieren, ebenso wie das warme Duschwasser natürlich nicht für zwei Personen reichen wird. Die Töpfe sind so schäbig, so dass wir lieber unsere eigenen vom Trangia zum Kochen nehmen, kein Wunder, finden wir hier weder Geschirrspülmittel noch Handtücher - wie gut, dass wir alles selbst dabei haben. Auch eine der E-Herd Platten funktioniert nur sporadisch (und grad dann nicht, wenn wir Kaffeewasser heiß gemacht haben wollen). Am Ende sind wir auch beim Kochen wieder auf unsere eigenen Trangias angewiesen. Bloß gut, dass es eine überdachte Veranda gibt, so können wir bei Regen draußen kochen, ohne nass zu werden dabei.

So kommen wir am Ende doch noch zu Trangia deluxe:
Zunächst werden Nudeln gekocht, dann in den Portionstöpfen Stücken von Aubergine, Zucchini, Paprika, Zwiebel, Knoblauch und Tomaten im Olivenöl angebraten und mit Kräutern und Gewürzen abgeschmeckt, dann kommt das in Andorra erworbene Kalbsgehackte hinzu. Zum Schluss kommen die Nudeln drunter und etwas Reibekäse drüber - ich bin an diesem Abend zu genervt, um noch etwas kreativer zu werden. Auch der Wein wird es nicht retten, aber das kann ich mir ja schon vorher ausmalen...

Es gibt eine Flasche vom Clos l´Asentiu; TINA41; Priorat - Porrera; 2007 rot;

wie schon bei den letzten Flaschen dieses Weines knallt der Alkohol hier ganz schön durch, die Frucht ist schwer und gekocht - nein, wirkliche Freunde, so wie bei der ersten Probe dieses Weines seinerzeit werden wir nicht mehr werden.
Sehr gut und 88/100 Th. stehen am Ende auf meinem Zettel, Freunde des Rausches geben vielleicht sogar mehr...

Ob es das ist, wofür wir hier runter gekommen sind, will Steffen wissen - aber ich tröste ihn - es wird bessere Weine geben in den nächsten Tagen... wenigstens bessere Weine...
Beste Grüße

Torsten

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thvins

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Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013 (19)

BeitragSa 1. Jun 2013, 09:16

26.04.2013 - Teil 19

Wir wachen auf in Llavorsi in einem Bungalow, den Steffen liebevoll als Bauarbeiterschließfach bezeichnet hat und für den der gezahlte Übernachtungspreis einfach nur eine Frechheit ist. Hätte man 20 € pro Nacht genommen, wäre es für den Zustand des Bungalows noch okay gewesen, aber das Dreifache? Da habe ich schon in deutschen komplett und wirklich richtig gut ausgestatteten Ferienwohnungen das Geld für zwei Peronen und zwei Nächte bezahlt - dort mangelte es an nichts - im Gegensatz zu hier...

Aber die Nacht hätte auch schlimmer kommen können, beim Dauerregen irgendwo im Zelt und kochen mit dem Trangia bei diesem Regen im Freien. Oder notgenächtigt im Auto, eingeklemmt zwischen dem Gepäck...

Normalerweise hätte ich gestern die Flucht angetreten, raus aus dem Gebirge - aber stattdessen fahren wir rein ins Gebirge... - weil wir einen Termin mit einem Prioratwinzer hier haben... Nicht hier, nein, noch ein ganzes Stück weiter oben. Hier kenne ich die Straße hoch zum Port de Bonaigua, erstmals 1996 per Rad sind wir dort hoch gefahren auf einer Rundtour durch Katalonien. Später bin ich dann immer mal per Auto dort lang - in beide Richtungen, meist wollten wir dann hier irgendwas mit Wildwasser machen oder in die Collegats zum Klettern.

Man kann aber auch in Llavorsi in eine Sackgassenstraße einbiegen, die sich dann später noch mehrfach verzweigt. Man landet dann im Reserva Nacional de Alto Pallars - Aran unterhalb der höchsten Berge Kataloniens. Wir fahren das Vall Farrera hinauf - auf den Pic d´Estats zu, der mit 3141m zum Einen der höchste Berg Kataloniens ist, zum Anderen ist es das erste 3000er Massiv der Pyrenäen, wenn man vom Mittelmeer her kommt.
Auch Andorras höchster Berg, der Coma Pedrosa (2946 m) ist zum Greifen nahe und könnte von hier aus in Schmugglermanier über die grüne Grenze angegangen werden.

