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Weingut Kistenmacher & Hengerer

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Barrique-Haus

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Weingut Kistenmacher & Hengerer

BeitragDo 20. Mär 2014, 09:17

http://www.barriquehaus.de/2014/03/barr ... g-zum-101/

In Heilbronn, in direkter Nachbarschaft zur Stadt Weinsberg und der dort ansässigen „Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau“ (Staatsweingut Weinsberg), befindet sich mit dem Weingut Kistenmacher-Hengerer der qualitative Motor dieser Region. Geführt wird der um die 9ha große württembergische Betrieb von Hans Hengerer, der hier seine internationalen Erfahrungen mit der heimatlichen Weinbautradition unter höchsten Qualitätsansprüchen verbindet.

Seine Aufmerksamkeit gilt sowohl einheimischen wie auch internationalen Rebsorten. Ein breiter Rebsortenspiegel (insbesondere im Rotweinbereich) ist daher nicht verwunderlich. Neben Trollinger, Lemberger, Spätburgunder und Samtrot finden sich bspw. ebenso Merlot und Cabernet Franc. Dieser wird übrigens reinsortig zu einem exzellenten Tropfen („Frederic“) ausgebaut. Der Anspruch von Hans Hengerer ist die Erzeugung authentischer und regionaltypischer Weine, die nicht unbedingt stets dem allgemein gewünschten Geschmack entsprechen, sondern durchaus Ecken und Kanten aufweisen dürfen. Dieses Ziel erfüllt er voll und ganz!

Die heutigen Weine haben Charakter und sind deutlich vom Terroir geprägt. Die erdige Mineralität bildet das Fundament. Prägend sind jeweils eine herbe, ins pikante gehendende Würze sowie eine kühle Frucht. Ein markanter Holzeinsatz lässt die Weine rustikal wirken, ist aber stets passend abgestimmt und erdrückt zu keiner Zeit Komplexität oder Aromatik. Kräftige und straffe Weine, teils mit animalischen Tönen unterlegt. Elegant in ihrem Auftreten und herrlich unaufgeregt. Die gemeinsame Handschrift der Weine ist klar ersichtlich und ziemlich einzigartig. Allesamt sind sie auf Langlebigkeit ausgelegt, können und dürfen reifen.

Basis der ausgezeichneten Weine sind geringe Erträge und die Arbeit in Einklang mit der Natur. Nachhaltig und umweltfreundlich werden die Weinberge sorgfältig bearbeitet und gepflegt. Die Lese erfolgt von Hand. Die Weine werden nach schonender Verarbeitung ungeschönt und unfiltriert abgefüllt. Neben Weine werden auch flaschenvergorene Sekte produziert.

Die große Stärke von Hans Hengerer liegt beim Spätburgunder, mit dieser Rebsorte erzeugt er seine ausdruckstärksten Weine. Der Blaue Spätburgunder „Junges Schwaben“ macht richtig was her. Bester Schliff und wunderbar elegant. Die Rebsorte Clevner ist eine in Württemberg heimische Varietät des Frühburgunders. Die Rebstöcke der Trauben für den „Clevner R“ sind 42 Jahre alt. Ein hervorragender Wein. Sehr gut auch das Cuvée „Maximilian“, eine gelungene Kombination von Merlot und Spätburgunder.

Mit dem Jahr 2013 wurde das Weingut Kistenmacher-Hengerer verdienterweise in den Verband der deutschen Prädikatsweingüter (VDP) aufgenommen. Im höchstdekorierten Restaurant Deutschlands, der Traube Tonbach in Baiersbronn, wurden und werden sie ohnehin schon ausgeschenkt. Gemeinsam mit 4 weiteren Winzern bildet das Weingut die Gruppe „Junges Schwaben“, die 2010 den ARTVINUM-Preis als europäische Nachwuchswinzer des Jahres verliehen bekam.
Viele Grüße
Das Barrique-Haus

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octopussy

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Re: Weingut Kistenmacher & Hengerer

BeitragDo 20. Mär 2014, 10:41

Barrique-Haus hat geschrieben:Ein markanter Holzeinsatz lässt die Weine rustikal wirken, ist aber stets passend abgestimmt und erdrückt zu keiner Zeit Komplexität oder Aromatik.

...

