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Schweiz - Waadt (Vaud)

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Oberpfälzer

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Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragSa 4. Dez 2010, 17:05

Hallo zusammen,

ab und zu kommt ein Chasselas bei mir ins Glas, häufig aus dem Kanton und Weinbauregion Waadt. Bei http://www.ernestopauli.ch steht zu lesen:


Der schweizerische Kanton Vaud (Waadt) liegt im Norden des Genfer Sees und grenzt an Frankreich, den Jura und die Kantone Neuchâtel (Neuenburg), Fribourg (Freiburg) und Valais an. Die Hauptstadt des französischsprachigen Kantons ist Lausanne.

Die Region Vaud unterstand der ständig wechselnden Herrschaft der Kelten, Römer, Burgunder, Merowinger, Karolinger und Zahringer, bis Mitte des 16. Jahrhunderts die Berner schließlich das Gebiet eroberten. Vaud wurde im Jahr 1798 von französischen Revolutionstruppen befreit und erklärte seine Unabhängigkeit als Lemanische Republik in Anlehnung an den Lemansee (Lac Leman), der heute die Bezeichnung Genfer See trägt. Mit Unterstützung Napoléons konnte Vaud der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Jahr 1803 als vollwertiges Mitglied beitreten.

Das zweitgrößte Weinbaugebiet in der französischen Schweiz umfasst 3.879 Hektar Rebfläche. Den Weinbau begründeten in dieser Region im Mittelalter die Zisterzienser, die den Großteil der noch heute bestehenden Weingärten rodeten. Die rund 50 Châteaux erhalten und pflegen heute diese über 450 Jahre alte Tradition. Nach den klimatischen Bedingungen wird das Waadtland in die drei großen Zonen Chablais, La Côte und Lavaux geteilt. Seit dem Jahre 1995 gibt es ein AOC-System mit Grand-Cru-Lagen.

Chablais (der Name leitet sich ab von Caput Laci = Kopf des Sees) ist der Bereich nordöstlich des Genfersees (Lac Léman) und am rechten Ufer des Rhône-Tals zwischen Martigny und Montreux. Wichtige Orte bzw. Appellationen sind Aigle, Bex, Bonnvillars, Ollon, Villeneuve und Yvorne.

Lauvaux ist das Gebiet zwischen Lausannne und Montreux am Ostufer des Genfersees. Wichtige Orte bzw. Appellationen sind Calamin, Chardonne, Cully, Dézaley, Espesses, Lutry, Saint Saphorin, Vevay-Montreux und Vilette. Hier gibt ves steilwandige, nahezu senkrecht vom See aufragende Felsterrassen. Die Weingärten auf extrem steilen Sandstein-Hängen mit bis zu 20 Stockwerken am Dézaley und um Saint Saphorin wurden von den Zisterziensern unter unsäglichen Mühen bereits im 12. Jahrhundert aufgebaut. Die nebeneinander liegenden Lagen Dézaley (gilt als bester Waadt-Wein) und Calamin besitzen Grand-Cru-Status.

La Côte ist der größte Bereich und liegt westlich von Lausanne bis vor Genf nordwestlich des Genfersees und steuert 40% der Wein-Produktion bei. Wichtige Orte bzw. Appellationen sind Aubonne, Begnins, Bolle, Bursinel, Coteau de Vincy, Féchy, Luins, Mont-Sur-Rolle, Morges, Nyon, Perroy, Tartegnin und Vinzel.

Rund 70% der Rebfläche bedeckt die Chasselas (Gutedel), die hier auch Perlan genannt wird. Die Weine aus dieser Sorte werden Dorin oder für Spitzen-Produkte Terravin genannt. Die roten Sorten belegen rund ein Viertel, vor allem Pinot Noir (Blauburgunder) mit 15% und Gamay mit 12%. Diese werden häufig miteinander verschnitten. Der dem Dôle im Kanton Wallis entsprechende Marken-Rotwein wird hier Salvagnin genannt, die Sorten werden aber auch getrennt gekeltert. In kleinen Mengen (rund 3%) sind noch Auxerrois, Charmont, Diolinoir, Gamaret, Garanoir, Gewürztraminer, Merlot, Muscat Blanc, Pinot Blanc, Pinot Gris, Silvaner (hier Johannisberg), Plant Robert und Syrah vertreten.