Und hier am Ende der Welt wollen wir Ramon Pahí aus Poboleda treffen, einen der sympathischen jungen Wilden aus dem Priorat, der mit seinen Gaubanca - Weinen auch in meiner Prioratführerselektion in Rot und Rosé vertreten ist...

Der junge Ramon Pahí hat seit seiner Kindheit immer wieder viel Zeit im Vall Farrera zugebracht, über diverse Feiertage bis hin zu den Ferien, ist dort auf die Berge gestiegen und hat Freunde vor Ort gefunden - es ist quasi seine zweite Heimat. Als wir uns im Priorat kennenlernten und er hörte, dass ich ein Pyrenäenfan, ja ein Pyrenéeist bin (man sagt hier eben nicht Alpinist zu den Bergsteigern... ;) ), da fud er mich ins Vall Farrera ein.

In Alins, dem letzten größeren Dorf hier sollen wir erfahren, wo wir uns treffen und tatsächlich, in der Bar gibt es eine Nachricht und die Wegbeschreibung für uns und dann fahren wir noch einige Kilometer hinauf nach Àreu, dem letzten Dorf im Tal. Von hier aus geht es nur noch zu Fuß, mit Getier oder Allrad weiter, wir entscheiden uns für die Variante: zu Fuss.

Irgendwie kommen wir dann doch ins Suchen, unser Anstieg passt irgendwann nicht mehr ganz zu Skizze und Beschreibung. Aber schön ist es hier...

1419

Gefühlt habe ich irgendwie den Eindruck, dass wir bereits zu hoch sind und noch weiter nach oben ist auch keine Menschenseele zu sehen. Schade, dass man Pferde nicht fragen kann, ob sie Ramon Pahí gesehen haben, es sind die einzigen Lebewesen hier in der Ecke. Aber man kann ja nach oben sehen und wir sehen: Nichts und Niemanden... Also so gehen, dass wir nach unten schauen können...

Und tatsächlich, etwas weiter steht ein rotes Auto. Da könnten auch Menschen sein... Und wir gehen querfeldein in Richtung des Autos und tatsächlich - wir erspähen einander. Da ruft jemand wie wild "Ehhh Tooorsten! und winkt.

1420

Wir haben Ramon Pahí und seinen Freund gefunden...
Beste Grüße

Torsten

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thvins

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Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013 (20)

BeitragSa 1. Jun 2013, 15:46

Teil 20

Wenige 100 m vom letzten Dorf vor dem höchsten Berg Kataloniens, in Àreu hat Ramon Pahí (Celler Pahí in Poboleda) mit seinem Freund einen kleinen Traum verwirklicht. Roger, sein alter Spielfreund aus Kindertagen, der hier mehrere Stücken Land im Vall Farrera besitzt, hat mit ihm gemeinsam hier auf 1230 m Höhe einen kleinen Rebgarten angelegt und mit Riesling bepflanzt. Gegenwärtig sind es 900 Reben, die vor drei Jahren gepflanzt wurden. Heute sind Ramon und Roger hier, um uns dieses kleine Juwel zu zeigen, aber auch den nötigen Rebschnitt und die Erziehung der Reben vorzunehmen.

Sie denken, dass es bereits in diesem Jahr, wenn alles gut läuft, eine erste kleine Ernte geben wird. Im letzten Jahr haben sie 12 kg Trauben geerntet und damit etwa 5 l Wein für den Eigenbedarf und zu "Forschungszwecken" gemacht - die sind natürlich schon längst getrunken inzwischen, aber von der ersten "richtigen" Ernte verspricht er mir ein Muster zum Kosten.

Ihm ist das gemeinsame Projekt mit Roger, der hier vor Ort in Alins wohnt, eine "grande Freude" - die beiden machen hier vor Ort so gut es geht alles gemeinsam, aber es hat natürlich auch etwas für sich, dass jemand täglich vor Ort ist, sein kann, wenn etwas passiert. Wie weit der Weg zwischen Poboleda und Àreu ist, werden wir noch sehen, denn wir wollen heute noch bis dort runter.

Ramon erzählt, das er insgesamt drei Leidenschaften hat - seine Familie, die Berge und den Wein. Hier in diesem Projekt spielen alle ineinander.

Der Weinberg heist Coster de la Monteixo, benannt nach dem schützenden Berg in nordöstlicher Richtung. Der Monteixo (2905 m hoch) ist ein "Thermoregulator", er schützt vor zu viel Kälte, weil er den kalten Wind abhält, aber im Sommer schützt er auch vor zu viel Hitze und Sonne. Der Hang selbst ist nach Südwesten ausgerichtet. Auf der gegenüberliegenden Seite des Berges ist dann bereits Andorra - der Coma Pedrosa ist nicht weit weg von hier.