Die große Stärke von Hans Hengerer liegt beim Spätburgunder, mit dieser Rebsorte erzeugt er seine ausdruckstärksten Weine. Der Blaue Spätburgunder „Junges Schwaben“ macht richtig was her. Bester Schliff und wunderbar elegant.

Hallo Barrique-Haus,

den Spätburgunder "Junges Schwaben" hatte ich vor einer Weile auch mal im Glas. Für mich ein "Klassiker" der dünnen Frucht und des unsensiblen Holzeinsatzes.

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Beste Grüße, Stephan
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Barrique-Haus

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Re: Weingut Kistenmacher & Hengerer

BeitragMi 26. Mär 2014, 08:37

Hallo Stephan,

das passt so recht gar nicht zu meiner Verkostung. Hattest Du den Wein allein oder im Rahmen einer größeren Probe? Der Wein brauchte gut Luft, nach ca. 1,5h in der geöffneten Flasche zeigte er sich wie von mir beschrieben. Das Holz ist klares Stilmittel, jedoch passt es sich meiner Meinung nach glänzend mit der enorm erdigen Mineralik und der tendenziell sogar eher dunklen Frucht an. Leichtgewichtig und mittellang kann ich so auch nicht bestätigen. Es ist ein eher kräftiger Spätburgunder mit einem sehr langen Abgang und guter Nachhaltigkeit. Die Unterschiede klingen etwas nach einem schleichenden Kork. Eventuell war das die Ursache?
Viele Grüße
Das Barrique-Haus

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octopussy

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Re: Weingut Kistenmacher & Hengerer

BeitragDo 27. Mär 2014, 11:08

Hallo Barrique-Haus,

wir hatten den Wein im Rahmen einer Verkostung in kleinerer Runde. Wir haben ihn am Ende der Probe nochmal nachprobiert. Er hatte sich meiner Erinnerung nach etwas verbessert und auch die ganz dominante Holznote etwas abgelegt. Einen Korkschleicher möchte ich ausschließen. Ein solcher wird mit zunehmender Luft schlimmer. Das war hier nicht der Fall. Derjenige, der die Flasche mitgebracht hatte, war aber selber sehr enttäuscht von dem Wein und meinte, dass seine erste Flasche des Weins (im Restaurant) ganz erheblich besser war.

Im Übrigen gilt wohl auch hier, dass die Geschmackspräferenzen bei Pinot Noir sich stark unterscheiden. Ich bin zum Beispiel sehr holzempfindlich und nehme Holznoten sehr stark wahr, die andere weniger stark wahrnehmen.

Punkte sind zwar Schall und Rauch, aber nehme ich nur mal deine Notiz und gehe von einer "Trinkbarkeitsbasis" (die der Wein definitiv hat) von 80 Punkten aus, sähe alleine meine Analyse wie folgt aus:

"Kühle, holzbetonte und rustikale Ausrichtung": Kühl + 2, holzbetont -2, rustikal -2 = 78 Punkte
"Die Nase intensiv, kühl und geprägt von erdiger Mineralität.": intensiv: +2, kühl bereits berücksichtigt, erdig + 0 ) = 80 Punkte
"Dazu präsentes rauchig-röstiges Altholz (rustikal wirkend).": Bereits berücksichtigt
"Die markante herb-pikante Würze unterlegt von Pfeffer, getrockneten Kräutern, Kaffee und Tabak." -2, da ich getrockenete Kräuter, Kaffee und Tabak im Pinot nicht mag = 78 Punkte
"Ein wenig nussig und animalisch.": neutral +/- 0 = 78 Punkte
"Florale Aromen." + 2 = 80 Punkte
"Reife rote und dunklen Beeren mit dominanter Kirsche und deutlichen schwarzen Johannisbeeren." + 2, da klare Frucht im jungen Pinot Noir für mich positiv sind = 82 Punkte
"Muskulös und konzentriert mit gewisser Leichtigkeit.": Ist für mich zwar ein bisschen widersprüchlich, aber insgesamt + 1 = 83 Punkte
"Straff, komplex und elegant." + 2 = 85 Punkte
"Am Gaumen kühl mir reichlich erdiger Mineralik." + 1 für die Mineralik = 86 Punkte
"Feinsaftig, gefühlvoller Samt." = + 1 = 87 Punkte
"Fest und stoffig bei guter Kraft." Wiederholung +/-0 = 87 Punkte
"Galant und gewisse Ruhe ausstrahlend. Geschliffen." Eigentlich schon bewertet +/- 0 = 87 Punkte
"Die Aromatik der Nase setzt sich in eindrucksvoller Balance fort." Konsistenz zw. Nase und Gaumen ist immer gut, + 1 = 88 Punkte
"Die sehr präsente, sehr feine Säure macht den Wein lebendig und frisch." + 1 = 89 Punkte
"Die Gerbstoffe ebenfalls sehr fein." schon bewertet (gefühlvoller Samt) +/-0 = 89 Punkte
"Der Abgang schmelzig, sehr gut und sehr lang." Langer Abgang ist gut + 2 = 91 Punkte
"Zupackend erdig-mineralisch, Salz." Wiederholung +/-0 = 91 Punkte
"Erneut vielschichtig mit herber Würze, animierend." Bereits bewertet +/-0 = 91 Punkte
"Gute Nachhaltigkeit auf Kaffee und Bitterschokolade." Für mich leider ein No Go bei Pinot Noir, gerade wenn das der letzte Eindruck ist -2 = 89 Punkte

