Ich treffe in Gratallops auf Cesca Vicent, die extra aus Barcelona angereist ist,um mich zu treffen - als Verstärkung zum Übersetzen hat sie ihre beiden Enkel mitgebracht, der 14jährige übernimmt die Rolle des Übersetzers vom Katalan ins Französische und umgekehrt schon recht gut. Die beiden im Val d´ Aran lebenden Jungs gehen ja auch auf eine Schule in Frankreich. Auch bei Cesca Vicent gibt es angenehme Neuigkeiten und interessante Musterflaschen zur späteren Verkostung mit. Nach wie vor kommt sie ein bis zwei Mal die Woche zum Arbeiten in ihrem Weinberg nach Gratallops, eventuell können wir uns auf einen späteren Termin noch mal verabreden - da weiß ich allerdings noch nicht, wie übervoll mein Kalender wieder werden wird. Jetzt im Nachgang bin ich froh, dass es diesmal nicht geklappt hat, denn dann wären auch diese Bilder nichts geworden.
Beim 2009er Cesca Vicent von Cesca Vicent wird es zwei verschiedene Etiketten geben, der blaue Rock ist die normale Version des Weines, wie auch von 2007 schon bekannt und er auch als 2008er zu Probieren sein wird, daneben gibt es dann noch einen roten Rock - dort war der Wein kürzer im Fass, geht also mehr in die Richtung eines Joven - Weines. Dann stellt sie mir noch eine interessante Rarität dazu, über die an geeigneter Stelle und zu geeigneter Zeit berichtet werden wird, auf meine Frage, wie es dabei mit dem Kaufen aussieht, lächelt sie mir zu - ja, ich dürfe durchaus etwas kaufen. Und ich weiß, welch Privileg das ist... Die Mutter des Priorat verkauft nur, wenn sie mag und an wen sie mag.
Es liegt natürlich nahe, dass ich dann bei der Vicent - Familie bleibe und schaue noch mal beim Celler Cecilio vorbei. Ich habe sogar das Glück, Raquel zu treffen, wenig später kommt dann auch Blai mit den Kindern. Wir unterhalten uns ein wenig und quasi im Vorübergehen trinke ich ein Glas vom Cecilio Negre 2009 - allerdings bin ich verkostungsmäßig weniger bei der Sache als beim Gespräch. Dass allerdings plötzlich das Glas leer ist, zeigt eigentlich auch, dass mir der Wein wieder gefallen hat.
Raquel bietet mir eine Einladung zum Tast del Llops an - ich bin eigentlich darüber so gar nicht wirklich glücklich, es ehrt mich ungemein, eine der raren Einladungen bekommen zu können, aber zum anderen habe ich auch schon die Einladung nach Marca - längs teilen oder quer teilen? Raquel versteht das Problem, sie bedauert auch die terminlich schlechte Abgestimmtheit der Verkostungen - aber natürlich ist es nicht zu ändern. Maximal möglich wäre ein Kurzintermezzo für eine knappe Stunde, aber ist es das wirklich wert, von hier nach dort zu hetzen, um zwei halbe Sachen zu machen?
Dann geht es weiter nach La Vilella Baixa - und schon wieder heißt es sich sputen, denn die Läden schließen in aller Regel pünktlich. Obwohl ich ein paar Minuten zu spät bin, darf ich aber in der kultigen Fleischerei Cal Centro noch fix etwas einkaufen, die Eltern haben die Bar noch offen und durch die Bar gehen wir in den Laden. Auch der Sohn und Fleischermeister erkennt mich natürlich sofort wieder und so ist das Mittagspicknick und auch der Abend gerettet.
Die Eltern drängen noch darauf, dass ich zum Nachbarn mitgehe, als sie erfahren, dass ich wegen des Weines in der Gegend bin. Und schon haben sie Herrn Sabaté herausgeklingelt, der mich natürlich auch sofort erkennt und sich freut, mich wieder zu sehen.
