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Gaston

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Image Mittelrhein

BeitragSo 24. Mär 2013, 16:02

Liebe Forianer,
Als jemand, der eine besondere Nähe zum Mittelrhein und seinen Weinen hat, macht es mich manchmal traurig, dass die Region so deutlich im Schatten der anderen deutschen Regionen, vor allem der Nachbarregionen steht. Dabei ist doch das Potential eigentlich da: eine großartige Landschaft, gute bis sehr gute Weinbergslagen, gute und engagierte Winzer.

Dass der Mittelrhein dennoch oft unter ferner liefen läuft hat natürlich einerseits mit seiner sehr viel geringeren Größe zu tun, dadurch gibt’s weniger Winzer, weniger Wein und natürlich auch weniger hervorragenden Wein, der auch im Rest der Republik oder gar darüber hinaus zur Kenntnis genommen wird.

Eine These: Was dem Mittelrhein fehlt, ist ein renommiertes Top-Weingut, eine Winzerdynastie, ein absoluter Top-Produzent, der als solcher national und international wahrgenommen wird und die Region und ihr Image quasi pushen könnte. Also so was wie Egon Müller oder Haag an der Mosel, Weil im Rheingau, Dönnhoff an der Nahe oder Keller in Rheinhessen. Und ich meine jetzt in erster Linie die Strahlkraft des Namens, nicht die tatsächliche oder vermeintliche Qualität der Weine.
Was denkt ihr? Wäre das überhaupt wünschenswert?

Beste Grüße
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Ralf Gundlach

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Re: Image Mittelrhein

BeitragSo 24. Mär 2013, 21:50

Hallo Gaston,

gerade suche ich eine Unterkunft in Bacharach und dann sehe ich diesen Thread. Ob die Stahlkraft eines besonderen Namens so viel ausmachen würde, keine Ahnung, glaube ich aber eher nicht, auch Dönnhoff hat die Nahe alleine nicht gerettet. Toni Jost hatte ja schon durchaus zwischenzeitlich eine gewisse Stufe erreicht, die ihn unter Weintrinkern deutschlandweit bekannt gemacht hat. Ich glaube, dass andere Faktoren da mehr eine Rolle spielen. Die Qualitätsinitiativen am Mittelrhein sind ja eher in der jüngeren Vergangenheit zu suchen und die begann m.E. mit Jost, selbst an der Nahe gab es früher treibende Kräfte wie Anheuser oder die Staatsdomäne ( v.a. in den 60ern und 70ern,, große Rieslinge wurden da produziert)), da war Dönnhoff zu der Zeit noch eine kleine Nummer, diese Faszination samt Rennomee retten viele Anbaugebiete in die heutige Zeit, dass hat (leider) auch eine gewisse Stahlkraft siehe vor allem der Rheingau (grosse, rennomierte Weingüter wie Langwerth von Simmern oderr Schloß Schönborn, so etwas gibt es nicht vergleichbar am Mittelrhein, Qualität hin oder her), und wenn ich ehrlich bin halte ich selbst die besten Lagen des Mittelrheins nicht fürt absolute Spitzenlagen in Deutschland, es können durchaus aussergewöhnliche Rieslinge produziert werden, aber dass sind in der Spitze eher Ausnahmen, und in der Bandbreite hat das Tal an guten Winzern anscheinend nicht besonders viel zu bieten ( diese Einschätzung beruht aber eher auf Halbwissen, siehe die rennomierten Weinführer) ) aber es gibt sicher noch mehr Gründe, Einn wirklich seit Jahrzehnten trinkender Weinfreund und absoluter Kenner der deutschen Weinszene, zumindest bis Anfang der 90er sagte mir vor ein paar Jahren, als ich ihm erzählte dass ich am Mittelrhein Riesling bestellen woltle: "Ralf, du hast nur eine Leber, lass es sein, du kannst nicht jeden Mist trinken". Vielleicht ist das auch eine Antwort auf deine Frage, obwohl ich mit einem Weingart-Kabinett (2008er Fürstenberg) denjenigen richtig zum Nachdenken gebracht habe, denn solch eine Qualität hatte er niemals von einem Mittelrhein-Riesling erwartet und er war schwer beeindruckt. Aber...solch einen Kabinett macht srelbst Florian Weingart nicht jedes Jahr..

