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Martin Müllen

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Kle

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Martin Müllen

BeitragMi 15. Dez 2010, 12:23

Gestern hatte ich eine seltsame Begegnung mit dem Wort „lecker“.
Müllens 2009er Kabinett Kröver Paradies Riesling Kabinett trocken schmeckt erstmal gar nicht so. Der Wein erhebt sich fahl und knöchrig aus seinem Lager und scheint das Vorurteil zu bestätigen, dass „trocken“ und „Mosel“ oft schwer zusammengehen.
Dieser Eindruck verschwindet schnell, da sich plötzlich Frucht üppig entfaltet.
Das ist überraschend zuerst, dann ernüchternd. Ist der Wein nicht viel zu süß? Ich probiere noch einen Schluck und ohne mein Zutun produziert mein Kopf das Wort „lecker“. Und macht mich unglücklich. Was soll ich mit dieser glatten, gefälligen Frucht? Da kann ich auch eine Traube oder Praline lutschen. Mir fallen alle die ordentlichen Weine ein, deren einziges Ziel zu sein scheint, nett zum Gaumen zu sein und ihn damit ärgern, weil er ja Wein trinken will.
Der Wein hat aber eine längere Geschichte und legt sich wieder zurück in die Laken. Meine Befürchtung, nach kurzem Luftkontakt habe nur noch „Primärfrucht“ das Sagen, wird wunderschön widerlegt. Denn es kommen jede Menge angenehm herbe, säurehaltige und untergründige Aromen ins Spiel. Die leckere Frucht kehrt regelmäßig zurück. Dieser Kontrast zwischen „wildem Land“, aus dem immer mal wieder nett und fröhlich zugewunken wird, macht den Kabinett für mich unterhaltsam und fast genial. Für 6, 90 Euro allerhand.
Er behält seine Statur, nichts zerfließt, und zu erwähnen wäre noch ein sich immer stärker durchsetzender dunkler mineralisch-schiefriger-Grasboden oder was-was-ich Grundton. Saulecker.
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moc

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Re: Martin Müllen

BeitragDo 16. Dez 2010, 00:39

Hallo Kle!

Müllen- Weine brauchen Zeit oder eine Karaffe - ähnlich wie die Weine von Heymann Löwenstein. Die trockenen Spätlesen von Müllen solltest Du erst frühestens nach 5 Jahren öffnen.

Wir haben mal diverse Müllen Weine über Tage beobachtet und alle haben sich über die Zeit entwickelt - und zwar bis zu einem gewissen Grade sehr positiv.
grüße jens
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Bernd Schulz

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Re: Martin Müllen

BeitragDo 16. Dez 2010, 10:58

Hallo Carsten,

in deiner unverwechselbaren dialektischen Art beschreibst du den Paradies Kabi trocken 09 ganz hervorragend.

Obwohl ich nach wie vor mehr restsüße als trockene Rieslinge trinke, habe ich mir von diesem Wein auch ein paar Flaschen schicken lassen. Die Kombination aus geschmacklicher Innenspannung auf der einen und besonderer Leichtgewichtigkeit ( nur 10,5% Alkohol) auf der anderen Seite beeindruckt mich sehr; hochklassige trockene Rieslinge in einem solchen Stil sind rar geworden, auch an der Mosel.

Noch eins drauf setzt der ausgesprochen mineralische Hühnerberg Kabi trocken - hier kommen zusätzlich zu den anderen Komponenten die elegant floralen Komponenten des Hühnerbergs ins Spiel. Unter den bislang von mir genossenen trockenen Rieslingen zählt er zu den finessenreichsten überhaupt.

Beste Grüße

Bernd
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drmamue

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Re: Martin Müllen

BeitragDo 16. Dez 2010, 11:44

Hallo zusammen,

neulich hatte ich (als Geschenk) meinen ersten Müllen-Wein, auch einen 09 Paradies Kabinett, aber die feinherbe Variante mit einem Stern. Gefiel mir ausgesprochen gut mit seiner Mischung aus toller Frucht und wilder Würze (ich kann das nicht genauer ausdrücken, habe auch keine Notizen gemacht). Dieser Wein machte aber definitiv Lust auf mehr.