Wir kommen auch darauf zu sprechen, warum es dieses Jahr nur die eine 2009er Jahrgangsverkostung gäbe,nämlich die Profiverkostung am Montag - das letzte Jahr wäre die öffentliche Verkostung ein totales Desaster gewesen, schließlich seien nur Chris und ich dort als Besucher gewesen... Ich verweise auf Pedro und Klaus-Peter und er sagt:"Gut, dann eben vier Deutsche - aber ansonsten waren wir unter uns" Mir war das eigentlich nicht so drastisch aufgefallen. Klar waren frühere Jahre besser besucht, aber die Ursachen dafür sind vielfältiger Natur. Und deswegen gleich alles canceln? Das schlechte Wetter, die "Dezentralisierung" der Verkostungen, der im Vorfeld von manchen etwas schlecht geschriebene Jahrgang 2008 - alles in allem kein gutes Karma, aber deswegen im Folgejahr resignieren?
Dann mache ich noch fix mein Mittagspicknick, bevor es weiter zum nächsten Termin bei Mas Alta geht.
Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011
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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011
hallo torsten,
ich muss dir noch berichten wie sich die magnum selectvm montsalvat 2001 geschlagen hat. oder willst du das gar nicht wissen
? viele gruesse aus rom, martin
ich muss dir noch berichten wie sich die magnum selectvm montsalvat 2001 geschlagen hat. oder willst du das gar nicht wissen
es lebe die freiheit! es lebe der wein!
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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011, 27.04. - 2
thvins hat geschrieben:Die Mutter des Priorat verkauft nur, wenn sie mag und an wen sie mag.
Sieh' an, der alte Schmeichler, wohl Womanizer, wie???

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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011
Hi Martin,
ich will es wohl besser gar nicht wissen
- hab ja schon gehört, dass ihr die Weine an Wurzeltagen hattet und befürchte das Schlimmste
Hi Manuel,
Cesca erzählte Klaus-Peter und mir bei unserem ersten Besuch vor einigen Jahren, dass sie Wein mache, um ihn zu machen, nicht, um ihn verkaufen zu müssen. Sie betrachte jeden Wein quasi als Kind ihrer Arbeit und trenne sich ungern davon. Von Zeit zu Zeit drängle aber die Familie, dass mal wieder Platz geschaffen werden müsse im Keller. Sie erzählte uns auch die nette Story, wonach sie vor Jahren für einen ihrer Weine, ein Jahrgang Abat Domenech wars, mal 93 Parker Punkte bekam (was damals noch viel war). Irgendwelche Journalisten fragten sie, was sie mit dem Wein zu tun gedenke (und erwarteten wohl ein preisliches Angebot und einen Hinweis, an wen sie verkaufe) und sie sagte darauf nur: "Nichts!". Tatsächlich sieht man ihre Weine höchst selten irgendwo auf den Listen stehen - und dabei sind es immer gute Teile, auch vom PGV her.
Nachdem ich ihr half, ihre Webseite zu übersetzen, bekam ich als Dankeschön einige Weine und mir wurde es auch erlaubt, ihre Weine nach Deutschland zu importieren. Somit habe ich den 2007er Cesca Vicent mit im Angebot, einen Wein mit einem sehr attraktiven PGV. Und nun kann ich auch noch den Vell Segle XX bekommen. Es wird also dringend nötig sein, mal eine Priorat - Süßweinprobe zu machen. Nur wer hilft mir dabei?
ich will es wohl besser gar nicht wissen
Hi Manuel,
Cesca erzählte Klaus-Peter und mir bei unserem ersten Besuch vor einigen Jahren, dass sie Wein mache, um ihn zu machen, nicht, um ihn verkaufen zu müssen. Sie betrachte jeden Wein quasi als Kind ihrer Arbeit und trenne sich ungern davon. Von Zeit zu Zeit drängle aber die Familie, dass mal wieder Platz geschaffen werden müsse im Keller. Sie erzählte uns auch die nette Story, wonach sie vor Jahren für einen ihrer Weine, ein Jahrgang Abat Domenech wars, mal 93 Parker Punkte bekam (was damals noch viel war). Irgendwelche Journalisten fragten sie, was sie mit dem Wein zu tun gedenke (und erwarteten wohl ein preisliches Angebot und einen Hinweis, an wen sie verkaufe) und sie sagte darauf nur: "Nichts!". Tatsächlich sieht man ihre Weine höchst selten irgendwo auf den Listen stehen - und dabei sind es immer gute Teile, auch vom PGV her.