Gruß

Ralf
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Gaston

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Re: Image Mittelrhein

BeitragSo 24. Mär 2013, 22:50

Hallo Ralf,

Ralf Gundlach hat geschrieben: und wenn ich ehrlich bin halte ich selbst die besten Lagen des Mittelrheins nicht fürt absolute Spitzenlagen in Deutschland, es können durchaus aussergewöhnliche Rieslinge produziert werden, aber dass sind in der Spitze eher Ausnahmen, und in der Bandbreite hat das Tal an guten Winzern anscheinend nicht besonders viel zu bieten


Mhm, das liegt aber meiner Meinung nach wirklich daran, dass wir es eben mit knapp 500 ha. und dementsprechend weniger Winzer am MR zu tun haben. Die Spitzen sind eben weniger, weil es auf den 500 Hektar vier, fünf Top-Lagen gibt, in denen sechs, sieben relevante Betriebe wirtschaften. Das sieht im Rheingau oder an der Mosel eben ganz anders aus. Da ist der Ausstoß aus Top-Lagen eben größer, dementsprechend gibt es auch mehr Spitzenweine.

Oder meinst du, dass das Qualitätsniveau davon unabhängig am MR geringer ist? Weil die Lagen nicht mehr hergeben? Weil die Winzer nicht genug draus machen?

Ich weiß nicht, ich trinke und probiere regelmäßig Weine (ok, eigentlich ausschließlich Riesling) aus Rheingau, Mosel, Pfalz etc..., einen grundsätzlichen Qualitätsunterschied kann ich nicht erkennen. Klar, am MR ist nicht so viel los. Aber das Relevante, was los ist, kann doch mit Gütern ähnlichen Kalibers aus anderen Regionen mithalten. Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass alleine die Herkunft MR als Makel gilt. So einen Winzer wie Randolf Kauer, meiner Meinung nach einer der Spitzenbetriebe der Region, halte ich für fundamental unterbewertet. Oder bin ich einfach zu voreingenommen?

Und was die Spitzenlagen angeht: Bopparder Hamm, St. Jost, Wolfshöhle, Hahn, Oelsberg etc. sind deiner Meinung nach keine Spitzenlagen? Das heißt ein Robert Weil, ein Werner Schönleber, ein Wittmann, ein Fritz Haag würde aus diesen Lagen auch nicht mehr rausholen als Müller, Weingart, Jost, Ratzenberger und Co.? Fragen über Fragen...

Beste Grüße
Gaston
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Gaston

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Re: Image Mittelrhein

BeitragSo 24. Mär 2013, 22:59

Hallo Ralf, ich weiß nicht was für eine Art Unterkunft du in Bacharach suchst, aber in der Pension Winzerhaus (http://www.pension-winzerhaus.de/) habe ich mich immer sehr wohl gefühlt, sehr nette Eigentümerin und preiswert.
Gruß
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Ralf Gundlach