Auch zur anderen Seite des Tales und selbst abwärts in südwestliche Richtung sind hohe, derzeit noch schneebedeckte Berge zu sehen, wir sind hier wahrlich in einem geschützten Kessel. Da es meist beizeiten schneit und der Schnee dann auch bleibt, wird es für die Pflanzen nicht unerträglich kalt. Dieses Jahr waren die Reben im Januar bis Mitte März von mehr als einem Meter Schnee bedeckt, quasi zugedeckt und damit geschützt. Auch als es dann mal ein zwei Wochen Temperaturen von -15° C hatte, gab es kein Problem für die Reben. "Es ist die Natur, die schützt, die Natur schützt ihre Töchter", sagt Ramon.

Ich möchte von ihm wissen, ob es sich hier um den höchsten Weinberg Kataloniens handelt. Er sagt, es gebe deutlich südlicher in den Pyrenäen vereinzelte Reben bis auf etwa 1.900 m Höhe, aber hier ist man wahrlich im Norden der katalanischen Pyrenäen und damit ist das hier etwa die Grenze des Machbaren. Die neuen Weinberge in Andorra liegen im Prinzip ähnlich hoch, aber hier ist man etwas nördlicher als in Andorra.

Der Weinbau ist auch hier nichts absolut Neues, es gab hier schon früher bis zur Reblauskrise Weinberge, aber danach war der Weinbau hier so weit oben erstmal jahrzehntelang verschwunden. Sie sind also Restaurateure und nicht Neuentdecker. Früher gab es den Vi de Vall Farrera bereits als Namen, heute gäbe es erstmal keinerlei Status oder DO für den Wein - er wird dann als Vi de Taula (Tafelwein) herausgegeben. "In eine DO hineinzukommen hat heute etwas von einem 'eingepreßt' werden, es gibt keine Freiheit mehr in einer DO. Dieser Weinberg hier aber nimmt sich die Freiheit einer extremen Herausforderung der Natur. Ich möchte für den Wein kein Gesetz. Der Wein selbst wird sich sein Gesetz schaffen. "

Es nerve ihn bisweilen selbst im Priorat, sich den Zwängen der DOQ unterwerfen zu müssen, z.B. was die Forderung nach dem Mindestalkoholgehalt angehe. Oder das Thema zugelassene, nicht zugelassene Rebsorten... Nur ungern unterwerfe er sich all solchen Zwängen, hier gibt er dem Weinberg die Freiheit, zwanglos sein zu dürfen... Er als Winzer versteht sich als Diener seines Weinberges, als Diener der Natur, die er natürlich respektiert. "Da muss seinetwegen heute niemand kommen und Gesetze zum ökologischen Weinbau erfinden... Wenn man mit Respekt vor der Natur arbeite, gehören sich gewisse Dinge und andere gehören sich einfach nicht..." Er beendet seine Ausführungen entsprechend mit "Amen". Und recht hat er... :ugeek:

Letztes Jahr wurde nicht wirklich geerntet, das Jahr war gedacht, damit die Reben ihre Wurzeln ausprägen konnten. Die gewachsenen Trauben wurden Ende Oktober geernet, aber ohne nach zu schauen, ob jetzt ein optimaler Erntezeitpunkt wäre. Man wird dieses Jahr schauen, wie sich die Traubenreife gestaltet und bewußt die Lese angehen. Er denkt an Mitte bis Ende Oktober, wenn die Nächte beginnen, kühl zu werden, es aber Tags immer noch über 20°C hat. Etwa 15 Tage vor der Ernte wird dann frei geschnitten, d.h. das Laub wird weitgehend abgeschnitten, damit die Trauben noch mal die zwei Wochen vor der Ernte die Sonne für sich haben. Den Rest wird man sehen müssen, wie es sich entwickelt. Es gibt da zu wenig aktuelle Erfahrung mit - man muss seine Erfahrungen selbt sammeln.

Ich frage ihn, welchen Rieslingstil er gern machen möchte. Er hätte gern einen richtig trockenen Riesling, der noch sehr viel über diese Region zu erzählen weiß. Am Besten fast ohne Restzucker, aber er weiß noch nicht, was das Terroir hier ihm gibt. "Ein Riesling mit Restzucker ist etwas anderes, das gehört eigentlich an die Mosel. Ich hoffe, das Terroir gibt mir etwas anderes."