Nachdem ich ihr half, ihre Webseite zu übersetzen, bekam ich als Dankeschön einige Weine und mir wurde es auch erlaubt, ihre Weine nach Deutschland zu importieren. Somit habe ich den 2007er Cesca Vicent mit im Angebot, einen Wein mit einem sehr attraktiven PGV. Und nun kann ich auch noch den Vell Segle XX bekommen. Es wird also dringend nötig sein, mal eine Priorat - Süßweinprobe zu machen. Nur wer hilft mir dabei?
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Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011, 27.04. - 3
In La Vilella Alta habe ich einen Termin bei einem Weingut, welches inzwischen fast schon ein Klassiker ist. Seit dem Start als Mas Romani mit dem 2004er Jahrgang wird hier nichts ausgelassen, Jahr um Jahr sind die Weine der Bodegas Mas Alta an der Spitze aller Prioratos mit zu finden.
Die belgischen Penisonäre Michel und Christine Vanhoutte erfüllen sich hier den späten Traum vom eigenen Weingut, die Equipe wird von den oenologischen Beratern Michel Tardieu und Philippe Cambie angeleitet, aber auch vor Ort gibt es mit Bixente und Diane ein junges Pärchen studierter Oenologen aus Frankreich. Diane, die mich empfängt, stammt aus Sète nahe Montpellier und sie spricht ein perfektes Deutsch.
Wir, d.h. Diane und ich, später auch Bixente, tanzen um die Fässer, verschiedene Partien vom La Basseta und vom La Creu Alta darf ich kosten, Bixente macht dann den Vorabblend vom La Basseta 2009 für die Fira und auch hier darf ich ausgiebig hin und her kosten. Damit haben wir schon mal einen 2009er, der erneut die Messlatte sehr hoch ansetzt - klaro, es wäre ein Wunder, wenn dies nicht so wäre.
Auch eine zweite Flasche Artigas 2008 wird aufgemacht. Nachdem dieser Wein bei der Blindverkostung im Januar schon so überraschend gut war, betätigt diese Flasche die herausragende Qualität dieses zweitkleinsten Rotweines von Mas Alta. Aber was für ein geniales Teil ist der 2008er Cirerets - bereits zur Fira letztes Jahr hob ich den Zeigefinger: "Leute, unterschätzt mir diesen Wein, dieses neue Baby nicht!" Einer der sicher komplexesten Weine in 2008. Die beiden Großen lassen wir zu, denn es muss ja noch ein bissel Spannung fürs ausführliche Verkosten zu Hause bleiben.
Zurück nach Falset - auf dem Wege dorthin halte ich kurz bei Mas Martinet an. Josep Lluis Pérez freut sich, mich zu sehen und wir besprechen ein sicher sehr interessantes gemeinsames Projekt. Darüber wird es dann dieser Tage hier im Forum noch etwas mehr zu lesen geben...
In Falset gibt es dann noch ein Eis, auf welches ich mich schon sehr gefreut habe, kenne ich bislang wenige Eisdielen dieser Welt, die dem Eismacher hier das Wasser reichen können. Der Eismann lächelt mich an, als erinnere er sich an mich. Wenigstens einmal im Jahr schlägt hier dieser Deutsche auf...
Müßte ich das Eis bewerten, so würde ich sagen müssen: Groß! 95 oder mehr Punkte, je nach Sorte. Bei den Obsteissorten hat es wunderbare Fruchtstückchen inclusive, die Brombeeren sind sogar komplett...
Auch in der Fleischerei Llorenc werde ich freundlich begrüßt. Das neue, größere Geschäft ist auf der anderen Straßenseite, praktisch gegenüber vom alten. Auch hier gibt es wie immer eine wunderbare Auswahl von Spezialitäten in bester Machart. Und natürlich ist auch die englischsprachige Verkäuferin noch da.
Dann wird es Zeit, zur Oenologenschule IES auf zu brechen.
Die belgischen Penisonäre Michel und Christine Vanhoutte erfüllen sich hier den späten Traum vom eigenen Weingut, die Equipe wird von den oenologischen Beratern Michel Tardieu und Philippe Cambie angeleitet, aber auch vor Ort gibt es mit Bixente und Diane ein junges Pärchen studierter Oenologen aus Frankreich. Diane, die mich empfängt, stammt aus Sète nahe Montpellier und sie spricht ein perfektes Deutsch.