Später mehr zu meinen 2 probierten Weinen.
Servus
Wolfgang
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Oberpfälzer

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Re: Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragSa 4. Dez 2010, 21:12

und weiter geht es mit:

Dezalay L'Arbalète Grand Cru 2009, AOC Lavaux, Jean et Pierre Testuz S.A.
Schöne kräftige, verspielte Nase nach Steinobst, später auch floral und Mineralität.
Am Gaumen mittlerer Extrakt und doch eine gewisse ölige Konsistenz, milde Säure, schlanker Körper, etwas cremige Textur, gute Struktur und durchaus Finesse. Harmonisch mit herber Aromatik analog der Nase zusätzlich mit etwas Minze. Sehr langer Abgang. 86 OpfP.

St. Saphorin L'Eglise 2008, Cully, Louis Bovard
Nase: Schöne, animierende, kräftige Nase. Sehr angenehm nach Steinobst und Mineralik, auch hier zeigte sich mit der Zeit etwas florale Aromatik.
Am Gaumen mittlerer Extrakt, sehr mild, cremige Textur, ordentliche Struktur, In Sachen Finesse nicht an den Dezalay heranreichend. Auch fehlt ihm im direkten Vergleich die Frische (ist es der Jahrgang oder das eine Jahr längere Reife?). Harmonisch und angenehm. Langer Abgang. 83 OpfP.

Meine Einschätzung ist ähnlich der vom letzten Jahr. Chasselas finde ich schon interessant (vor allem in der Nase), aber sie kann mich bisher nicht wirklich begeistern.
Servus
Wolfgang
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Oberpfälzer

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Re: Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragSo 5. Dez 2010, 17:27

Hallo zusammen,

einen Tag offen, fällt der St. Saphorin weiter zurück, während der Dezalay wie erwartet recht stabil blieb. Also gehe ich mal weiter auf Suche.
Servus
Wolfgang
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Oberpfälzer

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Re: Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragSo 5. Dez 2010, 22:53

Erstellt am: 09.03.2010 : 23:10:01 Uhr
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St.-Saphorin 2008, Cave Beau Réveil, Béatrice Testuz,
12%alc. (ca. 11 CHF)
Kräftige angenehme aber auch etwas vordegründige Steinobstnase mit leichtem Schwefelton. Mittlerer Extrakt, mild; Harmonisch und angenehm. Ordentlich - mittlerer Abgang. Ordentlich-guter Wein. Im Vergleich zu den anderen kann er nicht ganz mithalten aber er ist auch der deutlich günstigste.

Dezaley L'Arbalète 2008, Jean & Pierre Testuz,
12,5% alc. (ca. 23 CHF)
Kräftige Nase, angenehm-vielschichtig nach weissen Blüten, feinherben Kernen und auch einem ganz kleinen (angenehmen) Stinker. Mittlerer Extrakt, mild, etwas feinkörnige Gerbstoffe, gut strukturiert. Sehr harmonisch, angenehm-vielschichtig mit feiner frischer Herbe. Sehr langer Abgang. Sehr gut. Hat im Laufe des Abends eher zugelegt und war für mich dann der Beste.

St.-Saphorin 2008, Domaine du Burignon,
12,5% alc (ca. 20 CHF)
Intensive angenehm-vielschichtige Nase nach Apfelkernen und einem leichten aber angenehmen Schwefel-Stinker. Mittlerer Extrakt, milde Säure, ordentliche Struktur; harmonisch und sehr angenehm mit herben und leicht minzigen Aromen, die ihn frisch wirken lassen. Mittlerer bis langer Abgang. Gut-sehr gut.

St.-Saphorin Terre-Plein 2008, Bernard Bovy,
12%alc., (ca. 15 CHF)
Ebenfalls intensive Nase, recht angenehm nach etwas floralen Aromen und Apfelkernen aber auch etwas Feuerstein. Mittlerer Extrakt mit beinahe etwas öliger Konsistenz, mild aber ordentlich strukturiert. Recht harmonisch, angenehm-vielschichtig mit sehr langem Abgang. Gut-sehr gut. Erster Eindruck war besser als im Laufe des Abends wo er an Breite zunahm.

St.-Saphorin L'Eglise 2008, L. Bovard,
12,5%alc. (ca. 19 CHF)
In der intensiven feinen Schnüffel-Nase feines Steinobst, fein floral und etwas mineralisch mit ebenfalls leichtem Stinker. Mittlerer Extrakt, mild, gut strukturiert mit schönem Spiel; sehr harmonisch, angenehm mit frischen minzigen Aromen. Langer Abgang. Sehr gut.