Der Boden hier ist ebenso schiefrig und hat wie im Priorat viel Erzgänge (Vall Farrera kann man mit Tal des Eisens übersetzen) - der bläulich glänzende Ardoise - Schiefer hier ist aber deutlich älteren Datums als der Llicorella im Priorat. Er ist noch mehr mineralisiert und verwittert. Zugleich gibt es lehmige Deckschichten

Natürlich haben wir auch fleißig fotografiert - die ersten Fotos kommen jetzt hier:

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900 Rieslingstöcke - das wirkt überschaubar und verliert sich in den Weiten des Tales des Vall Farrera.

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Ramon Pahí bei der Arbeit...

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... und beim Interview.

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Roger (links) und Ramon (rechts) mit mir im Riesling-Extrem Weinberg.

wird forgesetzt...
Beste Grüße

Torsten

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thvins

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Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013 (21)

BeitragSo 2. Jun 2013, 11:06

Teil 21

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Während Roger und Ramon noch weiter mit dem Rebschnitt machen, knipse ich noch ein paar weitere Fotos vom Weinberg und den Bergen, die ihn umgeben. Mit dem Wetter haben wir Glück, zwar ist es bewölkt und die Sicht nicht besonders, aber es bleibt wenigstens trocken.

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Nach einer Weile beschließen die beiden, dass es Zeit für das Mittagessen wäre und wir packen zusammen und fahren zunächst nach Àreu, wo unser Auto steht.

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Das Flüßchen heißt wie auch das Tal Vall Farrera.

Noch zwei Fotos, die uns das Dorf Àreu ein wenig zeigen...

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... und schon sind wir unterwegs nach Alins, wo wir in der Bar von Roger zu Mittag essen. Er besitzt hier im Dorf die Bäckerei, die Bar und den angeschlossenen Lebensmittelladen, den Zeltplatz und dazu noch Reitpferde und Land, u.a für den Weinberg und wenn es erfolgreich sein sollte, für weitere Rebflächen. Er hat eine sehr freundliche junge Mitarbeiterin, die uns bereits am Vormittag in einem Mix aus Spanisch, Englisch und sogar etwas Deutsch den Weg erklärt hatte. Sie werkelt in der Küche, aber bedient auch in der Bar und im Laden. Dass sie aus Rumänien kommt, hätten wir allerdings nicht erwartet, aber sie hat jetzt hier eine ordentlich bezahlte Arbeit und kann sich hier auch ein Stück weit selbst verwirklichen. Roger und Ramon sind des Lobes voll über die junge Frau, die es hier ins letzte Dorf im Tal verschlagen hat und die jetzt hier ihre zweite Heimat gefunden hat. Dass sie kochen kann, das erfahren wir nun sogleich - und dazu gibt es Weine von Ramon - aus dem Priorat.

Er stellt uns seinen neuen kleineren Rotwein aus 2012 vor, den er Carussel nennen wird, weil ihn die üppigen Fruchtaromen an ein Karussel voll Obst erinnern... (90-91+/100 Th.) Aber auch einen Wermouth vom Celler Pahí lernen wir kennen. Dieser ist sehr interessant in der Aromatik und ausgewogen, nur leicht süßlich. Die Produktion von Wermouth hat eigentlich im Priorat eine alte Tradition, aber heute macht kaum noch jemand welchen und schon gar nicht für den Verkauf - es ist ein ähnlich rares oder gar noch rareres Produkt wie der Rancio geworden.

Nach dem Essen müssen wir noch einen Ratafia kosten, der allerdings nicht von Ramon stammt und die nette Rumänin würde am Liebsten mit uns noch einen Palinka trinken - damit würde sie dann doch ein kleine Sehnsucht nach zu Hause runterspülen, denn im Gespräch hatten wir herausgefunden, dass ich 1989 mit dem Rad in ihrer Heimatregion unterwegs war, eventuell sind wir damals sogar durch ihr Dorf gefahren...

Aber das Palinka trinken müssen wir auf ein anderes Mal verschieben, genau wie das Grillen von Schafsfleisch - mit uns am Tisch sitzt ein Öko-Schäfer, der stolz auf seine zertifizierten Tiere ist - Ramon hatte mit ihm grade ein Tauschgeschäft gemacht. Hier oben in dem abgeschiedenen Pyrenäental ist Tauschhandel noch an der Tagesordnung, wozu soll man die Dinge mit Geld regeln, wenn es auch so geht...