Viele Grüße
Markus
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Kle

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Re: Martin Müllen

BeitragDo 16. Dez 2010, 12:36

Bernd Schulz hat geschrieben: in deiner unverwechselbaren dialektischen Art


das bin nicht ich, das ist der Wein!!!! :lol:

leider habe ich den Hühnerberg Kabinett (noch) nicht, Bernd, aber wenn meine nächsten Müllen Erlebnisse ähnlich ausfallen, werde ich meine kleine Sammlung aufstocken.
Lange lüften und Zeit lassen ist bestimmt eine gute Idee, Moc. Verkostet man die Weine bei den Müllens in Traben-Trarbach machen ja sogar wochenalte Flaschen aus dem Kühlschrank Freude. Nicht immer habe ich aber aufs Warten Lust, auch nicht bei Löwenstein oder Bordeaux´s, und es bringt auch nicht immer das gewünschte Ergebnis. In diesem Fall hat es auch so Spaß gemacht.

Viele Grüße

Kle
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niers_runner

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Re: Martin Müllen

BeitragSa 18. Dez 2010, 19:33

ja der Martin Müllen macht ausgezeichnete Weine, ein Hammer ist auch der 09er Hühnerberg Spätlese.

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Viele Grüße

Peter
Besser wie Arznei un Droppe is an gude halbe Schoppe.
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Kle

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Re: Martin Müllen

BeitragMo 20. Dez 2010, 15:15

eigentlich beobachte ich die Müllen Wein schon länger, habe mit Einzelflaschenfreund Guido auch mal eine Probe organisiert, viele alte Jahrgänge getrunken etc. Aber ich habe das Gefühl, jetzt erst richtig aufzuwachen und die Weine noch mehr schätzen zu können. Oder es liegt an den neueren Jahrgängen wie dem kürzlich probierten 2007er Kröver Letterlay Riesling Spätlese trocken. Der schmeckt zuerst irritierend mild und erinnert mich an Weißburgunder. Wie bei anderen Erlebnissen wird die Oberfläche des Weines rasch durchbrochen, die Aromatik ist vielseitig und es fallen mir besonders leckere Salznoten auf. Auch die Frucht kommt aus dem Hintergrund und ist dann umso reizvoller. Über die gesamte Trinkstrecke ein zur Hingabe bestens geeigneter Wein. Einzige Kritik: Für mich manchmal einen Tick zu süßlich.
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Einzelflaschenfreund

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Re: Martin Müllen

BeitragDi 28. Dez 2010, 14:24

Hallo Kle,

ja, unsere Müllenprobe ...
Ich gestehe, ich nehme mir seit ca. einem Jahr eine Art Müllen-Auszeit. Zu den immer noch reichlich im Keller vorhandenen Weinen stelle ich auch im Moment erst mal nichts Neues (abgesehen vom Hühnerberg-Nachschub via Rebstockpatenschaft). Ich betrachte mich aber immer noch als Sympathisant der Weine und erst recht des Weinguts (die Aufwertung im GM hat mich auch ehrlich gefreut).
Mich nervt vor allem auch das stete Bangen, ob man wieder eine dieser (leider nicht so wenigen) Müllen-Flaschen mit Korkproblem (Abdichtung, nicht Geschmack!) erwischt hat.