Ich habe zwar den Wein ein bisschen anders gesehen, aber das obige dient dazu, einmal aufzuzeigen, welche Aspekte eines Pinot Noirs dem einen oder anderen gut oder weniger gut gefallen. Immerhin käme ich aber nur bei deiner Notiz am Ende doch auf einen schönen Wein, der mir auch insgesamt gefallen würde - bis auf das Holz und die erwähnte Rustikalität in der Nase (die ich allerdings auch nicht so stark wahrgenommen habe - wohl aber das Holz).
Beste Grüße, Stephan
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Michl

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Re: Weingut Kistenmacher & Hengerer

BeitragDo 27. Mär 2014, 16:14

:twisted: :lol:
Viele Grüße

Michl
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Barrique-Haus

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Re: Weingut Kistenmacher & Hengerer

BeitragFr 28. Mär 2014, 08:47

Hallo Stephan,

sehr schön :D

Es ist stets das Dilemma, dass man eben nicht gemeinsam an der gleichen Flasche sitzt.
Dazu kommen selbstverständlich die unterschiedlichen Maßstäbe, Vorlieben und Geschmäcker. Wäre bestimmt interessant, diesen oder einen anderen Wein gemeinsam zu verkosten.

Schön, dass du trotzdem etwas mit der VKN anfangen kannst. Ziel erreicht.
(Punktabzüge für bestimmte Aromatiken mache ich aus Neutralität nicht, dem einen gefällt Kaffee, dem anderen nicht)
Viele Grüße
Das Barrique-Haus

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octopussy

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Re: Weingut Kistenmacher & Hengerer

BeitragFr 28. Mär 2014, 10:28

Barrique-Haus hat geschrieben:Es ist stets das Dilemma, dass man eben nicht gemeinsam an der gleichen Flasche sitzt.
Dazu kommen selbstverständlich die unterschiedlichen Maßstäbe, Vorlieben und Geschmäcker. Wäre bestimmt interessant, diesen oder einen anderen Wein gemeinsam zu verkosten.

Schön, dass du trotzdem etwas mit der VKN anfangen kannst. Ziel erreicht.
(Punktabzüge für bestimmte Aromatiken mache ich aus Neutralität nicht, dem einen gefällt Kaffee, dem anderen nicht)

Hallo Barrique-Haus,

das ist tatsächlich das Dilemma (und die gemeinsame Flasche wird sich sicher mal ergeben).

Dank des hier verlinkten Artikels zur Philosophie des Weins (viewtopic.php?f=36&t=3346) habe ich mir nochmal in Erinnerung gerufen, dass es tatsächlich gewisse objektive Kriterien gibt, anhand derer man einen Wein beurteilen kann, dass aber die Schlussfolgerung, die man aus diesen in gewisser Weise objektiv beurteilbaren Aspekten zieht, wieder in die subjektive Richtung geht. Und ich bin da ganz klar subjektiv unterwegs, wohlwissend, dass andere eben einen anderen Geschmack haben.
Beste Grüße, Stephan

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