Wir, d.h. Diane und ich, später auch Bixente, tanzen um die Fässer, verschiedene Partien vom La Basseta und vom La Creu Alta darf ich kosten, Bixente macht dann den Vorabblend vom La Basseta 2009 für die Fira und auch hier darf ich ausgiebig hin und her kosten. Damit haben wir schon mal einen 2009er, der erneut die Messlatte sehr hoch ansetzt - klaro, es wäre ein Wunder, wenn dies nicht so wäre.
Auch eine zweite Flasche Artigas 2008 wird aufgemacht. Nachdem dieser Wein bei der Blindverkostung im Januar schon so überraschend gut war, betätigt diese Flasche die herausragende Qualität dieses zweitkleinsten Rotweines von Mas Alta. Aber was für ein geniales Teil ist der 2008er Cirerets - bereits zur Fira letztes Jahr hob ich den Zeigefinger: "Leute, unterschätzt mir diesen Wein, dieses neue Baby nicht!" Einer der sicher komplexesten Weine in 2008. Die beiden Großen lassen wir zu, denn es muss ja noch ein bissel Spannung fürs ausführliche Verkosten zu Hause bleiben.
Zurück nach Falset - auf dem Wege dorthin halte ich kurz bei Mas Martinet an. Josep Lluis Pérez freut sich, mich zu sehen und wir besprechen ein sicher sehr interessantes gemeinsames Projekt. Darüber wird es dann dieser Tage hier im Forum noch etwas mehr zu lesen geben...
In Falset gibt es dann noch ein Eis, auf welches ich mich schon sehr gefreut habe, kenne ich bislang wenige Eisdielen dieser Welt, die dem Eismacher hier das Wasser reichen können. Der Eismann lächelt mich an, als erinnere er sich an mich. Wenigstens einmal im Jahr schlägt hier dieser Deutsche auf...
Müßte ich das Eis bewerten, so würde ich sagen müssen: Groß! 95 oder mehr Punkte, je nach Sorte. Bei den Obsteissorten hat es wunderbare Fruchtstückchen inclusive, die Brombeeren sind sogar komplett...
Auch in der Fleischerei Llorenc werde ich freundlich begrüßt. Das neue, größere Geschäft ist auf der anderen Straßenseite, praktisch gegenüber vom alten. Auch hier gibt es wie immer eine wunderbare Auswahl von Spezialitäten in bester Machart. Und natürlich ist auch die englischsprachige Verkäuferin noch da.
Dann wird es Zeit, zur Oenologenschule IES auf zu brechen.
- thvins
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Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011, 27.04. - 4
Alkoholentzug als Chance für eine bessere und ausgewogenere Qualität ? - so lautet das Thema eines Workshops, dessen Einladung leider nicht so viele Leute folgen.
Wir sind vielleicht zwei Dutzend Teilnehmer, die den Vorträgen von Sandra und Toni folgen und im Anschluss vier Muster kosten. Ich werde von einigen mir bekannten Leuten freundlich begrüßt. Sandra hält den Vortrag natürlich auf Katalan, aber sie hat mir inzwischen die Unterlagen zur Verfügung gestellt, so dass ich mich damit noch mal intensiver auseinander setzen kann. Ein Post im Blog oder ein Diskussionsthema im Forum werden dann noch initiiert.
Es beginnt mit Fakten zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau, hier im Süden schon mehr ein Thema als im nördlicheren Deutschland. Dann werden zwei Forschungsprojekte zum Thema vorgestellt, eines, wo untersucht wurde, wie diverse Muster bei den Blinddegustierenden ankamen, die ohne bzw. auf verschiedene Arten des Alkoholentzugs hergestellt wurden. Es gab hier auch verschiedene regionale Unterschiede - die Grenache / Carignan aus dem Priorat schnitten bei Reduzierung um 1° besser ab als ein typischer Bordeauxblend aus dem Penedés. Muster, die um 2° reduziert wurden, kamen wiederum allgemein schlechter an.