Aber eigentlich wollte ich was ganz Anderes schreiben, nämlich zu deinem Ausgangsbeitrag - der erinnerte mich an manche Diskussion in diesem oder jenem Weinforum aus der jüngsten Zeit und auch an einen kleinen Beitrag von Pigott im jüngsten "Effilee"-Heft. Er beschreibt dort - wie ich finde, recht treffend - den derzeitigen Trend (Mode?) zu 'mineralischen' Rieslingen, die einhergeht mit einem immer stärkeren Misstrauen gegenüber den fruchtigen Komponenten.
Dein Beitrag geht ja fast noch darüber hinaus, indem er die Frage aufwirft, inwiefern man sich die Genusshöhepunkte beim Weintrinken quasi erst erarbeiten und verdienen müsste, indem man auch Ecken und Kanten, Haken und Ösen im Wein zu finden habe. Fast so, als sei es moralisch ein wenig verwerflich, im Wein vorrangig ein Genussmittel zu sehen.
Du merkst, ich überzeichne ein wenig, aber vielleicht ist das wirklich so ein Trend, speziell unter Weinverrückten, um ihrer Passion mehr Ernsthaftifkeit und 'Anspruch' zu geben. (Und, btw., vielleicht ist gerade deshalb auch der "Weinterminator" so erfolgreich, weil ihm das alles völlig wurscht ist. Ich glaube, dessen Lieblingsadjektiv ist "hedonistisch".)

Entschuldigung für die doch beträchtliche Abschweifung ...

Gruß
Guido
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Kle

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Re: Martin Müllen

BeitragDi 28. Dez 2010, 15:32

Hallo Guido,

es ist andererseits auch eine Mode, das vermeintlich Einfache zu predigen und Angeberei oder Überzüchtung zu vermuten, wenn es komplizierter wird. Äußerungen a la „Mir schmeckt es, bätsch, und ihr solltet ebenfalls kein schlechtes Gewissen haben, wenn euch nur das interessiert“, gehen für mich am Thema vorbei. Ich bin überhaupt nicht der Auffassung, dass Genuss in bestimmten Kreisen ein Tabu ist, sondern nur, dass Genuss verschieden erlebt wird. Beschäftigt man sich intensiver mit einer Sache, braucht es oft mehr Haken und Ösen, um die Spannung zu halten. Das ist keine moralische Frage. Die Kinderbücher reichen nicht mehr, obwohl sie genial geschrieben sein können. In der Musik will man nicht immer die gleichen Phrasen hören, sondern entweder originelle Strukturen kennenlernen oder eine besondere Tiefe oder Eigenheit spüren. Einfach, um weiterhin gut unterhalten zu werden, wobei die Ansprüche natürlich von der Situation abhängen. Es liegt für mich jedoch nicht an „Primärfrucht“ oder „Mineralität“. Die Frucht kann mich sehr gut unterhalten, aber auch langweilen. Warum wieso macht die Beschäftigung immer wieder interessant. Bei meiner neuen Beschäftigung mit Müllen begeistert mich gerade, dass ich nicht arbeiten muss, sondern der Genuss einfach da ist.

Gruß, Kle
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Bernd Schulz

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Re: Martin Müllen

BeitragMi 5. Jan 2011, 21:29

Mich nervt vor allem auch das stete Bangen, ob man wieder eine dieser (leider nicht so wenigen) Müllen-Flaschen mit Korkproblem (Abdichtung, nicht Geschmack!) erwischt hat.


Guido, bei älteren Müllen-Jahrgängen muss man in der Tat von einer vergleichsweise großen Ausläuferproblematik sprechen. Das ist aber seit spätestens dem 08er Jahrgang Geschichte, denn Martin Müllen hat inzwischen etwas getan, wozu er vorher schlichtweg finanziell nicht in der Lage war: Er hat etliche tausend Euronen in eine neue Abfüllanlage mit einem hochmodernen Korkschloss investiert! Wenn man 08er oder 09er kauft, braucht man also nicht mehr zu bangen (eventuell wurden auch schon die 07er mit dem neuen Gerät auf die Flasche gebracht und verkorkt, aber das weiß ich jetzt nicht mehr genau, ohne beim Winzer nachzufragen).

Aus 09 gibt es außerdem einen für meine Begriffe sehr lohnenden Paradies-Kabinett in (dezent) restsüß, dem Martin Müllen einen Schrauber verpasst hat.

Beste Grüße

Bernd
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