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Re: Image Mittelrhein

BeitragSo 24. Mär 2013, 23:11

Hallo Gaston,

was z:B. in Rheinhessen geschehen ist, das kapier ich auch nicht wirklich, denn die Lagen wie der Moorstein hat früher kein Schw..interessiert, böse Zungen behaupteten, dass wäre besseres Ackerland :o in Hornickels Weinbibliothek zu den Großen Lagen war nichts von den Westhofener Lagen erwähnt , da galt die Rheinfront als dass Terroir Rheinhessens, insofern hats du durchaus recht mit der Stahlkraft, denn Keller und Wittmann kennt jeder heutzutage ( und mir gefallen die Wittman`schen Rielsinge durchaus). Kauer gefällt mir persönlich richtig gut, die Rieslinge sind klasse, aber mit den Topp-Betrieben des MSR-Gebietes zum Beispiel können sie sich nicht messen, weder in der Feinheit noch in der Individualität. Trotztdem freue ich mich schon auf die Kauer`schen Rieslinge im April, den werde ich auf jeden Fall besuchen. Eines steht trotzdem fest: die Qualität am Mittelrhein hat im Verhältnis zum Rennomee auf jeden Fall eine Schieflage aufzuweisen, trotz der geringeren Anbaufläche
P.S. Danke für den Tipp, da habe ich gerade angefragt

Gruß

Ralf
Zuletzt geändert von Ralf Gundlach am So 24. Mär 2013, 23:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Gaston

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Re: Image Mittelrhein

BeitragSo 24. Mär 2013, 23:22

Ralf Gundlach hat geschrieben:Kauer gefällt mir persönlich richtig gut, die Rieslinge sind klasse, aber mit den Topp-Betrieben des MSR-Gebietes zum Beispiel können sie sich nicht messen, weder in der Feinheit noch in der Individualität.


OK, mit den MSR-Top-Betrieben, also Haag, Müller, Loosen, Zilliken, Prüm etc. nicht. Gebongt. Aber gehen wir mal vom GM aus. Kauer hat dort zwei Trauben. Kann sich Kauer mit den Zwei-Trauben-Betrieben aus MSR und den anderen Regionen messen? Da würde ich jetzt rein gefühlsmäßig, ohne diese Zwei-Trauben-Betriebe der anderen Regionen im Einzelnen zu kennen, sagen: Aber hallo!
Beste Grüße
Gaston
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Ralf Gundlach

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Re: Image Mittelrhein

BeitragSo 24. Mär 2013, 23:53

Ich sehe Kauer auch eher auf einem 3-Trauben- Niveau, ohne Zweifel, und damit gehört er sicher zu den fünf besten Mittelrheinbetrieben!

Gruß

Ralf
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Bernd Schulz

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Re: Image Mittelrhein

BeitragSo 24. Mär 2013, 23:59

Aber gehen wir mal vom GM aus. Kauer hat dort zwei Trauben. Kann sich Kauer mit den Zwei-Trauben-Betrieben aus MSR und den anderen Regionen messen? Da würde ich jetzt rein gefühlsmäßig, ohne diese Zwei-Trauben-Betriebe der anderen Regionen im Einzelnen zu kennen, sagen: Aber hallo!


In das "Aber hallo" stimme ich gerne ein. Kauer kann sich nach meinen bisherigen (zugegebebermaßen spärlichen) Erfahrungen auch mit vielen Drei-Trauben-Betrieben aus dem GM locker messen!

Aber im Kontext des Mittelrheins ist Kauer eine Ausnahmeerscheinung. Die meisten Mittelrheinwinzer wurschteln (mit immer wieder gar nicht so schlechten, aber eben auch nicht besonders profilierten Weinen) ganz nett vor sich hin. Es fehlt vielfach der Mut zum Risiko, zu einem durchgängig anderen, kompromissloseren Stil.

Beste Grüße

Bernd
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Gaston

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Re: Image Mittelrhein

BeitragMo 25. Mär 2013, 00:04

Ganz deiner Meinung was Kauer angeht. Er selbst meinte mal interessanterweise zu mir, zwei Trauben wuerden ihm reichen. Ab drei Trauben finge "der Stress an". Aber ich denke, dass ist unter Understatement u verbuchen ;-)
Beste Grüße
Gaston
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Gaston

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Re: Image Mittelrhein

BeitragMo 25. Mär 2013, 00:11

Hallo Bernd, wie saehe denn dieser "andere, kompromisslose Stil" aus?

Gruesse
Gaston
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