Toni stellte dann seine eigenen Erfahrungen dar, zunächst per Vortrag, dann mittels 2 Pärchen zweier Blends, jeweils ohne und mit Reduzierung des Alkohols (auch hier um ca. 1°).
Die Normalweine hatten 15,4° bzw. 15,6° und die mittels Umkehrosmose um 1° verringerten Weine zeigten schon geschmacklich deutliche Verbesserungen. Man muss dazu sagen, dass es sich in allen Fällen um 2010er Fassmuster handelte, die ohnehin noch schwierig zu beurteilen sind. Dennoch waren bei beiden Fällen die reduzierten Weine harmonischer und besser zu trinken, es gab keine brennenden Mundgefühle wie bei den Mustern, die nicht reduziert waren. Zugleich aber gab es auch weniger Komplexe Noten, die Weine erschienen mit glatter, geschliffener, braver. Das Wilde und Ungestüme geht wohl ebenso verloren wie positiverseits der brennend alkoholische Eindruck.
Bei mir daher kein lautes euphorisches Hurra, sondern eher eine leise Akzeptanz, denn ein Hauptkriterium für mich ist die Trinkigkeit - diese bleibt aber bei den nicht reduzierten Weinen arg auf der Strecke. Was nützt ein Showwein, wo schon das Trinken eines Glases schwer fällt? Verteufeln sollte man diese oenologischen Möglichkeiten im Keller also keineswegs. Am Ende zählt eh nur das Ergebnis und weniger die Philosophie. Und beim Wein ist Physik mir allemal lieber als Chemie...
Mit der untergehenden Sonne fahre ich zurück nach La Perla del Priorat, gleich durch die Furt, der Wasserstand ist okay.
Ich bin allein mit Hund und Katz, die sich beide freuen, mich zu sehen und die ihre Streicheleinheiten einfordern. Ich mache mir einen Hähnchenschenkel mit Paprika und Zucchini in der Pfanne. Dazu gibt es einen 1996er Potensac, Cru Bourgeois aus dem Medoc, einen von der preislich ambitionierteren Sorte.
Barth hatte sich für den wie auch andere Bordeaux und Südfranzosen nicht sonderlich interessiert, also kann ich ihn beruhigt trinken. Aber wer den doch leider recht belanglosen Medoc kennt, wird wohl auch nur mit den Schultern zucken.
Langeweile im Glas ist hier das Leitmotiv, ich bin mit allen Flaschen dieses einst gesubsten Weines nie so richtig warm geworden und auch dieser Wein wurde damals in höchsten Tönen so gelobt, dass ich unbedarfter Konsument hier (zu) neugierig gemacht wurde. Für mehr als 88/100 Th (für mich die untere Grenze der sehr guten Weine) bin ich auch jetzt bei der letzten Flasche nicht bereit - aber Potential ist hier auch keines mehr ersichtlich, der Wein ist fertig... Leute, die sonst nur im Supermarkt kaufen, würden sicher dennoch begeistert sein, aber um welchen Preis? Anspruchsvollere Geister dürfen daran nicht mehr denken - denn in meinen Augen war selbst der damalige Subspreis noch zu teuer für dass, was der Wein mir bietet. Trinken und vergessen. Und ab ins Bett...
Wir sind vielleicht zwei Dutzend Teilnehmer, die den Vorträgen von Sandra und Toni folgen und im Anschluss vier Muster kosten. Ich werde von einigen mir bekannten Leuten freundlich begrüßt. Sandra hält den Vortrag natürlich auf Katalan, aber sie hat mir inzwischen die Unterlagen zur Verfügung gestellt, so dass ich mich damit noch mal intensiver auseinander setzen kann. Ein Post im Blog oder ein Diskussionsthema im Forum werden dann noch initiiert.
Es beginnt mit Fakten zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau, hier im Süden schon mehr ein Thema als im nördlicheren Deutschland. Dann werden zwei Forschungsprojekte zum Thema vorgestellt, eines, wo untersucht wurde, wie diverse Muster bei den Blinddegustierenden ankamen, die ohne bzw. auf verschiedene Arten des Alkoholentzugs hergestellt wurden. Es gab hier auch verschiedene regionale Unterschiede - die Grenache / Carignan aus dem Priorat schnitten bei Reduzierung um 1° besser ab als ein typischer Bordeauxblend aus dem Penedés. Muster, die um 2° reduziert wurden, kamen wiederum allgemein schlechter an.