Das waren meine Eindrücke vom März. Damals hat mir der St.-Saphorin, L. Bovard besser gefallen.
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Wolfgang
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argentum

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Re: Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragFr 18. Feb 2011, 21:05

Ein Novum, während ich grade am kochen bin schüttle ich die Weissweinflasche. Es handelt sich hierbei um den Chasselas Caves de Chambleau non Filtré 2010.

Das Auge ist schnell umschrieben: milchig, weiss mit gelbstich. Am Rand Grünschimmer. Die Nase wird von Zitrusfrucht dominiert gibt aber keinen Anhaltspunkt, wie es um die Säure stehen könnte. Am Gaumen Creme, dieser Weisswein macht sich breit und legt einen sanften Teppich auf dem sich aber wirklich nur dezent Grastöne, Stein und etwas Grapefruit (?) breit machen. Der Abgang ist rund und kurz. Unkmopliziert, schön, einem Chasselas aus dieser Region absolut würdig. Mir gefällts und ich schlürfe weiter.

Wir sprechen an dieser Stelle von 11.5% und dem preislichen Rahmen von 12 Franken auf die 7.5er Flasche. Eine absolut korrekte PGV.

Also ich werde diesen Wein sicher wieder mal im Glas haben, alleine schon dass ich noch nie einen trüben Weissen hatte, der so gut schmeckt.
Gruss
Philipp

http://www.pinotphil.tumblr.com

In vinum veritas - lassum bev amo ün
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Oh Dae-Su

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Re: Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragSa 30. Nov 2013, 10:52

Hallo zusammen,

in diesem Faden war ja schon lange nichts mehr los. Da trage ich am besten auch mal was bei.
Letztens habe ich ein paar schweizer Weine probiert. Unter anderem auch dieser:

Luc Massy Dézaley Chemin de Fer Grand Cru 2011

Beim Dézaley Chemin de Fer Grand Cru 2011 von Luc Massy aus dem Kanton Waadt handelt es sich um einen 100%igen Chasselas welcher in der Schweiz einen hohen Bekanntheitsgrad innehat. Das Traubengut stammt von einem weichen Gemisch aus Mergel und tonhaltigem Sandstein Lagen in der AOC Dézaley nahe dem Seeufer des Genfer Sees. Bei diesem ersten Wein war ich vor dem Öffnen mit meinem Enthusiasmus eher ein wenig zurückhaltend. Das mag wohl damit zusammenhängen, dass ich zum einen nicht übermäßig viel Erfahrung mit Chasselas Weinen habe und zum anderen, dass diese wenigen Erfahrungen meistens von Langeweile, übertriebener Schlankheit und tief sitzende gespürter Einfachheit geprägt waren. Die Vorzeichen waren also nicht so positiv nehme ich an. Im Fall des Chemin de Fer von Luc Massy lag ich mit meiner Erwartungshaltung so richtig schön daneben! Dieser Chasselas zeigte sich erstaunlich komplex, kräftig mineralisch und durchaus tiefgründig. In meiner Nase meldeten sich leicht oxidativ wirkende Reifenoten, sowie cremige Aromen von frischem Apfelkuchen, einer Spur Vanille, ein wenig blumigen Honig und eine sehr kräftig, leicht ruppig wirkende, mineralischen Komponente. Am Gaumen kam viel von der Kraft und anständigen Länge des Chemin de Fer an. Der Wein wirkte weniger subtil oder elegant. Auf eine sehr gekonnte Art wirkte er auf mich eher breit, stabil und kernig. Die Aromen waren geprägt von ganz leicht mostigem Apfel, später nicht wenige Mandarinen, einer kräftigen und herben „zweig-lastigen“ mineralischen Prägung, etwas Pistazie, etwas mehr cremiger Vanille, türkischem Honig und, trotz seiner eher fein-verhaltenen Säure, angenehm animierender Frische. Ich würde vorschlagen diesen Wein eher wie ein Chardonnay zu behandeln. Mit steigenden Temperaturen machte der Wein Tür und Tor auf. Eine Bewertung fällt mir in diesem Fall schwer. Manch Chasselas-Freund dürfte sich über meine sehr positive Bewertung wundern. Bitte vergebt mir meine persönlich Inflation. Ich war letztlich sehr positiv überrascht! Ich würde den Chemin de Fer 2011 gerne als einen guten bis sehr guten (+)-(++) und immer noch sehr jung wirkenden Dézaley bezeichnen.

Mit diesem konnte ich noch weitere Weine aus anderen Kantonen probieren. Zum Beispiel den Dôle La Liaudisaz 2012 von Marie Therese Chappaz, einen Schiller 2011 von Annatina Pelizzatti, den Pinot Noir de Sierre 2011 von der Kellerei Rouvinez und den Merlot Carato 2009 von Angelo Delea aus dem Tessin.