Die Uhren hier oben haben eh ihren eigenen Lauf, uns kommt es vor, als vergäße man hier einfach die Zeit und als wir aufbrechen, staunen wir, wie spät es doch eigentlich schon geworden ist. Ramon und die netten Bewohner von Alins sind sich sicher, dass wir wiederkommen werden. Und sie werden wohl recht behalten damit...
Beste Grüße

Torsten

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Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013 (22)

BeitragMo 3. Jun 2013, 09:53

Teil 22

Später als erwartet brechen wir in Alins auf und wäre nicht morgen bereits die erste große Verkostung, dann wären wir auch gern noch länger hier oben im Vall Farrera geblieben. So aber geben wir ein Versprechen - wir kommen wieder...

Ein Traum wäre es schon, hier bei der Riesling-Ernte zu helfen...

Und so fahren wir träumend aus den Pyrenäen heraus - ab Llavorsi für mich inzwischen eine Standardstrecke - nur mein neues Auto kennt diese noch nicht... - dafür fährt es dann aber doch recht routiniert hier lang!

Als ich Steffen erinnere, dass wir gemeinsam 2003 hier unterhalb von Sort in den Congost de Collegats mal zum Klettern waren, wird er zwar aufmerksam, kann sich aber nicht wirklich erinnern. Ich zeige ihm unsere Drei-Seillängentour aus dem Auto, aber es will nicht klick machen. Erst ein wenig später erinnert er sich an die Tour an sich, konnte sie aber nicht mehr verorten.

Dennoch beschließt er, erstmal nicht zu schlafen, sondern die Landschaft zu genießen. Auch die Weiterfahrt über Tremp nach Balaguer ist ja grandios - für mich die insgesamt spannendste Strecke aus oder in die Pyrenäen - ich kann das immer wieder gerne fahren.

Weiter unten beschließt Steffen dann sogar, aus dem fahrenden Auto heraus einige Schnappschüsse zu machen - die Besten sollen hier ihren Platz finden:

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Ich grüble unterdessen, wie ich von Balaguer aus weiterfahre, über Tarrega, Espluga de Francoli und Prades - so fährt Ramon in der Regel oder doch besser an Lerida vorbei und über Bellaguarda und ich lasse das Auto entscheiden. Es wählt die zweite Strecke. Vielleicht auch tatsächlich die etwas Schnellere, zumindest wenn man das Auto fahren lässt. Schaut man nach den Blitzern und fährt nicht schneller als die Polizei erlaubt, dann dürfte es sich beides nichts nehmen.

Ich finde aber auch die Strecke über Bellaguarda die spannendste Variante, ins Priorat hinein zu fahren. Man kommt von oben, fährt zunächst durch Les Garrigues, eine Comarca, in der es außer Olivenanbau nicht viel zu geben scheint, die Landschaft ist eher unspektakulär und dann kommt plötzlich eine totale Verwandlung, das wilde Montsant türmt sich auf und man ist in der Comarca Priorat. Egal, ob man dann nach Margalef runter fährt oder über Ulldemolins rein, beides macht Gänsehaut, wenn man es das erste mal sieht. Und mitunter auch jedes Mal, wenn man wiederkehrt.

Wir wollen in Richtung Poboleda, da ist es günstiger, über Ulldemolins zu fahren. Außerdem hat man da eigentlich gleich mit der Cresta de la Llena den ultimativen Eindruck von der Schönheit der Landschaft.

Nur dieses Jahr will das Priorat uns sich von seiner abweisenden Seite zeigen, die Wolken hängen extrem tief, die Fernsicht ist Fehlanzeige, trotzdem knipst Steffen aus dem Auto heraus eine erste Impression:

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Und auch als bei Ulldemolins erste Reben kommen, knipst er.

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Diese ergeben zwar noch Weine der DO Montsant, aber egal, wir sind erst mal angekommen...
Beste Grüße

Torsten

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Dick

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013

BeitragMo 3. Jun 2013, 11:27

Heimweh :!: :!: :!:
Mit freundlichen Grüßen aus Holland,
Dick
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thvins

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013

BeitragMo 3. Jun 2013, 11:59

Ja Dick, wo wart ihr eigentlich abgeblieben? Wolltet ihr nicht auch zur Fira???
Beste Grüße

Torsten

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Dick

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - die Fahrt zur Fira 2013

BeitragMo 3. Jun 2013, 12:52

Meiner anstrengenden Arbeit erlaubte dies leider nicht, Thorsten :!:
Mit freundlichen Grüßen aus Holland,
Dick
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