Toni stellte dann seine eigenen Erfahrungen dar, zunächst per Vortrag, dann mittels 2 Pärchen zweier Blends, jeweils ohne und mit Reduzierung des Alkohols (auch hier um ca. 1°).
Die Normalweine hatten 15,4° bzw. 15,6° und die mittels Umkehrosmose um 1° verringerten Weine zeigten schon geschmacklich deutliche Verbesserungen. Man muss dazu sagen, dass es sich in allen Fällen um 2010er Fassmuster handelte, die ohnehin noch schwierig zu beurteilen sind. Dennoch waren bei beiden Fällen die reduzierten Weine harmonischer und besser zu trinken, es gab keine brennenden Mundgefühle wie bei den Mustern, die nicht reduziert waren. Zugleich aber gab es auch weniger Komplexe Noten, die Weine erschienen mit glatter, geschliffener, braver. Das Wilde und Ungestüme geht wohl ebenso verloren wie positiverseits der brennend alkoholische Eindruck.
Bei mir daher kein lautes euphorisches Hurra, sondern eher eine leise Akzeptanz, denn ein Hauptkriterium für mich ist die Trinkigkeit - diese bleibt aber bei den nicht reduzierten Weinen arg auf der Strecke. Was nützt ein Showwein, wo schon das Trinken eines Glases schwer fällt? Verteufeln sollte man diese oenologischen Möglichkeiten im Keller also keineswegs. Am Ende zählt eh nur das Ergebnis und weniger die Philosophie. Und beim Wein ist Physik mir allemal lieber als Chemie...
Mit der untergehenden Sonne fahre ich zurück nach La Perla del Priorat, gleich durch die Furt, der Wasserstand ist okay.
Ich bin allein mit Hund und Katz, die sich beide freuen, mich zu sehen und die ihre Streicheleinheiten einfordern. Ich mache mir einen Hähnchenschenkel mit Paprika und Zucchini in der Pfanne. Dazu gibt es einen 1996er Potensac, Cru Bourgeois aus dem Medoc, einen von der preislich ambitionierteren Sorte.
Barth hatte sich für den wie auch andere Bordeaux und Südfranzosen nicht sonderlich interessiert, also kann ich ihn beruhigt trinken. Aber wer den doch leider recht belanglosen Medoc kennt, wird wohl auch nur mit den Schultern zucken.
Langeweile im Glas ist hier das Leitmotiv, ich bin mit allen Flaschen dieses einst gesubsten Weines nie so richtig warm geworden und auch dieser Wein wurde damals in höchsten Tönen so gelobt, dass ich unbedarfter Konsument hier (zu) neugierig gemacht wurde. Für mehr als 88/100 Th (für mich die untere Grenze der sehr guten Weine) bin ich auch jetzt bei der letzten Flasche nicht bereit - aber Potential ist hier auch keines mehr ersichtlich, der Wein ist fertig... Leute, die sonst nur im Supermarkt kaufen, würden sicher dennoch begeistert sein, aber um welchen Preis? Anspruchsvollere Geister dürfen daran nicht mehr denken - denn in meinen Augen war selbst der damalige Subspreis noch zu teuer für dass, was der Wein mir bietet. Trinken und vergessen. Und ab ins Bett...
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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011
Welche Unterstützung brauchst Du??? Können wir per Mail oder BM machen, sonst verschandeln wir den Fred.thvins hat geschrieben:Es wird also dringend nötig sein, mal eine Priorat - Süßweinprobe zu machen. Nur wer hilft mir dabei?
Dieses Posting kann dann auch gelöscht werden.
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- thvins
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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011
Hallo Manuel,
wieso löschen und Fred verschandeln? Schreib mir einmal eine Mail, an welchen Wochenenden du Zeit hättest in der nächsten Zeit und dann schaun wir mal - vielleicht gibt es noch ein paar mehr Interessierte aus der Gegend (wegen Fahrgemeinschaft). Ich habe drei Süßweinmuster mitgebracht und noch ein paar süße Prioratos im privaten Keller liegen, die (gegen Umlage oder Einbringen weiterer Weine zum eng begrenzten Thema) dazu kommen. Da es meist 0,5 l Flaschen sind und die Weine wenigstens zwei Mal ins glas sollen (besser drei Mal), reicht ein Trupp von drei, maximal vier Leuten über zwei Tage - gern auch in Verbindung mit einer weiteren Probe diverser Roter aus einem Jahrgang.