Die anderen findet ihr hier:

http://wine-zeit.blogspot.de/2013/11/sc ... -zwei.html

Besten Gruss und bis demnächst weiter mit Weinen aus dem Waadt

Chris
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Oh Dae-Su

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Re: Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragDi 28. Jan 2014, 14:42

Hallo zusammen,

und wieder hab ich ein paar Weine aus der Schweiz verkostet. Sogar auch einen richtig roten ;) aus dem Waadt:

Domaine Louis Bovard Cuvée Louis 2011, Saint-Saphoin

Im Osten des Genfersees in der Region um Vevey kommt man in das mit ca. 805 ha ein wenig kleinere Weinbaugebiet Lavaux. Das Lavaux mit seinen namenhaften Grand Cru Appellationen dürfte vielleicht der interessanteste Abschnitt des Genfersees sein. Die Weine der Domaine Louis Bovard aus dem Dörfchen Saint-Saphorin sind keine Unbekannten. Auch hier dominiert im Sortiment zweifelsohne der Chasselas. Doch auch Rotweine, wirkliche Rotweine, aus Syrah und Merlot kommen zahlreich auf die Flasche. Ich möchte heute meine Aufmerksamkeit dem „Mittelklasse“ Rotwein Cuvée des Hauses schenken. Das Cuvée Louis aus dem 2011 ist ein für 15 bis 18 Monate in Barrique und großen Holzfässern ausgebauter Verschnitt von zu je einem Drittel Syrah, Merlot und Pinot Noir.

Die Farbe des Cuvée Louis erinnerte mich spontan an frisches Ochsenblut mit klaren Reflexen und einem Hauch von Transparenz. In der Nase meinte ich, dass der würzige Syrah eindeutig dominierte. Der Duft verströmte vielerlei Gewürze, dunkle Beerenfrucht, etwas Trockenfleisch und so manch lakritzig-teerigen Aromen. Eine verständlicherweise sehr junge, auch ein wenig ungestüme Nase, aber keinesfalls uninteressante Nase. Auch der Geschmack des Louis zeigte viel von seiner Jugend. Die dunkle Beerenfrucht wirkte zunächst ein wenig schüchtern. Das Trockenfleisch und die Gewürze, insbesondere weißer Pfeffer, wirkten intensiv und vielleicht ein bisschen sehr seifig. Das Tannin war semi-hart, staubig und etwas burschikos. Später und am zweiten Tag öffnete sich der Wein hinzu einem (gefühlt) sehr präsenten, durchweg kühl wirkenden und angenehm würzigen, Syrah mit schmeckbarer Merlotbeigabe. Die etwas wilde Charakteristik inkl. der Trockenfleisches nahm mit der Zeit stetig ab. Die an der Cuvée beteiligten Teilnehmer Merlot und insbesondere Syrah waren eindeutig schmeckbar. Der Pinot Noir ging an meinem Gaumen eigentlich komplett unter. Mag sein, dass er dem Wein seine Frische und die zu keinem Zeitpunkt zur Üppigkeit tendierende Struktur lieferte. Doch geschmacklich merkte ich nichts von diesem Drittel. Für mich ohne Zweifel ein guter (+) Wein der mir Spaß bereitete. Eine gute Länge sowie ansprechende Konzentration inklusive. In einigen Jahren bestimmt ein unkomplizierter und nicht unterfordernder Spaßwein kühler Prägung.

Sonst habe ich während dieser "Verkostungseinheit" noch weitere Weine verkostet:

Henri Badoux Aigle les Murailles 2011, Aigle
St. Jodern Kellerei Blauburgunder 2011, Wallis
Lüthi Weinbau Pinot Noir Élevé en Barrique 2010, Zürichsee
Christian Zündel Orizzonte 2008, Tessin


Die anderen Weine findet ihr hier:

http://wine-zeit.blogspot.de/2014/01/sc ... -drei.html

Besten Gruss

Chris
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Oh Dae-Su

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Re: Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragDi 25. Mär 2014, 09:00

Hallo zusammen,

und ein weiterer Dézaley musste dran glauben. So langsam denke ich, dass die Chasselas dieser Appellation mir wohl die liebsten Gutedel überhaupt sind. Konzentriert, komplex, sehr mineralisch, super würzig und ein wenig wild. Dieses Mal hatte ich den:

Dézaley Grotte des Moines 2011 von Louis Philippe Porchet

Wie bei fast allen Weinen aus dieser edlen Teil-Region des Lavaux östlich von Lausanne handelt es sich auch beim heutigen Wein um einen 100%igen Chasselas aus extremen Steillagen. Die Farbe des Grotte des Moines zeigte visuelle Tendenzen hin zu einem milden Stroh-Gelb, was für den sonst eher blass-eleganten Chasselas etwas erstaunlich war. Seine Viskosität zeigte sich im Vergleich zum Féchy recht unauffällig. Die wahrgenommene von seiner jugend zeugende Kohlensäure (Schraubverschluss) nach dem Öffnen möchte ich nicht unterschlagen. Die Nase war im Vergleich zum Féchy komplett anders. Sie war sehr ernsthaft, sogar etwas streng, und stark vom kargen Boden geprägt. Die eigentlichen Duftaromen waren eher von reservierter Natur. Ich meinte Zitronenabrieb, Kräuterwiese, junge Zweige und enorm viele rauchig-ernste mineralische Züge zu erriechen. Alles in Allem ein sehr "grün hinter den Ohren" wirkender Naseneindruck. Auch der Geschmack des Grotte des Moines wirkte sehr sehr jugendlich und in den ersten zwei Stunden sogar ein wenig zickig unruhig. Der allgemein reservierte Charakter des Weins muss ich was den Gaumen betraf nicht weiter betonen. Eine Form von präsenter Salzigkeit und sehr grün-würzige Aromatik kam von Beginn an durch. Später, nach ca. zwei bis drei Stunden, kamen mehr und mehr herbe-würzige Charakterzüge durch, welche mit der ebenfalls stärker aufkommenden Dichte des Weines, also ich meine natürliche den Eindruck einer solchen aufkommenden Dichte, sehr gut korrespondierte, aber nicht harmonisierte, da harmonische Neigungen im Moment bei diesem Wein wohl nicht das Thema sind. Die Länge und Druck des Dézaley war beeindruckend und sicherlich perspektivisch sehr ansprechend. Kurz und knapp zusammengefasst. Im Moment in einem sehr jungen und von würziger Strenge geprägtem Entwicklungsstadium. Auch zukünftig sicherlich kein Gaumenschmeichler! Ein nach auf Käse basierendem Essen schreiender Chasselas von absolut guter (+)-(++) Qualität.Vielleicht sogar mehr ...

Neben dem Grotte des Moines konnte ich noch weitere Schweizer probieren. Dabei waren der Féchy La Colombe 2011 der Domaine La Colombe, ein leider mich sehr enttäuschenden Pinot Noir vom Lindenwingert 2010 vom Weingut Sprecher von Bernegg, der Trocla Nera Pinot Noir 2010 des Weinguts zur Sonne der Familie Obrecht und der Fustoquattro Merlot 2011 von Daniel Huber aus dem Tessin.

Diese findet ihr hier:

http://wine-zeit.blogspot.de/2014/03/sc ... -vier.html

Besten Gruss

Chris
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dazino

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Re: Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragDi 25. Mär 2014, 12:18

Hoi Chris

Die Dézaleys gehören zu den wenigen Chasselas die etwas Lagerung fordern. Darum lasse ich die Weine gerne zwei, drei Jahre reifen. Aus guten Jahrgänge kann man diese auch 10 und mehr Jahre im Keller liegen lassen. Z.B. den Médinette von Bovard.

Gruss
David
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Oh Dae-Su

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Re: Schweiz - Waadt (Vaud)

BeitragDi 25. Mär 2014, 15:00

Hi David,

ja, ganz sicher brauchen Dézaleys etwas Flaschenreife. Zumindest die wenigen die ich bis jetzt verkostet habe.
Ich bin halt einfach zu neugierig gewesen :D. Potentiell dürfte der Grotte des Moines 2011 in zwei bis vier Jahren aus der 0,7 l Flasche* ein wirklich super Chasselas sein. So weich wie ein Aigle oder Yvorne dürfte er wahrscheinlich nie werden ...

* Da fällt mir spontan zu den Waadter Flaschen eine Frage ein: Weiss jemand von euch vielleicht wie es dazu gekommen ist, dass im Waadt hauptsächlich 0,7 l bzw. 0,35 l Flaschen verwendet werden? Zu der klassischen und etwas eigenwillig aussehenden Flascheform habe ich mittlerweile eine Erklärung gefunden, doch zur unterschiedlichen Füllmenge noch nicht. Wäre super, wenn mir jemand bei dieser zugegeben ziemlich nerd'igen :geek: ;) Frage weiterhelfen könnte.

Besten Gruss

Chris
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