Die Süßen gehen in etwa in die selbe Richtung wie die Weine aus Rivesaltes, Maury, Banyuls, vielleicht etwas weniger süß. Spannend ist das Thema sicher, aber auch exotisch.
Wenn wir in Sack und Tüten kommen, mach ich gern einen extra-fred auf.
wieso löschen und Fred verschandeln? Schreib mir einmal eine Mail, an welchen Wochenenden du Zeit hättest in der nächsten Zeit und dann schaun wir mal - vielleicht gibt es noch ein paar mehr Interessierte aus der Gegend (wegen Fahrgemeinschaft). Ich habe drei Süßweinmuster mitgebracht und noch ein paar süße Prioratos im privaten Keller liegen, die (gegen Umlage oder Einbringen weiterer Weine zum eng begrenzten Thema) dazu kommen. Da es meist 0,5 l Flaschen sind und die Weine wenigstens zwei Mal ins glas sollen (besser drei Mal), reicht ein Trupp von drei, maximal vier Leuten über zwei Tage - gern auch in Verbindung mit einer weiteren Probe diverser Roter aus einem Jahrgang.
Die Süßen gehen in etwa in die selbe Richtung wie die Weine aus Rivesaltes, Maury, Banyuls, vielleicht etwas weniger süß. Spannend ist das Thema sicher, aber auch exotisch.
Wenn wir in Sack und Tüten kommen, mach ich gern einen extra-fred auf.
Re: Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011
Hallo Torsten,
Anfang Mai ein Susswein probiert bei Capafons-Ossó. Es handelt sich um den Mas de Masos dolç 2007
Im 2007 keine 'normalen' Mas de Masos gemacht doch nur den Mas de Masos dolç 2007.
Ai, ai ai.... Noch nie so ein schoner Susswein getrunken wie dieser. Super.......
Gr, Wil
Anfang Mai ein Susswein probiert bei Capafons-Ossó. Es handelt sich um den Mas de Masos dolç 2007
Im 2007 keine 'normalen' Mas de Masos gemacht doch nur den Mas de Masos dolç 2007.
Ai, ai ai.... Noch nie so ein schoner Susswein getrunken wie dieser. Super.......
Gr, Wil
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Re: Einmal ins Priorat und zurück - Fira 2011
Hallo Wil,
leider habe ich keinen Mas de Masos dolc in der Probierkiste, aber da war auch noch nicht klar, dass man explizit eine Süßweinprobe vorbereiten könnte.
Solltest du den Mas de Masos dolc haben und mit Manuel und mir am Himmelfahrtswochenende teilen wollen, dann bist du gern eingeladen, ab Essen könntet ihr dann auch zu zweit fahren. Es wird aber neben den Süßen auch noch einen Jahrgang trocken und rot geben.
Auf der Preisliste steht er bereits drauf, nicht grad billig, aber am Dolc von Costers del Siurana orientiert, der ja qualitativ auch nicht ohne ist... Ist der Mas de Masos Dolc eine Normalflasche oder eine 0,5 l ?
Nun weiter im Tagebuch, denn es geht zu...
Capafons - Osso
leider habe ich keinen Mas de Masos dolc in der Probierkiste, aber da war auch noch nicht klar, dass man explizit eine Süßweinprobe vorbereiten könnte.
Solltest du den Mas de Masos dolc haben und mit Manuel und mir am Himmelfahrtswochenende teilen wollen, dann bist du gern eingeladen, ab Essen könntet ihr dann auch zu zweit fahren. Es wird aber neben den Süßen auch noch einen Jahrgang trocken und rot geben.
Auf der Preisliste steht er bereits drauf, nicht grad billig, aber am Dolc von Costers del Siurana orientiert, der ja qualitativ auch nicht ohne ist... Ist der Mas de Masos Dolc eine Normalflasche oder eine 0,5 l ?
Nun weiter im Tagebuch, denn es geht zu...
Capafons - Osso